6 Dinge, die ein Audio Mastering nicht leisten kann

6 Dinge, die ein Audio Mastering nicht leisten kann

Okay, zugegeben, ich übertreibe mit dieser Einleitung gehörig und es gibt tatsächlich viele Dinge, die beim Abmischen eines Songs oder später im Mastering behoben werden können. Aber die Möglichkeiten, Fehler in diesen beiden Phasen der Musikproduktion zu beheben darf niemals zu einer Ausrede für Musiker oder Toningenieur beim Recording werden.

Das Audio Mastering ist der finale Arbeitsschritt zwischen dem Mixdown eines Songs und der Pressung. Es ist das letzte Mal, dass klangbildend in den Mix (oder das Album) eingegriffen werden kann, um den letzten Schliff zu geben oder die Musik auf Hochglanz zu polieren (Lies hier auch: Was ist Audio Mastering?).

Mit diversen Hilfsmitteln kann der Klang eines Albums bei diesem letzten Schritt grösser, wärmer, transparenter, klarer, lauter, tiefer oder natürlicher gemacht werden. Aber bei all der Magie, die hier vom Toningenieur gewirkt werden kann, gibt es einige Dinge, die gerne missverstanden werden:

 

1. Mixing-Fehler korrigieren

Ein schlechter Mix ist und bleibt ein schlechter Mix. Da kann kein Mastering aushelfen. Lautstärkeverhältnisse zwischen den Instrumenten kann niemand mehr nachträglich ändern. Zumindest nicht, ohne auch andere Bereiche des Frequenzgangs nachhaltig zu beeinflussen.

Wer also einen problematischen Song vorliegen hat, sollte diesen lieber ein weiteres Mal neu abmischen oder im schlimmsten Fall die problematischen Spuren neu aufnehmen.

 

2. Professionelles Mastering macht den Homerecording-Sound wett

Ich bin immer wieder erstaunt, was man aus im Schlafzimmer aufgenommenen Songs noch mit etwas Knowhow und der richtige Technik herausholen kann. Aber das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine kommerzielle und professionelle Produktion einer Band wesentlich mehr als nur ein gutes Mastering ist.

Gutes Songwriting, hervorragende Performance der Musiker, fantastische Mikrofone und Vorverstärker, exzellente Wandler und oftmals noch eine ausserordentliche Produktion eines erfahrenen Produzenten. Es ist die Summe all dieser Faktoren (und all derer, die ich hier vergessen habe), die am Ende die Qualität eines professionellen Albums ausmachen.

Das Mastering ist wichtig, aber kein Mastering-Zauberer wird aus einer schlechten Vorlage einen Grammy-verdächtigen Song machen.

 

3. Jeder Talentierte kann das Audio Mastering übernehmen

Praktisch jedes Tonstudio bietet neben der Aufnahme und dem Mix von Musik auch noch ein kostensensitives Mastering an. Und im Bereich Homerecording wird ja sowieso gerne mal selbst Hand angelegt. Wahr ist, dass Talent und Erfahrung noch immer die wichtigsten Faktoren bei diesem letzten Schritt der Musikproduktion sein können.

Und zwar genau dann, wenn die Abhörsituation stimmt – woran es den meisten Tonstudios leider fehlt, denn die Anforderungen an den Regieraum eines Recording-Tonstudios sind andere als die an ein Mastering-Studio.

 

4. Die Lösung lautet: Mastering-Software

Es gibt sicherlich eine Menge Musikprogramme dort draussen, die dazu herhalten können, Musik noch besser klingen zu lassen. Aber genau wie ein gutes Mikrofon noch keine gute Aufnahme machen muss, kann eine Mastering-Software nur so gute Ergebnisse erzielen wie derjenige, der sie bedient.

Kann irgendein noch so ausgeklügeltes Werkzeug den Handwerksmeister ersetzen? Genauso ist es auch bei Mastering-Software!

 

5. Alle Mastering-Engineers liefern dasselbe Master ab

Bei genauerem Nachdenken ist dieser Punkt offensichtlich. Genau wie drei unterschiedliche Gitarristen denselben Part verschieden einspielen werden, so werden drei Mastering-Ingenieure unterschiedliche Master abliefern.

