Abmischen: Wie dir diese Edits & Mixe eine Menge Zeit sparen können

Abmischen: Wie dir diese Edits & Mixe eine Menge Zeit sparen können

Ein Anruf: “Ich brauch einen Mix ohne Vocals für den Auftritt in zwei Wochen.” “Klar, kein Problem” und dann sitze ich lange Stunden daran, dieses eine Projekt in den Backups zu finden, auf die Festplatte zu kopieren, zu laden, alle notwendigen Plugins wieder zu installieren und dann klingt es irgendwie nicht mehr wie das Original. Hm, das ist Total Recall?

Nun, vielleicht kennst Du das, vielleicht auch nicht. Ich jedenfalls habe dazugelernt, weil mir meine Zeit einfach so wichtig ist. Der Trick liegt einfach darin begründet, nach dem Abmischen eines Songs nicht nur den einen Mix, den Du später verwenden willst zu exportieren, sondern bei dieser Gelegenheit auch weitere Abmischungen zu erstellen. Sicherheitsmixe, Edits, Alternativen, Zeitsparer – wie auch immer Du sie nennen möchtest.

Hier ist eine Übersicht der Mixe, die ich seit langer Zeit anlege, und mit denen ich bisher sehr gut gefahren bin.

Edits beim Abmischen anlegen

1. Main Mix
So bezeichne ich auf meiner Festplatte den normalen Mix. Also der Mix, in dem alle Instrumente, Gesänge, Raps oder Spuren zu hören sind. Und zwar so, wie ich sie beim Abmischen des Tracks intentioniert habe. Alle nachfolgenden Mixe basieren auf diesem einen.

 

2. Instrumental
Gerade das Instrumental alleine zu exportieren gehört zu den wichtigsten Variationen. Denn hin und wieder müssen Künstler mit Halb-Playback auftreten (beispielsweise im TV) und dann kannst Du auf diesen Mix zurückgreifen. Ich lege hier gleich zwei Versionen an. Nur das Instrumental und dann das Instrumental mit Backing Vocals.

 

3. Acapella
Die Acapella Variante wird eher selten genutzt, aber auch hier gibt es durchaus Verwendung. Beispielsweise kann das Acapella für Remixe verwendet werden. Meistens bietet es sich an, eine Version mit Effekten und eine ohne Effekte anzulegen.

 

4. Drum Mix
Dieser Mix wurde mal von mir für einen Remix verlangt, deswegen erstelle ich diesen auch immer mal wieder.

 

5. Vocal Variationen
Diese Mixe lassen alles bestehen und Änderungen sind nur bei den Vocals zu finden – gemeint sind Lautstärkeänderungen, keine Änderungen im Inhalt. Diese lege ich zur Sicherheit an und ich greife tatsächlich hin und wieder mal auf diese zurück.

Lead Vocal +2dB/-2dB
Backing Vocals +2dB/-2dB

 

6. Basis Variationen
Auch diese Versionen dienen zur Sicherheit, falls mal etwas schiefgehen sollen. Als Basis bezeichne ich hier die grundlegenden Elemente. Je nach Musikstück kann mal ein Instrument dazukommen, meistens handelt es sich jedoch um Kick Drum + Bass.

Basis +2dB/-2dB

 

7. Variationen der Effekte
Manchmal bin ich mir bei extremen Effekten oder auch mal einem Hall nicht sicher. Dann lege ich auch einen eigenen Mix mit anderen Effekten an. Oder ich mache die bestehenden Effekten lauter bzw. leiser. Gerade was den Hall angeht, können diese Mixvariationen zu einer gehörigen Zeitersparnis beitragen.

Welche Mixe und Variationen hast Du schon einmal für deine Arbeit benötigt? Welche Tipps & Tricks hast Du noch auf Lager? Teile sie mit den anderen delamari und schreib uns einen Kommentar!

Lesermeinungen (8)

zu 'Abmischen: Wie dir diese Edits & Mixe eine Menge Zeit sparen können'

  • Olaf
    20. Feb 2011 | 19:11 Uhr Antworten

    Was genau meinst du bei 5. Vocal Variationen Neeuer Text, andere Melodie?

