Crowdfunding für Bands: Gute Idee oder Hype?

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Crowdfunding für Bands

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Taugt Crowdfunding für Bands?

Portale für das Crowdfunding geben allen Menschen, die etwas auf die Beine stellen wollen, die Möglichkeit, mit der finanziellen Unterstützung vermeintlich fremder Geldgeber ihre Ideen zu realisieren. Die Portale übernehmen dabei die Verwaltung – das heißt, sie sammeln die Gelder und behalten diese so lange ein, bis die vom Initiator des Projektes festgelegte Mindestsumme erreicht worden ist. Wird diese Summe bis zu einem Stichtag nicht erreicht, bekommen alle Geldgeber ihren Einsatz wieder zurück.

Durch den Start eines Crowdfunding-Projektes lässt sich also Geld auftreiben, das vorher nicht vorhanden war. Der Initiator kann sich somit einen Kredit sparen. Des Weiteren lässt sich das Risiko gut abschätzen, gar gänzlich ausschließen: Kommt auf Grund mangelnden Interesses nicht genügend Geld zusammen, kann die Band das Projekt wieder einstampfen. Anders als bei der Vorfinanzierung aus eigenen Mitteln bleibt man dann nicht auf seinen Kosten bzw. einem Stapel CDs sitzen.

Crowdfunding für Bands

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Ist Crowdfunding etwas für Bands?

Natürlich kann jeder ein Crowdfunding Projekt starten. Ob das als Idee oder Geschäftsmodell aber jedem nutzt, ist eine andere Frage. Tatsächlich bedarf es eines gewissen Bekanntheitsgrades, damit also auch einer eigenen Fangemeinde, um Geldgeber zu finden. Unbekannte Musiker werden es hingegen schwer haben. Die entsprechenden Portale sind nämlich – trotz redlicher Bemühungen – keine Investorenbörsen, wo spendierfreudige Mäzene darauf warten, das nächste heiße Projekt zu finanzieren.

Das Suchen und die Überzeugungsarbeit bleiben also an den Musikern und Bands selbst hängen. Vor dieser Tatsache dürfen wir uns fragen, welcher Weg dann der bessere sein mag: Das Projekt aus eigener Tasche zu finanzieren und die Fans dann zum Kauf zu ermutigen oder das finanzielle Risiko auszuschließen und dafür die Fans zu überzeugen, ihr Geld weit im Voraus locker zu machen bis irgendwann das neue Album vielleicht erscheint. Und das bedeutet gleichsam, das Geld bei einem den meisten Fans eher unbekannten Portal für Crowdfunding zu lagern, also noch mehr Überzeugungsarbeit.

Die Erfolgsgeschichten von Bands wie Public Enemy oder dem Sänger der Band Korn namens Jonathan Davis klingen im ersten Moment sicher verheißungsvoll. Sie sind meiner Ansicht nach aber auch eindeutig auf deren Popularität bereits vor der Kampange zurückzuführen.

 

Crowdfunding ist nicht investieren

Im normalen Geschäftsalltag investiert ein Geldgeber in ein Geschäft, um später anteilig am Gewinn zu partizipieren. So wird bei dieser Form der Beschaffung von finanziellen Mitteln allerdings nicht verfahren: Die Abrechnung und Ausschüttung der Gelder an unzählige Kleinanleger wäre viel zu aufwendig.

Stattdessen erhalten die Geldgeber eine festgelegte Gegenleistung, wenn das Projekt zustande kommt oder das Album veröffentlicht. Von fertigen CDs über Merchandise bis zum weltweit dauerhaft gültigen Backstage-Pass kann alles angeboten werden, der Kreativität sind hier Grenzen gesetzt. Oder doch?

 

Was bieten wir also als Gegenleistung?

Der Erfolg eines Projektes kann mit der Qualität der Gegenleistungen stehen und fallen, welche die Musiker ihren Geldgebern anbieten. Dabei steht natürlich eine Frage immer im Raum: Will das wirklich jemand haben?

Ein Abendessen mit Public Enemy? Gerne. Aber auch mit einer unbekannten Band? Schauspielunterricht mit den Stromberg-Darstellern? Cool. Aber Gitarrenunterricht von einem unbekannten Typen?

Wir müssen uns also wirklich attraktive, aber gleichzeitig auch realistische Gegenleistungen ausdenken, um Fans und Geldgeber überzeugen zu können. Wenn nicht stehen wir (wie leider sehr viele Bands) davor, in eine der folgenden Kategorien zu fallen:

A) Reine Bestellannahme

Nüchtern betrachtet, kann Crowdfunding ein reiner Vorverkauf sein. Gerade unter Musikern ist die populärste Gegenleistung ein Exemplar der fertigen CD. Gerne auch zwei oder drei, oder noch ein Band T-Shirt dazu. Vorbestellungen werden entgegen genommen, geliefert wird später. Bis dahin genießt der Geldgeber den Schutz des Crowdfunding Portals als Mittler.

B) Abzocke

Selbst bei so einfachen Dingen wie CDs neigen viele Musiker dazu, über das Crowdfunding mehr Geld zu verlangen, als ein Fan im normalen Handel bezahlen würde. Für ein signiertes Booklet mit Widmung verlangen sie dann noch einmal mehr. Die Krönung stellen Einträge in die Thank-You-Listen dar – natürlich gestaffelt nach »Thanks«, »Special Thanks« und »Extra Special Thanks«, wie es die schwedischen Sleaze-Rocker von Crashdiet zur Empörung vieler Fans gemacht haben.

Wenn wir also von unseren Fans erwarten, für das »Privileg« des Helfens noch mehr zu bezahlen, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn die angepeilte Summe nicht zustande kommt und uns obendrein noch Fans verloren gehen.

