ACTA – Wie diese Abkürzung die Geister scheidet

8
SHARES
ACTA

Erregt Gemüter: ACTA

anzeige

Kampf gegen Piraterie = Kampf gegen die Freiheit?

Lange nachdem man in Polen die Guy-Fawkes-Masken ausgepackt hat, macht sich der Groll gegen ACTA auch hier in Deutschland Luft. Derzeit gehen zahlreiche Menschen auf die Straße, um den Datenschutz, ihre Privatsphäre und ihre Meinungsfreiheit zu verteidigen.

Nicht nur, dass ACTA höchstwahrscheinlich die Rechte jedes Einzelnen beschneiden würde. Was den verhandelnden Politikern vorgeworfen wird, ist die Geheimhaltung der Gespräche über das Abkommen. Die Tatsache der geheimen Verhandlungen schürt die Vorwürfe der Aktivisten. Schließlich weiß auch keiner so genau, wie das Abkommen angewendet werden kann, denn dessen Inhalt beschreiben selbst Experten als schwammig.

ACTA

Besonders in Europa formiert sich der Widerstand gegen ACTA

Leider ist nämlich nicht klar, inwieweit die Rechte der Internetuser eingeschränkt werden sollen, um den Urhebern mehr Rechte einräumen zu können. Damit ist strittig, ob ACTA eine Balance der Freiheiten des Einzelnen und derer der Urheber herstellen kann oder doch bloß die demokratischen Rechte beschneidet und Netzsperren auslöst.

In Polen wurde das Abkommen noch nicht ratifiziert, da noch geprüft werden muss, ob es überhaupt mit polnischem Recht vereinbar ist. Auch in Deutschland bleibt abzuwarten, was die Untersuchungen ergeben. Aber wenn selbst die Bundesjustizministerin Bedenken anmeldet, muss man anfangen, sich Sorgen zu machen.

Anm. d. Red.: Wenn es die Zeit erlaubt, werden wir noch etwas ausführlicher auf die Thematik eingehen, eventuell in einer der nächsten Folgen des delamar Podcast. Wer sich in der Zwischenzeit über ACTA informieren will, brauch nur eine Suchmaschine bemühen und etwas Zeit in die Recherche stecken. Die oben abgebildete Grafik ist ein Ausschnitt aus der Google-Maps-Seite »ACTA Protests Worldwide«.

Mehr zum Thema:
    


Lesermeinungen (8)

zu 'ACTA – Wie diese Abkürzung die Geister scheidet'

  • Jürgen Bromant   11. Feb 2012   11:39 UhrAntworten

    Es kann einfach nicht sein, dass ein einziger Industriezweig (hier: die Content-Industrie) es schafft, die Freiheit des gesamten Internets zu beschneiden, nur um seine eigenen Interessen zu wahren. Das ist einfach unverhätnismäßig! Hinzu kommt noch, dass dieser Gesetzesentwurf durch Lobbyarbeit in dunklen Hinterzimmern auf den Weg gebracht wurde, so etwas ist in einer demokratischen Gesellschaft nicht hinnehmbar!

  • dj Putin   11. Feb 2012   12:13 UhrAntworten

    gleich gehts in berlin los mit der demo. jeder, der nicht gerade arbeitet sollte von seinem recht auf die strasse zu gehen gebrauch machen!

  • Tonstudio 0815   11. Feb 2012   13:23 UhrAntworten

    STOPPT ACTA!!!!

  • Gerald   11. Feb 2012   15:11 UhrAntworten

    In Amerika ist mit dem Stop Online Piracy Act (SOPA) ein vergleichbarer Gesetzesentwurf im letzten Moment abgewehrt worden - es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation mit ACTA weiterentwickelt. Im Gegensatz zu SOPA ist ACTA ja nicht auf ein Land beschränkt, sondern würde die gesamte EU, die USA, Japan, Mexiko und viele andere Länder rund um den Globus betreffen.

    Ich denke, das Hauptproblem liegt hierbei zunächst einmal darin, dass dieser Gesetzesentwurf quasi hinter dem Rücken der Bevölkerung geplant wurde. Sicher, vermutlich hätte man sich irgendwo informieren können, aber das ist für den durchschnittlichen Bürger einfach nicht zumutbar - wie soll man sich über etwas informieren, von dem man gar nicht weiß, dass es überhaupt existiert? ACTA hat im Endeffekt erst jetzt, wo es fast schon fix beschlossen wurde, mediale Aufmerksamkeit bekommen.

    Was mich an der ganzen Anti-Piraterie-Thematik so ärgert: natürlich ist es verständlich, dass Musiker und sonstige Kreative für ihre Arbeiten Geld bekommen wollen. Aber in meinen Augen ist es einfach nur ignorant und engstirnig, sich über die bösen Konsumenten aufzuregen, die sich quasi weigern, z.B. Geld für Musik zu bezahlen. Das Internet ist schon lange kein reiner Informationskanal für Studenten und Computer-Nerds mehr, sondern stellt eine Technologie dar, die viele Gesellschaftsbereiche grundlegend verändert hat und noch immer verändert.

