Abmischen: Kreatives Panning für deine Mixe

Abmischen: Kreatives Panning für deine Mixe

Irgendwo hatte ich mal von einer Studie gelesen, die besagte, dass erfahrene Tontechniker bis zu elf unterschiedliche Positionen im Stereopanorama ausmachen können. Das ist in der Tat eine Menge und die meisten eher normalsterblichen Musiker kommen wohl nicht über sieben. Aber das ist nicht weiter schlimm, denn sieben ist ebenfalls eine beträchtliche Anzahl, mit der Du in der Theorie schon sieben Instrumente voneinander im Mix abheben könntest.

Die erste Frage, die sich jedoch stellt ist: Warum überhaupt das Panning nutzen, um Instrumente im Stereopanorama zu verteilen? Die Lösung wird klar, wenn Du dir überlegst, was wohl passieren würde, legtest Du alle Spuren und Instrumente einfach genau in die Mitte. Es käme klangtechnisch zu einem Matsch und Brei sondergleichen und viele Instrumente wären aufgrund gegenseitiger Maskierung nur schlecht auszumachen und klängen dünn. Es ist noch schlimmer: Der ganze Mix klänge dünn im Vergleich zu anderen Produktionen.

Abmischen: Kreatives Panning im Stereopanorama

Abmischen: Kreatives Panning im Stereopanorama

Damit wir uns einfacher verstehen können und etwaige Hürden zwischen Mischpulten und DAW-Software ausschalten, beziehe ich mich immer auf einen einzigen Panning-Regler (viele Musikprogramme nutzen einen einzigen Regler auch für Stereospuren). Um die Position näher zu beschreiben, werde ich Uhrzeiten angeben. Die Panning-Position “Center”, also direkt in der Mitte wäre dann 12 Uhr, ganz links entspräche etwa 7 Uhr und so weiter.

 

Panning für das Schlagzeug

Bei einem Schlagzeug halte ich mich gerne an das akustische Vorbild. Die Kick Drum sitzt direkt auf 12 Uhr, was gleichzeitig auch von der Umsetzung der Energie im Mix wegen der tieffrequenten Anteile Sinn macht. Die Snare Drum versetze ich leicht seitlich nach rechts und gehe damit auf nicht ganz 1 Uhr. Eine andere Möglichkeit ist es, die Snare Drum ebenfalls direkt auf 12 Uhr zu lassen, um auch hier die volle Energie nutzen zu können. Das funktioniert auch bestens in Abmischungen ohne Vocals. Bei Mixen mit Vocals ziehe ich die seitliche Positionierung vor, um dem Gesang nicht im Weg zu stehen.

Die Hihat kommt dann auf etwas mehr als 1 Uhr, das Ridebecken genau gegenüber auf 11 Uhr. Die Becken hängen im akustischen Drum Kit meist leicht darüber und so nutze ich gerne Positionen zwischen 10 und 14 Uhr.

Bei den Toms kannst Du dich ebenfalls an deren Position im akustischen Schlagzeug orientieren. Setzt Du diese zu weit auseinander, dann klingen die Fills oftmals nicht mehr. Die beiden Hängetoms finden ihren Platz so zwischen 11 und 1 Uhr. Die Standtom wäre wahrscheinlich zwischen 10 und 11 gut positioniert.

 

Panning für den Bass

Beim Bass gibt es eine einfache Regel: Er gehört in die Mitte. Davon mal abgesehen lassen sich natürlich auch andere Positionen umsetzen, die aber in der Regel an Durchschlagskraft verlieren, wenn die tieffrequenten Anteile zu weit im Stereopanorama verteilt werden. Du kannst weitere Informationen hierzu im Artikel Der Bass gehört in die Mitte nachlesen.

Was Du allerdings machen kannst, um den Bass nicht ganz in mono lassen zu müssen, ist folgendes: Du nutzt eine Frequenzweiche, um die tieffrequenten Anteile von Mitten und Höhen zu trennen. Erstgenannte lässt Du mittig auf 12 Uhr. Und mit Mitten und Höhen kannst Du dann bestens etwas herumexperimentieren.

