Homestudio einrichten Folge 7: Der Channel Strip

597
SHARES
anzeige

Channel Strip für das Homestudio

Nachdem wir vom Studiomöbel bis zu den Mikrofonen alles beisammenhaben, geht es um den Channel Strip, mit dem Du deinen Aufnahmen einen professionellen Glanz verpassen kannst.

In einem Channel Strip wie dem Tegeler Audio Manufaktur VTRC findest Du Mikrofonvorverstärker, Equalizer und Kompressor in einem Gerät vereint – ganz nach dem Vorbild eines Kanalzugs in einem hochwertigen Mischpult. Wenn Du hauptsächlich nur ein oder zwei Kanäle brauchst, ist eine solche Lösung die günstigste Methode, um den ganz großen Sound zu erreichen.

Homestudio einrichten Folge 6: Studiomikrofone »

Channel Strip: Was er macht

Die Hauptfunktion eines Channel Strips ist der Vorverstärker, mit dem Du Mikrofon-, Line- und Instrumenten-Signale verstärken kannst. Was sich wie eine recht langweilige Aufgabe im ersten Moment anhört, entpuppt sich als eine der wichtigsten Komponenten für einen hochwertigen Klang. Ein Vorverstärker kann deiner Musik enorm an Charakter, Wärme und Tiefe mitgeben.

Mit den zusätzlichen Effekten Equalizer und Kompressor kannst Du beispielsweise den Klang einer Stimme schon so formen, dass er fast fertig produziert und durchsetzungsfähig in deiner Musiksoftware ankommt. Dazu kommen wir aber gleich noch im Detail.

Wer braucht den Channel Strip?

Channel Strip

Der Channel Strip bietet der viele Einstellungsmöglichkeiten und jede Menge Raum zum Spielen!

Wenn Du einen Mixer oder ein Audio Interface mit ähnlichen Features hast, fragst Du dich jetzt vielleicht, wie wichtig so ein externer Channel Strip sein mag. Die Wahrheit ist, dass es inzwischen ganz fantastische Mischpulte und Audio Interfaces auf dem Markt gibt. Doch in der Regel ist mehr als genügend Platz nach oben in der Soundqualität dieser Geräte.

Ein Audio Interface hat beispielsweise seine Kernkompetenz in der Wandlung von Audiosignalen von analog nach digital. Dazu kommt es vollgepackt mit vielen weiteren Features wie Preamps für soundsoviele Kanäle, zahlreiche Ein- und Ausgänge, Kopfhörerverstärker und, und, und…schon platztechnisch ist es kaum realistisch, die ganze Funktionalität eines guten Channel Strips mit entsprechender Klangqualität in ein kleines Gehäuse zu packen – ganz zu schweigen von den Bedienelementen für den schnellen Zugriff.

Farbe und Transparenz beim Channel Strip

Wenn es um den Vorverstärker geht, gibt es zwei grundsätzliche Philosophien: Transparenz oder Charakter. Während die transparenten Vorverstärker danach streben, das aufgenommene Instrument oder Vocal möglichst akkurat wiederzugeben, sorgen färbende Vorverstärker für einen eigenen Klangcharakter. Sie können einer Stimme mehr Fülle verleihen oder einem Instrument zu etwas mehr Körper verhelfen.

Beim VTRC kannst Du sogar beide Wege beschreiten. Der Gain-Regler bestimmt, wie stark die Röhrenschaltung angefahren wird und wie stark damit die Färbung im Vintage-Style durchscheint. Röhren sind für mehr tiefe Frequenzen, offene Höhen und präsente Mitten beliebt.

Wer aber beispielsweise ein Röhrenmikrofon nutzt, wird die Verstärkung hauptsächlich über den Input-Regler nutzen, der einen klaren und direkten Klang mitbringt. Je nach Einstellung dieser beiden Regler lassen sich auch alle Zwischenstufen nach Gusto einstellen – genauso wie Du es dir vorstellst.

