Loudness War: NIN-Album mit originalem Dynamikumfang zu haben

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NIN gegen den Loudness War

In den letzten Jahren verstiegen sich mehr und mehr Produzenten darin, Songs recht stark zu komprimierten und von Subbässen zu befreien, um die Pegel schließlich knallhart »an die Decke zu nageln« – am Ende liegen fast alle Ausschläge nahe der digitalen 0-Dezibel-Grenze, die Dynamik bleibt auf der Strecke. Warum das Ganze? Songs mit einer über deren Gesamtlänge hinweg gemessen höheren durchschnittlichen Lautstärke (man spricht von Lautheit, daher auch »Lautheitskrieg«) wirken unmittelbar überzeugender. So wird also an der Lautheitsschraube gedreht, um die Durchsetzungsfähigkeit von Musik im Wettbewerb mit den Werken anderer Künstler zu wahren…und dabei kann mann es schnell übertreiben, was zu einem stumpferen, schneller ermüdenden Sound führt.

Nine Inch Nails - Hesitation Marks - Audiophile Mastered Version

Nine Inch Nails – Hesitation Marks – Audiophile Mastered Version

Nine Inch Nails betonen in ihrem jüngsten Posting auf Tumblr, dass die normale Version nicht so totkomprimiert sei, wie man es von manch anderen Künstlern bereits gewohnt ist. Trotzdem – und das ist wohl in dieser Form ein Novum – bieten sie als Bonus für audiophile Hörer eine Variante mit dem ursprünglichen, vollen Dynamikumfang an.

Alan Moulder, der das Album abmischte, und der Mastering-Engineer Tom Baker erzählen, wie es dazu kam und wie Mixing und Mastering bei diesem Album vonstatten gingen. Das Album gibt es übrigens auch auf Vinyl, wobei das Mastering für dieses Medium und seine Eigenheiten ebenso sorgsam abgestimmt worden sei.

» Beitrag auf dem Tumblr-Account von NIN

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Lesermeinungen (12)

zu 'Loudness War: NIN-Album mit originalem Dynamikumfang zu haben'

  • Jürgen Bromant   29. Aug 2013   11:32 UhrAntworten

    Super Sache. Ansonsten einfach das betreffende Album als Vinyl Platte kaufen und dann als Mp3 rippen. Dort sind der Loudness ja natürliche Grenzen gesetzt.

    • Lecktmi Schamarsch   29. Aug 2013   21:07 UhrAntworten

      Da bin ich ja froh, das es heute jedes Album als Vinyl gibt...

  • Phrosh von Tortur   29. Aug 2013   11:44 UhrAntworten

    Good guy Trent Reznor

  • Gerald Clemens Hauzenberger   29. Aug 2013   13:35 UhrAntworten

    Super Sache! Aber natürlich muss man sich erst einmal in den finanziellen Sphären von Trent Reznor aufhalten, um so ein "Experiment" ohne große Befürchtungen durchführen zu können.

    Bin schon sehr gespannt auf die Veröffentlichung. Vor allem würde mich der RMS-Unterschied zwischen den beiden Varianten stark interessieren. Reden wir da von -5dB zu -15dB oder von -5dB zu -8dB Unterschied?

    Wäre jedenfalls schön, wenn NIN ein wirksames Zeichen gegen den Loudness War setzen könnten...

  • Jürgen Bromant   29. Aug 2013   14:04 UhrAntworten

    Ich würde auf jeden Fall die Version mit mehr Headroom vorziehen. Ich kann diese Alben, die permanent an der 0db Grenze kleben, mittlerweile gar nicht mehr hören. Da ist mir die Qualität der Musik an sich, dann auch egal. Mir kommt es so vor als würde mir jemand permanent ins Ohr brüllen.

  • Mex   29. Aug 2013   15:10 UhrAntworten

    Klasse Aktion. Ich habe es zwar noch nicht reingehört, aber alleine vom Prinzip her finde ich es als Schritt in eine richtige Richtung.
    Man kann nur hoffen, das andere nachziehen und der gute alte ausgewogen dynamische Mix zum Trend wird.
    Es ist doch ein enormer Unterschied, ob man von Musik vollgedröhnt wird oder ob man ihr auch genussvoll lauschen kann. So kommt die junge Generation vielleicht auch mal irgendwann wieder zu dem Umstand, Musik wirklich "zu hören", die Raffinessen eines Songs zu schätzen und zu würdigen, das Musik ein echtes und tolles Handwerk ist (und nicht nur berieselnder Krach).
    Ich ermutige junge Kollegen, die mir ihre Demos zum Sichten geben, auch stets zum ausgewogen dynamischen Mix ohne exzessive Anhebung von RMS durch Maximizer&Co.
    Manche sind aber bereits schon so festgefahren und kennen nur noch "Loudness".
    Ich frage sie dann immer ob es für sie so angenehm ist, jedes mal bei einem Snare-Schlag usw. mit den Augen blinzeln oder sie leicht zukneifen zu müssen, weil der Mix einfach schmetternd dröhnend ist.
    Das bekommen manche schon gar nicht mehr mit, das sie auf Grund ihrer übermäßig lauten Mixe hier und da angespannt verkrampft zusammenzucken.
    Jedenfalls geht es mir auch oft so, wenn ich mir aktuelle Songs und CD`s aus den Charts anhöre und mich frage, ob die Producer eigentlich gar nicht bewusst den Loudness-War mitmachen, sondern einfach schon nur schwerhörig sind ???

    • Gerald Clemens Hauzenberger   29. Aug 2013   16:08 UhrAntworten

      Prinzipiell gebe ich dir auf jeden Fall Recht, dass die extreme Dynamik-Reduktion, wie wir sie derzeit überall hören, eine Unart ist.

