FAQ: Was ist ein Oszillator?

10
SHARES
FAQ: Was ist ein Oszillator?

FAQ: Was ist ein Oszillator?

anzeige

Oszillator? Was ist das?

Das Wort ist vom lateinischen »oscillare« (schwingen) abgeleitet. Kein Wunder, denn der Oszillator erzeugt ein dauerhaftes Signal durch stetig wiederholte Schwingungen (Oszillatorwellen) – schon dieses Signal allein kann durch den Synthesizer hörbar gemacht werden, gleich findest Du einfache Klangbeispiele.

Fast immer kommen bei der Musikproduktion aber noch andere Komponenten des Synthesizers ins Spiel, die uns hier allerdings nur untergeordnet von Interesse sind.

Parameter von Oszillatoren

Wellenform

Bei diesem Parameter handelt es sich um die Kurvenform der Schwingung. Sie bestimmt den grundlegenden Charakter des Klangs. Die klassischen Wellenformen:

  • Sinus
  • Rechteck
  • Dreieck
  • Sägezahn

Oft finden sich bei Synthesizern auch diverse Mischungen, mehr oder minder komplexe Ausformungen und völlig chaotische, ggf. zufallsgenerierte Wellenformen (diese erzeugen ein Rauschen).

FAQ: Was ist ein Oszillator?

Im Folgenden findest Du Klangbeispiele für die vier abgebildeten Wellenformen in ihrer Reinform, unverändert durch nachgeschaltete Filter oder Sonstiges. Du hörst sie in je vier Tonhöhen direkt nacheinander; wie die unterschiedlichen Tonhöhen vom Oszillator erzeugt werden, erfährst Du weiter unten.

Sinus:

Rechteck:

Dreieck:

Sägezahn:

Fortgeschrittene Synthesizer erlauben das »Morphing«, also die stufenlose Überblendung von mehreren Wellenformen. Damit lässt sich der Charakter eines Klangs sehr fein abschmecken und man klingt eben nicht wie jeder x-beliebige Otto-Normal-Synth.

 

Tonhöhe (Pitch)

Dieser Begriff ist selbsterklärend, doch was steckt physikalisch dahinter? Ganz einfach: die Geschwindigkeit der Schwingung. Wenn Welle A also so aussieht:

FAQ: Was ist ein Oszillator?

…dann sieht die eine Oktave höher gestimmte Welle B wie im folgenden Bild aus (der Oszillator schwingt doppelt so schnell):

FAQ: Was ist ein Oszillator?

In der Regel findet sich ein Schalter zum Transponieren der Oktave um -1, ±0 oder +1 Oktave. Der nächstfeinere Regulierungsschritt sind die Halbtöne (engl.: »semitones«, kurz »st«). Eben wie einem Klavier oder anderen Instrumenten mit Tasten, die nach der chromatischen Tonleiter gestimmt sind.

Noch feinere Abstufungen in Hundertstel-Halbtonschritten (engl.: »cent«, kurz »ct«) werden über einen separates Bedienelement geregelt, der meist mit »Detune« (Verstimmen) oder »Fine« beschriftet ist.

Alternativ oder ergänzend zu den Standard-Notennamen (z.B. C1) findet sich die Angabe in Hertz (»Hz«); der Kammerton A (A4) liegt beispielsweise bei 440 Hertz. Diese Angabe bezieht sich auf die Anzahl der Schwingungsdurchgänge, die die Oszillatorwelle pro Sekunde durchläuft.

Periode

Ein Schwingungsdurchgang wird als Periode bezeichnet, siehe das folgende Bild. Der Begriff der Periode wird uns im Folgenden noch oft auftauchen, also präge ihn dir gut ein.

FAQ: Was ist ein Oszillator?

 

Sync

Mit der Synchronisierung von zwei oder mehr Oszillatoren werden meist sehr aggressive Lead-Sounds oder je nach Einstellung auch sehr filigrane Klänge erzeugt. Im Folgenden findest Du die zwei Arten beschrieben:

Hard Sync

Die »harte« Synchronisation ist in der Regel musikalisch ausdrucksstärker und wird häufiger als die »weiche« (Soft Sync, siehe unten) eingesetzt.

Nehmen wir an, Oszillator B (»Slave«) wird mit dem Oszillator A (»Master«) per Hard Sync synchronisiert. Jedes Mal, wenn der Master eine neue Periode beginnt, wird auch die Periode des Slaves neugestartet. Das geschieht abrupt und ohne Rücksicht darauf, an welcher Stelle seiner Periode sich der Slave sich gerade befindet.

FAQ: Was ist ein Oszillator?

Wenn der Slave in einer niedrigeren Tonhöhe erklingt als der Master, wird er dementsprechend gezwungen, die Periode vorzeitig zu beenden und von neuem zu beginnen. Erklingt er höher, durchläuft er mehr als seine Periode, bevor der Master das Signal zum Neustart sendet – wie im Beispielbild oben.