    Wenn eine Firma nicht mehr in der Lage ist, ihre Produkte zu verkaufen, dann sind nicht die Kunden schuld, die das Produkt nicht mehr kaufen! In so einem Fall ist die Firma ganz offensichtlich nicht in der Lage, sich an geänderte Umstände anzupassen. Man kann nicht erwarten, dass man in einer sich konstant verändernden Marktwirtschaft einmal ein Vermarktungssystem auswählt und dass sich ab dann nie wieder etwas ändern wird. Deswegen finde ich es auch so amüsant und traurig zugleich, wenn ich Pro-ACTA-Vertreter reden höre, die alle schon ca. 50 Jahre alt sind und sich im Endeffekt darüber aufregen, dass sie ihr ganzes Leben lang von Alben-Verkäufen leben konnten und plötzlich kommt diese böse Technologie "Internet" und nimmt ihnen das Geld weg.

    Technologische Entwicklungen passieren ständig und statt sich mit hirnrissigen Gesetzesvorschriften - die die Hälfte der betroffenen Bevölkerung zu Kriminellen machen würde - krampfhaft gegen Änderungen aufzulehenen, sollten die Labels und Musiker lieber das Potential eines neuen Mediums erkennen und es sich zu Nutze machen.

    Aufgrund der mittlerweile unüberschaubaren Auswahl an Musik haben wir mittlerweile einen Punkt erreicht, wo der Konsument aufgrund des Überschusses an Musik im Laden/Internet keine realistische Möglichkeit mehr hat, alle Interpreten (selbst innerhalb eines Genres) zu kennen. Gerade hier haben Labels die wichtige Funktion, eine Filterung vorzunehmen und genau hier würde z.B. auch ein mächtiges Vermarktungspotential liegen.

    Warum fangen Labels z.B. nicht an, dass man Label-Veröffentlichungen abonieren kann? 100€ im Jahr und man kann sich während der Abo-Dauer alle Veröffentlichungen des Labels in jeder beliebigen Qualität herunterladen. Das würde von den Kosten her weniger als 10 CDs in einem Jahr entsprechen und ich bin mir sicher, dass das extrem viele Leute so einen Dienst in Anspruch nehmen würden - und auch dafür bezahlen würden. Und die Labels würden sich die Kosten für CD-Pressungen sparen.

    Es gibt Potential und es gibt immer Möglichkeiten, neue Technologien gewinnbringend zu nutzen. Sich dagegen aufzulehnen und sich nur darüber zu ärgern, dass es nicht mehr so funktioniert wie früher, ist aber garantiert der falsche Weg...

  • Lukas   11. Feb 2012   21:52 UhrAntworten

    Ich finde es echt toll, dass ihr mit euren Artikeln und dem Podcast so einen breiten Themenbereich abdeckt! Vielen Dank für die tolle Arbeit.

  • Jimmy T.   12. Feb 2012   01:41 UhrAntworten

    Das ist das was so mancher unter Acta versteht:
    youtube.com/watch?v=9LEhf7pP3Pw

  • reament   12. Feb 2012   13:52 UhrAntworten

    @gerald "Wenn eine Firma nicht mehr in der Lage ist, ihre Produkte zu verkaufen, dann sind nicht die Kunden schuld, die das Produkt nicht mehr kaufen! In so einem Fall ist die Firma ganz offensichtlich nicht in der Lage, sich an geänderte Umstände anzupassen."

    genau meine meinung. schon vor mehreren jahren konnte ich das wehklagen über das internet großer plattenfirmen nicht nachvollziehen. sie habe es einfach verpasst das internet für sich zu nutzen, denn zur selben zeit haben kleine,bis dato unbekannte indielabels einen riesen hype erfahren und mehr und mehr musik absetzen können.

  • Frank   15. Feb 2012   08:30 UhrAntworten

    Ich finde es Schade, dass die breite Öffentlichkeit von ACTA zu >90% noch Null Ahnung hat und es letztlich nur für die Internetnutzer, für Hackern & Raubkopierer ua. als wichtig erachtet.
    Dies ist aber falsch gedacht! ACTA wird tiefgreifender Folgen haben!
    Schlimm auch, dass jegl. öffentliche Medien unter dem Druck des ..wem auch immer.. es strickt vermeidet in Radio, TV und Presse anzusprechen.
    Leider spiegelt ist dies aber die all zu oft für typisch deutsche Mentalität "Wegsschauen um jeden Preise" bzw. "Lieber nichts sagen!" wieder.

    Wenn mehr intereesiert, hier gibt es Infos dazu:
    asklubo.com/de/computer-internet/wie-kann-man-das-acta-abkommen-verhindern

    Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, ist das Gejammer dann all zu groß.

Sag uns deine Meinung!

anzeige

EMPFEHLUNGEN