Ratgeber: Piano für Kinder – Akustisches Klavier oder Digitalpiano?

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Piano für Kinder Ratgeber

Gesucht: Ein Piano für Kinder und Einsteiger - darf es ein akustisches Klavier oder ein Digitalpiano sein? Was besser ist und wie Du beides in einem bekommst.

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Erwartungen an sich und das Piano für Kinder

Eltern und Interessierte sollten sich zunächst die Frage stellen, welchen Anspruch sie an sich beziehungsweise ihr Kind haben. Zum Einstieg in diesen Elternratgeber hilft es, die nachstehenden Fragen zu beantworten:

  • Soll das Musizieren einen Ausgleich schaffen und ein Ventil sein, Erlebnisse des Alltags zu verarbeiten?
  • Wünscht sich die Großmutter ein kleines »Privatkonzert« zum runden Geburtstag?
  • Vielleicht möchte der Spross eine Beethoven-Sonate spielen und ist bereit, hart dafür zu üben?
  • Ist das Ziel, handwerklich und technisch Klavierstücke zu spielen?
  • Oder soll das Verständnis und Gefühl für Musikalität vermittelt werden?

Am Anfang können spieltechnische Grundlagen und ein Verständnis für Musikalität – also wie Töne betont werden – besser an einem Klavier mit herkömmlicher Klangerzeugung vermittelt werden. Diese Fähigkeit kann im fortgeschrittenen Stadium auf das digitale Musikinstrument übertragen werden, doch andersherum ist das nicht möglich.

 

Brillante Klangqualität

Bis heute ist das Aushängeschild des Klaviers das Klangbild. Der volle und brillante Klang resultiert aus dem Resonanzkörper des Instruments und der feinen Hammermechanik. Das wesentliche Kriterium bei einem akustischen Piano (für Kinder) ist die Beziehung zwischen dem Spiel auf den Tasten und dem entstehenden Ton.

Die Art, wie die Tasten angeschlagen werden, bestimmt den Klang des Tons und seine Lautstärke.

Diese feine und kontrollierbare Art der Klangerzeugung stellt die größte Herausforderung für digitale Nachahmer dar. Somit ist die Tongestaltung ein wesentliches Merkmal, mit dem das akustische Klavier punkten kann – der Nachahmer kann im besten Fall so gut wie das Original werden.

Ein Gespür für das Instrument entwickeln

Bleibt man dem Klavierspiel über Jahre hinweg treu, wird sich beim Jugendlichen oder musikalisch fortgeschrittenen Erwachsenen ein besonderes Spielgefühl einstellen. Mit den Jahren entwickelt sich ein ausgeprägtes Gespür und Gehör für das Musikinstrument.

Der Spieler fühlt, wie das Klavier auf Impulse wie den Tastenanschlag oder die Betätigung des Klavierpedals reagiert und kann das Instrument auf diese Weise feinfühlig kontrollieren.

Mit den Hämmern ist es möglich, auf diverse Arten einen Ton zu erzeugen und Klänge zu gestalten. Der Musiker spürt die unmittelbare Reaktion des Instruments durch das Anschlagen des Hämmerchens auf den Saiten. Dazu zählt das Vibrieren des Resonanzkörpers und wie der Spieler den Ton anschlägt und ausklingen lässt.

Auch für Anfänger wichtig

Für den Anfänger sind diese beiden Aspekte relevant. Auch wenn anfangs die gesamte Konzentration abverlangt wird, Hände und Finger überhaupt richtig zu koordinieren und alle Noten fließend zu lesen.

Ein gut klingendes Musikinstrument fördert die Freude am Spiel und stellt die Weichen für langjähriges Musikmachen am Klavier. Gerade wenn die Leidenschaft zum Klavierspiel über Jahre konstant bleibt, lohnt es sich, das Feingefühl am echten Klavier weiter zu schulen und zu fördern.

