Audio Mastering am Computer: Peak und Lautheit
Inhaltsverzeichnis:
- Workshop Audio Mastering am Computer: Einleitung
- Audio Mastering am Computer: Hörstrategien 1
- Audio Mastering am Computer: Abhörlautstärke
- Audio Mastering am Computer: Ermüdungsarmes Hören
- Audio Mastering am Computer: A/B-Vergleiche
- Audio Mastering am Computer: Peak und Lautheit
- Audio Mastering am Computer: Peak- und RMS-Pegel
- Audio Mastering am Computer: Interleaved Sample Overs / Übersteuerungen vermeiden
- Audio Mastering am Computer: Die optimale Dynamik eines Masters
- Audio Mastering am Computer: Optimal zwischen laut und dynamisch
- Audio Mastering am Computer: Die richtige Reihenfolge 1
- Audio Mastering am Computer: Die richtige Reihenfolge 2
- Audio Mastering am Computer: Die richtige Reihenfolge 3
- Audio Mastering am Computer: Die richtige Reihenfolge 4
- Audio Mastering am Computer: Dithering
In unserer Artikelreihe und Workshop Audio Mastering am Computer von Autor und Mastering-Profi Friedemann Tischmeyer geht es im heutigen Teil um das Thema “Peak und Lautheit” – das Grundlagenwissen für jeden Mastering-Engineer und Musikproduzenten im Homerecording-Tonstudio.
In diesem Workshop zum Thema Audio Mastering lernst Du die Grundbegriffe und wichtigsten Informationen kennen, damit Du Deine Musik in Zukunft selbst “veredlen” kannst.
Audio Mastering am Computer: Peak und Lautheit
Diese scheinbar banale Thematik hat es in sich, da die Beherrschung dieser Grundlagen im täglichen Umgang mit Digital-Audio über die Qualität des Ergebnisses entscheiden kann! In diesem Artikel beleuchte ich nicht nur den Unterschied dieser beiden Bemessungsgrößen samt Ihrer messtechnischen Finessen, sondern gebe wichtige Tipps für alle Digital-Audio-Anwender, die mit MP3-Dateien und anderen Kompressionsverfahren gute Klangergebnisse erzielen möchten.
Wo liegt der Unterschied zwischen Peak- und RMS-Pegeln bzw. Peak und Lautheit?
Die höchste Pegelspitze einer digitalen Aufnahme, gemessen in dB = Dezibel (Peak), stellt den höchsten Amplitudenausschlag (Wellenausschlag) oder einfach ausgedrückt die höchste Aussteuerung dar. Wenn sich zum Beispiel zwei Konzertgitarren an einer Stelle in ihrer Wellenform perfekt überlagern, kann der sich addierende Amplitudenausschlag sehr hoch sein, ohne das wir das Schallereignis als doppelt so laut empfinden müssen, wie an anderen Stellen des Songs. Der Peak-Wert hat also keine große Aussagekraft bezüglich der wahrgenommenen Lautstärke (Lautheit).
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Und da sind wir schon beim Unterschied: Die Lautheit wird in dB/RMS (englisch für root mean square, quadratischer Mittelwert oder auch Effektivwert) gemessen, stellt wiederum die Dichte einer Aufnahme dar und gibt eine Auskunft über die empfundene Lautheit. Am bildlichsten lässt sich Lautheit als „Wurstfaktor“ bezeichnen. Je „wurstiger“ eine Aufnahme aussieht (bei gleicher Vergrößerung der Wellenformdarstellung), desto mehr Lautheit wohnt ihr inne. Der optisch sichtbare Abstand zwischen Peaks und dem „Hauptnutzsignal“ gibt Ihnen für´s Mastering erste Informationen über die Möglichkeiten und Strategien der dynamischen Bearbeitung.

Aufnahme mit – 21 dB/RMS und Vollaussteuerung von –0,3 dB/Peak: großer Abstand zwischen Peaks und „Wellenkern“

Aufnahme mit – 11 dB/RMS und Vollaussteuerung von –0,3 dB/Peak: kleiner Abstand zwischen Peaks und „Wellenkern“
Da WaveLab sehr verbreitet ist und über eigene Analysewerkzeuge verfügt, erkläre ich einige Dinge anhand dieses sehr populären Programmes.
In anderen Mastering-Programmen stehen zumeist ähnliche Werkzeuge zur Verfügung.
Nutzen Sie in WaveLab die Globale Analyse (Kurzbefehl Y), um Titel oder Ausschnitte von Titeln auf die unterschiedlichen Werte zu untersuchen und ein Gefühl für die Werte zu entwickeln. Voraussetzung zur Verwendung der globalen Analyse ist die Selektion eines Teilbereiches oder die vollständige Auswahl der Wellenform in einem Wave-Fenster. Auf der zweiten Registerkarte der Globalen Analyse finden Sie in der dritten Zeile bei RMS-Pegel den Eintrag „Durchschnitt“. Dieser stellt die durchschnittliche „Dichte“ der Aufnahme und damit die tatsächlich wahrgenommene Lautstärke dar (siehe Abbildung 4).
Die Peak-Werte sind für uns also nur von Bedeutung, um Aufnahmen sauber auszusteuern und die 0 dB-Grenze (oder wie wir später sehen werden, die – 0,3 dB-Grenze) nicht zu überschreiten. Die maximale Aussteuerungsobergrenze beträgt auf der digitalen Ebene theoretisch immer 0 dB Fullscale (dBFS), egal, ob wir mit 16-Bit-oder 24-Bit-Dateien arbeiten. (Die höhere Dynamik bei größerer Bit-Tiefe wird immer nach unten hin erzeugt).
Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass sich 32-Bit-Fließkommadateien theoretisch kaum übersteuern lassen, solange Sie sich konsequent im 32-Bit-Format bewegen. Die Informationen über 0 dB werden dann im Fließkommabereich verarbeitet bzw. gespeichert. Erst wenn diese Ebene (32-Bit) verlassen wird, gilt 0 dB wieder als die Vollaussteuerungsgrenze.
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Vom Autor dieses Artikels sind die Bestseller „Audio-Mastering mit PC-Workstations“ und „Internal Mixing“ sowie die gleichnamigen Tutorial-DVD-Serien erschienen.
Infos: www.proworkshops.de




11. Nov 2009 | 21:22 Uhr
Die höhere Dynamik bei größerer Bit-Tiefe wird immer nach unten hin erzeugt
was heißt denn in diesem Falle nach unten?? Höhere Dynamik im unteren Frequenzbereich ??
12. Nov 2009 | 12:22 Uhr
Hallo Till und danke für deine Frage.
Gemeint ist, dass 24-bit einen größeren Dynamikumfang als 16-bit bietet. Da aber bei beiden Samplingauflösungen die Obergrenze immer 0 dB beträgt, bedeutet es, dass der Zuwachs an Dynamik nach unten hin stattfindet – also bei geringeren Pegel, leiserer Lautstärke.