Gitarrensaiten wechseln: So geht’s!

672
SHARES

In unserer Anleitung zum Gitarrensaiten wechseln und aufziehen erfährst Du nicht nur die wichtigsten Handgriffe: Hier findest Du zudem noch einige der unbekannten Tipps, die für ein einfacheres Handling und ein besseres Halten der Stimmung verhelfen.

Anleitung zum Gitarrensaiten wechseln

Die Saiten gehören zweifellos zu den am meist strapazierten Teilen an eines Saiteninstrumentes. Tagein tagaus werden sie gezogen und geschlagen, müssen Temperaturunterschiede verkraften und dabei trotzdem stets die Stimmung halten. Lange genug tun sie das auch klaglos, doch irgendwann ist der Punkt gekommen, an dem das Gitarrensaiten aufziehen wieder ansteht.

Warum neue Gitarrensaiten aufziehen?

Alte Saiten klingen matt und stumpf

Verschlissene Saiten zeichnen sich nicht nur dadurch aus, dass sie die Stimmung nicht mehr korrekt halten. Auch das Obertonspektrum nimmt mit zunehmendem Alter drastisch ab und lässt das Instrument matt und stumpf klingen.

Ebenso können sie auch Grund für eine vermeintliche Oktavunreinheit sein, denn gestauchte oder überdehnte Saiten sorgen für eine geänderte Mensur und somit für diese ungeliebten Verstimmungen.

Gitarrensaiten wechseln & aufziehen Tutorial

Gitarrensaiten wechseln & aufziehen Tutorial

Workshop Oktavreinheit

Interessierte Leser können sich in unserem nächsten Workshop etwas tiefer mit der Materie Oktavreinheit beschäftigen und wie man diese in den Griff bekommt.

Vorbereitungen zum Saitenwechsel

Zunächst einmal benötigen wir natürlich einen Satz frischer Saiten der bevorzugten Marke und Stärke.

Gitarrensaiten wechseln: So geht's!

Eine Saitenkurbel hilft beim schnellen Saiten aufziehen

Sehr von Vorteil erweist sich in der Praxis auch eine Saitenkurbel. Diese gibt es schon für ein paar wenige Euro im Fachhandel.

Mit diesem Tool lässt sich der Mechanik der Saite nicht nur um ein Vielfaches schneller drehen als mit der bloßen Hand, auch schont es die Sehnen und Muskeln. Und nicht zuletzt daher auch die Nerven.

Pflege der Gitarre

Und wenn man die Saiten schon mal unten hat, könnte man auch dem Griffbrett in Form von Griffbrettöl etwas Gutes tun. Nicht nur, dass das Holz des Griffbretts durch eine solche Behandlung wieder seinen satten, ursprünglichen Farbton erhält. Auch schützt ein solches Öl wirkungsvoll gegen Umwelteinflüsse, die dem Griffbrett mindestens genauso zusetzen wie den Saiten.
Gitarrensaiten wechseln: So geht's! - Pflege

Darüber hinaus lassen sich nach abgenommen Saiten auch die Stellen reinigen, die sonst nur schwer zu erreichen sind, wie zum Beispiel der Bereich zwischen Steg/Vibrato und dem Steg-Pickup, der Bereich um die Saitenhalter oder die Kopfplatte. Hierzu am besten ein weiches Tuch und Glasreiniger verwenden, so lassen sich Schmutz und Fett effektiv und lackschonend entfernen.

Und zu guter Letzt tut ein Saitenschneider noch gute Dienste – es sei denn, man möchte sich Ärger mit den Bandkollegen einhandeln, wenn die überstehenden Saiten es bösartig auf deren Augen abgesehen haben.

 

Aufziehen von Gitarrensaiten – Reihenfolge

Mit welcher Reihenfolge man beim Aufziehen beginnt, ist prinzipiell zweitrangig. Die bewährte und übersichtlichste Methode ist aber nach wie vor von tief nach hoch, also von der tiefen E-Saite in Richtung hohe.

Die Reihenfolge ist zweitrangig

Nachdem das Instrument auf dem Tisch oder Schoß abgelegt wurde, beginnt man zunächst damit, die Saite am Steg/Vibrato einzusetzen und dann durch das Loch der Mechanik an der Kopfplatte zu fädeln.

Gitarrensaiten wechseln: So geht's! - Aufziehen

Was man nun sieht, ist ein deutlicher Überschuss, d.h., die Saite ragt in aller Regel ca. zehn bis fünfzehn Zentimeter über die Mechanik heraus. Und das ist auch gut so und in keinem Falle Ausschuss, sondern das Saitenmaterial, welches sich im besten Fall um die Achse der Mechanik wickelt.

