Kemper Profiling Amp vs. Axe-FX II XL

672
SHARES

Nach reichlichem Anspielen und Herumschrauben an beiden Geräten kann ich eines mit Überzeugung vorneweg schicken: Wenn es um den Klang der Amp-Emulation und Cabs geht, klingen beide Kontrahenten objektiv gleich gut. Und beide überragend authentisch.

sommer cable wood plug

Vergleich: Axe-FX 2 vs. Kemper Profiling Amp

Profiler wie auch Axe-FX 2 XL hängen extrem direkt an der Gitarre, keine Latenz spürbar. Anschlagsverhalten, Dynamik, Tonentfaltung, Obertonverhalten und Zerrstruktur werden auf beiden Systemen in einer Qualität emuliert, die in der Tat ebenbürtig mit der qualitativ hochwertiger Röhrenamps ist. Der Klang bei beiden Geräten ist fantastisch.

Im direkten Vergleich zum Koch Studiotone klingen sowohl Profile im Kemper, als auch die Amp-Simulationen im Axe-FX 2 XL natürlich anders. Aber eben nicht schlechter oder besser. Genauso gut kannst Du zwei erstklassige Röhrenamps gegeneinander antreten lassen, mit gleichem Ergebnis: Unterschiedlicher Charakter, aber gleich gut.
Kemper Profiling Amp vs. Axe-FX II XL

Spielgefühl Kemper vs. Axe-FX 2

Wichtiger ist das Spielgefühl beider Gitarren-Modeler, das ebenfalls vergleichbar mit dem realer Amps ist. Ein Quervergleich mit günstigeren Geräten zeigt schnell, auf welchem bisher unerreichten Niveau Profiler und Axe-FX 2 XL spielen.

Beide Geräte spielen auf einem bisher unerreichtem Niveau

Mag das Avid Eleven Rack auch einen respektablen Ampsound generieren: An die Qualität von Profiler sowie Axe-FX 2 XL reicht es nicht heran. Und damit wird es auch einem echten Röhrenamp nicht gerecht. Die feinfühligen Modulationen und Anschlagstechniken des Gitarristen werden in der Tonentfaltung des Eleven Racks weniger differenziert quittiert, als es der Röhrenamp oder Testkandidaten der High-End-Klasse vermögen.

Ausgemachte Defizite, die bisher Amp-Simulation vom Original haben unterscheiden lassen, scheinen mit dem Profiler, wie auch dem Axe-FX 2 XL zum ersten Mal wirklich überzeugend aufgehoben zu sein.

Hiermit dürfte geklärt sein, dass die dargebotene Güte roher Ampsounds nicht als Kriterium für die Entscheidung zwischen Axe-FX 2 und Kemper Profiling Amp herhalten kann. Vielmehr liegt die Lösung in der Beantwortung der Frage, mit welcher der beiden Technologieansätze man persönlich besser zum gewünschten Ergebnis kommt.

Wie man zum richtigen Amp-Sound gelangt

So unterschiedlich die Technologie hinter diesen beiden Verstärkersimulationen für Gitarre ist, so unterschiedlich gestaltet sich die Suche nach dem passenden Gitarrensound für ein gegebenes Szenario:

Auf Profilsuche mit dem Kemper

Um den Profiler hervorragend klingen zu lassen, will das subjektiv als richtig eingestuftes Profil gefunden werden. Objektiv betrachtet begrenzt die Qualität der profilierten Signalkette die Güte eines Soundprofils. Subjektiv gesehen mag ein Profil für den einen ernüchternd sein, für den anderen klingt es wie die Ausgangsbasis für den perfekten Ton.

Mit kleinen Anpassungen des generischen Tonestacks aus Bass, Mitten, Höhen und Presence kann das Klangverhalten schnell auf die verwendete Gitarre feinjustiert werden. Gleiches gilt für den Gain-Regler, mit dem sich das originär profilierte Zerrverhalten abschwächen bzw. verstärken lässt. Der Tonestack ist immer derselbe, gleich welches Profil geladen wird. Dieser arbeitet als passiver EQ, der im Vergleich zu den meisten Röhrenamps einen erweiterten Regelbereich hat und ordentlich zupackt.