Hier hat ein akustisches Klavier leicht die Nase vorn, doch ein gutes Digitalpiano für Kinder, Jugendliche und Anfänger jeden Alters kann durchaus mithalten.

Seele vs. Vielfalt: Klänge entdecken

Das Spielgefühl am akustischen Klavier ist einzigartig, denn kein Musikinstrument gleicht dem anderen. Das liegt unter anderem daran, dass Holz ein organisches Material ist. Es atmet, dehnt sich aus, zieht sich zusammen und altert. All diese Faktoren beeinflussen letztendlich die Klangcharakteristik des Instruments mit. Ein Piano mit altbewährter Klangerzeugung ist lebendig und viele Musiker sprechen von der Seele des Klaviers.

Ein digitales Musikinstrument ist hingegen besonders flexibel durch die unterschiedlichen Instrumental-Sounds und eingespeicherten Playbacks, zu denen gespielt werden kann. Das Klavierspielen im Bunde mit einer virtuellen Band – das kann auf Anfänger sehr motivierend und animierend wirken. Schon im frühen Stadium hat der Spieler das Gefühl, richtig Musik zu machen und kann coole Stücke im virtuellen Ensemble spielen.

Anschaffung fürs Leben oder »nur« ein Piano für Kinder?

Ein akustisches Klavier muss schon aufgrund der finanziellen Investition als Anschaffung für das ganze Leben gesehen werden. Aber auch die Größe und das Gewicht spielen eine Rolle – ein Flügel beispielsweise hat was von einem Möbelstück. Das Klavier ist ein Gegenstand, zu dem sich eine Verbindung aufbauen lässt. Es wird zum Begleiter.

Auch ein Digitalpiano kann einem lieb und teuer werden. Je nach Modell hinkt die Technologie nach einigen Jahren hinterher. Die Hemmschwelle, sich von einem Digitalpiano zu trennen, ist oft geringer als das bei einem Klavier der Fall ist. Es scheint austauschbarer.

Wer sich nicht sicher ist, ob das Klavier überhaupt das richtige Instrument ist, sollte sich anfangs eines mieten oder mit einem Digitalpiano einsteigen.

Transport in die Wohnung

Ein akustisches Klavier wiegt eine Menge. Sind die Räumlichkeiten nicht im Erdgeschoss, muss man als Käufer mit saftigen Aufpreisen seitens des Transportunternehmens rechnen. Pro Stockwerk steigen die Kosten für den Transport. Aufgrund des enormen Gewichts kann ein Klavier nicht selbst getragen werden.

Für die Anschaffung eines Digitalpianos sprechen also praktische wie auch finanzielle Gründe.

Lautstärke kann zum Verhängnis werden

Wer in einer Wohnung oder im Reihenhaus lebt, ist an gesetzliche Ruhezeiten gebunden. Nachbarn und Mitbewohner können sich durch den lauten, kraftvollen Sound eines akustischen Klaviers unter Umständen gestört fühlen.

An nächtliches Üben – eine Zeit, zu der gerade bei Jugendlichen die kreativen Schübe häufig zu Tage treten – ist nicht zu denken. Auch am Tag ist das Klavier ein Instrument, dessen Klang durch Decken und Wände hörbar ist.

Anders beim Digitalpiano: Hier kann die Lautstärke per Knopfdruck reguliert werden und auch das Klavierspielen über Kopfhörer ist möglich.

Digitalpiano für Kinder - Yamaha Arius YDP-143

Ein Digitalpiano für Kinder bietet einen Kopfhörerausgang … und Lernfunktionen, auch ist es günstiger und kompakter

Unterhaltung

Ein »echtes« Klavier ist bereits bei der Anschaffung kostspielig. Ein gutes Instrument kostet oft das Fünf- bis Zehnfache im Vergleich zu einem digitalen Klavier.

Dazu kommen Kosten für die Pflege. Ein Klavier sollte einmal jährlich von einem Klavierstimmer/Klavierbauer gestimmt werden. Vielleicht musst das Klavier nach einem Jahrzehnt gewartet oder restauriert werden.

