Soziales Engagement im Musikunterricht: Gitarrenlehrer Josh Sonnick im Interview

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Soziales Engagement von Musikern

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Soziales Engagement von Musikern: Es ist nicht alles Gold was glänzt

Josh Sonnick kommt aus der Nähe von Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz. Bereits mit zehn Jahren begann er, Gitarre zu spielen, und seit 1990 ist er Musiklehrer. Wie bei jedem Musiker sind Arbeit und Vergnügen fest miteinander verschmolzen. Doch Sonnick beließ es nicht dabei.

Durch einen Förderverein gesponsert sollte er ab 2010 in Ludwigshafen Musikunterricht für Jugendliche geben. Dort zeigten sich die ernsten Probleme schon beim Versuch, Gutes zu leisten. Josh blickt zurück: »Instrumente waren keine vorhanden und Geld seitens der Schüler und ihrer Familien ebenfalls nicht«.

Aus alt mach neu

Aus der Not heraus suchte Sonnick in seinem Musiker- und Bekanntenkreis nach Musikinstrumenten, die abgenutzt oder defekt waren. Er zerlegte sie in Einzelteile, fügte Passendes wieder zusammen und schaffte somit ein funktionierendes Instrument für Schüler, die es sich nicht leisten konnten, ein solches in neuer Form zu erstehen.

Josh Sonnick

Josh Sonnick

Sonnick: »Ich suchte alte und verbrauchte Instrumente mit Holz- und Elektronikschäden, um diese zu restaurieren. Es kam einiges zusammen, wobei das meiste nicht mehr zu gebrauchen war. Also versuchte ich es über Facebook: Tausch- und Verkaufsbörsen für Instrumente und Zubehör.

Verliehene Gitarren wurden beim Familienzwist zertrümmert.

Es kamen wirklich tolle Instrumente, die ich restaurieren konnte und den Schülern zur Verfügung stellte. Das Projekt schien mir erfolgreich zu werden und so kontaktierte ich andere Einrichtungen mit Kindern und Jugendlichen aus sozialen Brennpunkten und bot mein Projekt an. Von den meisten wurde es sehr gerne angenommen.«

Dann verklag mich doch

Sonnick bietet inzwischen sowohl die Instrumente als auch den Unterricht kostenlos an, »solange erkennbar ist, dass die Schüler tatsächlich Interesse haben und sich engagieren«. Für seine restaurierten Instrumente kommen ihm sein Geschick für Technik und ein guter Freund zu Hilfe. Letzterer bietet ihm eine voll ausgestattete Hobbywerkstatt an, wann immer möglich.

Leider gibt es aber auch eine Kehrseite der Medallie: »Das größte Problem stellen oft die Eltern der Teilnehmer dar. Meist aus Hartz-4-Generationen, Alkoholiker und Drogenabhängige, die ihre Kinder weder unterstützen und denen es auch scheißegal ist, was aus ihnen wird. Es ist schon passiert, dass verliehene Gitarren bei Familienstreitereien zertrümmert wurden. Spricht man die Herrschaften dann darauf an, bekommt man im besten Fall zu hören: „Dann verklag mich doch“«.

Talent ist eine Frage der Einstellung.

Auch die Unterstützung seitens der Kommunen halten sich in Grenzen. Die Städte wollen kein Geld für soziales Engagement von Musikern ausgeben. Aber gerade diese Unterstützung könnte Josh Sonnick (wie auch viele andere) weiß Gott gebrauchen. Sei es nur eine Garage, in der die Gitarren- und Ersatzteile zwischengelagert werden, oder ein Raum, den er für die Arbeit mit den sozial schwachen Personen für einen symbolischen Betrag nutzen könnte. Bis hierhin nutzt er seine Privaträume.

Ich will unbedingt weitermachen

Es ist spannend zu sehen, wie sehr sich Menschen für die Musik und neue Talente einsetzten, weitab von Casting-Shows und Mediengetöse. Die Schicksale der Einzelnen zu kennen und trotzdem das Gute in ihnen zu sehen, verlangt Mut und Wille. Sonnick stellt sich diesem Thema. Deswegen gönnen wir ihm auch die abschließenden Worte in diesem Artikel:

»Talent ist wie alles andere eine Frage der persönlichen Einstellung. Wer wirklich etwas erreichen will, erreicht es auch und findet die Möglichkeiten und den Weg. Ich biete die Möglichkeiten und den Weg, auf musikalischer Basis etwas zu erreichen. Einige sehen ihre Chance und nutzen sie. Diese Menschen will ich unbedingt weiter unterstützen, egal ob deren Lebenslauf oberflächlich wirkt.«

Weitere Informationen über Josh und sein Projekt findest Du hier:
https://www.facebook.com/joseph.vanikarus

Wie sind deine Erfahrungen?

Hast auch Du schon einmal ein soziales Engagement von Musikern in Anspruch genommen? Bist Du vielleicht selbst einer der Helfer? Wie stehst Du zu dieser Form des persönlichen Einsatzes? Oder kommst Du vielleicht aus der näheren Umgebung von Josh Sonnick und möchtest ihm mit einer Räumlichkeit unter die Arme greifen? Lass es uns in den Kommentaren wissen!

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Lesermeinungen (1)

zu 'Soziales Engagement im Musikunterricht: Gitarrenlehrer Josh Sonnick im Interview'

  • orschd   17. Sep 2015   01:59 UhrAntworten

    Der Aufruf zu privaten Räumen ist nicht mehr aktuell. Josh hat uns heute nach einem langen Kampf verlassen.
    Farewell, Josh.

Sag uns deine Meinung!

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