 

Gute Ideen

Aus oben genannten Gründen ist es gerade für unbekannte Musiker schwer, besonders kreative Gegenleistungen anzubieten. Die deutsche Death Metal Band Steorrah bietet beispielsweise zu einem fairen Preis von zehn Euro ein Exemplar der CD plus exklusives Videomaterial an. Für 200 Euro gibt Loreen Zacher ein Wohnzimmerkonzert.

Schön sind auch die Angebote der GEMA-Alternative C3S, die bei ihrer Kampagne auf Startnext unter anderem Beratungen mit Brancheninsidern und Musikproduktionen anbietet. Also, denken wir statt an »CD + Download + Poster« einmal über einen individuellen Song mit speziellem Text für einen großzügigen Spender nach…

 

Fazit

  • Crowdfunding für Bands kann eine gute Idee zur Vorfinanzierung verschiedener Projekte sein
  • Finanzielle Risiken können eingedämmt werden
  • Das Finden von Geldgebern ist womöglich aufwendiger als das Vermarkten des fertigen Produktes
  • Zum Erfolg führen eine solide Fangemeinde sowie attraktive Gegenleistungen

 

Julian Angel ist selbstvermarktender Musiker und Initiator der Musikbusiness-Konferenz MusicBiz Madness, die Musikern erprobte Tipps und Anleitungen zum Erfolg im Geschäft mit der Musik gibt. Informiert Euch auf www.musicbizmadness.deNewsletterabonnenten erhalten exklusive Tipps sowie das PDF »10+2 No Budget Marketing Tipps«.

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Lesermeinungen (2)

zu 'Crowdfunding für Bands: Gute Idee oder Hype?'

  • Mex   04. Nov 2013   15:52 UhrAntworten

    Objektiv betrachtet ist das eine gute Alternative der Vorfinanzierung für Künstler und auch eine Art eigene Messlatte und Analyse, ob ein Künstler bzw. ein Produkt so gut ist, das es wert ist dafür zu zahlen.

    Persönlich jedoch halte ich nicht viel vom Crowdfunding, da es "klein in klein-Denken" ist.
    Abgesehen von einer wohlwollenden, tollen Fan-Unterstützung, kann der finanzielle (Zu)Schuss auch nach hinten losgehen, wenn man nebst CD Gegenwerte anbietet, die ja auch irgendwie re-finanziert werden müssen und die einen ohnehin schmalen finanziellen Rahmen dann weit mehr belasten können, als die beabsichtigte CD-Herstellung aus eigener Tasche eigentlich kostet.
    T-Shirts für Fans usw. Da bist Du mit z.B. 200 bedruckten Shirts auch mal um die ca. 500 Euro los. Dafür kann man z.B. wieder in die CD-Pressung mit einer Auflage von 500 Stück mit allem drum und dran gehen.

    Crowdfunding im kleinen Stil ist sicherlich kein Geschäftsmodell, um damit Geld zu verdienen. Das sollte dann schon klar sein. Es ist mehr eine Art Investition in Werbung und Möglichkeit, seine Band ein wenig zu pushen.
    Wenn man dabei aber falsch kalkuliert kann es auch ein Modell sein, bei dem man kräftig drauf zahlt.

    Das kann sich aber ein jeder eigentlich auch selbst ausrechnen und kalkulieren, ob Crowdfunding für einen lohnenswert sein mag- oder nicht, solange er es auch als das betrachtet, was es ist: eine Investition in die Band, bzw. in Werbung.... und (vorerst oder auch niemals) kein Gewinn bringendes Geschäftsmodell !

    Wie im Artikel erwähnt, liegt die Wahrheit, sagen wir besser die Ernüchterung, meist irgendwo zwischen guter Idee, hoffnungsvollen Träumen und deprimierende Realität.

  • Marc   04. Nov 2013   19:10 UhrAntworten

    Julian bringt einige Punkte an, die ich unterstreichen kann. Crowdfunding bedarf einer treuen Fanbase und diese muss erst einmal erarbeitet werden. Ich wäre etwas vorsichtig mit dem Begriff der "Abzocke". Schliesslich finanziert der Unterstützer nicht die reine CD, sondern oftmals die gesamte Produktion und Pressung. Ich selbst habe gerade die "20 Jahre Guts Pie Earshot" CD bei visonbakery unterstützt. Für einen Betrag von 40 Euro bekam man als Gegenleistung die CD und ein T-Shirt. Es ist mir vollkommen klar, dass ich beides im Endeffekt für vielleicht 10 Euro weniger bekommen würde. Allerdings sind die 10 Euro mehr der Extrabetrag, der überhaupt zur Entstehung der CD führen kann. Crowdfunding ist imho so auf zu schlüsseln: 70% reine Gegenleistung (CDs, T-Shirts, etc.) 30% Support für die Produktion. Im Falle von Guts Pie Earshot hat dies für mich einen weiteren Aspekt, den man nicht vernachlässigen sollte: Ich wusste bis dato gar nicht, dass Guts Pie Earshot noch am Start sind und jetzt, ist der Kontakt wieder hergestellt und ich werde garantiert auf eines der Konzerte gehen. Das rentiert sich dann auch wieder für die Band. Es gibt auf Kickstarter, Visonbakery etc. viele Beispiele, wo Bands und Künstler (Amanda Palmer oder Mindless Self Indulgence) nicht nur den Mindestbetrag sondern weit aus mehr an Geld bekommen haben und damit z.B. auch gleich eine Tour finanzieren konnten. Eine Lizenz zum Gelddrucken ist Crowdfunding sicherlich nicht, aber allemal besser als ein Kredit bei der Bank, den man eh nicht bekommt.

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