Darfst Du deine Gitarre mit Tropenholz noch verkaufen? CITES II

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Ratgeber: Gitarre mit Tropenholz verkaufen

Möchtest Du deine Gitarre mit Tropenholz verkaufen? In unserem Ratgeber zu CITES II erfÀhrst Du, ob Du das darfst.

Was ist CITES?

Die AbkĂŒrzung CITES steht fĂŒr »Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora«. Es handelt sich hierbei um ein ArtenschutzĂŒbereinkommen, das diverse Holz- und Tierarten unter Schutz stellt. Das Ziel lautet, die Existenz von Wildtieren und Pflanzen nicht weiter zu bedrohen.

Nach der bereits 1992 unter strengsten Schutz gestellten Holzart Rio Palisander sind seit dem 2. Januar 2017 zusĂ€tzlich weitere Holzarten streng geschĂŒtzt. Darunter fallen auch einige, die bis Dato im Musikinstrumentenbau beliebt waren und ungehemmt verwendet wurden.

Das hat schon im Vorfeld fĂŒr viel Aufregung bei Musikern, Fachhandel und Industrie gesorgt.

Um welche Holzarten geht es?

Konkret geht es dabei vor allem um alle Arten von Palisander, auf die die Instrumentenbauer nach dem Verbot des Rio-Palisander ausgewichen sind. Aber auch Bubinga-Hölzer, die sich in letzter Zeit zum Beispiel im Schlagzeugbau grĂ¶ĂŸerer Beliebtheit erfreuen, sind betroffen. Eine aktuelle Liste der durch CITES geschĂŒtzten Holzarten findest Du auf der Seite des zustĂ€ndigen Bundesamtes fĂŒr Naturschutz.

Was genau aber ist nun verboten? Auf was musst Du achten, wenn Du ein Musikinstrument mit diesen Hölzern besitzt, verkaufst, damit handelst oder einfach nur Musik machst? Sind nur Unternehmen oder auch Privatpersonen betroffen?

CITES II - Um welche Hölzer fĂŒr Gitarre & Co. geht es?

CITES betrifft vor allem Palisander und Bubinga – was das konkret bedeutet, liest Du im Folgenden …

Gute Nachrichten fĂŒr Musiker

FĂŒr Musiker Ă€ndert sich erst einmal gar nichts – selbst wenn sie ein Instrument besitzen, in dem geschĂŒtzte Edelhölzer verarbeitet wurden. Der private Besitz solcher Instrumente ist weder strafbar noch melde- oder nachweispflichtig.

Auch der öffentliche Auftritt bei einem Konzert mit einem »Palisander-Instrument« ist unproblematisch. Ein Konzert wird von den Behörden in diesem Zusammenhang nicht als kommerzieller Job im Sinne von Handel oder Gewerbe, sondern als kĂŒnstlerische Darbietung eingestuft.

Aufatmen: Besitz & Auftritt sind legal

Die private und öffentliche Nutzung des Instrumentes, sei es Geige, Flöte, Gitarre oder Trommel fĂ€llt damit nicht unter die verschĂ€rften Bestimmungen von CITES. Es ist nicht illegal, solange es dabei nicht um eine Werbe- oder Verkaufsveranstaltung fĂŒr das Instrument selbst geht.

Weder Keith Richards noch Heinz MĂŒller brauchen also zu fĂŒrchten, dass ihre schöne alte Gibson, Fender oder Martin von der BĂŒhne runter beschlagnahmt wird und schon gar nicht Instrumente jĂŒngeren Baujahres.

In der Praxis

Niemand muss eine Rechnung oder einen anderen Ursprungsnachweis fĂŒr das Instrument mitfĂŒhren oder in seinem Gig-Bag aufbewahren. Nochmal: In diesem Rahmen hast Du keine Nachweispflicht!

Auslandsreisen erlaubt

Auch wenn ich als Musiker mein Instrument mit ins EU-Ausland mitnehme oder in ein Drittland wie zum Beispiel die Schweiz, muss ich nicht fĂŒrchten, mit den jeweiligen nationalen AusfĂŒhrungsbestimmungen von CITES in Konflikt zu geraten. Denn das ist erlaubt und bedarf keiner besonderen Dokumente, wenn ich mit dem Instrument reise, es fĂŒr Konzerte benutzen möchte und es dabei in meinem Besitz bleibt.

FĂŒr das Gewicht der so transportierten Instrumente gibt es allerdings eine formale EinschrĂ€nkung, die im Normalfall fĂŒr Musiker jedoch keine HĂŒrde darstellen dĂŒrfte: Der Anteil der verarbeiteten Edelhölzer muss pro Instrument unter 10 Kilogramm liegen, und das trifft eigentlich immer zu.

