Die Kirche der Kopimisten – Filesharing als Religion

Wenn Kopieren zum Akt des Glaubens wird

Im dritten Anlauf hat es die »Kirche der Kopimisten« geschafft, einen religiösen Status zugesprochen zu bekommen. Die neue Glaubensgemeinschaft hat jedoch nicht so viele Rechte wie die großen Kirchen. Was die Kopimisten auszeichnet, ist anderen Religionen gar nicht unähnlich. Heilig ist den Mitgliedern die Information. Der Wert dieser soll sich durch Filesharing vervielfachen, denn nur so ist sie jedermann zugänglich. Demzufolge ist das Kopieren Sakrament und der Kopierschutz eine Sünde.

Der Anführer der Gruppe ist der 19-jährige Isak Gerson, der in Uppsala Philosophie studiert hat und sich nun berufen fühlt, der »geistige Führer« der Gemeinschaft zu sein. Um Missionierung geht es ihm schließlich auch, so sollen doch die Widersacher ihrer Lehren umgestimmt werden, damit die Anhänger der Religion keine Angst mehr beim Kopieren haben müssen. Es geht ja schließlich um eine gute Sache – die Erweiterung des Wissens, indem alle Menschen Zugang zu diesem haben.

Missionarische Kirche des Kopimismus

Missionarische Kirche des Kopimismus

Heilige Symbole sind den Kopimisten natürlich »Strg c« und »Strg v«, Rituale gibt es auch. Nur sehen die ein bisschen anders aus, als in den meisten Religionen, denn Rituale sind bei der neuen Glaubensgemeinschaft ja Kopier- und Remixrituale. Gottesdienste finden in einem geweihten Lokal statt, aber auch im Internet. Der Eintritt ist relativ einfach – alle, die sich der Religion verbunden fühlen, können dies per Onlineformular bestätigen und gehören damit offiziell dazu.

Was in Schweden dabei herauskommt, wenn bald Religionsfreiheit und Urheberrecht aufeinandertreffen, kann noch keiner genau sagen. Die Kopimisten hoffen, dass die Gesetze zum Urheberrecht damit gelockert werden. Straffreiheit kann ihnen jedoch keiner garantieren. Deshalb lohnt es sich auch nicht, nach Schweden zu ziehen, wenn Du von legalem und grenzenlosem Filesharing träumst.

Link zur Kirche der Kopimisten

Lesermeinungen (6)

zu 'Die Kirche der Kopimisten – Filesharing als Religion'

  • Jürgen Bromant
    07. Jan 2012 | 13:23 Uhr Antworten

    Ich sehe bei dieser “Kirche” ganz klar den satirischen Charakter und kann die Motivation gut verstehen.
    Die Musikindustrie verhält sich wie ein Alkoholiker, der sich verzweifelt an seine Flasche klammert: Die goldenen Zeiten des 90er Jahre CD-Booms werden nie wieder kommen, egal wie viele Minderjährige sie noch kriminalisieren und wie viele Abmahnungen sie noch verschicken.
    Face the facts: Es ist nicht mehr zwingend notwendig Musik zu kaufen. Sich die Musik illegal zu beschaffen ist eine “Tat” zu der kaum kriminelle Energie gehört, eben weil es so einfach geworden ist.
    Die Musikindustrie sollte ihre Energie und ihr Geld lieber darin investieren Acts aufzubauen, die länger als ein paar Monate im Gespräch sind. Eine Band, die eine echte Fanbase hat, verkauft nämlich immer noch Tonträger.

  • Matthias S
    26. Mai 2012 | 21:28 Uhr Antworten

    @Jürgen Bromant
    Ich glaube, Sie sprechen sehr vielen Menschen aus der Seele. Nicht nur jene, die auf der einen Seite stehen, auch die Gegenseite dürfte das, was sie erklären erkannt haben. Die Gegenseite kennt nur leider keine Lösung. Sie bringen in Ihrem Kommentar eine wunderbare Lösung für dieses Problem, welches aber gleichzeitig ein erneutes Problem dar stellt. Es gibt viel zu viele vermeintliche Künstler auf der Welt, auch ist der Weg des CD-Verkaufes ein Falscher. Projekte wie Spotify und Napster sind da gute Ansätze, aber noch lange keine Lösung.

