Die Musikindustrie macht krank – 69% aller Musiker, DJs & Co. laut UK-Studie depressiv

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Die Musikindustrie macht krank - 69% aller Musiker laut britischer Studie depressiv

Nach einer britischen Studie sind 69% der Befragten, die in der Musikindustrie arbeiten, von Depression betroffen

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Das Musikbusiness frisst seine Kinder

Genau 2.211 britische Musiker, DJs, Produzenten, Musikmanager, Roadies & Co. sendeten ihre Antworten auf die Umfrage »Can music make you sick?« ein. Die Ergebnisse sind traurig und weisen auf die schwierigen Lebensumstände hin, in denen sehr viele Musikschaffende heute stecken.

  • 71% litten schon unter Panikattacken oder Angststörungen
  • 69% litten bereits unter einer Depression
  • 53% gaben an, dass es für sie nicht einfach war, Hilfe zu finden

Zum Vergleich: Laut der von 2010 bis 2013 durchgeführten Studie »Measuring National Well-being« würden »nur« 19% aller Briten ab einem Lebensalter von 16 Jahren unter Angststörungen oder Depressionen leiden.

Was sind die Gründe?

Dass es um die Menschen, die sich im Musikbusiness verdingen, so schlecht steht, schreiben die Wissenschaftler der Initiative unter anderem den folgenden Dingen zu:

  • Schlechte Arbeitsbedingungen
  • Schwierigkeiten, den Lebensunterhalt zu bestreiten
  • Lange Arbeitszeiten (und dadurch Probleme im Sozialleben)
  • Erschöpfung bis hin zu physischen Gebrechen
  • Unmöglichkeit, für die Zukunft planen zu können

Ein Befragter drückte es so aus: » My depression is made worse by trying to exist as a musician. Rarely has playing music been detrimental to my health, quite the opposite. But the industry and socio-economic pressures make this a f*****g s**** industry to try and make a living in «. Die Quintessenz frei übersetzt:

» Die Musikindustrie ist ein verdammt beschissenes Umfeld, wenn Du davon leben willst. «

Frauen hätten im Musikbusiness einen besonders schweren Stand. Neben den erwähnten Schwierigkeiten kämen für Musikerinnen, Produzentinnen & Co. noch bittere Erfahrungen mit Sexismus und sexueller Belästigung hinzu.

Help Musicans UK will plant die Gründung einer landesweiten Beratungsstelle für Musiker, die unter Depressionen leiden.

Dokumentation: Freiheit, Freiheit, Wirklichkeit.

Wir berichteten kürzlich über eine Dokumentation mit dem erwähnten Titel. Darin liegt der Fokus nicht auf seelischen Problemen und höchst prekären Lebensumständen. Vielmehr berichten die portraitierten Musiker von ihrem kniffligen Doppelleben – Musiker einerseits, andererseits Manager ihrer selbst (Stichwort Selbstvermarktung) und meist noch Berufstätige in einem Zweitjob. Lies mehr und schau die Doku in voller Länge:

» Freiheit, Freiheit, Wirklichkeit.

Quellen:
» Ergebnisse der Studie (PDF)
» Die komplette Studie (PDF)

Mehr zum Thema:
    


Lesermeinungen (3)

zu 'Die Musikindustrie macht krank – 69% aller Musiker, DJs & Co. laut UK-Studie depressiv'

  • robotron sömmerda   06. Nov 2016   19:00 UhrAntworten

    Man hat sicherlich "professionelle" Musiker gefragt. Man hätte auch andere "Künstler" fragen können. Der Gemütszustand eines Künstlers ist üblicherweise eher so, wie das Ergebnis dieser Statistik(!) zeigt.

  • Raphael   09. Nov 2016   10:06 UhrAntworten

    Vielleicht machen auch depressive und unglückliche Menschen einfach bessere Musik, schon mal so 'rum gedacht?! ^^

  • Niels Dettenbach   11. Nov 2016   08:48 UhrAntworten

    Um von Musik leben zu können, muß man tatsächlich produzieren, was ANDERE hören und bezahlen wollen und zugleich sehr eigenständig / zielgerichtet arbeiten. Es gibt viel zu viele Musiker vs "Künstler", die sich selbst für "genial" halten, aber tatsächlich keinen annähernd so großen Markt haben, wie dies für ihren vollen Lebensunterhalt erforderlich wäre.

    Die Musikwirtschaft war nie so offen und durchgängig wie heute. Pöse Monopole sind längst Geschichte - abgesehen von staatlich privilegierten Seilschaftssuppen und Staatsmedienkonzernen wie der ARD.

    Ich halte es für unverantwortlich, Steuergeldbomben für sog "Kunst" rauszuwerfen, die nicht genug Konsumenten entsprechend zu bezahlen bereit sind. Der Konsument bestimmt allein, was für ihn Kunst ist - und wer Musik lieber für sich selbst macht, ist sein eigener Konsument.

    Es gibt me leider viel zu viele Musiker, die auf dem Traumtrip vom "großen Star" und einen süßen Leben darin sind, um dann zu krakeelen, das es kaum mehr als ein Traum ist.

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