Selbst bei pfleglicher Behandlung können schwankende Raumtemperaturen und die langfristige Beanspruchung der Hammermechanik bzw. Pedale dazu führen. Als analoges Musikinstrument unterliegt es nutzungsbedingtem Verschleiß.

Doch dies trifft auch die Eigner eines Digitalpianos, das ebenfalls mit der Zeit verschleißt. Nicht selten passiert es, dass die Tasten nach ein paar Jahren locker werden und beim Klavierspielen leicht klappern. Und wie weiter oben erwähnt, ist die Lebensspanne eines Digitalpianos aufgrund alternder Technologie womöglich kürzer.

Allerdings kann sich ein Digitalpiano aufgrund der Elektronik nicht verstimmen. Da man hier – anders als bei dem Klavier – auf einen Klavierstimmer verzichten kann, lässt sich langfristig Geld sparen.

Kombi-Lösung TransAcoustic & Silent Piano

Eine von der Firma Yamaha entwickelte Technologie ermöglicht es, das akustische Klavier um eine digitale Klangwiedergabe zu ergänzen. Beim Silent Piano oder TransAcoustic entsteht der Klang ursprünglich über das Auftreffen der Hämmerchen auf den Saiten.

Im Gegensatz zu einem akustischen Klavier ist es allerdings möglich, das Instrument stumm zu schalten und stattdessen mit Kopfhörern zu musizieren. Der Spieler bekommt einen digitalen, sehr gut klingenden Klavier-Sound auf die Ohren. Der digitale Klavierklang reagiert dabei auf die Anschlagstärke beim Spiel und die Gesamtlautstärke ist individuell einstellbar.

Die sogenannten Silent Pianos sind echte Klaviere mit Hammermechanik und müssen daher jährlich gestimmt werden.

Piano für Kinder - Yamaha U1TA

Das Yamaha U1TA kostet knapp 13.000 Euro – der Einstieg in die Sparte »Anspruchsvolles Piano für Kinder« mit TransAcoustic für digitale Klänge mit echtem analogem Sound über den Resonanzkörper

Echtes Spielgefühl zu nächtlichen Stunden

Eine Besonderheit des TransAcoustic und der Silent Pianos ist, dass die Mechanik und das Spielgefühl des akustischen Klaviers weitestgehend erhalten bleiben. Die innige Verbindung mit dem Musikinstrument besteht dadurch weiterhin, während die akustische Klangerzeugung ausbleibt und durch den digitalen Klang auf den Kopfhörern ersetzt wird.

Aufgrund der Möglichkeit, vom lauten akustischen Klang zum internen digitalen Klang auf Kopfhörern zu wechseln, kann zu Tag- und Nachtzeiten ernstzunehmend und mit nahezu gänzlich originalgetreuem Spielgefühl geübt werden.

Darüber hinaus kann das Ständchen zum Geburtstag dennoch für alle akustisch hör- und erlebbar im Wohnzimmer gespielt werden. Diese Modelle bieten das Beste aus analogem und digitalem Piano – für Kinder, Jugendliche und Anfänger.

TransAcoustic: Alternative zum normalen Digitalpiano für Kinder

Das TransAcoustic Piano hat einen besonderen Clou. Es kann nicht nur den natürlichen, akustischen Klavierklang über den Resonanzkörper des Klaviers wiedergeben. Auch die digitalen Instrumental-Sounds werden auf Wunsch über dessen Resonanzkörper verstärkt. Alle Töne und Sounds erklingen dann über den Korpus des Instruments.

Zusätzlich kann der Klavierklang mit verschiedenen digitalen Sounds kombiniert werden. Die Regulierung der Gesamtlautstärke ist unter diesen Voraussetzungen natürlich auch möglich. Dass bei all diesen Funktionen auch Kopfhörer eingestöpselt werden können, versteht sich fast von selbst … und passt bestens zu einem Piano für Kinder, Jugendliche und Anfänger.

