Mixing: Background-Vocals abmischen in 6 Schritten

Mixing: Background-Vocals abmischen in 6 Schritten

Die hier dargestellten Schritte zum Abmischen der Background-Vocals können in jedem Tonstudio genutzt werden, unabhängig der genutzten DAW (Digital Audio Workstation), also in jedem Musikprogramm. Um die Tricks umzusetzen, benötigst Du einen Equalizer (EQ), einen Stereo-Kompressor und natürlich die Vocals zum mischen.

Wie für gewöhnlich gibt es keine feste Regeln in der Musikproduktion und beim Abmischen der Vocals. Diese sechs Schritte können Dir aber als Anhalts- und Startpunkt dienen, von dem Du aus eigene Experimente startest und Deinen eigenen Style entwickelst.

 

Background-Vocals abmischen
Schritt 1: Lautstärke & Stereopanorama

Um zu verhindern, dass sich Lead- und Backing-Vocals “im Weg stehen” und sich gegenseitig maskieren, lässt Du den Lead-Gesang in der Mitte und drehst die Chöre mithilfe des Panning-Reglers zur Seite. In diesem Schritt bietet es sich an, die Lautstärke der Spuren anzupassen.

Ich selbst gehe recht großzügig dabei mit der Positionierung im Stereopanorama um. Die nahesten Chorstimmen sind links bei etwa 10 und rechts bei circa 14 Uhr. Da ich gerne viele Chorstimmen aufnehme, drehe ich die anderen je nach Projekt und Musikstil sogar bis hart rechts und hart links.

Wenn Du nur wenige Stimmen aufgenommen hast, kannst Du versuchen, jeder einzelnen einen eigenen Platz im Panorama zuzuweisen.

 

Background-Vocals abmischen
Schritt 2: Tiefe Frequenzen entfernen

Nachdem Du Panorama und Lautstärke im ersten Schritt festgelegt hast, ist es Zeit, mehr Raum im Mix für die anderen Instrumente zu schaffen. Dazu verwendest Du einen Equalizer auf jeder Chorstimme. Hier sind zwei Alternativen, die je nach Fall besser oder schlechter klingen können: Low-Cut mit 12dB und mehr Flankensteilheit oder Low-Shelf mit etwa -8dB Gain, beide bei 80 Hz angesetzt.

Während der Song mit den Chorstimmen spielt, drehst Du langsam die Frequenz höher bis die Chorstimmen anfangen dünn zu klingen. Jetzt gehst Du wieder etwas zurück mit der Frequenz. Das musst Du für jede Spur wiederholen.

In manchen Fällen ist es die bessere (aber auf jeden Fall immer die schnellere) Variante, die Chorstimmen in einer eigenen Gruppe zusammenzufassen und den EQ dann auf diese anzuwenden. Dies geht immer dann besonders gut, wenn die Background-Gesangsstimmen von nur einer einzigen Person gesungen wurden oder verschiedene Personen ähnlich hohe Stimmen haben.

 

Background-Vocals abmischen
Schritt 3: Die Lautstärke automatisieren

Dieser Schritt ist optional. Wer aber einen erstklassigen Mix erstellen will, sollte sich genügend Zeit für die Automatisierung der Lautstärke jeder einzelnen Chorstimme nehmen. Das geht natürlich nur Spur für Spur. Ziel ist es, eine homogene Lautstärke über die ganze Spur hinweg zu bekommen.

Höre Dir die Spur mehrmals an und finde heraus, an welchen Stellen sie zu laut oder zu leise ist. Danach kannst Du die Automatisierung entsprechend durchführen.

 

Background-Vocals abmischen
Schritt 4: Background-Vocals zusammenfassen

Spätestens jetzt werden alle Chorstimmen in einer Gruppenspur zusammengenommen. Mit dieser Gruppenspur hast Du einen einzigen Fader für den kompletten Background-Gesang und kannst die Lautstärke schnell anpassen.

 

Background-Vocals abmischen
Schritt 5: Einzelspuren zusammenbringen

Damit die einzelnen Spuren etwas besser zusammen funktionieren und wie eine Einheit klingen, greifst Du zum Kompressor. Die Kunst hierbei ist, genug Kompression zu verwenden, damit die Einheit entsteht. Gleichzeitig darf man die Background-Vocals nicht zu stark komprimieren, um nicht die Dynamik und das Leben komplett herauszunehmen.