  • IrgendeinThomas
    28. Mai 2012 | 17:15 Uhr Antworten

    @ Jürgen Bromant Natürlich hat die Musikindustrie die ganze Entwicklung verschlafen aber man sollte auch nicht illegale Downloads bagatellisieren indem man sagt es ist halt einfach geworden. Ich finde das zwar auch unnötig wenn man hier mit unverhältnismäßig hohen Summen abstraft aber es läuft doch etwas grundsätzlich in unserer heutigen Gesellschaft verkehrt wenn geistiges Eigentum geringschätziger als Sacheigentum angesehn und bewertet wird – die kreative Arbeit wird als solche dahinter garnicht mehr erkannt und respektiert weil es ja nichts ist das man angreifen kann. Hier liegt ja schon die Wurzel des Problems begraben. Es ist bei vielen Menschen gar kein Bewußtsein mehr vorhanden das hier viele Menschen (angefangen vom Komponisten über Musiker bis hin zu Tontechniker, Vertrieb,…) und viele Arbeitsstunden dahinterstecken. Meiner Meinung nach sollte das mal mehr ins Bewußtsein der Bevölkerung geholt werden, zB versuchen in Schulen Projekte zu veranstalten wo Schüler selbst einzeln oder in Gruppenarbeit aufwändigere kreative Arbeiten in versch. Richtungen erstellen können um ihnen zu vermitteln das es eben nicht auf Bäumen wächst sondern ein Schaffensprozess vorangeht, das scheint ja wohl leider Einigen scheinbar nicht bewußt zu sein. Denke es wäre auch mal gut Dinge in diese Richtung zu machen und nicht immer nur so zu tun als müßte man das halt jetzt zwangslegalisieren und sich dem beugen und anpassen, anpassen muß man sich natürlich erstmal schon aber allein damit wird man nie nur das geringste gegen die eigentliche Ursache tun als würde man um ein überzogenes Beispiel zu nehmen Rückenschmerzen von einer falschen Sitzhaltung haben aber anstatt zu versuchen diese zu korrigieren nur Schmerzmittel einnimmt und diese dann wohl nicht mehr so schnell absetzt.

  • Jürgen Bromant
    28. Mai 2012 | 19:06 Uhr Antworten

    Ein großes Problem bei der Musikpiraterie ist es natürlich den genauen Schaden zu beziffern. Seit Jahren schon macht die Musikindustrie eine riesige Rechnung auf und beklagt Milliardenverluste.
    Der Denkfehler dabei ist, dass bei weitem nicht jeder, der ein Lied illegal herunter lädt, dieses auch gekauft hätte. Der tatsächliche Schaden ist also weitaus geringer als angegeben.
    Hinzu kommt, dass es einfach nicht stimmt, dass Musik im Internet “gestohlen” wird. Musik wird im Internet illegal kopiert, aber nicht gestohlen.
    Wenn ich in einen Laden gehe und etwas stehle, dann habe ich es fortan, der Laden aber nicht mehr. Das ist bei Musik anders und nicht vergleichbar.
    Dass man den Menschen, vor allem den Jugendlichen, wieder bewusster machen sollte, wie Musik entsteht und wie Kreative arbeiten, sehe ich auf jeden Fall genauso.
    Heutzutage ist die ganze Musiklandschaft leider zu einer Fast-Food-Mp3 Kultur verkommen.
    Rauf auf die Playlist und genauso schnell wieder runter…
    Ich finde es z.B. sehr schade, dass das Album als feststehendes Kunstwerk fast völlig verschwunden ist.
    Die Kids zerpflücken heutzutage nur noch einen neuen Longplayer auf der Suche nach ein paar guten Titeln für ihren Ipod. Da wünscht man sich die 60er und 70er Jahre zurück, als das Album noch ein ernstzunehmendes Gesamtkunstwerk war.
    Auch ein Argument gegen illegale Downloads: Ein gutes Album mit Artwork, Booklet usw. will man ja eher als Original in den Händen halten, da bringen einem Downloads nicht viel.

  • IrgendeinThomas
    29. Mai 2012 | 17:22 Uhr Antworten

    Das mag zwar stimmen das Einige gewisse Songs nicht gekauft hätten – aber zum Einen stimmt das nur zu einem gewissen Teil weil würde es das Internet garnicht geben müßten ja auch die ärgsten illegalen Downloader zu ihrer Musik kommen. Zum Anderen kann man über die Definition “gestohlen” diskutieren/streiten (wobei ich aber Ersteres bevorzugen würde ;-), für mich ist es trotzdem dann gestohlen wenn Einnahmeverluste damit einher gehn – also man im Zeitalter ohne Internet diesen Song, dieses Album tatsächlich gekauft hätte. Und da wären wir nämlich beim Thema, da wird dann eben kein Sacheigentum sondern ein geistiges Eigentum gestohlen, es ensteht auch bei Zweiterem Schaden durch Einnahmeverluste. Nicht ganz so hoch wie bei einer CD aber der Materialwert einer CD hat doch das Geringste an einem CD-Verkaufspreis ausgemacht somit ist beides für mich Diebstahl, warum somit anders bewerten nur wenn man die CD jetzt vom Laden gestohlen hätte. Das wäre ja genau der Punkt mit der Wertigkeit von immateriellen Werten und Arbeiten.
    Aber in Punkto CD und Cover wäre ich einer Meinung, hat für mich auch ein anderes Einkaufserlebnis und Gefühl wie ein reiner Download.

  • Katrina Reichert
    05. Feb 2013 | 15:46 Uhr Antworten

    Ihr hättet das im vorletzten Absatz erwähnte Onlineformular ruhig verlinken können, mein Schwedisch reicht leider nicht ganz, um es allein zu finden :-/
    Ansonsten ein guter und – wie ich finde – wichtiger Artikel.

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