Gitarrenverstärker Wissen

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Mit dem Gitarrenverstärker, dem Amp, kannst Du den Ton deiner E-Gitarre, deines E-Basses oder deiner Semiakustikgitarre für die lautere Wiedergabe verstärken, sättigen und verzerren. In einigen Amps sind auch andere Effekte integriert – im Artikel über Gitarreneffekte erfährst Du, was unter Verzerrung zu verstehen ist und welche Effekttypen für das Gitarrenspiel besonders wichtig sind.


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Hier geht es um die Kerneigenschaften von Amps. Zunächst erfährst Du, in welchen verschiedenen Formen es Gitarrenverstärker überhaupt gibt. Darüber hinaus wird zwischen verschiedenen Methoden der Verstärkung unterschieden, so werden im Folgenden Röhrenverstärker, Transistorverstärker und Modeling Amps beleuchtet.

Ein Gitarrenverstärker kann in verschiedenen Zusammensetzungen daherkommen. Ein reiner Verstärker steht meist ganz oben, wie beispielsweise auf dem nachfolgend abgebildeten Aufnau zu sehen ist. Daher wird er auch als Topteil (englisch »amp head«) bezeichnet. Darunter steht der Gitarren-Lautsprecher (englisch »cabinet«), der den verstärkten Ton mit seinen meist bis zu vier Speakern erst hörbar macht.

Ein Zweigespann aus Verstärker und Box nennt sich »Half Stack«, während ein Aufbau mit zwei Gitarrenlautsprechern als »Full Stack« bezeichnet wird.

Half Stack und Combo

Half Stack (l.) und Combo

Nun gibt es noch die sogenannten Combo-Verstärker oder einfach kurz »Combo« genannt. Dabei handelt es sich um Verstärker und Lautsprecher in einem Gehäuse. Als kompaktes Komplettpaket für Einsteiger und Fortgeschrittene sind sie besonders geeignet, während bei Half Stacks oder Full Stacks die Austauschbarkeit der Komponenten im Vordergrund steht.

 

Kanäle

Clean, Crunch & High Gain beziehen sich auf die Verzerrung

Viele Amps besitzen mehrere Kanäle. Das heißt, dass sie mehrere, klanglich separat regelbare Signalwege bieten, zwischen denen Du jederzeit umschalten kannst, um einen anderen Sound zu erzielen. Meist klingen diese Kanäle schon von Grund auf unterschiedlich, auch wenn Du dieselben Reglereinstellungen für Gain, die EQ-Kontrollen und Master verwendest.

Typische Unterteilungen sind etwa »Clean« und »Crunch« und »High Gain«. Damit werden unterschiedliche Stärken und Charakteristika der Verzerrung gemeint, die für diese Kanäle voreingestellt sind, um auf der Basis eines bestimmten Grundsounds arbeiten zu können, je nachdem, ob Du »saubere«, leicht gesättigte, mäßig verzerrte oder stark verzerrte Klänge im Sinn hast.

 

Das Kabel

Wie clever ein Gitarrenkabel konstruiert ist, merkst Du spätestens bei der Performance auf der Bühne – hier kannst Du beträchtliche ergonomische Vorteile herausholen. So bietet etwa das von Richard Z. Kruspe (Rammstein) genutzte Sommer Cable RED ZILK ein paar Kniffe, die zeigen, dass Gitarrenkabel nicht gleich Gitarrenkabel ist.

Sommer Cable RED ZILK - Richard Z. Krupse Signature Cable

Richard Z. Krupse Signature Cable: RED ZILK

Eine Variante des Kabels verfügt über einen sehr kompakten angewinkelten Stecker – auch neckisch »Flunderklinke« bzw. im Englischen »pancake plug« genannt. Anders als gerade Stecker schmiegt sich das Kabel durch die flache Winkelung an den Gitarrenkorpus und ist wesentlich besser davor gefeit, im Eifer des Gefechts abzuknicken. Ein weitere Besonderheit des RED ZILK: Das 7,5 mm dicke Kabel fühlt sich samtig an und ist sehr biegsam.

Das verwendete Kupfer im Innern soll eine verlustarme Übertragung ermöglichen, zudem ist das Kabel laut Sommer Cable vollständig geschirmt. Eine feuchtigkeitsabweisende Isolation sorgt dafür, dass Kurzschlüsse verhindert werden – in feuchten Räumen nicht zu unterschätzen. Last, but not least: Bei diesem Modell gibt es 10 Jahre Garantie auf das Kabel.

