Brian Eno: Der Editier-Wahnsinn macht mich kirre!

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Brian Eno: Der Editier-Wahnsinn macht mich kirre!

Aufgrund der Tatsache, dass es sich nun nicht mehr um destruktives Arbeiten beim Schneiden von Musik handelt und alle Files einfach wieder hergestellt und verschoben werden können, habe es einen massiven Einbruch an vorausschauendem Denken in der Musik- und Filmproduktion gegeben.

Er hatte sich darüber aktuell Gedanken gemacht, als er sich den Film „Wallstreet 2“ angesehen hatte und zu dem Ergebnis kam, dass dort sowohl mit seiner Musik als auch mit vielen Szenen derart rüde herumgeschnitten und verschoben wurde, dass das Gesamtbild des Filmes stark darunter gelitten habe. Das gleiche Phänomen sieht Eno auch im Musikbereich.

Nun, mit dieser Meinung steht Eno nicht alleine da. Erfahrene Toningenieure wie Ulli Schiller oder Ulli Pallemanns plädieren immer wieder dafür, dass man sich eine Vision, einen Plan, ein Konstrukt vornehmen muss, um zielgerichtet zu arbeiten. Auch was die Dynamik eines Liedes betrifft, so lässt sich diese niemals durch ein Herumgeschneide entwickeln, wie bei einem sauber eingespielten Track.

Leider geht Eno nicht genau darauf ein, was ihn den nun im Einzelnen am Editierwahnsinn stört und er liefert auch keine weiteren Beispiele.

Im Raum bleiben sicherlich folgende Fragen:

  1. Kann man ein Stück im wahrsten Sinne des Wortes kaputt editieren?
  2. Hat sich der Produktionsprozess vom konstruktivistischen Ansatz her durch nicht-destruktives Editieren ebenfalls verändert?
  3. Wie hoch ist denn nun die Diskrepanz zwischen dem, was rauskommen sollte und dem was tatsächlich rauskommt?
  4. Und, wer kann gute und schlechte Beispiele zum Thema Editing nennen?

Und was sind deine Antworten?

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Lesermeinungen (7)

zu 'Brian Eno: Der Editier-Wahnsinn macht mich kirre!'

  • Carlos (delamar)   29. Nov 2010   17:52 UhrAntworten

    1. Auf jeden Fall!

    2. Entscheidungen werden zu spät oder nie gefällt...dadurch geht es weniger kreativ voran.

    3. Wer hat schon eine echte Vorstellung davon, was am Ende herauskommen sollte?

    My 2 Cents

  • Darth Punk   29. Nov 2010   18:05 UhrAntworten

    Wer die anderen beiden sind weiß ich nicht aber klar ist dass heute alle nur noch editieren editieren und mehr editieren bis die Musik so glattgebügelt ist wie der Mist im Radio.

  • Czebo   29. Nov 2010   20:40 UhrAntworten

    Also meiner Meinung nach ist nicht das Editieren selbst das Problem, sondern der Musiker der sein eigenes Zeug nicht gut genug performen kann, wesshalb Timing & Intonation nachher künstlich korrigiert werden müssen, sowie der Engineer/Produzent der den Musikern um vorran zu kommen sagt "We'll fix it in the Mix!"

    Sicherlich editier ich auch nach - auch bei guten Recording Sessions - aber da geht es um das i-Tüpfelchen. Dieses kleine bisschen Perfektion!

    Derzeit bin ich jedoch mit einer 2-Track Demo beschäftigt, bei der ich jeden Bassdrum Schlag einer sehr technischen Metalband per "Audio-To-Midi" in Midi geschrieben und aufgrund des schlechten Timings (nicht nur der Bassdrum) von Hand an Ort und Stelle rücken darf. Ist das Fake!? Aber sicher doch!!! Hat die Band diesen Aufwand verdient!? Mit sicherheit nicht - denn es war schon echt ne Frechheit wie schlecht vorbereitet zumindest der Drummer bei mir angetanzt sind. Mach ich es dennoch!?

    Ja... denn ich kann mir in meiner derzeitigen Situation nicht erlauben nem Kunden zu sagen "Ich nehm euch nicht auf!" - muss aber auf der anderen Seite schauen dass das Ergebniss möglichst gut ist, damit es später nicht heißt "Oh hör mal der Mix von dem Czebo klingt aber nicht gut!" - denn Hand aufs Herz: Genau das werden die Leute sagen - obwohl es eigentlich "Oh Mann... was spielt sich diese Band denn da fürn Murks zusammen!?" heißen sollte....

    MfG, Czebo

  • Dominik   29. Nov 2010   20:46 UhrAntworten

    Wie so vieles ist auch dieses Thema ein zweischneidiges Schwert. Das Problem ist sicher die (inflationäre) Übertreibung. Grundsätzlich sind ja z.B. unrealistische Dynamikverhältnisse und -verläufe ein kreatives Mittel. Wenn das aber auf die Spitze getrieben wird wie in vielen aktuellen Produktionen, kann es auch sehr ermüdend sein.

    Allemein bin ich der Meinung, dass sich die Popmusik (um die geht es bei solchen Diskussionen ja meistens) in den letzten 20 bis 30 Jahren produktionstechnisch enorm weiter entwickelt hat, aber inhaltlich quasi eher rückwärts.

    Von daher ist wohl schon was dran an dem, was der Brian da sagt.

  • paul   29. Nov 2010   22:11 UhrAntworten

    es gibt durchaus gute beispiele, ich behaupte mal, dass ein stimming stundenlang rumeditiert. das produkt ist qualitativ einfach extrem hochwertig. wissen tu ichs natürlich nicht. aber wenn ich mir sein "melodica" anhöre, kann ich mir nichts anderes vorstellen.

  • Dominik   30. Nov 2010   20:43 UhrAntworten

    Bei elektronischer Musik äre es natürlich absurd, sich über "Editierwahn" zu beschweren, nachdem dort ja quasi der ganze Entstehungsprozess aus Editieren besteht.

    Da habe ich allerdings auch schon Eno-Kollaborationen mit anderen Musikern gehört, die total totgefrickelt waren.

    In der Mainstream-Popmusik kann ich seine Kritik allerdings gut nachvollziehen.

  • TonstudioBesitzer   01. Dez 2010   21:15 UhrAntworten

    Als Tonstudiobesitzer geht es mir wie Czebo, ich kann mir nicht erlauben, Kunden abzuweisen. Deswegen sitze ich auch gerne lange am Editieren damit die Aufnahmen nachher besser als das Original klingen. Dann kommen die Kunden auch wieder ins Tonstudio.

Sag uns deine Meinung!

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