 

Panning für Gitarre

Bei der Gitarre hast Du wesentlich mehr Optionen und es gibt viele gute Ansätze. Einer der typischen wäre es, die Gitarren ganz links bzw. ganz nach rechts im Stereopanorama zu drehen. Und das kommt mit den Rhythmus-Gitarren besonders gut. Manchmal kannst Du auch weitere Dopplungen aufnehmen und diese auf 8 oder 17 Uhr setzen. Dadurch werden die Gitarren etwas breiter im Mix.

Du kannst auch probieren eine dritte Spur mit Rhythmusgitarre auf 12 Uhr zu setzen. Hier musst Du aber vorsichtig sein mit den Vocals und/oder anderen Lead-Instrumenten in der Mitte, damit sich diese Spuren nicht gegenseitig im Weg stehen.

 

Panning von Keyboards

In vielen Songs kommen noch wesentlich mehr Spuren vor und dazu gehören auch die Synthesizer- und Keyboard-Spuren. Natürlich ist alles auch in gewisser Weise eine Geschmacksfrage oder es gibt Regeln, die von der jeweiligen Musikrichtung vorgegeben sind. Mein persönlicher Ansatz ist, diese Spuren dort anzusiedeln, wo das Stereopanorama noch Platz bietet.

Bei elf Positionen sollte noch die ein oder andere Stelle möglich sein und selbstredend gehört es beim Abmischen von Songs auch mal dazu, einige Spuren stumm zu schalten und auf deren Parts zu verzichten. Glücklicherweise ist das Panning von Spuren im Stereopanorama nur eines von drei Werkzeugen (Stereopanorama, Tiefenstaffelung, Equalizing), um Platz im Mix zu schaffen.

 

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Lesermeinungen (14)

zu 'Abmischen: Kreatives Panning für deine Mixe'

  • Domse
    30. Jan 2011 | 13:01 Uhr Antworten

    Sehr schöner Beitrag Carlos! Vielen Dank dafür!

    Ich hab bei meinen Mischungen immer das Problem, dass ich nicht weiss wie ich mit Stereoinstrumenten umgehen soll. So ist ist doch ein Keyboard bzw. Pianosound immer in Stereo oder?
    Da macht es doch irgendwie keinen Sinn den im Panorama zu verteilen, da der ja eh Stereo ist?! Ich weiss wohl, dass man die Stereobreite “breiter” oder “schmaler machen kann und diese dann nach rechts und links pannen kann. Bin da irgendwie verwirrt. Wie macht ihr das mit Piano, Keyboard, Streichersounds etc.?

  • jacktheguitarman
    30. Jan 2011 | 22:46 Uhr Antworten

    Sehr schöner Artikel, vielen Dank!

    Musik-Empfehlung dazu: Michael Jackson “Black or White” und “Stranger in Moscow” oder Bands, die bereits mit vielen Musikern auf der Bühne stehen: Jamiroquai, Dave Matthews Band oder John Mayer (“Belief” live auf “Where the light is”) oder diverse Bigbands.

    Stereo-Panning ist bei mir im Mix immer einer der ersten Arbeitsschritte.
    Vor allem bei audiophilen Aufnahmen, bei denen Instrumente möglichst natürlich klingen sollen, nutze ich das Panning lange bevor ich am Equalizer etwas einstellen sollte.

    Mir ging es letztens mal wieder so, dass ich auf das grob voreingestellte Pult einer Band schaute und die zwei Kanäle (Stereo auf 2 Mono) des Stage-Pianos konsequent nach links- und rechts-außen gestellt waren. Ich verwerfe solche Standard-Einstellungen immer und hab dann versucht im Mix das Piano besser einzugliedern. Klang dann echt gut.