Einen Wermutstropfen gibt es bei dieser hybriden Lösung dann leider doch noch. Preislich sind sowohl die Silent Pianos als auch die TransAcoustic Pianos – je nach Qualität und Umfang der zusätzlichen Funktionen – leicht bis stark über dem Kaufpreis eines normalen akustischen Klaviers angesiedelt.

Anspruchsvolles hybrides Piano für Kinder - Das Innere des Yamaha U1TA mit TransAcoustic

Das hybride Piano für Kinder – Der TransAcoustic-Technologie unter den Rock geschaut

Fazit im Elternratgeber: Akustisches vs. digitales Piano für Kinder

Der akustische Eindruck, das Gefühl und die Freude sind bei Klavierspielen enorm wichtig. Auch wenn das bei Einsteigern anfangs oft nur unterbewusst wahrgenommen wird. Das Erlebnis, an einem gut klingenden akustischen Klavier mit ausgefeilter Mechanik und sensibler Anschlagdynamik zu spielen, ist unvergleichlich und gerade für Kinder ein Erlebnis.

Für die Lernkurve ist vielleicht eher dies wichtig: Schon im Anfängerstadium findet eine Sensibilisierung für das eigene Spielempfinden und die Klangvorstellung statt.
Die meisten Interessenten werden gerade in der Einstiegsphase dazu neigen, ein digitales Piano für Kinder zu kaufen. Der Anschaffungspreis ist gegenüber einem gewöhnlichen Klavier für Kinder deutlich günstiger und es fallen keine Wartungskosten an. Auch animieren die integrierten Instrumental-Sounds und Cover-Songs Anfänger sehr gut. Jedoch müssen hierfür in Sachen Klang und vor allem beim Gefühl Abstriche gemacht werden – je nach Modell mehr oder weniger.

Wer lieber das Beste aus analoger und digitaler Welt vereint, schaut sich beim TransAcoustic Piano um. Dieses weist alle charakteristischen Merkmale eines gewöhnlichen Klaviers auf und bietet gleichzeitig eine Fülle an technologischen Extras.

Ein großer Vorteil ist hier – genauso wie beim Digitalpiano – das von der Wohnsituation unabhängige Musizieren zu jeder Tages- und Nachtzeit. Mit dem Erwerb eines dieser Modelle kauft man ein Universalpaket: Sowohl die musikalische Entwicklung des Musikers als auch die Freude am Experimentieren mit digitalen Instrumental-Sounds und sehr soliden Aufnahmemöglichkeiten ist gewährleistet.

So beschließen wir unseren Elternratgeber zum passenden Klavier für Kinder und Anfänger. Wer sich der in diesem Ratgeber geschilderten Unterschiede bewusst ist, findet das passende Musikinstrument für sich – und dabei muss man sich dabei mittlerweile nicht mehr exklusiv für die eine oder die andere Art der Klangerzeugung entscheiden.

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Lesermeinungen (4)

zu 'Ratgeber: Piano für Kinder – Akustisches Klavier oder Digitalpiano?'

  • Alan   24. Feb 2017   12:48 UhrAntworten

    Die TransAcoustic/Silent Technologie ist eine sehr sehr feine Sache.
    Ich habe das Yamaha B2 Silent bei einen Besuch in der Kulturstadt Weimar bei Hutzelmann gespielt und mich sofort in dieses Klavier verliebt.
    (Ohne Werbung machen zu wollen: So wie ich die junge Dame im Hause verstanden hatte, würden beim Spezialisten Hutzelmann aber als einziger in Deutschland auch herkömmliche Klaviere mit der Silent Technologie ausgestattet werden können. Bei Interesse diesbezüglich einfach bei Hutzelmann, Jakobstraße 18, 99423 Weimar nachfragen).

