Praxisbericht beyerdynamic DT 1770 PRO:
Für Aufnehmen & Abmischen gleichermaßen geeignet?

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Praxisbericht beyerdynamic DT 1770 PRO: Für Aufnehmen & Abmischen gleichermaßen geeignet?

Praxisbericht beyerdynamic DT 1770 PRO: Für Aufnehmen & Abmischen gleichermaßen geeignet?

beyerdynamic DT 1770 PRO – einer für alles?

Zwei Dinge muss ein Kopfhörer für den Studioeinsatz leisten, um gleichermaßen gut für das Abmischen und das Abhören während der Aufnahme geeignet zu sein:

1) Er muss fein klingen, ohne zu beschönigen – weitgehend ausgewogen im Frequenzgang, detailliert, auch bei hohen Lautstärken nicht verzerrend, mit kontrastreicher Dynamik und nicht zuletzt räumlich differenziert.

2) Er muss geschlossen konstruiert sein, da nur dann eine ausreichende Abschirmung vor Außengeräuschen gegeben ist. Und umgekehrt dringen die Monitoring-Signale beim Recording nicht nach außen, wo sie das Mikrofon wieder mitaufschnappen würde.

Die Herausforderung

Geschlossenen Kopfhörern sind konstruktionsbedingte Grenzen gesetzt, was die Räumlichkeit, den »offenen« Klang der virtuellen Bühne angeht. Vereinfacht gesagt: Durch die gut schallisolierenden, geschlossenen Ohrmuscheln kann der Klang nicht so »atmen« wie bei einem offenen oder halboffenen Modell.

Eine gute räumliche Abbildung und gute Schallisolation stehen also in einem gewissen Konkurrenzkampf. Und genau das wollen wir in diesem Praxistest näher beleuchten.

Praxisbericht beyerdynamic DT 1770 PRO: Für Aufnehmen & Abmischen gleichermaßen geeignet?

Der Mix

Beim Mixdown ist hohe Klangqualität mit Abstand natürlich die wichtigste Eigenschaft. Im Testbericht zum 1770er findest Du alle Details zur Klangqualität unseres Kandidaten, hier folgt hier ein kompaktes Resümee.

Frequenzgang

Bässe, Mitten und Höhen stehen beim DT 1770 PRO in einem hinreichend ausgewogenen Verhältnis, so dass das Timbre einer Einzelspur oder einer Mischung sehr gut beurteilt werden kann.

Nach wie vor ist eine subtile Tendenz zu Bässen und Höhen zu verzeichnen, aber die fällt um Längen geringer als beim populären kleiner Bruder DT 770 PRO – die präsenten, klaren Mitten stellen für mich einen der größten Fortschritte dar. Nach kurzer Gewöhnung und im ohnehin gebotenen Vergleich mit guten Studiomonitoren habe ich ausgewogene Mischungen auf die Beine stellen können.

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Impulstreue

In dieser Disziplin leistet der 1770er ausgezeichnete Dienste. Abrupt ansteigende/fallende Pegelverläufe eines Audiosignals werden akkurat und schnell von diesem Kopfhörer umgesetzt. Hart angeschlagene Snares, Rimshots, sehr kurze Hihats etc. ertönen sehr »zackig« und klar konturiert.

Passend dazu: Der beyerdynamic DT1770 PRO Testbericht »

So wird die angemessene Formung der Dynamik von Einzelelementen in einem Mix möglich – Basis für den sinnvollen Einsatz von Transienten-Designern, Kompressoren, Limitern, Levelern und anderen Dynamikeffekten.

Raumklang

Anders als viele andere geschlossene Kopfhörer punktet der neue Studioprimus von beyerdynamic auch hier. So räumlich differenziert tönt kaum ein zweites geschlossen konstruiertes Modell.

Auf der gefühlten Bühne sind einzelne Sounds (klassischerweise die Instrumente einer Band) sehr klar voneinander getrennt wahrnehmbar – Stereopanorama und Tiefenstaffelung können beim Abmischen genauso zielführend ausgearbeitet werden wie mit halboffenen Modellen.

Zwischenstand

Eine der zwei großen Hürden auf dem Weg zum Studio-Alleskönner hat der 1770er damit also überwunden. Zwar klingen (gute) offen konstruierte Kopfhörer noch eine Spur, tja, offener. Doch solche Spezialisten sind in der nachfolgend beleuchteten Disziplin unbrauchbar, was die Anschaffung eines weiteren Kopfhörers vonnöten macht.

