Audio Mastering am Computer: Dithering (Teil 2)

Dithering Teil 2 – Audio Mastering am Computer

Wann sollte gedithert werden?

Die Regel ist eigentlich ganz einfach:
Immer, wenn die Wortlänge temporär (z. B. zum Ausspielen via AES/EBU oder in Plugins, die nur Bittiefen unter 24-Bit verarbeiten) oder endgültig (für das CD-Master) gekürzt wird, sollte gedithert werden. Das gilt auch, wenn Sie eine 16-Bit-Datei rechnerintern in 32 Bit bearbeitet haben und Sie diese Datei wieder als 16-Bit-File sichern wollen.

Nach dem finalen Dithering – dem letzten Arbeitsschritt in der Audiobearbeitung, mit dem das finale Master versehen wird – darf keine Änderung des Audiofiles erfolgen!
Fades, Normalisierungen und Pegeländerungen sind darin eingeschlossen, weil sie ja in 32-Bit-Auflösung berechnet werden!

Die fertig geditherte 16-Bit-Masterdatei hat eine ideale Bitausnutzung und Bitordnung, die durch jedes weitere Prozessing verschlechtert werden würde.

TIPP: Vor dem finalen Dithering sollten Sie einen Brickwall-Limiter mit –0,3 dB Headroom einsetzen (Siehe Artikel „Peak und Lautheit“).

 

Wie oft kann ich ein und dieselbe Aufnahme dithern?

Wenn Sie ein diskretes Dithering wie das eines UV-22 von Apogee verwenden, kann eine Aufnahme ruhig mehrfach gedithert werden, ohne ein störendes Rauschen im Klangbild zu erzeugen. Einmal mehr dithern ist besser als einmal mehr truncaten (abschneiden).

Der richtige Einsatz unterschiedlicher Dither-Shapes

In die Entwicklung unterschiedlicher Dithering-Algorithmen ist viel Zeit und Geld investiert worden. Bei den unterschiedlichen Dither-Shapes spricht man auch von Noise Shapes. Das hinzugefügte Rauschen hat eine bestimmte Frequenzkurve und kann je nach Typ das Gesamtklangbild verändern. Es gibt Mastering-Ingenieure, die Dither-Shapes gezielt einsetzen, um z. B. die Sprachverständlichkeit oder die Brillanz einer Aufnahme zu optimieren. Dieser Effekt wird dadurch erzielt, dass das menschliche Gehör Rauschen bis zu einem Grenzwert als Programmanteil auswertet und dadurch eine Aufnahme entsprechend des Shapes als höhenreicher empfindet. Persönlich nutze ich am liebsten den klangneutralen UV-22, weil ich derartige Klangänderungen lieber mit guten EQs vornehme. Dem motivierten Mastering-Ingenieur empfehle ich die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Dither-Shapes, um auf unterschiedliche Anforderungen wie z.B. dem Beseitigen von Bitklappern in Fadeouts von Remasterings entsprechend reagieren zu können.

 

Dithering hören und sehen

Zum Hören von Dithering empfiehlt sich eine rauscharme bis rauschfreie Abhöre. Ideal sind digitale Abhören, da sie aufgrund der Bauweise annähernd rauschfrei sind (z.B.: Dynaudio Air, JBL LSR4328P und 4326P, NHTPro M60Xd). Spielen Sie eine „Wave-Datei“ mit Digital-Null in der Schleife und wählen Sie unterschiedliche Dithering-Shapes aus (WaveLab-intern, UV22, Waves etc.). So bekommen Sie ein Gefühl für die Dosis und den Shape. Tauschen Sie dann die Digital-Null-Datei gegen einen Problemkanditaten, um das Dithering am Ernstfall zu erproben.

Zur optischen Kontrolle nutzen Sie ein digital angeschlossenes Metering. Bei den Abbildungen ist die Anzeige (wenn angegeben) meteringseitig um +48 dB angehoben, um die Darstellung der Dithershapes zu verbessern.

Workshop Audio Mastering von Friedemann Tischmeyer

Bei genauem Hinsehen ist am rechten Bildausschnitt des Pinguin-Graphikanalysers das minimale Rauschen des UV22 am unteren Dynamikboden zu erkennen (ohne +48dB-Schaltung).

Dithering Audio Mastering Workshop

Spektrum des WaveLab-internen Dithering (Shape 1 / + 48-dB-Modus)

Dithering beim Audio Mastering Workshop

Spektrum des WaveLab-internen Dithering (Shape 2 / + 48-dB-Modus)

 

Audio Mastering Workshop Dithering

Das Waves IDR-Dithering (Type 2) sieht wie ein leises Piepen bei 22 kHz aus und hat mit Rauschen nichts gemein (im + 48 dB-Modus)

Friedemann Tischmeyer Audio Mastering Workshop Dithering

UV22-Dithering von Apogee

 

Dithering von Apogee

Noch ein abschließendes Wort zum beliebten UV22 von Apogee. Die technische Besonderheit liegt in einer Kombination aus periodischen und nichtperiodischen Rauschelementen. Das ist ungewöhnlich, weil Rauschen per se nichtperiodisch ist.
Das Ziel des UV22-Ditherings ist eine hohe Klangneutralität kombiniert mit guter Funktionalität bei geringem Rauschen. Die Funktion „Auto Black“ ist eine Art Noise-Gate, welches das Dithering in einen Bypass-Modus schaltet, wenn Digital-Null anliegt. So haben Sie in CD-Pausen kein Ditherrauschen. Die Funktion finde ich in Hinblick auf den niedrigen Rauschpegel und die Unwahrscheinlichkeit, dass es ein Konsument hören kann, unnötig. Im Gegenteil halte ich ein wenig Rauschen in Pausen für angenehmer als die „Ohr-Unterdruck-„ erzeugende Digital-Null-Stille.

Viel Spaß beim Dithern!

Friedemann Tischmeyer

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Lesermeinungen (3)

zu 'Audio Mastering am Computer: Dithering (Teil 2)'

  • Heiko
    08. Aug 2010 | 17:16 Uhr Antworten

    Irgendjemand hat mir mal erzählt, dass man vor der Umwandlung eines Stücks in MP3 oder AAC nicht dithern sollte, weil das die Kompressionseffektivität verringern würde, also im Endeffekt die Qualität des erzeugten Tons.
    Ist da was dran? Einerseits sind MP3 und AAC intern eh praktisch immer 32bit tief (d.h. Dithering nicht nötig), andererseits sollte das “unhörbare” Rauschen ja auch so oder so wieder wegoptimiert werden – also sollte das Dithering auch nicht schaden.

  • DJ CeeJay
    09. Aug 2010 | 07:37 Uhr Antworten

    =) Danke für den äusserst informativen Artikel!

    Viele erzählen einem immer, das man dithern soll – nur wofür das letzendlich gut ist, konnte mir dann keiner verraten. Ich denke, es ist immer gut zu wissen, was genau man eigentlich macht, um einen logischen Prozess in seiner Arbeit zu sehen.

  • betaRocker
    14. Aug 2010 | 16:21 Uhr Antworten

    Ich kann mich da nur anschließen. Nach den ganzen Jahren weiß ich nun auch endlich mal warum ich das tue. :) Vielen Dank hierfür und für den umfangreich erklärten technischen Background.

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