Das Katzenklavier

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Das Katzenklavier in Jean-Baptiste Weckerlins »Musiciana, extraits d'ouvrages rare ou bizarre«

Das Katzenklavier in Jean-Baptiste Weckerlins »Musiciana, extraits d'ouvrages rare ou bizarre«

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Katzenjammer, harmonisch

Das Katzenklavier, so die Legende, bestand aus einer Reihe von in einem Gestell fixierten Katzen, deren Schwänze mit Stricken festgezurrt waren. Wenn eine Taste auf der Klaviatur gespielt wurde, bohrte sich ein Nagel in den Katzenschwanz, woraufhin diese eine klägliches Miauen von sich geben sollte.

Aua!

Die Katzen wurden nach ihren unterschiedlich hohen Stimmen ausgewählt und entsprechend angeordnet, so daß Melodien gespielt werden konnten. Der französische Schriftsteller Jean-Baptiste Weckerlin beschrieb das Katzenklavier in seinem Buch »Musiciana, extraits d’ouvrages rare ou bizarre« (Musiciana, Beschreibungen seltener oder bizarrer Erfindungen) mit einem anderen Mechanismus, der ohne Nagel auskommt, aber dennoch gewalttätig genug ist. Muss ja ’ne dufte Fete gewesen sein:

Das Katzenklavier in Jean-Baptiste Weckerlins »Musiciana, extraits d'ouvrages rare ou bizarre«

Das Katzenklavier in Jean-Baptiste Weckerlins »Musiciana, extraits d'ouvrages rare ou bizarre«

» Als der König von Spanien Felipe II seinen Bruder Karl V. (Frankreich) 1549 in Brüssel besuchte, freuten sie sich gemeinsam ob eines einzigartigen Aufmarsches. Zuvorderst schritt ein gewaltiger Bulle mit brennenden Hörnern, zwischen denen ein kleiner Teufel saß. Hinter dem Bullen ritt ein Junge genäht in ein Bärenfell auf einem Pferd, dessen Ohren und Schwanz abgeschnitten worden waren. Danach kam der Erzengel Michael in strahlender Kleidung und trug ein Waage in seiner Hand. «

Das sonderbarste kam mit einem Triumphwagen, der die außergewöhnlichste Musik mit sich trug, die man sich vorstellen kann. Auf ihm stand ein Bär, der eine Orgel spielte; statt Pfeifen jedoch sah man sechzehn Katzen, ihre Körper verborgen, nur die Köpfe waren sichtbar. Die Schwänze streckten heraus und wurden festgehalten wie die Saiten eines Pianos.

Durch einen Tastendruck wurde hart am Schwanz gezogen, wodurch die Katze ein klägliches Miau von sich gab. Der Historiker Juan Christoval Calvete schrieb, dass die Katzen nach der Höhe ihres Tones angeordnet waren, sodass aufsteigend Noten einer Oktave gespielt werden konnten (chromatisch, denke ich).

Dies abscheuliche Orchester stand bald in einem Theater zusammen mit Affen, Wölfen, Wild und anderen Tieren, die zu der infernalischen Musik tanzten.

… Ja nee, is klar.

Das Katzenklavier von Athanasius Kircher, aus »Musurgia Naturalis« von Gaspar Schott (1657)

Das Katzenklavier von Athanasius Kircher, aus »Musurgia Naturalis« von Gaspar Schott (1657)

Das oben abgebildete Exemplar wird Athanasius Kircher, dem vielseitig interessierten Jesuiten und Universalgelehrten des 17. Jahrhunderts zugeschrieben. Er baute noch viele andere seltsame Gerätschaften – die Suchmaschine Deiner Wahl wird da einiges zutage fördern.

»The Cat Piano« von The People’s Republic of Animation

Und schließlich gibt es noch einen wunderbaren Trickfilm, bei dem eine kleine Geschichte um das Katzenklavier gesponnen wird und Nick Cave die Rolle des Sprechers charismatisch ausfüllt:

Mehr zum Thema:
  


Lesermeinungen (1)

zu 'Das Katzenklavier'

  • Thomas „thommytulpe“ Nimmesgern   04. Jun 2011   19:52 UhrAntworten

    Hallo!

    Ich korrigiere mal den Autoreneintrag: "Felix experimentiert vornehmlich mit Ableton Live, energyXT und verschiedensten Varianten seiner Katzenklaviere."

    Hundeklaviere wären mir eigentlich lieber. ;-)

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