Das Recording

Nun wäre also noch die zweite große Frage zu klären: Wie schlägt sich unser Proband bei der Aufnahme mit einem nahegelegenen Mikrofon?

Schallisolation

Die Zielvorgabe lautet, dass der Schall von Vocals/Instrumenten komplett von dem mikrofonierten und per Kopfhörer abgespielten Monitoring-Signal überdeckt werden sollte. Die Abschirmung in umgekehrter Richtung ist noch wichtiger, denn das Monitoring-Signal darf nicht so laut nach außen dringen, dass es vom Mikrofon mitaufgenommen wird.

Ratgeber: Studiokopfhörer für Recording »

In der Praxis beweist der beyerdynamic DT 1770 PRO eine gute Abschirmung. Wer nicht gerade auf ohrenbetäubende Lautstärken steht (oder als Drummer bestehen muss), wird diesem Modell beim von Instrumenten und Vocals während der Aufnahme bestens zufrieden sein.

Ermüdungsfreiheit

Durch das recht angenehm ausgewogene Frequenzspektrum können sehr lange Recording-Sessions absolviert werden. Wie erwähnt, sind die Höhen deutlich weniger prominent als beim 770er, so dass selbst über Stunden hinweg eine Ermüdung des Gehörs ausbleibt.

Tragekomfort

Da Recording-Sessions sehr lange dauern können, kommt es auf einen guten Tragekomfort an. Mir persönlich passt dieser Kopfhörer sehr gut. Der moderate Anpressdruck und die feine Polsterung tun ihr Übriges, nur das Gewicht liegt über dem Durchschnitt – zugegeben, das wird sich wohl nur bei eher zart gebauten Künstlerinnen und Künstlern bemerkbar machen.

Fazit – beyerdynamic DT 1770 PRO kann beides

Unsere Empfehlung für Anspruchsvolle: Der beyerdynamic DT 1770 PRO ist sehr gut zum Beurteilen einer Mischung und gleichzeitig auch zum Monitoring bei der Aufnahme geeignet.

Klanglich erfüllt er alle Kriterien, die meisten davon mit Bravour. In puncto Räumlichkeit erreicht er als einer der sehr wenigen geschlossenen Kopfhörer durchaus ein sehr hohes Niveau. Dazu kommen ein gut ausbalanciertes Frequenzspektrum und eine hervorragende Impulstreue.

Wenn es nicht gerade um die Schlagzeugabnahme geht, ist die Abschirmung definitiv gut genug. Außerdem machen sich bei der langen Studioarbeit sowohl der hohe Tragekomfort als auch die vergleichsweise gemäßigten Höhen für ermüdungsfreies Arbeiten bezahlt.

Dazu ist er noch exzellent verarbeitet und ermöglicht den Austausch sämtlicher Komponenten, wobei das Kabel im Unterschied zum kleinen Bruder DT 770 PRO abnehmbar ist. Letztendlich kann ich das Modell allen ans Herz legen, die einen sehr gut klingenden Allrounder für den Studioeinsatz suchen.

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Lesermeinungen (2)

zu 'Praxisbericht beyerdynamic DT 1770 PRO:
Für Aufnehmen & Abmischen gleichermaßen geeignet?'

  • Thomas   09. Okt 2015   11:05 UhrAntworten

    Eine klasse Idee mit dem Vergleich, danke Felix.
    Ich mixe unterwegs recht viel und habe gerade da kommt es meistens auf Kompatibilität an. Und das steckbare Kabel - darauf hab ich lange gewartet bei Beyerdynamic. Cool!

  • P.Chris   12. Okt 2015   22:47 UhrAntworten

    Kann die erstklassige Qualität nur bestätigen. "Made in Germany" ist hier als Prädikat "wertvoll" mehr als angebracht.
    Ortung, Tiefenstaffelung, Transparenz, präzise Frequenzen, Abschirmung, hoher Tragekomfort, ideal für lange Sessions, Modifikation durch Wartungsmöglichkeit etc.
    Ein in sich vollkommen durchdachtes Konzept und die Audioreferenz sind absolut jeden Cent wert.

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