    Der Klang auch über Kopfhörer ist göttlich und man vergisst umgehend, das man überhaupt Kopfhörer aufgesetzt hatte. Der Klang entfaltet sich auch über Kopfhörer räumlich vollkommen natürlich. Kein Quatsch, es klingt tatsächlich 3-Dimensional !
    Es sind wahrlich Welten, die da zwischen diesem Sound über Kopfhörer und einem Kopfhörersound eines normalen Digitalpianos liegen, wie z.B. meinem CA7.
    Auch die besten Piano Plug-In`s von z.B. Synthogy oder Vienna können mit diesen sehr dynamisch und voluminösen echten Sound nicht mithalten.
    Das Beste daran, abgesehen vom stillen Üben, dieser Sound ließe sich natürlich über den Kopfhörerausgang problemlos in seiner DAW aufnehmen und somit eine aufwendige Mikrofonierung für das Recording nicht erforderlich wäre.
    Die besten Eigenschaften eines echten Klaviers, wie eine exzellente Tastatur mit sehr präzisen Druckpunkten und authentischen Pedalen, Körper und Seele im Sound, so wie natürlich eine sehr edlen Optik gibt es obendrauf.
    Für mich ist in erster Linie Sound und Spielbarkeit maßgebliches Kriterium eines Klaviers und beim B2 Silent war ich einfach hin und weg.

    Im Umkehrschluss bedeutet dies jedoch nicht, das Digitalpianos nicht ebenso für wirklich ernsthaften Klavierunterricht geeignet wären.
    Sound und Tastatur sind allerdings wie im Artikel erwähnt und ich konform gehe, die wichtigsten Kriterien bei einer Entscheidung.
    Hier trennt sich bei Digitalpianos jedoch die Spreu vom Weizen, denn nicht viele Digitalpianos kommen mit authentisch und auf Velocity-Multisamples basierten guten Klavierklang und noch akzeptablen Tastatur daher (am besten Holztastatur), die auch pianistischen Ansprüchen genügen kann.
    Unter 2000 Euro findet man für mein Empfinden eher "Klimperkästen" unter den Digitalpianos.
    Entweder es gibt dafür einen annehmbaren Sound mit einer schlechten-mittelmäßigen Tastatur, bzw. eine gute Tastatur mit aber nur durchschnittlichen Klang.
    Wer beides möchte, möglichst authentischen und formbaren Klang UND eine unzweifelhaft gute Tastatur, wird schon etwas mehr Geld für ein richtig gutes Digitalpiano in die Hand nehmen müssen.
    Hier steht dann wiederum die Überlegung im Raum, ob man nicht dafür schon ein echtes Klavier bekommen würde.

    Nun, Überlegungen gehen aber auch dahin, das bei einem echten Klavier Klavierstimmer Geld kosten oder evtl. sogar kleine Restaurierungen anstünden und Folgekosten durch Wartungen nicht billig sind.
    Beim Digitalpiano fließen weitere technische Entscheidungshilfen wie z.B. integrierter Sequenzer, PC/USB-Midi Ausgänge, Audioausgang etc. ein, die ein Digitalpiano auch als vollständiges "Masterkeyboard" nutzbar machen könnten, sofern man dieses auch als Produktionswerkzeug nutzen möchte.
    Natürlich gibt es auch beim Digitalpiano Verschleiß und es kann irgendwann einmal eine Reparatur erforderlich sein, aber um Technologieveralterung muss man sich dann nicht wirklich sorgen, wenn man ein wirklich gutes Digitalpiano mit sehr sehr guten Sound, einer ebenso sehr guten Tastatur und guter technischer Ausstattung ergattert.
    Ein solches Digitalpiano wird dann auch unter Garantie noch in 30 Jahren Freude machen

  • Jonas   24. Feb 2017   14:17 UhrAntworten

    Ich hätte noch die Sparte Stagepiano hinzugefügt. Die sind noch mal deutlich transportabler und bieten ein sehr, sehr gutes Spielgefühl (ich besitze ein Kawai ES-7). Außerdem sind Stagepianos preislich auch nicht allzu hoch angesiedelt.

