Abmischen: In welcher Reihenfolge mische ich meinen Song am besten ab?

Reihenfolge beim Abmischen von Songs

Wie so häufig muss auch dieser Artikel mit dem Hinweis beginnen (oder enden), dass es in der Musik genau so wenig wie in der Musikproduktion, dem Homerecording oder dem Abmischen von Songs irgendwelche Schritt-für-Schritt-Rezepte gibt. Nun, das ist nur ein Teil der Wahrheit. Denn Tatsache ist auch, dass viele Produzenten den immer gleichen Weg beim Mixing gehen und sich daher dann doch noch gute Tipps ableiten lassen.

Das eigentliche Problem der Schilderung sind die unterschiedlichen Variablen, die sich aus der Ausgangssituation ergeben. Beispiele: Welche Musikrichtung mischst Du? Wieviele Spuren hast Du? Sind Vocals dabei? Und so weiter.

Deswegen kann ich hier nicht für jeden Einzelnen eine Lösung anbieten. Doch meine eigenen Ansätze kann ich durchaus schildern. Beginnend mit dem Ansatz, der mich selten zu einem guten Ergebnis geführt hat und den ich deswegen auch nicht mehr weiter verfolge. Here we go.

Abmischen von Songs: Die richtige Reihenfolge

Abmischen von Songs: Die richtige Reihenfolge

1. Abmischen schwierig gemacht

Als besondere Herausforderung darf das gelten, was ich früher gemacht habe: Zunächst das Instrumental komplett abmischen und dann später die Vocals einbetten. Ich selbst habe dabei nur sehr mässige Ergebnisse geschafft. Das Vocal in etwas einzubetten war ein gehöriges Stück Arbeit und immer ein Kampf dagegen, dass der Gesang unterging oder irgendwie oben auf gesessen hat.

Einige Toningenieure schwören auf diesen Ansatz, weil sie sagen, dass – wenn das Vocal erst einmal IM Mix sitzt – der Zusammenhalt des Gesamtwerks enorm sei. Ich selbst würde diese Methode nicht weiterempfehlen, insbesondere Einsteiger und wenig Erfahrene sollten sich an eine der beiden anderen Methoden halten.

 

2. Abmischen für elektronische Musik

Bei Musikgenres, in denen der Rhythmus eine besondere Rolle spielt (zum Beispiel Dance oder Hiphop) kann sich dieser Ansatz besonders gut eignen. Hier werden erst die Rhythmusspuren und der Bass zusammen abgemischt, um die nötige Basis zu kreieren. Hier kann dann der Groove zunächst im Detail ausgearbeitet werden.

Steht die Rhythmusgruppe, dann werden als nächstes Lead-Vocal und dann die Backing-Chöre hinzugemischt. Im Gegensatz zum ersten Ansatz haben die Gesangsspuren zu diesem Zeitpunkt noch genügend Platz im Mix und die korrigierenden Arbeiten an den zuvor abgemischten Spuren dürften sich im Rahmen halten.

 

3. Vocals zuerst abmischen

In der Zwischenzeit bin ich für mich dahintergekommen, dass – sofern vorhanden – der Gesang die wichtigste Spur in einem Song ist. Menschen können mit anderen Menschen bzw. deren Stimme am ehesten eine emotionale Beziehung aufbauen. Und deswegen sollten den Vocals besonders viel Detailarbeit und Mühe spendiert werden.

Ich ziehe bei dieser Variante zunächst das Lead-Vocal und seine Dopplungen hoch und beginne diese zu polieren. Je nach Song und Genre gehe ich direkt danach zu den Chören oder häufiger dazu über, die Drums abzumischen.

Natürlich müssen auch bei dieser Herangehensweise die Vocals des Öfteren mal nachkorrigiert werden, um am Ende einen optimalen Mix zu bekommen. Wichtig ist am Ende des gesamten Mixing-Vorgangs ja schliesslich, dass der gesamte Song ansprechend gestaltet ist und die Stimme im Kontext passt.

 

Schlussgedanken zum Abmischen von Songs

Bei Methode 3 fällt es mir persönlich am einfachsten einen ausgewogenen Mix zu kreieren, in welchem die Stimme sehr präsent und bindend klingt, gleichzeitig aber vom Instrumental umflossen wird. Einige andere Produzenten haben mir jedoch berichtet, dass bei ihnen diese Methode eher dazu führt, dass die Stimme “auf dem Instrumental getragen” wird. Also etwas oben auf sitzt. Nun, da kommen persönliche Präferenzen, Erfahrungen und Geschmäcker zum Tragen.

Bei allen Methoden im Abmischen von Songs empfiehlt sich, einen Referenzsong geladen zu haben, an dem Du dich orientieren kannst. Und genauso solltest Du auch darauf achten dich nicht in den Details zu verlieren – gleich ob bei Drums, Bass oder Stimme. Der Konsument, der potenzielle Fan hört am Ende ohnehin nicht alle Details oder wie der Mix zusammengekommen ist. Im besten Fall hört er sich den Song an und wird emotional berührt.

Wie gehst Du an deine Songs heran? Hast Du eine feste Reihenfolge, in der Du bestimmte Spuren nach anderen hinzumischst? Oder improvisierst Du von Mal zu Mal? Schreib uns und den anderen delamari deine Meinung zum Abmischen von Songs in die Kommentare.

Lesermeinungen (9)

zu 'Abmischen: In welcher Reihenfolge mische ich meinen Song am besten ab?'

  • finaltune
    16. Jun 2011 | 17:08 Uhr Antworten

    Gute Tipps, danke!

