Brian Message (Manager Radiohead): “Ich kenne viele, die ihre Verträge mit dem Label nicht mehr verlängert haben.”


Was hat dazu geführt, das Label Polyphonic zu gründen? Wann und wie wird es losgehen?
Ich selbst bin etwas überrascht, mich in dieser Situation wiederzufinden. Wir machen kein Marketing, keinen Vertrieb und wir funktionieren auch nicht wie ein Label. Bei Polyphonic geht es darum, Geld zu investieren, zu finanzieren und Mittel für neue Künstler und Manager aufzutreiben. Wir sind derzeit in Verhandlungen mit einigen und versuchen sie weltweit als Geschäft aufzubauen. Wir führen sie sozusagen in das Musikbusiness ein. Aber frag mich in elf Monaten und dann kann ich dir mehr erzählen…

 

Haben Musiker genug Freiheiten?
In Grossbritannien haben wir die Featured Artists Coalition (FAC), die aus etablierten Musikern sowie Newcomern besteht. Viele dieser Musiker denken darüber nach, ihr eigener Chef zu werden und ihre Karriere selbst in die Hand zu nehmen. Das ist fantastisch. Ich kenne viele, die ihre Verträge mit dem Label nicht mehr verlängert haben. Und das ist fantastisch, dass die Option heutzutage überhaupt existiert und Musiker die Chance dazu haben.

 

Wie viel Marketing steckt im kostenlosen Vertrieb des Radiohead-Albums “In Rainbows”?
Das Album ist aus einem dreijährigen und schmerzhaften Prozess entstanden, nachdem Radiohead die Zusammenarbeit mit ihrem Label aufgekündigt haben. Als Konsequenz dieser Situation in Freiheit, in der die Band aufatmen und wieder Vertrauen in sich aufbauen konnte, kam die Idee, das Album kostenlos zu vertreiben. Das war, was dahintersteckte: Etwas anders zu machen, etwas Aufregendes. Natürlich ist im Nachhinein eine grossartige Marketingaktion daraus entstanden.

 

Hast Du schwierige Situationen in deiner Karriere erlebt?
Zu viele! Das Musikbusiness ist ein sehr hartes Geschäft. Wenn Du Manager bist, sogar noch mehr, denn Du bekommst nichts zugesichert. Du bekommst lediglich 20% dessen, was deine Künstler verdienen und das macht die Sache so schwierig, Zeit in neue Musiker und Bands zu stecken. Aber das hat sich inzwischen auch stark geändert. Wir haben zum Beispiel 85.000 Pfund in Kate Nash investiert. Ohne dieses Geld oder ohne MySpace hätte sie nie eine solche Karriere hinlegen können.
Jeder Tag bringt neue Herausforderungen. In 2010 werden wird das erste Album von Eliza Doolittle herausbringen, mit der wir bereits seit sieben Jahren zusammenarbeiten. Sie war damals 15 und wir haben viel Geld investiert. Aber wir glauben auch, dass es funktionieren wird. Das Risiko ist gross, aber wir lernen auch aus unseren Fehlern und heute mehr denn je, da es eine schwierige Zeit ist.

 

Bei so viel Arbeit: Hast Du überhaupt noch Zeit, um Musik zu hören?
Nein (Lachen)…meine Freizeit verbringe ich mit meiner Frau und meinen Kindern.

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Lesermeinungen (2)

zu 'Brian Message (Manager Radiohead): “Ich kenne viele, die ihre Verträge mit dem Label nicht mehr verlängert haben.”'

  • AMUNO
    08. Mrz 2010 | 02:36 Uhr Antworten

    Die Frage ist, ob es sich auch wirklich finanziell gelohnt hat. Der direkte Vergleich dürfte relativ schwierig sein und die breite Masse kann sicherlich nicht kurzerhand ein Album kostenlos produzieren und verteilen.

    Die grundlegende Idee ist gut, aber noch nicht für alle kompatibel.

    Gruß

    AMUNO

  • polyaural
    08. Mrz 2010 | 16:43 Uhr Antworten

    Ich glaube, Musik kostenlos zu verteilen und auf die Umsätze durch Live-Auftritte zu setzen fällt denen am leichtesten, die nichts oder nur wenig investiert haben. Wer erst mal 100.000 Stück Geld investiert hat, wird bei dem Gedanken das teure Material zu verschenken erst mal mächtig zucken. Und damit sind wir wieder in der Situation, wo diejenigen Musiker „erfolgreich“ werden, hinter denen Geld steht. Dabei sollte Myspace & Co. genau damit Schluss machen …

    Eine spannende Zeit. Keiner weiß wo es hin geht. In zehn Jahren allerdings werden wir Rudel von Propheten von „eigenen Gnaden“ erleben, die es damals (2010) schon wussten. Mögen sie sich bitte heute melden …

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