    • Carlos (delamar)
      21. Feb 2011 | 07:56 Uhr Antworten

      Olaf, meinte natürlich nur Lautstärken und vielleicht mal Effekte. Habe den Artikel in der Hinsicht überarbeitet =)

  • Burger
    20. Feb 2011 | 19:41 Uhr Antworten

    guter artikel, so kann und sollte man mixe ziehen *thumbs up*

    recall ist – in allen facetten des tostudiobetriebs – zu einem wichtigen punkt avanchiert.

    wenn man mit ständig wechselnden plugins arbeitet, oder eben analog, lohnt es sich, spur für spur zu tracken (z.B. über busse. also spur 1 auf bus 1, und dann ne neue spur, record ready, input = bus 1, usw) sprich, deinen erzeugten sound in audiodaten umzuwandeln.

    btw: wens interessiert:

    im analogen kommt man eh nicht drum rum, den sound einzelner geräte zu tracken. erstens ist ein recall fürchterlich kompliziert (patchbay stecken, geräte einstellen etc), zweitens verändern sich outboardgeräte (zumindest manche) klanglich auch. je nach temperatur, wartungsstatus, betriebsdauer etc; wenn man z.B. mit nem Pult arbeitet, macht es auch sinn, spur für spur am pult zu solieren und dann aufzunehmen.
    schon allein weil ne pultsummierung durch nichtlineare summierung nochmal anders klingt als inthebox.

    was auch immer super ist: notizen machen (was bedeuet z.B. gitUp-Version: Gitarre(n) 1.5 dB lauter als normalerweise, also steht der fader dann nicht auf z.B. -4.5 dB, sondern dann -3). Einfach als txt file mit in den projektordner… wirkt wunder; vorallem wenn man das projekt mal übergeben muss.
    bei übergaben sind einzelspuren grundsätzlich eh sinnvoll.

    Jeder sollte sich da aber sein eigenes konzept entwickeln; manche setups erlauben es ja, per einfachem mausklick z.B. vom fertigen mix ins instrumental zu kommen. wie bei mir zuhause z.B. wenn spezielle mixe gewünscht werden, sind das für mich effektiv 5 minuten arbeit.

    • Carlos (delamar)
      21. Feb 2011 | 07:56 Uhr Antworten

      Du sagst es :)

  • Andreas
    21. Feb 2011 | 07:06 Uhr Antworten

    Naja. Besonders zeitsparend ist das ja nicht gerade, wenn du einfach ins blaue hinein 7 mixe machst. Das braucht ja auch Zeit, und ob man sie dann später jemals braucht ist ja auch nicht sicher. In pro tools z.B. Muss ich jeden Mix in Echtzeit bouncen. Das kostet Zeit und Geld. Für den fall wäre es doch viel einfacher und sicherer, die stems (Gruppen/ Spuren) zu bouncen. Dann kannst du sie auch ohne Plugins. Wieder laden und schnell mal laden und dran schrauben. Da hat man auch gleich Files für remixe, etc bereit.

    • Carlos (delamar)
      21. Feb 2011 | 07:55 Uhr Antworten

      Sieben Mixe bedeuten maximal eine Stunde Arbeit. Nach einem Jahr das alte Projekt suchen, kopieren, starten, nachinstallieren, exportieren kostet unter Garantie mindestens eine Stunde…da mach ich mir die Arbeit lieber gleich und kann in einem Jahr die Mixe in Windeseile wiederfinden.

      Wenn Du noch externes Equipment nutzt, dann kommen ja auch noch ganz andere Probleme dazu…

  • Olaf (2)
    21. Feb 2011 | 09:32 Uhr Antworten

    Die Idee mehrerer solcher Stems ist richtig, allerdings kann man sich ein paar der oben genannten durchaus sparen. Wirklich wichtig sind eigentlich nur diese 4:

    1. TV-Mix (Instrumental + Backing Vocals)
    2. Lead-Vocals
    3. Full Mix (= 1.+2.)
    4. Instrumental (auch ohne Backing Vocals)

    Einen Vocal up/down kann man sich aus diesen Stems ganz einfach basteln, indem man für Vocal up Stem 2 noch einmal über Stem 3 legt und den Pegel von Stem 3 anhebt. Für ein Vocal down dreht man bei Stem 2 die Phase um 180° und kann dann über dessen Pegel die Absenkung der Lead-Vocals einstellen.

    Das gleiche funktioniert auch mit den Backing Vocals, wenn man Stem 1 und 4 entsprechend behandelt.

    Über Sinn und Unsinn eines Drum/Bass Stems kann man sicher lange diskutieren. Wenn es nur um die Kick und den Bass geht, kann man auch den Instrumental-Stem verwenden und mit einem Low-Pass-Filter alle höheren Frequenzen (z.B. >300 Hz) rausfiltern und “den Rest” noch einmal unter den Full Mix legen.

  • Phunkateer
    21. Feb 2011 | 10:16 Uhr Antworten

    Und für alle, die wie ich gerne Plugins auf dem Masterbus einsetzen, um einen Track schon für den Hausgebrauch zu mastern: Immer zusätzlich auch Mixe OHNE diese Plugins machen.

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