  • Pablo
    16. Jun 2011 | 17:39 Uhr Antworten

    Auf jeden Fall eine schöne Erklärung und Zusammenfassung verschiedener Varianten.
    Ich benutze auch eher die zweite Variante, ganz selten auch die Erste. Mit der Zweiten kriege ich einfach einen in sich konsistenten Mix wo alles schön “zusammenklebt”.

  • Lukas Laufenberg
    16. Jun 2011 | 20:07 Uhr Antworten

    Wie Cool, werden die Kommentare jetzt auf Facebook veröffentlicht?

  • kabelsalat
    16. Jun 2011 | 20:17 Uhr Antworten

    Es kommt halt immer auf die Mucke an. Deshalb mal meine Grob-Reihenfolge:

    - ganz schnellen Rohmix machen, reinhören und wirken lassen
    - entscheiden welches das “Hauptinstrument” ist
    - Hauptinstrument zuerst zurechtdrehen
    - restliche Spuren dann drum herum zurechtmachen

    Gruß kabelsalat

  • Jan Gerhard
    16. Jun 2011 | 21:57 Uhr Antworten

    Ich zitiere mal Bob Clearmountain: “DON’T start with the drums!”

  • Jan Gerhard
    16. Jun 2011 | 21:57 Uhr Antworten

    Ich zitiere mal Bob Clearmountain: “DON’T start with the drums!”

  • Maik (als Jusdiz bekannt im Podcastchat^^)
    17. Jun 2011 | 10:43 Uhr Antworten

    Hallo liebes delamarteam und liebe delamari, ^^

    Wirklich ein guter Artikel. Wie immer interessant und lehrreich.

    Ich beginne auch, wenn Vocals vorhanden sind, mit diesen. Aus zweierlei Gründen. Erstens habe ich eine gute Orientierung um die richtige Laustärke zu finden und zweitens kann ich dann die Musik athmosphärisch “um die Vocals herum bauen”. Es fügt sich dann, meiner Meinung nach, alles besser zusammen. So, denke ich, entsteht die gewollte Stimmung am besten.

    LG Maik

  • Gibson
    20. Jun 2011 | 22:33 Uhr Antworten

    Es kommt halt immer auf die Mucke an. Deshalb mal meine Grob-Reihenfolge:
    - ganz schnellen Rohmix machen, reinhören und wirken lassen
    - entscheiden welches das “Hauptinstrument” ist
    - Hauptinstrument zuerst zurechtdrehen
    - restliche Spuren dann drum herum zurechtmachen
    Gruß kabelsalat

    das ist auch mein Ansatz

    ggf. Nehm ich die ein oder andere Spur nochmal neu auf, da mir oft der Rohmix nicht passt, da entweder umgreiffehler oder “fingertrouble” (mixe fast ausschließlich akkustik gitarren musik) rauszuhören sind, ist halt ein schneller “Rohmix”

  • P.Chris
    05. Jul 2014 | 14:06 Uhr Antworten

    Ich persönlich bevorzuge in den meisten Fällen Methode 1, das Playback fix und fertig abzumischen und die Vocals erst dann einzufügen, da ich bei den anderen Methoden auch unter dem Gefühl “leide”, das die Stimme zu sehr vom Instrumental getragen wird.

    Mit der Methode 1 fällt es mir persönlich leichter, gewisse Ebenen/Layer zu leveln und dadurch im Vorfeld wichtige Transparenzen und Platz/Räume zu schaffen, in der sich additives wie Vocals einbinden lassen, ohne das sich die Grundstimmung/Charakter eines Stückes noch nachträglich und ungewollt verändert.

    Diese Methode 1 ist eigentlich ja nicht wirklich die an sich sinnvollste Lösung, da man keinen direkten Zugriff mehr hat, wenn einem im instrumentalen Playback im Nachhinein ein Fehler etc. auffällt, aber mit der Zeit und Erfahrung lernt man auch hinsichtlich additiver Dinge zu späteren Zeitpunkt, dafür entsprechenden Platz zu lassen und sehr gezielt seinen instrumentalen Mix zu bauen.
    Für mich hat sich diese Methodik schlussendlich sehr bewährt.

    Es gibt aber auch umgekehrte Fälle, da möchte man, das eine Stimme die Farbe und Charakter eines Playbacks im Nachhinein stark beeinflusst.
    Das kann einem Song eine völlig überraschende Wendung und ganz andere Richtung geben.
    Das kann mitunter aber auch sehr komplex werden, weil man dann manchmal auch wieder anfängt, das gesamte Playback gänzlich von vorne aufzurollen, weil sich z.B. ein anderer tragender Sound (z.B. Gitarre anstelle des Piano) oder Harmonien etc. als noch besser, interessanter oder mal “völlig anders” erweisen.

    In welcher Reihenfolge ein instrumentales Playback abgemischt wird oder werden sollte, muss jeder für sich selbst entscheiden bzw. rausfinden und hängt meiner Meinung nach auch zu sehr von individuellen Situation ab und welches die darin tragenden Elemente sind, um dafür eine allgemeine Patentlösung aufstellen zu können.
    Wenn es eine allgemein gültige Richtlinie gäbe, würde ich meinen, das der wichtigste erste Schritt zunächst erst einmal der sein sollte, einen möglichst ausgewogen Mix ohne zu sehr hervorstechende Elemente zu erstellen und sich dann vorausschauende Gedanken darüber zu machen (z.B. wie wird der Song gesungen und wer singt ihn usw.), wo man noch die Prise mehr benötigte Würze hinzugibt oder ausdünnen kann.

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