  • Rob   24. Feb 2017   23:12 UhrAntworten

    Hallo Kai,

    ein wirklich sehr schöner Beitrag. :)

    Den ersten Satz des Fazits kann man auch ganz allein als Aussage so stehen lassen:

    "Der akustische Eindruck, das Gefühl und die Freude sind bei Klavierspielen enorm wichtig. Auch wenn das bei Einsteigern anfangs oft nur unterbewusst wahrgenommen wird. Das ERLEBNIS, an einem gut klingenden akustischen Klavier mit ausgefeilter Mechanik und sensibler Anschlagdynamik zu spielen, ist unvergleichlich und gerade für Kinder ein Erlebnis."

    Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

    Alles andere wird dann problematisch.

    Wenn ein Erwachsener Klavierspielen lernen will und ist der Ansicht, es reiche, sich dafür ein E-Piano zu kaufen, dann ist es ja seine Sache und ja auch sein gutes Recht. Ich möchte und würde daher auch niemals niemandem seine Entscheidung anzweifeln.
    Ich bin aber irgendwann nach Jahrzehnten des Studiums und Spielens (Klavierstudium, Reifeprüfung, Konzertexamen Muho Köln ) und des Unterrichtens (Privatdozent, eigene Klasse ) zur Erkenntnis gelangt, dass eine klassische und musikalische Klavierausbildung nicht vernünftig mit einem E-Piano gelernt werden kann.

    Warum das so ist, möchte ich im einzelnen erörtern.

    1. Egal, welche Tastatur, welches E-Piano, welches Softwarepiano mann nimmt, von einem gutem Original-Instrument (Flügel), was diese ja nachahmen wollen, sind all diese Geräte klanglich immer noch Lichtjahre entfernt.
    Wer sich mit den vielen Eigenheiten eines echten Klaviertons und dessen Anschlag als ERLEBNIS und EREIGNIS nicht tagtäglich über Jahrzehnte auseinandergesetzt hat, wird das ganz sicher nicht nach vollziehen können.
    Damit übertreibe ich nicht.

    Man nehme beispielsweise den Anfang der F-Dur Sonate von Mozart KV 280. Diese beginnt im ersten Satz mit einem arpeggierten F-Dur-Akkord und danach säulenartig weiter folgenden F-Dur-Akkorden.
    Man spiele diesen Beginn nun zuerst komplett ohne Pedal.

    Dann, im Zeiten Durchgang fügt man im ersten arpeggierten Akkord nun vorher etwas (Klang-)Pedal hinzu.
    Dieses Klangerlebnis wird kein E-Piano dieser Welt so ausführen können, wie dies am Klavier geschieht! Da passiert klanglich so unglaublich viel, wenn die Saitendämpfer für diesen kleinen moment aufgehoben werden, die ersten Töne des Arpeggios angeschlagen werden und erklingen. Der komplette Beginn der Sonate verändert sich plötzlich zu einem komplett neuen Klangereignis! Wahnsinn! Die umgebende Akustik und das Gefühl in den Tasten (da wird nichts simuliert, man spürt in der Taste selbst jede noch so kleine Hammerbewegeung, die sich ja direkt auf den gespielten Klang unmittelbar auswirkt) tun noch Ihr weiteres dazu.
    Dieses Ereignis und Erlebnis schafft kein E- oder sonst ein elektrisches Piano!

    Des Weiteren kann man echtes Halb- oder Viertelpedal in den teuersten E-Pianos immer noch nicht richtig nutzen, wie man es bei einem Klavier kann. Die Nuancen bei einem Klavier sind um ein zigfaches größer.
    Es ist ja eben nicht so, dass "Halb-Pedal" ein Schalter im Klavierpedal ist und dieser genau "in der Mitte" des Pedalwegs umschaltet, nein es hängt mit der gesamten Mechanik des Pedals und den Filzdämpfern auf den Saiten zusammen. Selbst der Name "Pedal" gibt also schon gar nicht wieder, was eigentlich damit gemeint ist: eine ständig und unentwegt im Spiel feinst nuanciert kontrollierte Bewegung des Pedals, um ein bestimmtes klangliches Resultat zu erreichen. Dies kann eben sehr vielschichtig sein. Bei jedem Klavier ist das Pedal anders eingestellt und hat bei kleinsten Bewegungen andere, eigene klangliche Resultate, die es zu finden gilt (bei manchen Klavieren auch mal sehr schlecht eingestellt).

