Effekte beim Recording vs. Mixing Effekte

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Übersicht

  1. Effekte beim Recording vs. Mixing Effekte
  2. Anwendungs- und Klangbeispiele

Sollten Effekte beim Recording bereits eingeschleift werden? Oder ist es gar besser, die Effekte beim Mixing nachträglich einzubauen? Beide Möglichkeiten haben zurecht ihre eifrigen Verfechter. Um selbst entscheiden zu können, welche der beiden Optionen die richtige für dich ist, stellen wir in diesem Artikel die Vorzüge beider Varianten vor.

Effekte beim Recording vs. Effekte beim Mixing

Effekte beim Recording vs. Effekte beim Mixing: Was klingt wie und wann sollte ich was einsetzen: Antworten gibt’s hier im Workshop!

Recording FX vs. Mixing FX

Du kannst Effekte nicht nur nachträglich auf bestehende Aufnahmen in der DAW-Software, sondern schon beim Recording effektiv einsetzen – zum »Einbrennen« von Effekten, virtuellen Amp-Sounds und Nachbildungen von Mikrofonvorverstärkern in die Aufnahmen. Die Effekte werden in die Spur aufgenommen, sind also integraler Bestandteil.

Bei der Nutzung von Effektgeräten und Plugins direkt bei der Aufnahme (im Folgenden »Recording FX« genannt) triffst Du deine Entscheidungen sofort. Zwar sind diese später fest in der Spur, doch Du verlierst dich nicht in den endlosen Möglichkeiten. Außerdem werden die Leistungsreserven deines Audio-Computers bei dieser Methode geschont.

Aber auch die Methode des nachträglichen Effekteinsatzes (im Folgenden auch »Mixing FX« genannt) lockt durch eben jene Freiheit, alles zu jedem Zeitpunkt nochmals verwerfen und neu gestalten zu können.

Effekte beim Recording vs. Mixing Effekte

Halbrechts im Vordergrund: Das für diesen Workshop verwendete Interface Universal Audio Apollo Twin USB

Du findest hier bzw. im Download Anwendungsbeispiele für einige Effekttypen in der einen und in der anderen Kategorie. Wir nutzen das Audio Interface Universal Audio Twin USB, unter anderem weil es mit Windows & Mac OS funktioniert und in puncto Recording FX ein paar Trümpfe bereithält.

Recording FX

  • Kreative Entscheidungen sofort treffen
  • Prozessorbelastung reduzieren
  • Sound legendärer Preamps mit Plugins nachbilden

Mixing FX

  • Effekte jederzeit ändern oder rückstandsfrei entfernen
  • Ausgangsmaterial für Klangvariationen bewahren (z.B. für Reamping)
  • Latenz während des Abhörens beim Recording verringern

Effekte beim Recording

Vielleicht das wichtigste Argument für Recording FX: Du verleihst dem Sound von vornherein einen eigenen Charakter und zögerst deine Entscheidung nicht hinaus. »Get things done« ist das Motto – und diese selbstauferlegte Beschränkung ist künstlerisch in den meisten Fällen mehr als gewinnbringend.

Durch die Endgültigkeit deiner Entscheidung bist Du gezwungen, dir bereits vor der Aufnahme deiner Spuren Gedanken über den gewünschten Sound zu machen. Wohin soll die Reise gehen? Wie soll das Ergebnis klingen? Ist das Ziel erst einmal klar definiert, werden alle Aufnahmen in dieselbe Richtung gehen und dadurch durchweg homogen.

Mit Recording FX ist ausgeschlossen, sich in den Tiefen der Klanggestaltung zu verlieren, sich immer und immer wieder eine Spur vorzunehmen und jedes Mal anders zu gestalten.