Der Kompressor wird auf der in Schritt 4 erstellten Gruppe angewendet. Du beginnst hier mit einem kleinen Wert für die Ratio von etwa 2:1 und dem Treshold bei -25 dB. Der Attack darf 10-12ms und der Release etwa 100ms betragen. Jetzt hörst Du dir den Song komplett an und stellst den Treshold so ein, dass die Gain Reduction nicht mehr als -3 bis -6 dB beträgt.

 

Background-Vocals abmischen
Schritt 6: Mit dem EQ auf Hochglanz polieren

Der nächste Schritt, um die Einzelspuren mehr wie ein Chor klingen zu lassen, ist die Verwendung eines EQs auf der Gruppenspur. Mithilfe dieser Instanz wollen wir versuchen, dem Lead-Vocal noch mehr Platz zu verschaffen.

Es gibt diverse Möglichkeiten, dies zu erreichen. Für diesen Artikel will ich Dir nur einen sehr einfachen, dafür aber effektiven Weg verraten. Ein parametrischer EQ sitzt hierzu in einem Slot nach dem Kompressor. Die Frequenz stellst Du auf 3 kHz bei mittlerem Q ein und verringerst jetzt die Gain um -1 bis -4 dB. Der Effekt sollte sein, dass der Chor etwas weiter “weg” rückt und damit vorne mehr Platz für den Gesang lässt.

 

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Und damit sind wir am Ende dieses Tutorials zum Abmischen von Background-Vocals. Natürlich kannst Du jetzt mit einem Hall und/oder Delay die Stimmen noch weiter separieren, aber das haben wir schon an anderen Stellen zur Genüge besprochen.

Welche Tricks verwendest Du beim Vocals mischen? Teile Deine Erfahrung mit uns und schreib uns einen Kommentar!

Wir freuen uns auf Dich!

Lesermeinungen (12)

zu 'Mixing: Background-Vocals abmischen in 6 Schritten'

  • dj Putin
    04. Sep 2009 | 22:36 Uhr Antworten

    eine frage, die mich interessiert ist die der automation von audiospuren.
    ich kenne die automation bisher nur bei vst’s um zb den filter zu drehn oder delay zu erhöhen/ verringern ( hier spricht die house-section :D ).
    aber wie kann ich mir die automation von audio-material vorstellen?
    ist es das gleiche und wenn ja, wie stelle ich das an?
    anbei- ich benutze cubase 3sx.
    ich lese recht oft von automation und konnte mir bisher nur ein bild der automation bei vst’s machen.
    ich wäre für eine einfachere anleitung sehr dankbar :)

    lg

  • dj Putin
    04. Sep 2009 | 22:39 Uhr Antworten

    hab was vergessen:
    ich cutte audio-material gerne in vielere kleinere stücke und passe die lautstärke dem rest der jeweiligen aufnahme an… aber da ist ja nichts “automatisches” dran :D

  • Carlos (delamar)
    05. Sep 2009 | 23:42 Uhr Antworten

    Hallo dj Putin.
    Die Automation von Audiospuren im Mixing ist nichts anderes als die Automation von VST-Plugins. Es werden einfach die Bewegungen bzw. Änderungen der einzelnen Parameter aufgezeichnet und danach wiedergegeben. Das funktioniert mit Cubase SX3 übrigens auch.

  • Dominik
    08. Sep 2009 | 01:13 Uhr Antworten

    Hallo Carlos,

    gute Tips, danke dafür. Macht alles Sinn.

    Ich finde die Frage interessant, wie man sagen wir drei Backing-Spuren im Panorama verteilt, von denen ja eine (meistens die höchste) sozusagen die Hauptstimme ist. Man könnte die ja doppelt aufnehmen und dann links und rechts verteilen, aber das passt nicht immer.

