Gangsta Rap Interview: Sirwan über Hip Hop, Image & die neue EP

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Sirwan Interview

Der Darmstädter Rapper Sirwan steht uns im Interview Rede und Antwort - nicht nur zur neuen EP "Déjà-vu".

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Gangsta Rap: Schlechter Ruf – gute Jungs?

(Gangsta-)Rap ist unter vielen Musikern und Musikkonsumenten verpönt. Schaut man auf offizielle Definitionen stößt man schnell auf Westcoast und Südstaaten-Rap. Inhaltlich bewegen wir uns zielsicher in Thematiken wie Gewalt, Drogen und Gangkriminalität. Was oftmals aber unter den Tisch gekehrt wird, ist die Thematisierung sozialer Ungerechtigkeit – und genau diese Inhalte kennen wir bereits seit den 70er Jahren aus einigen Soul-Produktionen.

Stößt der vermeintlich kriminelle Rap also auf unsere heile, verliebte und schöne Musikwelt? Oder brauchen wir ihn sogar als Gegengewicht, um nicht zu vergessen, dass nicht alles aus rosa Zuckerwatte und Katy Perry besteht (Sorry Snoop Dogg)? Natürlich kennen wir alle die klischeehaften Sprüche über fehlende Brennpunkte hierzulande und die Möchtegern-Gangsta mit den tiefen Hosen, aber wie viel Wahres ist da wirklich dran? Kann Gangsta Rap in Deutschland nur funktionieren, wenn er die kommerzielle Coolness mitbringt, die die Massentauglichkeit sichert? Oder hat er seine Daseinsberechtigung allein schon, weil er vielen Menschen dabei hilft sich verstanden zu fühlen?

das Leid auf dieser Welt und die Verzweiflung der Unterschicht aufzuzeigen

Wir haben mit Sirwan gesprochen, einem Rapper aus Darmstadt, der in seinen Texten auf Missstände aufmerksam macht, jungen Leuten aus weniger privilegierten Umfeldern ein Gesicht gibt und ganz genau weiß, dass jeder sein ganz persönliches „Ghetto“ erleben kann.

Stell dich doch mal vor!
Meine Name ist Sirwan, ich bin als Sohn eines kurdischen Freiheitskämpfers im Iran/Irak Krieg geboren. 1993 bin ich mit meiner Familie nach Deutschland geflohen und lebe seit dem in Darmstadt.
Ich habe hier mein Fachoberschulreife erreichen können, während ich nebenbei als Taxifahrer Nachtschicht schieben musste. Nach dem ich ein paar Kurse an der Deutschen Pop besuchte, gründete ich mein eigenes Label.

Wie bist Du zur Musik gekommen und wann hast Du angefangen selbst Musik zu machen?
Mitte 90iger kam ich mit der Hip Hop Kultur in Berührung. Anfangs noch sehr an Graffiti interessiert, fing ich 2001 selbst an Texte zu schreiben.

Wolltest Du mit deiner Musik von Anfang an erfolgreich werden?
Als Kurde und Flüchtlingskind hat man einen sehr großen Geltungsdrang, hauptsächlich wollte ich mich einfach gut fühlen.

Was ist die Message deiner Musik?
Die Message liegt darin das Leid auf dieser Welt und die Verzweiflung der Unterschicht aufzuzeigen.

Hast Du Idole? Wenn ja, welche?
Neben Azad, dem Wu-Tang Clan, Big Punisher und Mobb Deep habe ich auch immer französische Acts wie NTM oder Booba verfolgt.

Braucht man heutzutage professionelle Tonstudio-Aufnahmen oder kann man auch Zuhause gut produzieren?
Mann sollte auf jeden Fall ein paar Jahre Zuhause üben bevor man in ein großes Studio geht.

Wie hast Du dein Tonstudio gefunden?
Mit KD-Beatz hab ich den richtigen Freund und Partner gefunden um meine Sachen um setzen zu können.

Was ist das wichtigste, was ein Tonstudio haben muss?
Einen guten Audio Engineer.

Vitamin B ist das A und O in der Musikbranche: Wie hast Du dir dein Netzwerk aufgebaut und welche Tipps hast Du, wenn jemand selbst ein Netzwerk aufbauen will?
Dran bleiben und Gas geben. Scheut euch nicht davor die Leute an zu sprechen.

Was sollte ein angehender Musiker zu Beginn seiner Karriere auf gar keinen Fall machen?
Drogen nehmen.

Melodie und Beat sind ausschlaggebend

Image ist wichtig – in Zeiten von Youtube mehr denn je. Wie hast Du dir dein Image aufgebaut? Hast Du das bereits am Anfang durchdacht?
Ich denke nicht dass ich auf ein Image angewiesen bin. Mit den Jahren wird sich zeigen ob jemand echt ist oder nicht.

Interview Sirwan

Die neue EP Déjà-vu erscheint am 8. Januar. Bis dahin gibt’s bei uns ein fettes Interview mit Rapper Sirwan!

Welche Idee steckt hinter der neuen EP und wie bist Du darauf gekommen?
Déjá-vu beinhaltet Samples aus Songs, die ich selbst gefeiert habe. Zusammen mit dem Produzenten Ghana Beats und Careem geben wir alte Hits in neuer Manier wieder.