Bei der Gitarrenaufnahme typisch

Das einfachste Beispiel ist der klassische Studiogitarrist, dessen Sound untrennbar mit Gitarre, dem verwendeten Amp plus Cabinet, den vorgeschalteten Effekten und nicht zuletzt dem Mikrofon verbunden ist. Das Spielgefühl im Studio muss stimmen, dazu gehört auch der Sound. Das macht nicht nur mehr Spaß, es wird sich sehr förderlich auf die Performance im Studio auswirken – und damit auf das Ergebnis.

Darüber hinaus ist die reduzierte Prozessorbelastung beim späteren Abmischen des betreffenden Musikstückes nicht zu unterschätzen. Es befinden sich keine Plugins zum grundlegenden Sounddesign mehr auf deinen Spuren, denn Du hast sie nur ein einziges Mal bei der Aufnahme nutzen müssen.

DSP-Hardware wie die Geräte der UAD-Serie von Universal Audio sorgt in jedem Fall für eine geringere Belastung deines Hauptprozessors, ob bei Recording FX oder Mixing FX.

Destruktives Recording

Für die Verwendung von Effekten beim Aufnehmen hat sich auch der Begriff »Destruktives Recording« eingebürgert. Hier wird das Audiomaterial selbst beeinflusst und kann nicht oder nur näherungsweise wieder in den Ursprungszustand versetzt werden. Genau wie bei der destruktiven Audiobearbeitung im Zuge der Bearbeitung von Klängen in einem Audio-Editor.

Effekte beim Monitoring

Du kannst Effekte auch beim Abhören (Monitoring) verwenden – typischerweise auf dem Signal für den Kopfhörer, den Du beim Recording nutzt, um dich selbst und/oder begleitendes Playback zu hören. Derartige Effekte – »Monitoring FX« eben – landen am Ende nicht in der Aufnahme, also hast Du hier völlig freie Hand.

Ob Du Monitoring FX verwenden kannst, hängt davon ab, wie flexibel dein (Heim-)Studio-Setup ist, also ob sich deine Kopfhörerbuchse mit einem separaten Signal speisen lässt. Manche Audio Interfaces oder Mischpulte haben hier zum Beispiel einen Halleffekt integriert – den eigenen Gesang im Kopfhörer mit einem gewissen Hall erklingen zu lassen, schafft eine Atmosphäre, die den Künstler zu einer stimmungsvolleren und insgesamt besseren Performance inspirieren kann.

Unison: Preamp-Emulationen als Recording FX

Mit der Unison-Technologie von Universal Audio lassen sich die hauseigenen Audio-Interfaces der Apollo-Serie so einstellen, dass sich ihre Vorverstärker (Preamps) wie legendäre Vintage-Vorbilder verhalten und klingen. Die Emulationen kommen sehr nah an ihre Vorbilder heran und ersparen die kostspielige Investition in weitere Hardware.

Bisher gibt es Plugins, die Preamps aus den Häusern Neve, API und Universal Audio nachbilden. Zwei davon – den Universal Audio 610-B und den Neve 1073 – beleuchten wir auf der nächsten Seite in den Anwendungsbeispielen.

Beim Einsatz von Unison steuerst Du die Preamps der Apollo-Interfaces auf der Hardware-Ebene, nämlich deren Impedanz. Das ermöglicht eine Anpassung an Mikrofone aller Art und einen mehr oder minder subtilen Klangunterschied bei ein und demselben Mikro. Auch die direkte Gain-Kontrolle des entsprechenden Eingangs an deinem Apollo ist möglich.

So nutzt Du Unison-Plugins als Recording FX

In der Mixer-Software »Console« musst Du das gewünschte Unison-Plugin in einen speziell dafür vorgesehenen Slot laden – mit einem normalen Insert-Slot würden die Impedanzanpassung und die direkte Gain-Steuerung nicht funktionieren. Klicke also auf »INPUTS« links in der Seitenleiste des Mixers. Es öffnet sich ein eigener Bereich, in dem Du den virtuellen Preamp deiner Wahl laden kannst, um ihn als Recording FX mit den beschriebenen Unison-Funktionen zu nutzen.