    Wer mal irgendwann einmal die Möglichkeit hat, an einem gut eingestelltem Steinway D-Flügel zu spielen und dessen Pedal auszuprobieren, möchte das bitte mal tun. Es ist unglaublich, wie viele Nuancen und Effekte man mit diesem Pedal zaubern kann!

    Warum möchte man so etwas einem Kind vorenthalten? Warum wird das einem Kind unter Umständen gar nicht erst ermöglicht, das finden zu können?

    Gerade Kinder sind ja sehr experimentierfreudig und wollen alles wissen. Wie erklärt und zeigt man einem Kind, welches im Unterricht wissen will, was ein Una-Corda-Pedal ist (linkes Pedal) und wie es funktioniert und den Klang verändert, wenn es doch lediglich am E-Piano sitzt?

    2. Gerade Kinder, die nur auf E-Pianos oder etc. gelernt haben, wissen oft nicht, wie laut oder wie leise richtige Klaviere tatsächlich klingen! Die haben vielleicht nur den Lautstärkeregler kennengelernt. Wie will man da gute klangliche Entscheidungen treffen können?
    Wie leise klingt denn nun wirklich ein an einem guten Klavier gespieltes Piano? Wie laut ein Forte? Vielleicht machen sich Lautstärkeunterschiede am Klavier ja gerade durch Klangfarbenveränderungen bemerkbar? Ein großer Konzertflügel zum Beispiel macht ein im Vergleich zu einem Klavier vielleicht absolut gesehenes "lauteres" Piano, aber dieses Piano kann eben so weich, süß, zart und schön sein, dass einem wirklich Warm ums Herz wird! Und so etwas macht selbst Kindern Spaß zu spielen, ohne dass die kleinen Kinderhände dabei verkrampfen!
    Damit wären doch schon erste technische und musikalische Grundsteine für Talent bei Kindern gelegt!

    Daher möchte ich noch einmal den oben zitierten ersten Satz des Fazits betonen. Dieser Satz ist essentiell wenn es um den ersten Klavierunterricht für Kinder geht. Genauso essentiell ist auch ein guter und leidenschaftlicher erfahrener Lehrer, der schon früh anfängt, dem Kind möglicherweise unsinnige und verkrampfende Fingerbewegungen abzugewöhnen und eine lockere Spielweise früh zu fördern.

    3. Silent-Pianos

    Oft bringen Silent-Pianos ein (kleines) mechanisches Problem mit sich:

    Der Auslösepunkt des Hammers muss im Vergleich zu einem Klavier ohne diese Technik um mehrere Millimeter verändert werden, damit die Hammerstoppleiste vor den Saiten noch Platz hat und der Hammer auch gegen diese Stoppleiste noch frei schwingen kann. Diese kompromissbehaftete neue Geometrie der (ganz normalen Klavier-Mechanik) wirkt sich auf die Spielweise leider negativ aus:

    schnelle Repetitionen sind nicht mehr klar und sauber auszuführen, da der Hammer wegen der veränderten Auslösung nicht mehr rechtzeitig neu ausgelöst werden kann. Somit werden viele repetierte Töne verschluckt, oder man bekommt manchmal unerwünschte Doppel- oder Dreifachtöne heraus...

    Mein Fazit:

    Da ja hier das Thema Anfänger im Vordergrund steht, möchte ich dazu sagen:

    Wer als Erwachsener schon mal früher etwas gespielt hat oder Unterricht hatte und einfach nur so mal wieder zum Spaß etwas Klavier spielen möchte, für den kann sich die Anschaffung eines E-Pianos oder Stage-Pianos durchaus lohnen.

