Amp Modeling Ratgeber

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Wem gehört der Thron unter den Simulationen beim Amp-Modeling, wenn es um die authentische Reproduktion echten Röhrenamp-Sounds geht? Welcher klingt besser? Wer kann mehr? Und welcher ist für dich der richtige?

Adam Hall Palmer

Hintergrund Amp-Modeling

Anno 1996 rief der Hersteller Line 6 mit der Einführung des PODs die digitale Revolution in Sachen Amp-Simulation aus. Seither gibt es noch viele mehr am Markt. Und die Marketingabteilungen der Anbieter werden nicht müde, jede neue Generation dieser Geräteklasse als ultimativen Ersatz für herkömmliche Röhrenamps und Gitarrenrigs anzupreisen.

Ältere Generationen und günstige Modeler enttäuschen oft

Lässt sich der ambitionierte Gitarrist auf die Versprechungen ein, so weicht die Euphorie oft nach wenigen Stunden des Experimentierens mit der neuen Errungenschaft.

Man kann „tweaken“ wie man möchte – an Druck, Dynamik, Klangentfaltung, Zerrstruktur und Obertonverhalten sind viele dieser „digitalen Tausendsassas“ dennoch spür- und hörbar weit von echten Röhrenamps entfernt.

Darüber tröstet auch die hohe Anzahl an Effekten nicht hinweg, weil sie qualitativ mit Effektspezialisten im Bodenpedal- oder Rack-Format nicht mithalten kann. Mag das Preis-/Leistungsverhältnis vieler „Amp-Modeler“ noch so positiv erscheinen: Diese Geräteklasse befriedigt oft nicht, wenn Soundqualität statt Preisschild, Portabilität oder Flexibilität oberste Priorität hat.

Amp Modeling Ratgeber

Eine Frage des Preises?

In diesem und dem folgenden Artikel wende ich mich den beiden Hardware-Simulatoren zu, welche die Preisregionen anderer digitaler Amp-Simulatoren weit hinter sich lassen: Für den Kemper Profiling Amp werden ca. 1.590 Euro aufgerufen, der Fractal Audio Axe-Fx II XL erleichtert die potente Börse gar um 2.600 Euro.

Warum nicht gleich das Original kaufen?

Diese High-End-Boliden stoßen in Preisregionen vor, für die man leicht auch den ein- oder anderen Boutique-Röhrenamp im Original erwerben könnte, dessen Sound unsere Testkandidaten eben „nur“ als Emulation, als digitale Kopie anbieten.

Weitere Kosten fallen für eine entsprechende Verstärkung des Gitarrensignals an und will man die Geräte auf Bühne und im Proberaum live-tauglich steuern, schlägt noch ein MIDI-Footcontroller zusätzlich zu Buche. Da keimt schnell die Frage auf: Warum nicht gleich „das Original“ kaufen, anstatt digital zu substituieren?

Für jeden Anspruch eine Lösung

Die Antwort folgt auf dem Fuße: Diese Geräte bieten eine Soundvielfalt, für die ansonsten ein ganzes Arsenal an Röhrenamps, Gitarrenboxen, Boden- und Rackeffekte gebraucht wird. Sie bieten konsistenten Sound auf der Bühne (unabhängig einer Mikrofonierung), im Proberaum, und im Studio – bei jeder Lautstärke.

Ein Reamping wird zum Kinderspiel und breit gefächerte Sounds samt Effektketten sind per Preset auf Knopfdruck abrufbar. Diese Flexibilität ist mit Röhrenamps und einzelnen Effekten nicht, bzw. nur mit erheblichem Material- und einem Kostenaufwand zu erreichen. Und dann sind wir wieder beim Geld: In der Summe übersteigt das die oben erwähnten Preise um ein Vielfaches.

Trotzdem: Amp-Modeler wie beispielsweise das Eleven Rack von Avid in der Preisklasse bis ca. 700 Euro versprechen ebenfalls vollständig prozessierte Signalpfade. Die Mehrkosten für das Amp-Modeling aus Kemper Profiler und Axe-Fx II XL können also nur dann gerechtfertigt sein, wenn die Soundqualität keinen Kompromiss in Relation zum echten Röhrenamp und hochwertigen Effektspezialisten darstellt.

Nichts anderes kann in dieser Preisklasse die Messlatte sein. Darüber hinaus ist natürlich auch interessant, was die Geräte neben der reinen Emulation roher Ampsounds noch alles zu bieten haben.

Reamping einfach gemacht mit Apogee Ensemble

Das Audio Interface Apogee Ensemble bietet für anspruchsvolle Gitarristen einige Features, die in Verbindung mit dem Axe-FX II oder dem Profiling Amp interessant werden.

Apogee Ensemble Thunderbolt

Das Thunderbolt Audio Interface Apogee Ensemble punktet bei Gitarristen

Gleich unter den beiden frontseitigen Instrumenteneingängen findet sich je ein Durchschleifausgang: Dieser gibt das reine Gitarrensignal unbearbeitet wieder aus. Ohne weiteres Zubehör wie DI-Boxen mit Splitter kannst Du einerseits mit vollem Amp-/Effektsound spielen, parallel dazu aber stets das »trockene« Gitarrensignal in der DAW aufzeichnen. Dieses lässt sich nachträglich beliebig anders sättigen, verzerren und mit Effekten belegen.

Da das Ensemble mit gerade einmal 1,1 ms Latenz aufwartet, kannst Du locker drei unterschiedliche Gitarrenspuren/Sounds simultan aufnehmen:

  • Sauber (direktes Signal)
  • Gitarrenverstärker mikrofoniert
  • Amp-Modeling-Sound über Line-Eingänge

Weiterhin kannst Du auf zwei Eingängen externe Effektgeräte einschleifen, hier über separate Buchsen für das Send- und das Return-Signal. So bist Du sehr flexibel: Entscheide, ob Effekte mitaufgenommen oder doch erst nach den Durchschleifausgängen in die Signalkette eingeklinkt werden sollen.

 

Referenzgruppe und Testziele

Primär sollen im Folgenden der Kemper Profiling Amp und das Fractal Audio Axe-Fx II XL gegenübergestellt werden. Vor- und Nachteile zueinander, wie auch Gemeinsamkeiten und Unterschiede werden aufgezeigt. Ein Koch Studiotone Röhrenamp steht als Referenz zur Einschätzung der emulierten Soundgüte beider Probanden bereit.

Ebenso ein Eleven Rack von AVID, welches im Vergleich Aufschluss darüber geben soll, wie das Preis-/Leistungsverhältnis der beiden Probanden einzuschätzen ist.

Lineare & Non-Lineare Bestandteile des Klangs

Ein Gitarrensound besteht, vereinfacht gesagt, aus zwei Arten von Ereignissen: den linearen und den non-linearen.

Lineare Ereignisse sind dynamisch unabhängig und repräsentieren die „Klangfarbe“, gewissermaßen die abgebildete Frequenzkurve eines Sounds. Dazu gehören EQ-Einstellungen, die Klangfarbe des Gitarrenlautsprechers bzw. der Box, des verwendeten Mikrofons und die klangliche Auswirkung der Mikrofonpositionierung.

Zu den non-linearen Ereignissen fallen im Gegensatz dazu dynamische Eigenschaften der Verstärkung, die Gain-Struktur (Verzerrung), Endstufensättigung (Komprimierung) und so weiter.