Antares ATG-6: Auto-Tune für Gitarristen – Gehören Oktavunreinheiten der Vergangenheit an?

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Auto-Tune für Gitarristen – Antares ATG-6

Ganz im amerikanischen Stile wurde Antares ATG-6 bisher nur angekündigt, es handelt sich also noch nicht um ein fertiges Produkt. Aber diese Ankündigung ist so spannend, dass wir uns verpflichtet fühlen, darüber zu berichten. Glaubt man den Aussagen des Herstellers, dann zieht die Auto-Tune Technologie nun genau so spektakulär in die Gitarrenwelt ein, wie seinerzeit beim Gesang.

Die neue Technologie soll komplett auf DSP aufbauen und die wichtigste Funktion dürfte Solid-Tune sein. Diese soll es dem Gitarristen erlauben, seine Gitarre immer gestimmt abzuhören. In Echtzeit werden alle Saiten analysiert und etwaige Abweichungen korrigiert, so dass jede einzelne Note immer in der richtigen Tonhöhe ertönen soll.

Der Hersteller weist in seiner Pressemitteilung darauf hin, dass genau die Unreinheiten in der Bundierung einer Gitarre für nicht perfekte Aufnahmen sorgen können, wenn man die Lage ändert. Und hier soll eben die Technologie eingreifen.

Spannend dürfte die Tatsache sein, dass Antares Auto-Tune ATG-6 wohl auf die Gitarre montiert wird und seine Arbeit wohl noch vor dem Verstärker verrichtet. Im Übrigen sollen Bendings nicht betroffen sein, hier soll die Technologie intelligent genug arbeiten, um die Intention herauszufinden. Stattdessen soll das Treffen des richtigen Tons besser funktionieren.

Wir können gespannt darauf sein, ob wir in Zukunft noch bessere Gitarristen hören werden. Natürlich ist es auch denkbar, dass diese Technologie dazu führt, dass Gitarrenaufnahmen steril werden – Perfektion war noch nie die Stärke der Musik.

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Lesermeinungen (7)

zu 'Antares ATG-6: Auto-Tune für Gitarristen – Gehören Oktavunreinheiten der Vergangenheit an?'

  • Jens   11. Mai 2011   09:56 UhrAntworten

    Hört sich sehr spannend an. Allerdings läuft dies dem ersten Vernehmen nach auf eine Technik heraus, die von diverser Konkurrenz in anderen Projekten bereits realisiert ist. So basiert der Gitarrensynthesizer VG 99 von Roland auf ein an der Gitarre selbst abgegriffenes Signal durch einen entsprechenden Spezialtonabnehmer und schickt dieses dann durch diverse Modelings im Gerät. Dabei sind u.a. diverse Voicings bzw. Tunings simulierbar und dementsprechend werden die einzelnen Töne durch ein "Autotune-Verfahren" geschickt.
    Die Kollegen von Line 6 haben eine solche Technik direkt in ihre Gitarren eingebaut. Die sog. Variax-Gitarren erscheinen zur Zeit gerade in einer komplett überarbeiteten Variante in Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Gitarrenbauer James Tyler. Auch hier sind diverse Voicings bzw. Tunings qua Drehregler und Knopfdruck abrufbar, ohne an der Mechanik drehen zu müssen.
    Alles in allem: auch die traditionsgemäß höchst konservative GitarristInnenwelt wird von einer kopernikanischen Wende nicht verschont bleiben. Ich jedenfalls bin als Gitarrist sehr gespannt auf die Entwicklungen, die da kommen werden bzw. schon über uns hereingebrochen sind ;-)

    • Carlos (delamar)   11. Mai 2011   11:00 UhrAntworten

      Ah, das ist spannend. Ich hatte das gar nicht so auf dem Schirm, dass die natürlich auf eine ähnliche Technologie zurückgreifen. Dann bleibt als Neuerung natürlich nur, dass die in Echtzeit kleine Unreinheiten korrigieren können. Oder?

  • Jens   11. Mai 2011   13:59 UhrAntworten

    Das weiß ich nicht genau. Jedenfalls gehe ich einmal davon aus, dass das Problem irgendwie gelöst werden muss, Saitenschwingungen für dieses Gerät zu übersetzen. Dies geht durch spezifische Tonabnehmer, wie bei Roland zum Nachrüsten oder bei Line6 fertig eingebaut (ich glaub in der Brücke). Ich musste an den VG 99 direkt denken, als Du geschrieben hattest, dass irgendwas an die Gitarre montiert werden muss.

  • Heiko   16. Mai 2011   11:32 UhrAntworten

    Genau diese "Unreinheiten" sind es doch, die aus einer Gitarre eine Gitarre machen, und dem Instrument Seele geben.

    Es gibt ja auch schon kompensierte Sättel, z.B. von Earvana, die diese Unzulänglichkeiten ausbügeln sollen, bei der breiten Masse der Gitarristen finden diese aber wenig Anklang, meist weil man die Instrumente als zu "flach" klingend wahr nimmt.

    Und jetzt mal ganz ehrlich: man kauft sich eine 5000 Euro Gibson Custom Shop ReIssue Murphy Aged und haste nicht gesehen, um dann das Signal aus der Gitarre in einen DSP zu schicken, den man noch auf der Gitarre montieren muss, um dann den natürlichen Sound des Instruments so zu verbiegen, dass er nach mathematischen Gesichtspunkten passt?
    Kann mir nicht vorstellen, dass dem Teil ein großer Erfolg unter den Sechssaitern beschert sein wird.

    • Carlos (delamar)   16. Mai 2011   19:03 UhrAntworten

      Interessante Punkte, aber ich wäre mir nicht so sicher, ob das nicht doch Anklang findet. Es werden ja heute schon Aufnahmen gemacht, bei denen die Gitarre in der jeweiligen Lage perfekt gestimmt wird...

      Wir können gespannt sein, keine Frage.

  • Mike Pape   09. Okt 2012   12:28 UhrAntworten

    Absoluter Unsinn.
    Ein wichtiger Grund dafür, daß Leute Gitarrenmusik hören, ist das Handgemachte daran. Für mich DER wichtigste.
    Es sind doch gerade die kleinen Fehler, die das Instrument und auch den Musiker ausmachen.
    Ich spiele selbst Gitarre und würde nie akzeptieren, daß die Leute mich für besser halten als ich bin.

  • Harald Duprée-Katzsch   18. Feb 2014   18:34 UhrAntworten

    Leider neigen Techniker - es sei ihnen gegönnt - dazu die Technik vollkommen zu überreizen. Es ist natürlich verlockend eine zwölfsaige Gitarre zu emulieren und verschiedene Stimmungen auf Knopfdruck. Ob das noch musikalisch ist, wage ich zu bezweifeln.

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