 

Im Bereich der Hardware gibt es grundsätzlich zwei Techniken, Gitarren zu verstärken. Hier kannst Du dich kompakt darüber informieren, welche Eigenheiten diese aufweisen, während Du im darauffolgenden Abschnitt verzeichnet findest, welche klanglichen Stärken und Schwächen diese Technologien besitzen.

Röhre

Die Geschichte der Röhrenverstärker reicht bis in die 1950er Jahre zurück. Damals wie heute sind Gitarristen ganz baff, wenn ihre Klampfe durch die »warmen«, gesättigten oder gleich ganz heftig verzerrten Sounds der Röhren zum Leben erwacht. Dabei nehmen viele Musiker gerne in Kauf, dass Röhrenelektronik vergleichsweise wuchtig, störanfällig, stromschluckend und mit hohen Betriebstemperaturen daherkommt.

Wie ist ein Gitarrenverstärker mit Röhren aufgebaut? Hier wollen wir eine beliebte Variante modernerer Prägung betrachten. In dieser steckt je mindestens eine Elektronenröhre (siehe Bild rechts) in der Vorstufe (engl. »preamp«) und in der Endstufe (engl. »power amp«). Dabei wird die Vorstufe für den wichtigsten Effekttyp eines Gitarristen genutzt: für die Vorstufen-Verzerrung.

Die Endstufenröhre kann nun dazu genutzt werden, das schon durch die Vorstufe verzerrte Signal in der Lautstärke zu regeln, dabei den Klangcharakter aber beizubehalten. Bei diesem System bietet sich der Vorteil, dass Du selbst die brachialsten Metal-Bretter in nachbarfreundlicher Lautstärke spielen kannst (perfekt für Sessions daheim) – oder umgekehrt die »cleanen« Sounds (mehr oder weniger Unverzerrtes) mit hohen, konzerttauglichen Pegeln. Die Regler für die Vorstufe sind in aller Regel mit »Gain« und jene für die Endstufe mit »Master« beschriftet. Einige Röhrenverstärker wie beispielsweise der Plexi hatten nur einen einzigen Regler für die Lautstärke, hier galt: »lauter ist verzerrter«.

Viele Gitarristen empfinden den Röhrensound als warm.

Generell kann gesagt werden, dass ein Röhrenverstärker mit hoher Watt-Zahl (also hoher Ausgangsleistung) lautere Signale ausgibt als ein Röhren-bewehrter Gitarrenverstärker mit niedriger Watt-Zahl. Die tatsächlich empfundene Lautheit eines Klangs ist natürlich noch von anderen Faktoren abhängig, etwa der Beschaffenheit des verstärkten Klangs (vor allem, in welchem Frequenzbereich sich dieser hauptsächlich abspielt) oder dem Grad der Verzerrung etc., doch in ihrer Tendenz taugt die Aussage als Faustregel.

Amp-Regler

Klang des Röhrenverstärkers Ampeg GVT52-212

Clean

Angezerrt

Crunch

High Gain

 

Transistor

Bei der Transistortechnik kommen keine Röhren, sondern Halbleiter-Komponenten zum Einsatz. Dementsprechend sind solche Verstärker nicht so störanfällig, erhitzen sich nicht so stark und sind im Durchschnitt leichter und preiswerter.

Transistor

Wenn Du auf der Suche nach einer möglichst neutralen, unverfälschten Wiedergabe des Gitarrensounds bist, solltest Du mit einem Transistorverstärker gut beraten sein. Weitere Vorteile eines solchen Verstärkers gegenüber der Röhre sind der konsistente, berechenbarere Klang und der stabile Lautstärkenverlauf. Zudem fällt das Hintergrundrauschen geringer und die klangliche Transparenz höher aus.

Der Klang ist harscher als bei der Röhre, hohe Frequenzanteile sind deutlich stärker präsent. Der Sound ist digitaler anmutend, was oft als etwas kälter wahrgenommen wird. Die Dynamik, also das Ansprechverhalten auf verschiedene Anschlaghärten der Gitarrensaiten ist bei einem Röhrenverstärker differenzierter. Der Sound der Elektronenröhren ist typischerweise wärmer, weicher und mit kräftigeren Mitten.