    Wer als Erwachsener eine "klassische Ausbildung" mit Unterricht bevorzugt, oder einfach den Klang und das Gefühl eines "echten" Klaviers bevorzugt für den sollte es dann schon ein (vernünftiges) Klavier oder sogar ein Silent-Piano sein. Man lernt und fühlt sich an einem Klavier einfach anders (Auf lange Sicht meist besser und lockrerer) als an einem E-Piano.

    Für die gute und vernünftige Klavierausbildung von Kindern ist es auf jeden Fall unerlässlich, ein vernünftiges Klavier anzuschaffen, alleine um dem Kind alle klanglichen Möglichkeiten eines natürlichen Instruments mit natürlicher Lautstärke und Klang in natürlicher akustischer Umgebung zu geben. Wer nicht weiß, ob sein Kind langfristig überhaupt Spaß daran hat, kann ein Klavier auch erst einmal mieten. Übrigens, viele Klaviere haben oft auch ein mittleres Pedal für Leisefunktion, obschon die Silent-Technik effektiver funktioniert.
    Gute und gepflegte Markenklaviere bekommt man sowieso immer gut verkauft.

    • Alan   06. Mrz 2017   15:08 UhrAntworten

      Ja, wenn man das Glück hat(te), auf `nen seidig perlenden 62`er Steinway D gespielt zu haben (wenngleich ich persönlich die etwas drahtigeren Bösendorfer mag), dann versteht man auch als Laie unumgänglich deinen in allen Belangen richtigen Ansatz "sich über den Sound in das Instrument (Klavier/bzw. Flügel) zu verlieben".
      Impulsivität, Charakter, Lebendigkeit und jene Kommunikation zwischen Instrument und Spieler... das geht wahrhaft nur schwerlich zwischen (selbst besten) digitalem Pendant und einem echten Instrument (ganz gleich ob Piano, Gitarre oder Saxophon usw).

      Digitale Technologie (programmierbar/editierbar) ist in mancher Hinsicht sehr sehr weit fortgeschritten, doch Seele und Charakter lässt sich auch meiner Meinung nach- insbesondere LIVE, nicht emulieren... und unterm Strich bleibt es maximal eine Emulation und selten vollumfänglich spürbar !

      Ich weiß nicht ob diesbezügliche Ansprüche nicht zu hochgegriffen und gestochen sind, aber DAS ist ja letztlich genau der Unterschied, das ein handwerkliches "Naturinstrument" von einem digitalen Pendant im Wesen maßgeblich unterscheidet.

      Ich meine nicht, das man bis zu einem gewissen Grad nicht auch mit einem vernünftigen Digitalpiano das Klavierspiel erlernen könne... es bleibt aber im wesentlichen jener hauptsächliche Unterschied zwischen digitalen Abbild und Naturinstrument (ganz gleich ob Pianos, Gitarren usw.) diese Instrumente in ihrer Natur wahrhaftig ENTDECKEN zu können.
      In dieser Hinsicht gehe ich absolut konform, das es noch Lichtjahre betreffende Unterschiede und deutliche Mankos gibt (jene Myriaden vielfältiger Facetten und Eigenheiten von Mechanik=Sound=Spieler gibt), diese
      auf digitalen Wege erforschen zu können.

      Dies ist auch wirklich für jeden Laien fast schon selbsterklärend, denn wirklich JEDEM Klavierschüler der allerersten Stunde fällt unumstößlich sofort dieser Unterschied zwischen z.B. Klangverhalten, Mechanik, Körper, Form und Raum eines z.B. echten Flügels und einem Keyboard auf... und das finde ich persönlich immer toll, wenn man diesen Unterschied nicht nur hört, sondern vor allem fühlt, wenngleich man es auch nicht ganz genau zu beschreiben weiß.

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