Audio Mastering am Computer: A/B-Vergleiche
Inhaltsverzeichnis:
- Workshop Audio Mastering am Computer: Einleitung
- Audio Mastering am Computer: Hörstrategien 1
- Audio Mastering am Computer: Abhörlautstärke
- Audio Mastering am Computer: Ermüdungsarmes Hören
- Audio Mastering am Computer: A/B-Vergleiche
- Audio Mastering am Computer: Peak und Lautheit
- Audio Mastering am Computer: Peak- und RMS-Pegel
- Audio Mastering am Computer: Interleaved Sample Overs / Übersteuerungen vermeiden
- Audio Mastering am Computer: Die optimale Dynamik eines Masters
- Audio Mastering am Computer: Optimal zwischen laut und dynamisch
- Audio Mastering am Computer: Die richtige Reihenfolge 1
- Audio Mastering am Computer: Die richtige Reihenfolge 2
- Audio Mastering am Computer: Die richtige Reihenfolge 3
- Audio Mastering am Computer: Die richtige Reihenfolge 4
- Audio Mastering am Computer: Dithering
In der letzten Folge von Friedemann Tischmeyers Workshop Audio Mastering am Computer ging es im Rahmen der Hörstrategien im Mastering um das ermüdungsarme Hören. Mit einigen einfachen Mitteln ist es möglich, das Gehör frisch zu halten und dadurch bessere Ergebnisse zu erzielen.
Heute geht es im fünften Teil unseres Workshops um A/B-Vergleiche und wie man diese so durchführt, dass sie aussagekräftig werden.
Du kannst die anderen Teile im Übrigen über den Kasten auf der linken Seite ansurfen.
Audio Mastering am Computer: A/B-Vergleiche
Ich setze den Leveler aus Steinberg Wavelab an letzter Stelle in der Bearbeitungskette ein und senke den Pegel um den Wert, den ich an Lautheit gewonnen habe (vor dem Einrechnen der Bearbeitung wird der Leveler entfernt).
Hier ein ganz einfaches Beispiel:
Insertieren Sie den Loudness Maximizer von Steinberg / Spectral Design und stellen Sie den linken Regler/Fader auf + 4 dB ein. Den Leveler stellen Sie auf minus 4 dB ein. Wenn Sie jetzt Bypass im Masterbereich wählen, hören Sie die unbearbeitete Original-Wave-Datei. Wenn Sie Bypass deaktivieren, hören Sie die Bearbeitung des LoudnessMaximizers, der das Original um 4 dB lauter macht und den Leveler, der das Signal um den entsprechenden Wert leiser macht.

Der WaveLab-interne Leveler ist im letzten Slot des Masterbereichs Insertiert, ein wertvolles Instrument für lautheitsangepasste A/B-Vergleiche
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Der A/B-Vergleich findet bei genau der gleichen Abhörlautstärke statt. Nur so haben Sie eine Chance, zu hören, ob der Loudness Maximizer zum Beispiel die Tiefe und Räumlichkeit der Aufnahme kaputt macht. Dadurch, dass Sie eine kurze Loop verwenden, können sich Ihre Ohren jetzt auf die Feinheiten konzentrieren. Ohne von fortlaufendem musikalischem Inhalt abgelenkt zu werden, hören Sie die Nuancen. Haben Sie eine Einstellung Ihrer Wahl gefunden, können Sie an anderen Stellen im Song die Beständigkeit überprüfen.
Wenn Sie mehrere Geräte insertiert haben, ist die Einstellung des Levelers natürlich nicht so einfach. Mit etwas Übung finden Sie aber schnell den passenden Wert. Alternativ können Sie einen Lautheitsmesser (RMS) benutzen, um schnell den passenden Wert zu finden.
Der intelligente Bypass in WaveLab 6 ist ein lang erwartetes Feature für den schnellen automatischen lautheitskorrigierten A/B-Vergleich, dass leider nicht endgültig intelligent in den Workflow integriert wurde.
Unter „Wiedergabe“ lassen sich die 3 relevanten Modi „Ursprungssignal“(A), „Bearbeitetes Signal minus Pegelreduktion“ (B-L) und das „Bearbeitete Signal“ (B) ohne Pegelausgleich anwählen. Im Feld Pegelausgleich ist für unseren Verwendungszweck natürlich „RMS“ zu wählen. Der Wert „Zeit“ legt die Länge der Messung zugrunde.