      Man muss allerdings auch beachten, dass manche Genres diesen dichten Sound bis zu einem gewissen Grad wünschen. Moderner Death Metal klingt einfach massiver, wenn weniger Dynamik vorhanden ist. Das oft kritisierte "einem wird ins Gesicht geschrieen" kommt da wortwörtlich den Vorgaben der Musikrichtung entgegen. Aber wenn ich mir aktuelle Veröffentlichungen aus diesem Bereich ansehe, die sich alle um -5 dB(RMS) befinden, dann ist das einfach zu viel (also zu wenig Dynamik).

      Ich denke, das Problem liegt auch darin, wie wir mittlerweile Musik hören. Früher wechselte man nach jedem Album die CD und in diesem Zuge konnte man auch ganz ohne Mehraufwand die Lautstärke entsprechend nachregeln. Heute läuft einfach die MP3-Datenbank durch. Also auch der persönliche Musik-Vorrat wird mittlerweile mehr wie Radio konsumiert, wo einfach die Library durchläuft. Und da wollen die meisten Konsumenten eine gleichbleibende Lautheit - den Gain-Regler betätigen ist für manche Leute eine echte Belästigung (ohne Witz!).

      • Mex   03. Sep 2013   03:00 Uhr

        Die Betätigung des Gain/Volumenreglers mag durchaus für einige User eine Belästigung sein, insbesondere dann wenn dieser dann auch nur Software-technisch durch ein Menü oder Multifunktionstaster etc. zu justieren ist.

        Ich denke Du hast auch den Nagel mit Deiner Aussage auf den Kopf getroffen "wie man mittlerweile Musik hört " !
        Allerdings ist nicht nur die Lautheit ein Negativkriterium, sondern insbesondere die miese Qualität, die von zumeist jugendlichen Nutzern tatsächlich akzeptiert wird. Da werden Sachen von Youtube&Co in einer schlechten Qualität gewandelt und gesaugt, das ich mich manchmal frage, ob die verwaschen nuschelnde Aussprache so mancher Jugendlicher nicht doch auf die Qualität der mp3's auf ihren Playern zurückzuführen ist ?
        Man hat sich mit der schlechten Qualität arrangiert und würde den Teufel tun eine CD zu kaufen, nur um ihn dann auch in guter Qualität zu haben. CD-Qualität, bzw. eine generell gute Qualität ist heute leider kein Kriterium mehr. Das kommt erst in einer etwas erwachseneren Phase, wenn man Freunde (oder die Freundin) nicht mehr wirklich mit einer nichtssagenden Sammlung selbstgebrannter CD`s beeindrucken kann.

        Einhergehend sind da noch andere Aspekte der Anspruchslosigkeit der jugendlichen Konsumenten, deren "Sammelleidenschaft" sich nur darauf beschränkt, einzig den Titel zu besitzen, aber keine schicke Plattenhülle oder Booklets etc. die toll in Regalen aussehen und eine echte Sammelleidenschaft wären. Zudem kommt, das man sich auf Grund des Fehlens von Booklets&Co einem auch die Möglichkeit genommen wird, vlt. ein wenig mehr über eine Band und Künstler und Song zu erfahren.
        Das ist meine insoferne Auffassung dessen, wie Musik in ihrer Gesamtheit heute leider konsumiert wird...zumeist eben ohne Anspruch von der Masse des Zielpublikums.

        Das ist auch das, was sich auf den Starbühnen dieser Welt wiederspiegelt... da stellt sich ein Entertainer hin- ohne Band, ohne gar nix, lediglich 3 Backgroundtänzer und das Playback vom Band und die Massen jubeln sich die Seele aus dem Leib und glauben, was für eine mega-gigantische "LIVE"-Show gesehen zu haben.
        Das hat mit dem Handwerk Musik und vor allem der Kunst Musik, nicht mehr viel gemein... und das ist das was übrig bleibt, wenn man davon spricht, wie die Massen (insbesondere im Mainstream) Musik heute "konsumieren".

  • Ramon Smith   29. Aug 2013   23:09 UhrAntworten

    Ich kenn wen, der macht das auch - oh das bin ich ^^

  • Wirgefuehl   30. Aug 2013   10:38 UhrAntworten

    Trent Reznor. Der Typ ist einfach genial. Gut fand ich auch die Aktion zu seinem Album "Year Zero", wo er eine CD mit den Einzelspuren aller Tracks und einer Version von Ableton drauf packte... Daraufhin entstand dann remix.nin.com wo er immer mal wieder auch Spuren anderer Tracks zum remixen hochlädt und was mittlerweile zu einer beträchtlichen Community angewachsen ist...

  • m_a   26. Sep 2013   10:26 UhrAntworten

    Das dürfte ein Marketing Gag sein. Wenn man sich die Dynamicrange Werte in der Database anschaut hat die sogenannte Audiophile Fassung gerade mal 1 DB mehr wie die totoal Übersteuerte Normalausgabe. Die Standart Ausgabe hat eine Album DR Range von 5 die Audiophile 6 die Vinylausgabe 11. Von Original DR kann keine Rege sein. Die Audiophile Fassung ist nur ein bischen weniger geclippt. Die Vinyl ist imho bei diesem Album wie bei den meistem Aktuellen die einzige möglichkeit eine Hörbare Version zu bekommen.
    http://www.dr.loudness-war.info/index.php?search_artist=nine+inch+nails&search_album=

    • Wirgefuehl   26. Sep 2013   10:50 UhrAntworten

      Das ist in der Tat enttäuschend. Aber Messwerte sind ja nur die Theorie - in der Praxis hab ich noch nicht verglichen...

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