Hans-Martin Buff
, Toningenieur und Produzent unter anderem von Prince und den Scorpions, hat sich hierzu auch in seinem Interview mit delalamar genau zu diesem Thema geäussert. Falls Du dieses noch nicht gesehen hast, solltest Du das schleunigst nachholen.

 

6. Lauter ist besser

In den letzten zwanzig Jahren haben wir eine Menge in Sachen Lautheit zugelegt, sehr zum Leidwesen von audiophilen Musikliebhabern und auf Kosten der Dynamik in den Songs. Lauter kann besser sein, aber nach laut kommt verzerrt und unhörbar.

Die Geschichte mit dem Loudness War ist keine Schwarz/Weiss-Entscheidung. Es gibt eine Menge Graustufen zwischendrin, für die Du dich entscheiden kannst.

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Lesermeinungen (6)

zu '6 Dinge, die ein Audio Mastering nicht leisten kann'

  • Olaf
    30. Jun 2010 | 17:01 Uhr Antworten

    …es gibt einen sehr guten grund dafür, das mastering nicht selber zuhause zu machen oder in demselben studio, in dem auch die aufnahmen und der mixdown gemacht wurden. vor allem dann, wenn das mastering auf derselben analage und im selben raum “gefahren” werden soll, wie schon der mix:

    “fehler” im klangbild, die durch die abhörsituation (monitore + raum) entstehen, können nur in einem anderen raum und mit einer anderen anlage erkannt und beseitigt werden. dafür besteht dann allerdings wiederum die gefahr, dass andere fehler durch die neue abhörsituation entstehen. damit das aber nicht passiert, werden masteringstudios akustisch optimiert. das ist in mix-studios selten so einwandfrei möglich, da alleine die mixkonsole schon für einige probleme sorgen kann.

  • Ramon Smith
    30. Jun 2010 | 20:20 Uhr Antworten

    ich habe mal einen toningeneur getroffen, der etwas kluges sagte: mastern sollte eh jemand anders!
    ich fragte warum, ohne nachzudenken. er sagte nur: was ich beim mixen nicht höre, höre ich auch beim mastern nicht.
    recht hatte er!
    was dem einen nicht so auffällt, bemerkt der andere vielleicht shcon. auch immer wieder ein guter zeitpunkt um sich mal ne andere erfahrene meinung zu holen, die nicht gleich den ganzen mix umstellen will.

  • Ruediger Kramer
    30. Jun 2010 | 23:44 Uhr Antworten

    richtig – mastering behebt keine fehler, da muss man schon ein paar schritte zurück gehen.

    meine endergebnisse höre ich mir über kopfhörer an, dann über ein schlechtes (altes) paar lautsprecher, dann über bessere lautsprecher… mehr kann ich im moment nicht tun.

  • Alex G
    01. Jul 2010 | 09:31 Uhr Antworten

    @Ramon: Mag sich schlau anhören, kann aber auch mit einfachen Mitteln umgangen werden, und das sogar finde ich noch besser: Ich lasse meinen Track andere (sowohl Laien als auch Musiker) auf ihren Abhören anhören und höre mir den Kommentar an und passe den Track an – nach 2 Runden ist der Mix meist rund.

    Kann Ruediger voll zustimmen, ich höre mir meine Tracks auch an möglichst vielen ‘normalen’ Lautsprechern/Kopfhörern an, so taste ich mich an ein zufriedenstellendes Ergebnis an. Das reicht vollkommen. Aber natürlich jeder wie er meint, ich kann mit der Methode gut umgehen.

    Und letztendlich kommt es klar auf den Inhalt an.

  • Svenja
    26. Aug 2010 | 12:39 Uhr Antworten

    Ich habe auch die Erfahrung gemacht dass es immer gut ist nochmal jemanden anderes die fertige Aufnahme anhören zu lassen, da kommen dann teilweise noch Fehler raus die ich selbst nicht gehört habe, was man dann nochmal beheben kann. Ich finde die ganze Seite hier generell sehr interessant und informativ, Respekt an die Betreiber! lg Svenja

  • Fritz
    12. Okt 2013 | 22:03 Uhr Antworten

    lol
    Wenn man *intakte* OHREN hat und Ahnung, dann kann man auch DAHEIM *TOP* Qualität liefern.

    Ich muss ehrlich lachen. :D

    Naja, jedem seine Ansicht der Dinge…

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