Streng genommen spielen beide Oszillatoren nun in derselben Tonhöhe, doch die asymmetrisch geformten Perioden des Slaves ergeben bei der Überlagerung beider Oszillatoren ungewöhnliche, mit Obertönen angereicherte Timbres.

Soft Sync

Hier wird der Slave nicht gezwungen, seine Periode neu zu starten, sondern die Oszillatorwelle nahtlos anschließend rückwärts abzuspielen – Pingpong, quasi. Das Resultat ist ein wesentlich subtilerer, »weicherer« Sound.

FAQ: Was ist ein Oszillator?

 

Phase

Per Phasenregler kannst Du den Startpunkt der Oszillatorwelle um 0 bis 359° verschieben (360° entsprechen 0°) – hier im Bild siehst Du, was gemeint ist:

FAQ: Was ist ein Oszillator?

Die klanglichen Auswirkungen werden nur dann deutlich wahrnehmbar, wenn gleichzeitig zu einem phasenverschobenen Oszillator noch ein zweiter Oszillator in derselben Tonhöhe, aber mit einer anderen Gradzahl für die Oszillator-Phasenverschiebung erklingt.

 

Retrigger (alternativ: Reset, Restart oder Key Sync)

Mit diesem Parameter bestimmst Du, wann die Oszillatorwelle abrupt neugestartet werden soll. Der Startpunkt innerhalb der Periode ist wie oben erwähnt von der Phaseneinstellung abhängig.

Bei aktivierter Retrigger-Option wird die Oszillatorperiode bei jeder angeschlagenen (MIDI-)Note von neuem gestartet. Je nach Einstellungen für die Hüllkurven oder andere Parameter, mit denen die reine Oszillator-Welle vom Synthesizer bearbeitet wird, kann das drastische Auswirkungen haben und für sprichwörtlich neue Impulse bei jedem Anschlag sorgen.

Wenn Retrigger deaktiviert ist, schwingt der Oszillator »ungeniert« und lässt sich nicht in seiner Periode unterbrechen, zudem werden hier eben keine Hüllkurven etc. von neuem getriggert – das sorgt im Allgemeinen für sehr fließende, übergangslose Klänge à la Pads und Ambient-Flächen.

Bei der unüberschaubaren Masse an Synthesizern jeglicher Art finden sich freilich noch eine Handvoll anderer Parameter. Doch die sind entweder so schlicht (z.B. Lautstärke- oder Pan-Regler) bzw. so exotisch, dass sie hier nicht von Belang sind.

 

LFO (»low frequency oscillator«)

Zum Schluss kannst Du noch einen kurzen Abstecher zum LFO machen – dieser »Niederfrequenzoszillator« erzeugt nicht aus sich heraus Klänge, sondern versetzt diese in Bewegung. Für langsam an- und abschwellende Klangfarbe, rhythmisches Pulsieren, Tonhöhenschwingungen (Vibrato) und dergleichen mehr.

» Hier ist alles über LFOs in eine gesonderten FAQ-Artikel

Mehr zum Thema:
          


Lesermeinungen (1)

zu 'FAQ: Was ist ein Oszillator?'

  • Donald   21. Jul 2015   10:24 UhrAntworten

    Die Sync Schaltung der Oszies kann man gut für die Unterteilung
    in spährischen und percussiven Sounds nutzen.

    Ohne OSC-Sync wird der Sound flächiger und eignet sich gut für Stereo Sounds.
    Manche Synth-OSC´s wie der OSC1 vom Rob Papen Predator haben extra nochmal eine "Frei-Schwing-Option"

    Will man Bässe, eine Kick oder Snare, also Monosounds, eignen sich hierfür gesyncte OSC´s.
    Als Fausregel kann man sagen Mono - Sync , Stereo - Unsync
    Hier kann und soll man ruhig experimentieren, jedoch klingt in der Praxis ein Stereo-Bass meisst nicht so toll.

    Hat man 2 Oszies kann man ruhig mal mit den Fine Reglern der einzelnen Schwingungen experimentieren
    So kann man beobachten, wie sich der Sound verändert oder sogar durch Phasenauslöschungen eleminiert wird.

    Phasendreher gehören mit zum Standartwerzeug.
    Wird der Sound dünner, dreh ruhig mal daran.

    Für Sounds unter 50 Hz kann man DC-Offset (Gleichstromfilter) nutzen.
    Das bringt die "großen" Transienten mehr in Form.

    Viele Soft-Synths sind Recourcenhungrig und lassen sich in der Produktionsphase mit niedriger Leistungs relativ schonend betreiben.
    Vor dem Rendern des Songs wird empfohlen die Qualität hochschrauben. (Z.B. Massive)

    Mit der Wavetablesynthese kann ein Synth auch mit Audio gefüttert werden
    Damit erzeugt es aus den darin enthaltenen Schwingungen die Oszillator-Wellenform. Grüße - Donald

Sag uns deine Meinung!

anzeige

EMPFEHLUNGEN