Soundkarte Kaufberatung (Teil 2)

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Der vorliegende Artikel »Soundkarte Kaufberatung« folgt dem ersten Teil »Audio Interface Kaufberatung«, in dem wir bereits über den Klang, den Unterschied zwischen internen und externen Geräten, die Geschwindigkeit der Schnittstellen sowie den Anschlüssen gesprochen haben. Jetzt wird es Zeit, zu weiteren Details überzugehen.

Audio Interface

Kaufberatung: Das muss dein Audio Interface können.

In diesem zweiten Teil erfährst Du mehr über Metering, Optionen zum Abhören und Monitoring der Studio Soundkarte, Standalone-Betrieb, Auflösung, Samplerate sowie Treiber, Latenz und die Mixer-Software.

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Metering der Soundkarte

Wenn Du Instrumente oder Stimmen zu laut einspeist, wird die digitale Aufnahme dieser Signale verzerrt. Daher ist es empfehlenswert, bei der Aufnahme ein Auge auf den Pegel zu haben und diesen nicht in das Clipping zu fahren.

Neben den Pegelanzeigen, die ggf. in der Mixer-Software deiner Studio Soundkarte zu sehen sind, sind farbige LEDs an der Hardware (typischerweise von grün über gelb bis rot für übersteuert) eine praktische Angelegenheit. Bei einigen wenigen Geräten gibt es auch die altbewährten Nadeln in den VU-Metern zur Anzeige der Pegel oder einfallsreiche Lösungen wie farblich aufleuchtende Ringe, die direkt um die Regler für das Gain (die Verstärkung) der entsprechenden Eingänge platziert sind.

VU Meter Metering

Look im Old-School-Design

Abhören mit der Studio Soundkarte

Ein verzögerungsfreies Abhören (englisch »Monitoring«) beim Einspielen oder Einsingen ist sehr wichtig für die Performance der Künstler. Stellen sich dabei Verzögerungen ein, wirkt das irritierend und nicht zuletzt spaßbremsend.

Gerade beim Einsingen ist latenzfreies Abhören für die Performance des Sängers sehr wichtig

Die meisten modernen Studio Soundkarten ermöglichen dieses latenzfreie Abhören, in der Regel wird es als »Direct Monitoring« oder »Zero Latency Monitoring« von den Herstellern bezeichnet. Dabei wird das über die Eingänge eingespeiste Audiosignal ohne Umwege wieder an die Ausgänge geleitet – sozusagen kurzgeschlossen und das nahezu latenzfrei.

M-Audio Fast Track C600

Das Fast Track C600 kann mehrere Lautsprecherpaare ansprechen

Soundkarte als Monitor Controller

Wenn mehr als ein Ausgangskanal für Lautsprecher und/oder Kopfhörer vorhanden ist und sich diese einzeln in der Lautstärke regeln bzw. per Knopfdruck augenblicklich ein- und ausschalten lassen, kann man bereits von einem Monitor Controller sprechen. Diese Geräte gibt es auch in separater Form, doch es kann sehr praktisch sein, sowohl Soundkarte als auch Monitor Controller in einem zu haben, wenn Du vorhast, deine Mixe über mehrere Geräte abzuhören.

Nicht wenige Interfaces besitzen einen Drehregler, mit dem Du das Verhältnis der Quellen stufenlos mischen kannst. Soll es nur das Wiedergabesignal aus deinem Audio Computer, nur die Signale der Eingänge an der Soundkarte (Instrumente, Zuspieler und Mikrofone) oder eine Mischung aus beiden sein? Mit einem solchen Feature, das »Monitor-Mix-Regler« oder ähnlich genannt wird, hast Du die Wahl.

Nutzung ohne Computer

Von der Stand-Alone-Nutzung ist die Rede, wenn ein Gerät eigenständig lauffähig ist, was im Falle der Audio Interfaces bedeutet, dass ein gewisser Teil ihrer Funktionalität auch ohne einen angeschlossenen Audio PC nutzbar ist. Damit ist meist nur die Mixerfunktion gemeint, also einfach das Einspeisen über die Eingänge, das Verschmelzen dieser bei Bedarf unterschiedlich laut aufgedrehten Einzelsignale zu einem Stereosignal und schließlich die Weiterleitung an die Ausgänge. Eine schnelle Möglichkeit, eine Soundkarte mal eben als rudimentäres Mischpult zu benutzen.

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Nun kommt es noch darauf an, ob und wie umfangreich sich Parameter wie etwaige interne Effekte (Kompressor, Hall, EQ etc.) allein über die Bedienelemente der Hardware steuern lassen. Geräte, die das können, sind in den niedrigen Preissegmenten noch nicht zu finden.

