Brian Message (Manager Radiohead): “Ich kenne viele, die ihre Verträge mit dem Label nicht mehr verlängert haben.”
Das hier ist die Übersetzung eines hochinteressanten Interviews der spanischen Tageszeitung 20minutos.es mit Brian Message, dem Manager von Radiohead, der gleichzeitig für das berühmt-berüchtigte Download-Modell des Radiohead-Albums “In Rainbows” verantwortlich zeichnet. Dieses neuartige Modell hatte weltweit für Aufsehen gesorgt, da die Band ihr Album ohne ein Label herausbrachte und dem Nutzer überliess, wie viel Geld dieser dafür zahlen wollte – eine neue Entwicklung im Musikbusiness.
Brian Message (Manager Radiohead): “Ich kenne viele, die ihre Verträge mit dem Label nicht mehr verlängert haben.”
Ich bin erst kürzlich über das Interview mit Brian Message, dem Manager von Radiohead, gestossen und dachte mir, dass ich dieses für dich kurz übersetzen sollte. Im Interview wird über ein neues Businessmodell für die Musikindustrie, das Internet und dem neuen Label Polyphonic gesprochen.
Was ist das Problem mit der Musikindustrie?
Die Musikindustrie hat lange Jahre ein sehr attraktives und einträgliches Businessmodell verfolgt, das aber mit dem Internet revolutioniert wurde. Die grösste Herausforderung ist es nun, die eigenen Strukturen von Grund auf neu zu organisieren.
Sie hinkt den Musikern und Internetnutzern weit hinterher…
Internet hat für viele Menschen eine grossartige Gelegenheit geboten, in das Musikbusiness mit frischen Ideen zu brechen, insbesondere mit neuen Ideen zu Marketing und Selbstvermarktung. Wenn Du nicht mitgehst und ein Teil davon wirst, bleibst Du zurück. Dasselbe geschieht mit der Technologie und anderen Industrien. Im 19. Jahrhundert haben wir so etwas schon mit der Eisenbahn erlebt, die davon lebte, Personen zu transportieren. Dann kam das Flugzeug und sie musste sich wehren und anpassen.
Wie sieht es mit den Regierungen aus?
Diese haben eine Verantwortung, die Künstler und ihre kreative Arbeit zu schützen. Mit dem Internet als Vertrieb kann praktisch jeder ein Künstler sein. Etwas anderes ist es, erfolgreich zu sein. Das Problem ist, dass die Regierungen nicht in neue Künstler investieren. Ich weiss nicht, wie das in Spanien geregelt ist, aber ich bewundere was zum Beispiel die kanadische Regierung macht. Seit über 15 Jahren hilft sie den Newcomern im Musikbusiness. Die Band Metric wurde mit ihrem viertem Album erfolgreich, nachdem sie 450.000 Dollar investiert hatten. Sie hätten es anders nicht geschafft. Solche Initiativen sind fundamental.
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08. Mrz 2010 | 02:36 Uhr
Die Frage ist, ob es sich auch wirklich finanziell gelohnt hat. Der direkte Vergleich dürfte relativ schwierig sein und die breite Masse kann sicherlich nicht kurzerhand ein Album kostenlos produzieren und verteilen.
Die grundlegende Idee ist gut, aber noch nicht für alle kompatibel.
Gruß
AMUNO
08. Mrz 2010 | 16:43 Uhr
Ich glaube, Musik kostenlos zu verteilen und auf die Umsätze durch Live-Auftritte zu setzen fällt denen am leichtesten, die nichts oder nur wenig investiert haben. Wer erst mal 100.000 Stück Geld investiert hat, wird bei dem Gedanken das teure Material zu verschenken erst mal mächtig zucken. Und damit sind wir wieder in der Situation, wo diejenigen Musiker „erfolgreich“ werden, hinter denen Geld steht. Dabei sollte Myspace & Co. genau damit Schluss machen …
Eine spannende Zeit. Keiner weiß wo es hin geht. In zehn Jahren allerdings werden wir Rudel von Propheten von „eigenen Gnaden“ erleben, die es damals (2010) schon wussten. Mögen sie sich bitte heute melden …