Wo hast Du beim Songwriting angesetzt? Wie schreibst Du deine Songs?
Melodie und Beat sind ausschlaggebend um einen Song zu beginnen. Dann kommt die Idee zu der Thematik, anschließend der Flow und am Ende wird alles technisch verfeinert.

Woher kommt die Inspiration?
Aus dem Leben.

Hast Du die Samples selbst ausgesucht?
Ich habe sehr viele vorgeschlagen und Ghana Beats hat die richtigen raus gesucht.

Wie lange hat es gedauert bis Du deine Ideen aufnehmen konntest?
1 Monat.

Kamen noch neue Ideen beim Recording dazu? Wie viele Ideen fließen beim Recording überhaupt noch ein?
Einen meiner Refs hat mir KD-Beatz spontan gemixt. Aber sonst bereite ich alles strikt vor.

Wie viele Tage hat es gedauert bist alles aufgenommen war?
1 Tag.

Wem überlässt Du das Mixing? Bist Du beim Mixdown dabei oder hörst Du dir nur die fertigen Resultate an?
Mix & Master überlasse ich Lex Barkey. Dennoch muss es meinen Vorstellungen entsprechen.

Was war der nächste Schritt nachdem die EP fertig war?
Grafik Design und Visualisierung.

Woher kamen die Ideen zu den Videoclips?
Von mir. Und Omelijan hat sie gut umsetzten können.

Die Videos sind sehr professionell produziert – ist das wichtig heutzutage?
Ich würde sagen es ist fast genau so wichtig, wie die Musik für den Zuschauer von Heute.

Was ist deine Empfehlung: Notfalls auch ein Video mit weniger Qualität drehen oder dann lieber ganz auf ein Video verzichten?
Manchmal können ganz einfach produzierte Videos mehr wiedergeben als hoch professionell gedrehte Clips.

Autonomie ist der wahre Weg zur Selbstverwirklichung.

Hast Du einen Tipp für Newcomer, die keine Kontakte in die Videoszene haben? Wie kann man ein Team finden? Und wie kann man das finanzieren?
Geht an die Hochschulen und arbeitet mit den Studenten.

Organisierst Du die Musikvideos selbst? Wer sorgt für Statisten, Locations?
Momentan lastet noch alles auf meinen Schultern.

Die EP steht kurz vor dem Release: Wird es eine Release Party geben? Und wenn ja: Wie organisiert man so etwas?
Die Live-Kultur ist in Darmstadt leider fast ausgestorben, aber ich hoffe in naher Zukunft wird sich das ändern.

Wie vertreibst Du deine Musik? Bist Du bei einem Label unter Vertrag?
Autonom Entertainment ist mein eigenes Label und darüber werden die Projekte veröffentlicht.

Wie bist Du auf die Idee gekommen, ein eigenes Label zu machen?
Autonomie ist der wahre Weg zur Selbstverwirklichung.

Wie bringst Du eine neue EP unter die Leute? Verlässt Du dich da ausschließlich auf Facebook & Co.?
Facebook und Youtube bewegen Welten in unserem Zeitalter.

Tipp: Podcast zum Thema Social Media für Musiker »

Woher weiß man, wann eine EP musikalisch wirklich fertig ist?
Wenn sich der Sound im Auto, auf dem Laptop und auf deinem Handy gut anhört.

Eine Sache, an die fast niemand denkt, ist das Cover einer Platte: Wie wichtig ist es überhaupt ein schönes Cover zu haben?
Wenn man einen guten Designer zur Seite hat, dürfte es kein Problem sein die richtige Idee um zu setzen. Aber das Cover ist sehr wichtig.

Wie viel Sirwan steckt in deiner Arbeit und wie viel davon ist Marketing?
Marketing ist wichtig jedoch muss man sich immer selbst Treu bleiben um die Authentizität nicht zu verlieren.

In welchem Rhythmus sorgst Du für neue EPs und Alben? Wie wichtig ist Regelmäßigkeit für die Fans?
Ich habe für das Jahr 2017 drei Projekte in den Startlöchern. Wenn alles gut geht werden wir in dem Tempo weiter arbeiten.

Was war das schönste Kompliment, dass Du jemals zu deiner Musik bekommen hast?
Als ich zum ersten mal sah wie mein Sohn meine Texte auswendig konnte, machte mich das sehr glücklich.

Würdest Du alles wieder genauso machen?
Ja, denn ich bin immer meinem Herzen gefolgt.

Zum Abschluss: Was möchtest Du unseren Lesern mit auf den Weg geben?
Fürchtet euch nicht vor Gangsta Rappern, denn am Ende des Tages geht es um die Musik.

Am Ende ist es die Musik – auch bei Rap

Wie im Intro bereits erwähnt, gibt es viele Formen um der Musik ihren Ausdruck zu verleihen – Harter Rap ist einer davon. Musikgenres, die wir dringend brauchen und den die Jugend braucht! Rap und Hip Hop sind Perspektiven in einer manchmal perspektivlosen Welt. Und auch das muss Wertschätzung erfahren.

Déjà-vu von Careem & Sirwan

Du möchtest mal reinhören in die Darmstädter Rap-Szene? Dann schau mal hier rein:

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