Beim Profiler lässt sich die Verzerrung völlig umkrempeln

Gleiches gilt für den Gain-Regler. Es ist verblüffend, wie stark völlig cleane Profile in die Verzerrung gezwungen werden können, bzw. High-Gain Profile auf völlig verzerrungsfrei trimmbar sind. Je weiter Du dich vom vorgegebenen Profil entfernst, desto weiter entfernst Du dich von dessen realer Amp-Vorlage. Gain- und primäre Klangregler reagieren generisch. Ein extremes Eingreifen bedeutet einerseits Sounds, die der reale profilierte Amp nicht bietet, andererseits kann das Ergebnis schnell „unnatürlich“ wirken.

In der Praxis bedeutet das: Statt ein Profil in eine völlig andere Richtung zu verdrehen, befriedigt das Auffinden eines klanglich passenderen Profils weit mehr. Zusätzliche Parameter wie beispielsweise Definition, Pick Attack und Power Sagging bieten weitere klangliche Eingriffsmöglichkeiten. Mit diesen lässt sich oftmals lohnend mehr Dynamik rausholen, als der profilierte Amp in Wirklichkeit bietet. Übrigens kann im Kemper Profiler die Cab-Simulation gegen die eines anderen Profils ersetzt werden.

Die richtige Kombination beim Axe-FX 2

Beim Axe-FX 2 XL beginnt das Einstellen der persönlichen Soundvorstellung mit der Auswahl einer Amp-Simulation, welche in Folge mit einer (subjektiv) passenden Cab-IR kombiniert werden will. Das Gerät bietet jede Menge Werk-Presets – startet man jedoch bewusst mit einem leeren Speicherplatz, werden keinerlei Kombinationen aus Amp- und Boxensimulation angeboten.

Jetzt hörst Du dich durch einige Amps in Kombination mit unterschiedlichen Cab-IRs durch, und erhältst schnell ein Gefühl dafür, welche Paarungen überzeugende Basissounds liefern. Auch die Amp-Einstellungen, zumindest der wichtigsten klangformenden Parameter wie Gain, Klangregelung und Master können selbstständig erarbeiten werden. Hier gibt es Voreinstellungen – letztlich muss der Sound aber genauso vollständig manuell eingestellt werden, wie es analog dem realen Vorbild der Fall ist.

Für die Mühe wird der Anwender mit Tiefgang belohnt: Die virtuellen Gain-Regler, Tonestacks, Master-Regler, etc. sind dediziert für jede Amp-Simulation modelliert. Sie reagieren und erzeugen Soundveränderungen, die verblüffend mit ihrem jeweiligen realen Vorbild vergleichbar sind. Man spürt den gemodelten Amp regelrecht, hört und fühlt etwa beim Hochdrehen des Master-Reglers wie die virtuellen Endstufenröhren in die Sättigung fahren, man volle Kontrolle über die Balance aus Preamp- und Endstufenverzerrung hat.

Das Axe-FX 2 erlaubt viel stärkere Eingriffe als normale Amps

Darüber hinaus bietet das Axe-Fx alleine in der Amp-Sektion eine Parametervielfalt, die weit über die bekannten Eingriffsmöglichkeiten herkömmlicher Röhrenamps hinausgeht – tiefergreifend, als es andere Amp-Modeler bieten.

Die Eingriffsmöglichkeiten scheinen grenzenlos und können den ein oder anderen bisweilen überfordern. Aber sie müssen nicht zwingend berührt werden, um dem Gerät hervorragende Sounds zu entlocken.

Mit etwas Übung und einer passende Boxensimulation können die virtuellen Amp-Modelle relativ schnell eingestellt werden.

Soundsuche: Kemper vs. Axe-FX 2

Den richtigen Sound zu finden bedeutet beim Kemper, ein möglichst passendes Profil zu finden. Starke Veränderungen der Parameter entfernen den Sound vom realweltlichen Original.

Im Gegensatz dazu wird beim Axe-FX 2 ein Sound wie im Baukastenprinzip zusammengesetzt und erfordert wesentlich mehr Mühe und Einarbeitung. Dafür bleibt die Simulation stets näher am realweltlichen Original.