Nachdem die Saite nun in ihren Halterungen an Steg und Mechanik sitzt, beginnt man mit dem Drehen der Mechanik gegen den Uhrzeigersinn, also nach links. Nach ca. einer halben Umdrehung bekommt die Saite auf der Mechanik dann den ersten „Knick“, ein ganz entscheidender Punkt an dieser Stelle. Denn dieser „Knick“ lässt die Saite auf der Mechanik schon leichte Zugkräfte aushalten, und das nutzen wir zu unserem Vorteil.

 

1 Richtig aufspannen/einspannen

Mit dem Zeigefinger der rechten Hand wird nun eine leichte Spannung zwischen Sattel und Mechanik erzeugt, was dem Entstehen von „Schlupf“ innerhalb der Wicklungen auf der Mechanikwelle auf ein Minimum reduziert. Würde man das nicht tun und der Saite beim Aufwickeln freien Lauf lassen, entsteht ein eher wildes, locker gedrehtes Draht-Knäuel auf der Welle.

Gitarrensaiten wechseln: So geht's! - Schlupf

Und das sieht nicht nur unschön aus, sondern birgt auch jede Menge „Luft“ innerhalb der Wicklungen. Die Folge wäre ein permanent notwendiges Nachstimmen, bis sich die Wicklungen in ihre endgültigen Positionen auf der Welle gefunden haben. Doch ehe es so weit ist, steht garantiert schon der nächste Saitenwechsel an. Denn so etwas kann sich durchaus länger hinziehen.

 

2 Gitarrensaiten spannen

Jetzt schlägt die Stunde der Saitenkurbel, denn mit ihr lassen sich die notwendigen Wicklungen schnell und einfach aufbringen. Grundsätzlich gilt: je höher die aufzuziehende Saite, desto mehr Wicklungen auf der Welle der Mechanik werden benötigt.

Bei den tiefen Saiten genügen schon in der Regel drei bis vier Wicklungen, da sich die Saiten durch ihre Umspannungen auf der Welle recht gut ineinander verzahnen.

Gitarrensaiten wechseln: So geht's! - Wicklungen

Je dünner die Saite, desto mehr Wicklungen

Problematischer wird es aber bei den hohen Saiten, denn die sind ja bekanntlich aalglatt und können daher bis zu zehn Wicklungen locker verkraften.

Nur so ist gewährleistet, dass die dünnen Saiten auch auf Bendings oder gar den Einsatz des Vibratos nicht gleich losjammern.

Beim Drehen der Mechanik nun als Nächstes darauf achten, dass das übrig gebliebene Ende der Saite, also der Teil, der noch aus der Welle rausragt, über die aufgespannte Saite läuft. Am besten knickt man das Seitenende einfach etwas nach oben ab, dann nimmt die Sache sauber ihren Lauf. Und dann heißt es Drehen, drehen, drehen, bis die Saite annähernd ihre Normalspannung erreicht hat.

 

3 Gitarrensaiten stimmfest machen

Sind die Saiten nun alle artgerecht eingepflanzt, geht es daran, dem Instrument wieder die korrekte Stimmung zu verpassen. Um den letzten „Schlupf“ auszutreiben, und damit die Saite in ihre finale Position zu bringen, gibt es eine recht wirkungsvolle Methode.

Kräftiges Ziehen verhindert das nachträgliche Verstimmen

Nach dem erstmaligen Durchstimmen wird jede Saite in Höhe des zwölften Bundes mit zwei Fingern gepackt und gedehnt – wobei hier nicht „reißen“ gemeint ist, sondern eher ein kräftiges Ziehen. Damit kann die Saite nun ihren finalen Platz zwischen Mechanik und Steg einnehmen.

Gitarrensaiten wechseln: So geht's! - Ziehen

Diese Prozedur sollte man vier bis fünf Mal wiederholen. Am besten so lange, bis das Stimmgerät nach dem Ziehen der Saite keinerlei Veränderung in der Stimmung mehr anzeigt.

Abschließend wäre noch ein Blick auf die Oktavreinheit des Instrumentes zu empfehlen, denn alles Stimmen nützt ja nichts, wenn die Oktavreinheit aus dem Lot geraten ist. Wie man sich dieser Sache annimmt, erfährst Du in einem weiteren delamar Workshop „Oktavreinheit einstellen“.

Und jetzt viel Erfolg beim Gitarrensaiten wechseln.


Von Philipp Mahler