ClippingIn der Abbildung rechts ist die Abschneidung der Signalspitzen an einem Schwellenwert (das sog. »Clipping«, siehe auch der Abschnitt zur Verzerrung im Artikel zu den Gitarreneffekten) zu sehen. Der Schwellenwert stellt die Pegelgrenze dar, über die das Signal nicht hinausgehen kann.

In der ersten der drei Wellenformdarstellungen siehst Du, wie ein deutlich verstärktes Signal eigentlich verlaufen müsste, gäbe es den Schwellenwert nicht. Anders als bei Röhrenverstärkern steigt der Pegel bei einem Transistor bis zum Schwellenwert unbeeindruckt an, um dann abrupt abgeschnitten zu werden. Bei der Röhrenverstärkung tritt eine Rundung dieser Signalspitzen ein, wodurch der Sound weicher und wärmer wird.

Ansonsten gilt auch bei der Transistortechnik: Je mehr Watt, desto mehr Bumms, zumindest tendenziell. Der Unterschied zu Röhrenverstärkern besteht jedoch darin, dass die Transistortechnik im Allgemeinen nicht in der Lage ist, so hohe Ausgangsleistungen und Lautstärken zu erzielen.

Klang eines Transistorverstärkers

Clean

Bluesy

Crunch

Full Gain

 

Hybrid

Du willst das Beste aus beiden Welten? Kannst Du haben: Ein Gitarrenverstärker mit Hybridtechnik soll dich in die Lage versetzen, die Vorteile beider Verstärkertypen zu kombinieren. So werden hier in der Vorstufe Röhren verbaut, während die Endstufe in Transistortechnik gefertigt wird – oder umgekehrt.

 

Amp Modeling

Seit einigen Jahren gibt es Software, die mit einigem Erfolg die Sättigung, Verzerrung und sonstige klangliche Eigenheiten von Amps simuliert. Daher wird im deutschen Sprachraum meist schlicht von Gitarrensimulationen gesprochen – an dieser Stelle sollte allerdings hinzugefügt werden, dass viele dieser Programme auch den Sound verschiedener Gitarrenboxen nachbilden können, oft können dann auch virtuelle Gitarreneffekte hinzugeschaltet werden. So kannst Du dir ein komplettes Rig virtuell zusammenbasteln.

Guitar Rig - Amp Modeling

Einer der größten Vorteile liegt natürlich vor allem darin, dass Du zu einem Gig oder für die Aufnahme keinen ganzen Gerätepark schleppen musst, sondern nur Laptop und Audio Interface benötigst. Auch bedeuten das Speichern, das sofortige Wiederaufrufen und die Verwaltung einer beliebigen Menge von Verstärker- und/oder Effekteinstellungen einen großen Zugewinn an Komfort. Weiterhin verbraucht ein virtuelles Rig nicht annähernd so viel Strom. Und nicht zuletzt sind solche Software-Lösungen um Längen günstiger erhältlich als die klassische Hardware.

Amp-Modeling-Software ist praktisch, klingt aber flacher als die echten Geräte.

Doch wo steckt im Allgemeinen der Pferdefuß bei solcher Software? Die meisten Musiker meinen zu erkennen, dass die Lebendigkeit, Natürlichkeit, Wärme und Dynamik eines Röhrenverstärkers (noch) nicht durch Software nachgestellt werden kann. Jedenfalls scheint es so zu sein, dass eine gewisse Unberechenbarkeit der Röhre nicht wirklich ersetzt werden könne. Bei Transistorverstärkern dürfte es hingegen mittlerweile kaum noch hörbare Unterschiede zwischen Hardware und Software geben, was die klanglichen Ausdrucksmöglichkeiten, den Charakter und das Spielverhalten angeht.

Boss GT-100

Diverse Hersteller bieten eigenständige Geräte, die Komplettlösungen aus einem simulierten Gitarrenverstärker und ggf. -lautsprecher darstellen und womöglich noch die Effekte diverser Pedals erzeugen können. Diese etwa Skateboard-großen Kisten für den Bühnen-, Studio- oder Proberaumboden verfügen über mehrere Fußschalter und ein Pedal zur Kontrolle diverser Funktionen per pedes sowie über ein Display, Drehregler und Knöpfe. Meist werden auch Funktionen zum Starten der Aufnahme innerhalb deiner DAW-Software oder andere Features geboten, welche Du mit einem einfachen Tappen deines Fußes aktivieren kannst.

 


Von Felix Baarß