 

Portabilität

Gerade die Modelle, die sich für den Einstieg ins Homerecording eignen, sind oft auch so klein und leicht, dass sie tragbar sind – »portabel« ist hier das Stichwort in der Fachsprache der Musikproduktion. So kannst Du dein Interface im Handumdrehen vom Arbeitsplatz am Heimstudio abstöpseln, in Rucksack, Tasche und Co. verfrachten und überall aufbauen, wo es gebraucht wird. Ob bei der Bandprobe, Gigs oder einfach bei Freunden für den Einsatz unterwegs.

Soundkarten-Test

Die meisten Modelle sind als mobil zu bezeichnen

Geräte, die nur über USB mit Strom versorgt werden, können oftmals keine Phantomspeisung liefern

Ein wichtiger Aspekt wäre etwa die Art der Stromversorgung. Viele kleinere Modelle begnügen sich damit, über die USB-Verbindung mit Strom gespeist zu werden, ein Netzstecker ist dann nicht mehr notwendig. Das kann gerade bei kleinen Veranstaltungen, bei denen die Steckerleiste auf dem Pult oft mit Steckern von allen möglichen anderen Gerätschaften (Lautsprecheranlage, Licht-Equipment, Nebelwerfer etc.) überfüllt ist, von unschätzbarem Wert sein.

Hinweis: Bei Geräten, die sowohl allein per USB versorgt werden können als auch eine Buchse für den Netzstromanschluss bieten, kann es vorkommen, dass bestimmte Funktionen (etwa die Phantomspeisung für Kondensatormikrofone) bei reinem USB-Betrieb nicht oder nur eingeschränkt funktionieren.

Propellerhead Balance Testbericht

Schönes Design gleich on-top: Propellerhead Balance

Im Gegensatz zum sicheren Hafen der Homestudio-Umgebung lauern beim mobilen Einsatz bekanntlich allerlei Gefahren, auch beim Transport. Da ist es von Vorteil, wenn ein Modell in ein Gehäuse aus Aluminium (ziemlich leicht und dennoch robust) oder Stahl (recht schwer, aber eben sehr robust) gekleidet ist. Selten finden sich auch Geräte mit besonders verstärkten Kanten. Tief in das Gehäuseprofil versenkte Buchsen, die zur Stabilisierung der hineingesteckten Schalter und zum Schutz vor Stößen dienen, stellen einen weiteren Pluspunkt dar.

 

Samplerate ist die Häufigkeit, mit der ein kontinuierliches Signal abgetastet wird

Auflösung und Sample-Rate

Die Qualität, mit der die analogen Signale zur Aufzeichnung ins Digitale verwandelt werden, hängt von der verwendeten Auflösung (auch »Wortbreite« genannt) in Bit und von der Sample-Rate (auch »Sample-Frequenz« genannt) in Kilohertz (kHz) ab. Höhere Auflösungen und Sample-Raten resultieren in potentiell höherer Qualität.

Der lange geltende Qualitätsstandard von Audio-CDs, nämlich 16 Bit und 44 kHz, ist immer noch als gut zu bezeichnen. Um den Blick wieder nach oben zu richten: Aufzeichnungen mit mehr als 24 Bit und Werten über 44,1 oder 48 kHz können erst mit guten Lautsprechern bzw. Kopfhörern wirklich wahrgenommen und wertgeschätzt werden. Auch ein trainiertes Gehört benötigt dann noch eine ruhige Atmosphäre, die hochkonzentriertes, analytisches Abhören zulässt. Ganz zu schweigen davon, dass oft nur ein A/B-Vergleich die Unterschiede aufzeigt.

Sennheiser HD 800 Testbericht

Gute Kopfhörer können nur wiedergeben, was die Soundkarte liefert

Für den Anfang sind Modelle, die maximal 16 Bit und 44,1 kHz beherrschen, durchweg ausreichend. Je nach Ambition und gesammelten Erfahrungen kann zu einem späteren Zeitpunkt noch ein Upgrade erfolgen.

Als abschließende Betrachtung lohnt es sich, die Beziehung zwischen dem sogenannten Signal-Rausch-Abstand (synonym mit dem Begriff des Dynamikumfangs, oft abgekürzt mit »S/N« oder »SNR« für »signal-to-noise ratio«) und der Bitrate zu betrachten. Bei einer Aufnahme mit 16 Bit beträgt der maximal nutzbare Dynamikumfang 96 dB, bei 24 Bit sind es 144 dB. Bei einem Signal-Rausch-Abstand von unter 96 dB reichen 16 Bit vollkommen aus. In der Tabelle unserer Marktübersicht findest Du diesen Wert für alle getesteten Modelle. Übrigens: Die besten erreichen einen S/N-Wert von ca. 125 dB – ungefähr dort liegt passenderweise auch die Grenze des menschlichen Hörvermögens.