Die edlen Hölzer werden im Gitarrenbau nicht großflĂ€chig, sondern vor allem fĂŒr Griffbretter und Intarsien verwendet. Eine Gitarre, die ĂŒber 10 kg Palisander auf die Waage bringt, ist daher mit Sicherheit ein getarnter Holzschmuggel oder Ă€hnlich kriminelles, aber kein spielbares Instrument.

Handel verschÀrft

Komplexer wird die Sache dann, wenn ich ein Instrument verkaufen oder kaufen möchte, in dem geschĂŒtzte Hölzer verarbeitet wurden. In diesem Fall geht es im weiteren Sinne bereits um Handel.

Bei Werbung & Verkauf greift CITES

Und genau der soll durch CITES ja unterbunden werden, weil er als Ursache fĂŒr die Vernichtung ganzer Edelholz-WĂ€lder ausgemacht wurde. So werden nach SchĂ€tzungen von Interpol zwischen 15 und 30 Prozent aller BĂ€ume, die in den Welthandel kommen, entweder illegal abgeholzt oder aufgrund gefĂ€lschter Lizenzen vertrieben.

Auch wenn der Anteil an Edelhölzern, die bisher in den Instrumentenbau gingen, vergleichsweise gering ist angesichts des gigantischen Raubbaus an der Natur, gelten die verschÀrften Handelsbedingungen auch hier. Dabei gibt es allerdings enorme Unterschiede in der Dokumentationspflicht zwischen einem Musiker, der mal eine Gitarre verkaufen möchte und dem professionellen Fachhandel.

Privater Instrumentenverkauf legal?

Beispiel: Ich möchte eine Les Paul mit Griffbrett aus Rio-Palisander verkaufen. Diese Holzart ist seit 1992 streng geschĂŒtzt. Dann muss ich nachweisen können, dass mein Instrument bereits vor Inkrafttreten der Schutzverordnung legal in meinem Besitz war – oder danach von mir legal erworben wurde.

Das bedeutet: Mit dem Nachweis, dass dieses Instrument bereits vor 1992 gebaut und ordnungsgemĂ€ĂŸ erworben wurde, kann und darf ich dieses Instrument weiter verkaufen.

Die Stichdaten sind 1992 und 2017

Das Gleiche gilt nunmehr auch fĂŒr Instrumente, die bis zum 2. Januar 2017 in meinen Besitz gelangt sind und die neu geschĂŒtzten Holzarten enthalten. Zum Nachweis reicht eine Kaufrechnung fĂŒr das Instrument mit entsprechendem Datum. Die muss der VerkĂ€ufer ausstellen.

Eine amtliche Vorerwerbsbescheinigung oder Registrierung ist nicht erforderlich.

Es muss lediglich nachgewiesen sein, dass das geschĂŒtzte Holz schon vor Unterschutzstellung erworben wurde. Wenn man dieses Datum nicht genau weiß, nimmt man eben das Einfuhrdatum oder das Herstellungsdatum des Instrumentes. Aber aufgepasst: Der Verkauf ohne LegalitĂ€tsnachweise stellt eine Ordnungswidrigkeit dar.

CITES II - Wie muss das Holz eines Instruments dokumentiert sein?

Wie erfĂ€hrst Du, ob deine Gitarre CITES-geschĂŒtztes Holz enthĂ€lt? Lies weiter …

Keine Dokumente, was nun?

Was kannst Du tun, wenn keine Dokumente ĂŒber ein Instrument vorhanden sind? Ob im betreffenden Instrument wirklich geschĂŒtzte Hölzer verarbeitet sind und wann es hergestellt wurde, lĂ€sst sich im Zweifelsfall beim Hersteller/Vertrieb unter Angabe der Seriennummer erfragen. Die dĂŒrfte irgendwo auf dem Instrument zu finden sein.

Im Extremfall fĂŒhrt der Weg zu einem Herkunftsnachweis ĂŒber einen amtlich anerkannten Gutachter (also wenn es weder Rechnung noch Herstellerangaben gibt). Wer amtliche Gutachten zu Deinem Instrument anfertigen darf, erfĂ€hrst Du bei der zustĂ€ndigen Behörde Deines Wohnortes. Hier findest Du die Kontaktdaten fĂŒr alle BundeslĂ€nder.

Ist tatsĂ€chlich Rio-Palisander im Instrument verbaut, muss ein Beweis dafĂŒr erbracht werden, dass ich das Instrument schon vor 1992 besessen habe – zum Beispiel durch eine beglaubigte Zeugenaussage. Wenn der Nachweis des berechtigten Eigentums vor 1992 nicht gelingt, dann ist der Verkauf oder Kauf der Gitarre illegal und darf nicht durchgefĂŒhrt werden.