Equalizer

Die Equalizer-Sektion hilft dir dabei, den Klang noch weiter zu polieren. Angefangen mit einem Hochpassfilter, der Trittschall und andere unnütze tieffrequente Signale aus der Aufnahme hält – etwa für Stimmen bei 80 Hz. Um dem Gesang gleich etwas mehr Luft und Brillanz zu geben, kannst Du die 16 kHz um einige dB anheben – beim VTRC den Boost auf 5 oder 6 stellen.

Je nach Stimme und Mikrofon kannst Du eine kleine Absenkung bei 500 Hz mit dem Cut einstellen, was für etwas mehr Definition sorgen dürfte. Etwas mehr Fülle für die Stimme kommt mit einer leichten Anhebung rund um die 150 Hz. Was Du machen kannst, um zu starke Sibilanten und Zischlaute in den Griff zu bekommen, erfährst Du im übernächsten Kapitel.

Kompressor

Wichtig für Stimme, Rap oder Gesang ist es, sich in einem dichten Mix durchsetzen zu können. Hierfür ist der Kompressor das adäquate Hilfsmittel. Im VTRC sind gleich zwei davon eingebaut: Ein Vari-Tube- und ein Opto-Kompressor, die in Reihe geschaltet werden können. Attack und Release werden mit diesem Schalter eingestellt – auf Auto regeln diese sich je nach anliegendem Signal selbst.

Die Röhrenschaltung des Vari-Tube ermöglicht eine sehr direkte und zupackende Kompression, die etwas schneller anspricht als die des Opto. Die Kompression erfolgt in Abhängigkeit der eingehenden Pegelstärke, daher gibt es an diesem Gerät auch keine Einstellung für die Ratio.

Der Opto-Kompressor bringt eine sehr musikalische und weiche Kompression mit sich, die perfekt zu Vocals passt. Bei der Stimmaufnahme sollte die Gain Reduction bei den lautesten Stellen die 6 dB nicht überschreiten. Für noch mehr Durchsetzungskraft kannst Du die beiden Kompressoren übrigens in Reihe schalten – meine Lieblingseinstellung am VTRC für Stimmen.

Sibilanten

An einigen Channel Strips findest Du einen so genannten De-Esser, der dafür sorgt, dass Du arg laute Sibilanten und Zischlaute in den Griff bekommst. Je nach Sänger und genutztem Mikrofon kann das sehr nützlich werden. Hier beim VTRC kannst Du den Equalizer nutzen, um den Kompressor frequenzabhängig zu steuern – also zum De-Essing.

Passend dazu: Tutorial: De-Essing »

Zunächst wird dazu der EQ ausgeschaltet, damit er sich nicht auf das hörbare Audiosignal auswirkt. Dann wird der EQ vor den Kompressor geschaltet – damit reagiert der Kompressor auf das mit dem Equalizer bearbeitete Signal. Heben wir jetzt die 7 kHz richtig an und senken die 300 Hz weit ab, reagiert der Kompressor am stärksten auf die SSS- und Zischlaute.

Channel Strip Soundbeispiele

Channel Strip: Das Fazit

Das Wichtigste zum Channel Strip noch einmal in Kürze:

  • Ein hochwertiger Channel Strip verhilft deinen Aufnahmen zu mehr Glanz und Professionalität
  • Der Vorverstärker kann je nach Geschmack transparent und klar ODER färbend und Vintage klingen
  • Mit Equalizer und Kompressor kommst Du zu durchsetzungsfähigeren Aufnahmen

Nicht Jeder wird sofort das Budget für einen Channel Strip aufbringen können, doch wer auf der Suche nach einem auf Hochglanz poliertem Klang ist, findet hier eine wichtige Komponente. Unsere Empfehlung ist es, sich gleich mit einem professionellen Gerät wie dem VTRC der Tegeler Audio Manufaktur auszustatten. Bei vielen Channel-Strips für Einsteiger ist der klangliche Unterschied zu vorhandenem Equipment einfach nicht groß genug.

Und Du? Wie sieht deine Aufnahmekette aus? Nutzt Du bereits einen Channel Strip? Wir freuen uns auf deinen Kommentar!


Sag uns deine Meinung!

EMPFEHLUNGEN