Soundkarten-Treiber

Der Treiber ist die Software, die den Datenaustausch zwischen Rechner und Interface gewährleistet. Bei einigen Geräten installiert sich der Treiber sofort nach dem Anstecken an den USB-Port automatisch, da die benötigten Daten bereits im integrierten Treiberarchiv deines Betriebssystems schlummern. Es lohnt sich, die aktuelle Version von der Website des Herstellers herunterzuladen, um etwaige neue Features freizuschalten und/oder Fehler auszubügeln.

Für Windows und Mac OS X bieten die Hersteller für gewöhnlich Treiber an, Linux oder andere Exoten werden von keinem größeren Unternehmen mit offiziellen Gerätetreibern versorgt – ohne Frickelei scheint es hier nicht zu gehen.

Soundkarten-Treiber einrichten

Soundkarten-Treiber einrichten

Es gibt mehrere etablierte Treibertypen, für Windows etwa DirectSound, WDM, MME und weitere, für Mac OS X gibt es im Wesentlichen nur CoreAudio. Für die Musikproduktion empfiehlt sich ASIO, da hier die geringsten Latenzen möglich werden. Ein ASIO-Treiber wird immer separat von dem oben erwähnten, automatisch eingerichteten Treiber installiert.

 

Latenz der Soundkarte

Auf Windows sind üblicherweise ASIO-Treiber die mit der geringsten Latenz

Die Verarbeitung von Audiosignalen in der Soundkarte geschieht mit einer gewissen Verzögerung, Latenz genannt. Diese wird durch die Analog-Digital-Wandlung bei der Aufnahme der Instrumenten- oder Mikrofonsignale in deiner Software und schließlich wieder beim Wandeln von Digital zu Analog, also bei der Wiedergabe erzeugt. Weitere Berechnungen durch Musikprogramme oder zwischengeschalteten Effekten erfordern zusätzliche Berechnungen, die die Latenz weiter vergrößern.

Wenn die Latenz zu hoch ausfällt, wird die auf deinem MIDI-Keyboard gespielte Note erst mit einer hörbaren Verzögerung wiedergegeben. Je besser das Gespann aus Interface bzw. dessen Treiber und der Leistung des Audiorechners, desto geringer die Latenz. Gute Modelle ermöglichen das Abhören in gefühlter Echtzeit.

PreSonus AudioBox 22VSL Testbericht

Die Mixer-Software des PreSonus AudioBox 22VSL

Mixer-Software

Die Mixer-Software ist ein virtuelles Mischpult, über dessen Oberfläche Du einzelne Spuren stummschalten, auf Solobetrieb stellen sowie in der Lautstärke und im Panning regeln kannst. Dazu kommen je nach Ausstattung Dinge wie Phaseninvertierung, Phantomspeisung und Co. Fortgeschrittene Mixer-Programme bieten zudem Effekte wie Kompressoren, Halleffekte, Delays und ähnliche in Echtzeit. Besonders praktisch ist die Funktion, Kopfhörer und Hauptausgang jeweils unterschiedliche Mischungen aus den verschiedenen Eingängen zuzuführen.

Eine dedizierte Mixer-Software bietet mehr Übersicht

Modelle, die einen solchen Mixer mitliefern, sind anderen Geräten aufgrund der Übersichtlichkeit und den zusätzlichen Funktionen vorzuziehen. Große Pegelanzeigen, die Fernsteuerung vom Rechner aus, das Rückgängigmachen und Wiederherstellen einzelner Parameteränderungen sowie das Speichern und Laden von Voreinstellungen oder Mixer-Konfigurationen sind weitere starke Argumente.

 

Letzte Gedanken

Unser Überblicksartikel leuchtet die wichtigsten Ausstattungsmerkmale aus, um dir deine Entscheidung zu erleichtern. Zwar können tontechnische Grundlagen nur im begrenzten Umfang gestreift werden, doch in der gegebenen Preisklasse bis 500,- Euro spielt Klangqualität nur eine untergeordnete Rolle.

Es gibt wohl kaum ein Produkt, das alle glücklich machen könnte – doch Aufnahmen am heimischen Audio PC zu machen, stellt für keines der getesteten Modelle eine Herausforderung dar.

Marktübersicht: Soundkarten Test & Vergleich »


Felix Baarß Von