    @Domse: Ich hab da mal von einem interessanten Ansatz gelesen. Da schrieb ein Ton-Ing., dass er bei einem Stereo-Sound von Keys und Synths darauf achtet, wie sehr der Stereo-Sound schon im Arrangement verankert ist. Wenn der Sound noch simpel gestrickt ist (z.B. bei einfachen E-Pianos o.ä.), könnte man probieren, nur eine Monospur der zwei Stereo-Kanäle zu verwenden, diese dann zu doppeln, auf dem zweiten Kanal dann dezent einen Effekt zumischen und das ganze einzeln im Sterofeld verteilen.
    Allgemein ist meine Meinung zu Stereo-Spuren: Auf zwei Mono-Spuren routen und einzeln handeln (geht ja in den meisten DAWs ja auch direkt in der Stereo-Spur)…

    Danke für den guten Artikel.

  • Patrick
    31. Jan 2011 | 12:49 Uhr Antworten

    Was bei Rhodes manchmal gut kommt ist folgendes:
    Das Rhodes nach ganz links pannen.
    Einen Delay als send 100% wet mit zwischen 1-19ms nach ganz rechts pannen und die Phase invertieren.
    Das ist der sogenannte Haas-Delay, der darauf basiert, das das menschliche Ohr Delays unter 20ms nicht als Delay wahrnimmt.
    Das klingt dann so, als würde das Rhodes noch weiter rechts als die Box steht spielen ;-) Geht auch mit Gitarren o.a. Viel Spaß!
    Patrick

  • Markus
    31. Jan 2011 | 14:56 Uhr Antworten

    … oft ist es ja z.B. bei Stereo-Sounds in Sample-Libraries so, dass schon eine Position im Panorama zu erkennen ist, obwohl der Panner noch auf Center steht.
    Wenn dann z.B. das Keyboard auf 14 Uhr zu hören ist kann man es ja in diesem Bereich mit dem Panner leicht verschieben.
    Wenn ich es dann lieber auf der linken Seite haben möchte mache ich es auch schonmal so, dass ich dann einfach den linken und rechten Kanal vertausche – und das Keyboard dann ganz leicht auf 10 Uhr bekomme.

  • Max
    31. Jan 2011 | 16:24 Uhr Antworten

    Nagut aber manchmal hört man unterwegs auch Musik und hat nur ein Stöpsel im Ohr.. und da nerven solche krassen links rechts sachen total weil einem das voll den chorus oder was auch immer versaut…
    deswegen find ich sollte man da garnicht groß links rechts mischen.. vielleicht ganz minimal.. weil solche songs nerven mich immer extrem >.<
    weil sich das echt ******* anhört ;o
    meine meinung..

    • Thomas “thommytulpe” Nimmesgern
      09. Mai 2011 | 16:30 Uhr Antworten

      Hallo!

      Nun ja, aus der Sicht der Künstler müsste ich wohl sagen: “selber schuld … hör Musik ordentlich!”

      Im Endeffekt läuft das daraus hinaus, wie weit ein Künstler seinen Zuhörern entgegenkommen will.
      Das sieht man schön an diesem Beispiel, wenn’s darum geht, ob ich beim Abmischen die Stereopanorama-Effekte deutlich berücksichtige oder Monokompatibilität in den Vordergrund stelle – wenn ich letzeres mache, komme ich damit einigen Hörern wohl entgegen, gleichzeitig raube ich aber dem Lied einige künstlerische Elemente (Stereoverteilung _ist_ meines Erachtens ein künstlerisches Element, nicht nur ein technisches).

      Ich kann da nur für mich reden: Wenn ich Musik mache, dann will ich sie nicht für Leute machen, die nur mit einem Ohr zuhören, sondern für Leute, die ihre Aufnmerksamkeit der Musik widmen.
      Damit schließe ich sicherlich einíge Hörergruppen aus, aber da ist mir meine künstlerische Integrität halt wichtiger.

  • Halfnelson
    31. Jan 2011 | 19:47 Uhr Antworten

    Hallo,

    vielen Dank für den prima Artikel.
    War auch gerade mein Thema.
    Ich habe mal versucht, Carlos’ Angaben
    für mich in Cubase Werte umzuwandeln.
    Ich weiß, dass es sich dabei nur um
    nicht verbindliche Angaben handeln kann.
    Schließe mich da Carlos’ Einschränkungen an.
    Aber vielleicht hilft es dem einen oder anderen.
    Würde mich freuen. Sollte ich irgendwo daneben
    liegen, freue ich mich auch über Korrekturen oder
    alternative Vorschläge.