Wird man erwischt, kann das zur Beschlagnahmung des Instrumentes fĂŒhren. Mit Stichtag 2. Januar 2017 gilt das gleiche Prozedere fĂŒr alle Palisander-Holzarten und einige mehr (siehe Liste).

Kein Kauf ohne verbindlichen Herkunftsnachweis!

Wichtig ist fĂŒr Musiker deshalb, ab jetzt beim Instrumentenkauf immer darauf zu achten, dass entsprechende Vermerke zum Herkunftsnachweis den Kaufdokumenten zu entnehmen sind. Materialart und Menge, Herkunft und das richtige Datum mĂŒssen aufgefĂŒhrt werden. Nur damit kannst Du als KĂ€ufer immer nachweisen, dass das Instrument legal erworben wurde.

Im Zweifelsfall ist immer der Besitzer des Instrumentes in der Nachweispflicht. Hat man also erst mal eine Gitarre gekauft, kann diese Nachweispflicht nicht auf den VerkÀufer abgewÀlzt werden.

Fachhandel in der Pflicht

Der professionelle Instrumentenhandel ist nunmehr dazu verpflichtet, genauestens seine BestĂ€nde an Musikinstrumenten mit den Anteilen an geschĂŒtzten Holzarten nach Gewicht und Verwendung zu dokumentieren. Er muss ihre legale Herkunft nachzuweisen, damit nachvollziehbar wird, dass bei diesen Instrumenten nicht illegal geschĂŒtztes Holz verarbeitet wurde.

Der HĂ€ndler ist verpflichtet, dem KĂ€ufer dies auf der Rechnung zu bestĂ€tigen und der VerkĂ€ufer haftet fĂŒr die Richtigkeit der Angaben.

CITES II - sdfsdf

Prognose: Gitarren mit Palisander werden kostbar, jene mit Ahorn, Esche & Co. hingegen hÀufiger

ZukĂŒnftig kein Holz mehr fĂŒr edle Gitarren?

Werden also zukĂŒnftig noch Instrumente hergestellt, in denen besonders schĂŒtzenswerte Hölzer laut CITES verbaut werden? Generell ist das natĂŒrlich möglich, wenn dabei auf registrierte und zertifizierte AltbestĂ€nde der Hölzer zurĂŒckgegriffen wird. Diese mĂŒssen legal vor dem 2. Januar 2017 erworben worden sein. Instrumentenbauer mit Zugriff auf LagerbestĂ€nde sind da klar im Vorteil.

Allerdings mĂŒssen sie alle HolzbestĂ€nde erfassen und ihre Herkunft sowie ihr Alter nachweisen. Außerdem wird darĂŒber Buch gefĂŒhrt, wofĂŒr welches Material verbaut wurde bzw. wer das Instrument erworben hat. In der Praxis ein Mehraufwand, mit moderner Lager- und Buchhaltung geht das fĂŒr die Industrie letztlich nur um wenige Maus-Klicks und Inventurdaten.

Musikinstrumente mit geschĂŒtzten Holzarten werden naturgemĂ€ĂŸ immer seltener und damit teurer. Wir werden beim Instrumentenbau mehr und mehr nicht geschĂŒtzte Holzarten wie zum Beispiel Wenge, Esche oder Ahorn sehen. Von den klanglich sehr guten Ergebnissen dabei kann sich jeder beim Fachhandel ĂŒberzeugen.

Innovation und Umweltschutz

CITES ist gut fĂŒr Natur und Umwelt und eine Herausforderung fĂŒr Industrie und Handel, die mit Geschick und Innovationskraft sicher die passenden Lösungen finden werden. Es wird auch in der Zukunft gute und schöne Gitarren geben.

Wer jedoch bereits ein Instrument aus Rio-Palisander oder Bubinga sein Eigen nennen darf, wird sich freuen. Seit dem 2. Februar 2017 werden diese mit zunehmendem Tempo jeden Tag ein wenig wertvoller.

Infos

Alle amtlichen AuskĂŒnfte und Informationen zu den neuen Schutzbestimmungen nach CITES und ĂŒber die fĂŒr dich zustĂ€ndige Behörde sowie den Nachweis amtlicher Gutachter bekommst Du von den freundlichen Mitarbeitern beim …

Bundesamt fĂŒr Naturschutz
Konstantinstr. 110
53179 Bonn
Telefon: 0228 / 8491-0
Telefax: 0228 / 8491-9999
E-Mail: info@bfn.de

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