    Also wo packe ich die drei hin? 1 links, 2 rechts? Hauptstimme in die Mitte (zusammen mit Lead) und die anderen beiden pannen – oder alle auf eine Seite mit Gegengewicht durch zB Gitarre auf der anderen Seite? Muss ich mal direkt drauf achten, wie so etwas bei großen Produktionen gemacht wird…

  • dj Putin
    08. Sep 2009 | 20:15 Uhr Antworten

    also ich würde 3 spuren aufnehmen, wovon eine die hauptspur ist… der sollte man bei der aufnahme am meisten aufmerksamkeit schenken. dazu würde ich noch 2 stimmen aufnehmen, die vllt etwas variieren um dem ganzen noch etwas mehr tiefe zu verleihen.
    die hauptstimme würde ich in der mitte lassen und die anderen jeweils eine links und rechts pannen. aber nicht zu 100%. ich komme bisher mit einer einstellung von L60/R60 gut klar ( um es mal in cubase darzustellen).
    wenn du da noch etwas mehr machen willst, würde ich mir den artikel zum thema ” split harmonizer” effekt hier auf delamar reinziehn- der ist echt einfach beschrieben und der effekt ist echt gut =)

    soweit zu meinen erfahrungen, vllt hilfts ja ein wenig.

    lg, putin

  • Armin
    08. Sep 2009 | 21:38 Uhr Antworten

    Ich nehme gerne eine Spur mit dem Hauptgesang auf und dann immer paarweise Background für L/R. Meine Mixe klingen sonst seltsam, wenn die Backings nur auf einer Seite liegen.

  • Carlos (delamar)
    09. Sep 2009 | 13:56 Uhr Antworten

    Also ich bin ein großer Fan von fetten Backgound-Vocals. Ich nehme sehr gerne sehr viele Dopplungen auf und verteile die im Stereopanorama.

    Es spricht aber auch nichts dagegen, nur eine Spur für den Chor aufzunehmen und diese asymetrisch zu positionieren. Es muss ja nicht immer ein symetrischer Mix sein.

    @Dominik
    Du kannst dich für einen unsymetrischen Mix entscheiden und die dritte Spur einfach zu einer Seite hin anordnen. Oder Du legst sie direkt unter den Lead-Gesang. Das kann aber problematisch für das Absetzen des Lead-Gesangs werden.

  • ercan demirel
    20. Nov 2009 | 20:42 Uhr Antworten

    hallo Carlos,

    finde es klasse, wie du das alles hier managest. …
    Einige Tipps sind auch für erfahrene Producer, Mixer zu gebrauchen.
    Danke

  • Frank Touch
    06. Jun 2011 | 14:09 Uhr Antworten

    Hallo Carlos und alle anderen delamar user,

    ich recorde rap mit Ableton live suite 8 und wollte wissen wie ich das da mit der automation mache.
    Dann habe ich ein weiteres problem mit meinem backings.Ich nehme eine links eine rechts und eine für Betonungen. Ich bekomme das Panning und die Laustärke einfach nicht hin ohne das ich immer im Hintergrund eine höre, dass ich denke das timing stimmt nicht.

    Meine letze Frage ist, gibt eine Möglichkeit backings bzw. Chorstimmen gut zu simulieren, dass ich sie nicht mehr selber einrappen muss?

    Vielen Dank schon mal im voraus.

  • Pasi P.
    02. Mai 2012 | 07:19 Uhr Antworten

    wenn ich das richtig verstehe sollte man also (wenn der mix symetrisch sein soll) mindestens 2 mal backings aufnehmen..? Das hab ich dann falsch gemacht denn ich habe bisher immer nur eine spur für betonungen aufgenommen die ich 1x kopiert und die eine links und die andere rechts gesetzt habe. War das kompleter bockmisst? Sollte man überhaupt nicht duplizieren in diesem fall?

    Mfg Pasi

  • dj Putin
    05. Mai 2012 | 09:24 Uhr Antworten

    hey pasi,

    im besten falle solltest du backups min 2x aufnehmen.
    du kriegst immer phasenauslöschungen, wenn du die selbe spur kopierst. du kannst das zwar mit nem doubler/ split harmonics etwas ausbügeln aber die volle kontrolle und authentizität bleibt nur bei mehr als einer backup spur. die zeit solltest du dir nehmen, denn später beim mischen könntest du länger dran sitzen als gewollt.

    lg

    putin

    (ja es gibt mehr als eine lösung, wie du das mit nur einer aufnahme hinkriegst aber ich finde, dass es immer besser klingt, wenn man min. 2 aufnahmen macht. es gibt natürlich auch auf delamar einen artikel zu genau diesem thema :) )

  • peter
    16. Feb 2014 | 21:25 Uhr Antworten

    vielleicht ist es ja von Interesse: Wir haben den
    letzten Song (Schlager) mit 71 Spuren gemacht – davon waren 35 nur vocals. Das hört man dann kaum im Endmix. Klingt einfach so, wie es soll!

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