    Schöne Grüße, Halfnelson

  • Halfnelson
    31. Jan 2011 | 19:51 Uhr Antworten

    Oh sorry! Hier kommen jetzt auch die Angaben

    Kick Drum 0 Prozent
    Snare Drum 10 Prozent
    Snare Drum 0 Prozent (in Abmischungen ohne Vocals)
    Hihat 25 Prozent
    Ridebecken - 25 Prozent
    Becken - 40 bis 40 Prozent
    Hängetom 1 - 20 Prozent
    Hängetom 2 20 Prozent
    Standtom - 30 Prozent

    Bass 0 Prozent

    Rhythmusgitarre 1 – 100 Prozent
    Rhythmusgitarre 2 100 Prozent
    gedoppelte
    Rhythmusgitarre 1 – 80 Prozent
    gedoppelte
    Rhythmusgitarre 2 80 Prozent

    Keyboard 1 - 60 Prozent (dort ansiedeln, wo noch Platz ist)
    Keyboard 2 60 Prozent (dort ansiedeln, wo noch Platz ist)

    Lead-Vocal 0 Prozent
    Backing Vocals - 60 bis 60 Prozent
    Chören - 80 bis 80 Prozent

    (Backings und Chöre sind wohl dasselbe)

  • Doppelstrang
    02. Feb 2011 | 11:26 Uhr Antworten

    Schöner Artikel und gute Kommentare,

    ich orientiere mich beim Pannning an die Tischmeyers Regel- je Höher der Ton, desto weiter sollte es im Panning außen stehen bzw. je tiefer der Ton, desto näher an die Mitte. Ich meine auch gelesen zu haben, dass bis zur einer Frequenz von 400 MhZ das Signal nicht geortet werden kann, daher sollte es in der Mitte bleiben.

  • myuu
    02. Feb 2011 | 13:31 Uhr Antworten

    hallo carlos,
    was ich etwas verwunderlich aber auch interessant finde ist, dass du immer “schiefe” richtwerte gibst. z.b. statt “bei 9 und 15 uhr” gibst du meist eher “9 und 16 uhr”, “10 und 15 uhr”. wie kommst du darauf? lässt das den mix “flexibler” klingen?

  • Michael
    21. Feb 2011 | 23:21 Uhr Antworten

    Hallo !
    Super Artikel – Vielen Dank für die prima Informationen.
    Eine gute Möglichkeit Panning kreativ zu nutzen ist LCR-Panning bei dem es eben nur 3 Paneinstellungen gibt (links-center-rechts). Der Mix kann dadurch sehr aufgeräumt werden. Die Monokompatibilität ist dann allerdings hin.

  • Thomas “thommytulpe” Nimmesgern
    09. Mai 2011 | 16:24 Uhr Antworten

    Hallo!

    Auf der zweiten Seite steht unter anderem: “Es gibt Autopanning-Plugins, mit denen sich nette Effekte erzielen lassen.”

    Was ist mit Autopanning-Plugins gemeint? Sind das Plugins, die die Automatisation erleichtern sollen, oder ist das was ganz anderes?

    Vielen Dank für Antworten!

    • dwille
      06. Sep 2012 | 16:16 Uhr Antworten

      hey thomas
      ein auto-panning effekt geht hin und verändert das panning zb mithilfe eines lfo´s. wenn du diesen auf eine sinuskurve einstellst wird dein panorama gleichmäßig von links nach rechts und wieder zurück wandern. ich hoffe du verstehst was ich meine. sonst: ausprobiern! ableton zb hat so ein plugin schon standardmäßig mit drin.
      gruß dominik

  • John
    09. Feb 2013 | 20:57 Uhr Antworten

    Sehr schöner hilfreicher Beitrag wie immer man dass von Euch gewöhnt ist.. weiter so!

    Eine Frage kommt jedoch trotzdem bei mir auf und zwar ist es wenn man zumbeispiel 2-3 Synths hat oder Chord lines, wie man sich dann die positionierung im Stereopanorama einteilt?

    LG John

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