Effekte beim Recording vs. Mixing Effekte

Ist das geschehen, siehst Du das jeweils verwendete Plugin übrigens auch in der Mixer-Übersicht (Bereich »OVERVIEW«) – ganz oben an prominenter Stelle im Kasten mit den Bedienelementen für Gain, Phantomspeisung & Co.

Effekte beim Abmischen

Das nicht-destruktive Recording ist bei vielen computerbasierten Produzenten die gängigere Methode. Effekte werden hauptsächlich beim Abmischen auf die Spuren gelegt. Das hat vor allem einen Grund: Du kannst die Effekte jederzeit in ihren Parametern verstellen oder spurlos entfernen. Fehler können also jederzeit ausgemerzt werden.

Darüber hinaus bieten »naturbelassene« oder nur dezent effektveredelte Aufnahmen den Vorteil, dass sie als Ausgangspunkt für spätere Klangvariationen aller Art dienen. Einmal mehr die E-Gitarre zum Beispiel: Ein direkt am hochohmigen Eingang aufgezeichnetes Gitarrensignal kann per Reamping nach Herzenslust an einem anderen Verstärker gehangen werden, anders verzerrt und mit Effekten verändert werden.

So verwendest Du Mixing FX

Ein Effekt-Plugin, das erst beim Abmischen zum Einsatz kommen soll, fügst Du wie folgt in dein DAW-Projekt ein: Lade es in einen der Effekt-Slots der Spur, auf dem der Audioclip von deiner »trocken« Aufnahme liegt. Diese Slots findest Du auf jedem Kanal im Mixer-Bereich deiner DAW.

Effekte beim Recording vs. Mixing Effekte

Gerade bei Halleffekten bietet sich eine alternative Methode über den AUX-Weg an: Erstelle eine separate Spur, die per Send-Verknüpfung mit dem Sound jener Spur gespeist wird, die den Audioclip enthält. Erst auf dieser neu erstellten Spur füllst Du nun den oder die Slots mit dem oder den gewünschten Effekt-Plugin(s). Das erleichtert das spätere Ausbalancieren von trockenen und effektveredelten Signalanteilen.

» Hier findest Du alle Details zu Send- & Insert-Effekten

Ständig alles anders?

Was einerseits als Vorteil gilt, wirkt bei vielen Musikern auch in die gegenteilige Richtung. Durch die schier unendlichen Möglichkeiten finden viele Produzenten kein Ende. Entscheidungen werden bis zur letzten Minute hinausgezögert und kein Klang ist gut genug.

Im schlimmsten Fall werden Produktionen nie zu Ende geführt, weil man ja doch noch etwas mehr herausholen könnte.

Latenz als Faktor

Die Latenz ist gerade beim Recording wichtig. Je geringer diese beim erklingenden Abhörsignal ist, desto besser die Performance. Wer viele Recording FX verwendet, erhöht dadurch die Latenz. Bei der für diesen Workshop verwendeten Apollo Twin ist die Latenz beim Aufnehmen fix auf 2 Millisekunden festgelegt. Wer ohnehin bei der Aufnahme eine Latenz bemerkt, kann der Sache mit der Nutzung von Mixing FX aus dem Weg gehen.

Eine sehr konsequente Ausnutzung des Mixing-FX-Prinzips findet sich in der DAW Cakewalk Sonar: Mit dem Feature »Mix Recall« (deutsch: »Mixaufruf«) kannst Du verschiedene Mix-Konfigurationen inklusive Automationskurven innerhalb eines Projekts speichern.

Effekte beim Recording vs. Mixing Effekte

Ähnlich wie bei Mischpulten für den Live-Einsatz werden diese Konfigurationen »Szenen« genannt. So wechselst Du schnell zwischen mehreren Versionen eines Musikstücks hin und her – beispielsweise können mehrere Remixe in einem einzigen Projekt untergebracht werden.

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