Der intelligente Bypass in WaveLab 6 beim Audio Mastering
Das ist wichtig, weil RMS ja ein quadratischer Mittelwert des Peaks ist. Mit dem Schalter „Verstärkung aktualisieren“, der korrekter „Dämpfung aktualisieren“ heißen sollte, erhält man spielend einen meistens recht gut ermittelten Dämpfungswert. Kontrolle kann manchmal besser sein. Sie haben die Möglichkeit, einen ohr- oder messkorrigierten Wert in das Feld „Benutzerdefiniert“ einzutragen.
Falls es soweit kommt, ist das Handling des einfachen Levelers im Masterrack geschmeidiger. Es fehlen definitiv die Shortcuts für die Abhörmodie und die Möglichkeit, die Tastenbefehle für Start/Stop Playback etc. weiter zu nutzen, solange das „intelligente“ Fenster im Vordergrund ist. Der Workflow ist hierdurch empfindlich gestört, weil man mit „Enter“ das Fenster verlässt, statt das Playback zu starten.
Es bleibt zu hoffen, dass die WaveLab-Macher eine praxisorientiertere Lösung in einem baldigen Update realisieren, die überlegter in den Workflow integriert ist.
Lauter ist schöner – oder wie sich Tonmeister täuschen lassen …
Diese Geschichte finde ich so schön, dass sie eine extra Überschrift verdient hat, weil sie so eindrücklich die Bedeutung von lautheitskorrigierten A/B-Vergleichen dokumentiert.
Auf einer Tonmeistertagung durften auserwählte Tonmeister über die akustischen und audiophilen Vor-und Nachteile von Super-Audio-CD (SACD) versus Audio-DVD richten. Die Entscheidung fiel dieses Mal deutlich zugunsten von SACD aus. Da waren sich alle Tonmeister einig. Im Anschluss wurde ein Fehler im Messaufbau festgestellt. Die SACD war 0,5 dB lauter. Der Versuch wurde mir gleichen Pegeln wiederholt und siehe da – ein klares Unentschieden. Es war kein signifikanter Unterschied im Blindtest wahrnehmbar.
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Dieses Beispiel zeigt all zu deutlich, wie sich selbst ein Profipublikum mit viel Hörerfahrung von einem halben dB täuschen lassen. Also nehmen Sie es genau mit der Pegelanpassung beim A/B-Vergleich. Ich habe schon manch ein Gerät im Studio gehabt, das auf den ersten Eindruck toll klang, weil es im Bypass-Modus 1 bis 3 dB leiser war. Bei einem A/B-Vergleich mit Levelausgleich zeigte sich dann, dass das Gerät gar nichts macht! Wenn Sie durch eine Bearbeitung einen Lautheitsgewinn haben, wird Ihre Bearbeitung also immer besser klingen. Das liegt an dem von der Fletcher-Munson-Kurve beschriebenen Sachverhalt, dass lautere Klänge (bis zu einer gewissen Lautstärke) bassiger und höhenreicher und somit wärmer und brillanter klingen. Mit dem Leveler tritt dann die ernüchternde Wahrheit zutage.
Viel Spaß beim pegelkorrigierten A/B-Hören beim Audio Mastering!
Friedemann Tischmeyer
Vom Autor dieses Artikels sind die Bestseller „Audio-Mastering mit PC-Workstations“ und „Internal Mixing“ sowie die gleichnamigen Tutorial-DVD-Serien erschienen.
Infos: www.proworkshops.de


09. Aug 2009 | 13:35 Uhr
“Wenn Sie durch eine Bearbeitung einen Lautheitsgewinn haben, wird Ihre Bearbeitung also immer besser klingen.”
Sehr gut auf den Punkt und ins Bewusstsein des Lesers gebracht!
Mehr solche Artikel und ein paar weniger Pressemitteilungen und Delamar gewinnt deutlich an Qualität!
09. Aug 2009 | 15:22 Uhr
insertieren?? ist das überhaupt ein wort? ist das was anderes als “einfügen” oder hinzufügen ? sehr schöner beitrag ansonsten.
gruß
09. Aug 2009 | 16:49 Uhr
Danke für die Kommentare, Friedemann wird das sicherlich gerne hören.
Insertieren ist wohl eine Wortkreation, die man einfach auch mit einfügen paraphrasieren könnte.
10. Aug 2009 | 15:05 Uhr
ken park:Hast du überhaupt verstanden worum es geht?
Mich würde interesieren,ob es noch andere Möglickeiten ausser dem Leveler gibt,z.b in Cubase A-B Vergleiche in gleicher Lautstärke durchzuführen!!
11. Aug 2009 | 17:16 Uhr
@ken park: Als halber Sprachwissenschaftler finde ich “insertieren” sogar ein richtig gutes Wort. Man könnte es zwar auch übersetzen, aber keine Übersetzung würde einem deutschen Muttersprachler mit Tontechnik-Wissen so exakt mitteilen, was zu tun ist. Beispiel: “Einschleifen” ist nicht das selbe, denn bei “insertieren” weiß man gleich, dass es in den Insert kommt. Auch wenn der Insert virtuell sein kann.
Einfügen ist es jedenfalls mal gar nicht.