Overdub / Overdubbing: Was ist es und wofür ist es gut?

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Overdub / Overdubbing: Was ist es und wofür ist es gut?

Einst per Mehrspur-Bandmaschine, heute in jeder DAW: Per Overdub Aufnahmen übereinanderschichten, Stück für Stück. | Bild: JacoTen [Ausschnitt, CC BY-SA 3.0]

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Wofür ist Overdubbing gut?

Beim Overdub handelt es sich um ein Verfahren in der Tontechnik, das erst mit den Mehrspur-Bandmaschinen in den 1960er-Jahren (endgültig) Einzug in die Musikproduktion hielt. Ein Overdub ist eine zusätzliche Aufnahme (Spur), die über ein bereits bestehende Tonspur von einer anderen Recording Session aufgesetzt wird.

Stell dir das wie zwei auf transparente Folien gedruckte Grafiken für einen Overhead-Projektor vor. Diese kannst Du übereinanderlegen und dann quasi »zusammengemischt« an die Wand projizieren.

Typisches Beispiel: Beim Recording im Tonstudio nimmt eine Band Drums, Bass und Rhythmus-Gitarre synchron auf. Der Lead-Gitarrist und der Sänger spielen dann nachträglich ihre Spuren als Overdub ein, um diese und die bestehenden Passagen übereinanderlegen zu können.

Bei den Begriffen »Overdub« (sprich: »Owerdabb«) und »Overdubbing« haben wir es wie so oft in der Musikproduktion mit Anglizismen zu tun. Sie stammen aus dem Englischen und haben ihren Weg ohne Übersetzung ihren Weg in den deutschen Sprachgebrauch gefunden. »Overdubbing« ist dabei schlicht eine Form des Verbs, das den Arbeitsschritt der Overdub-Technik kennzeichnet.

Overdubbing in der Praxis

Viele junge (und alte) Musiker & Produzenten kennen heutzutage schon gar keine andere Art der Aufnahme mehr. Die Technik konnte sich aufgrund ihrer Bequemlichkeit, preiswertem Musik Equipment und dem Siegeszug der DAWs schnell durchsetzen. Und im Live-Kontext bei Konzerten & Co. stehen Gitarristen heute unzählige Looper zur Verfügung, mit denen ein Overdub schnell und einfach zu realisieren ist.

Live Overdub Overdubbing Looper

Schon ein kleines, günstiges Gerät wie der Fame Looper [Testbericht] ist heute in der Lage zum unbegrenzten Overdubbing. Also mit so vielen »Überspielvorgängen« der Tonspur, wie es dir beliebt – wie chaotisch der Effekt dann klingt, sei mal dahingestellt. ;)

Ein typischer Grund für die Anwendung der Overdubbing-Technik im klassischen Sinne ist das Fehlen eines Musikers bei der ersten Aufnahmesession im Tonstudio. Auch bei Bands, die nur einen Gitarristen haben, wird diese Technik gerne angewandt, um bei den Soli kein »Loch« in der Rhythmusgruppe zu erzeugen.

Sänger nutzen Overdubs, um Zweitstimmen (»Doubles«) im Gesang aufzunehmen, ohne auf andere Vokalisten zurückgreifen zu müssen. Wie äußert sich das im Sound? Nun, ein sehr bekanntes Beispiel dafür ist der Titel »Bohemian Rhapsody« von Queen, der zahlreiche Male eingesungen wurde, was der Stimme schließlich einen choralen Effekt verleiht.

Die Overdub-Technik wird auch gerne in Kombination mit Punch-In und Punch-Out verwendet. Das sind Markierungen für den Start- und Endpunkt auf der Zeitleiste deines DAW-Projekts. So können einzelne missglückte Phrasen in bestimmten Spuren ausgemerzt werden. Hier wird nicht auf der gesamten Spur (bzw. im festgelegten Loop-Bereich) aufgezeichnet, sondern jeweils nur eine kleinere Passage der Musik »überspielt«.

Nachteile der Overdub-Technik

Viele Musiker und Produzenten der alten Schule, die noch mit echten Mehrspur-Bandmaschinen gearbeitet haben, mögen das Overdubbing von Spuren nicht sonderlich. Oft wird Künstlern, die exzessiv Gebrauch davon machen, wird vorgeworfen, das Spiel mit dem Musikinstrument verlernt zu haben. Oder, dass die Technik dazu genutzt wird, um durch Tricks beim Abmischen das eigene musikalische Können künstlich zu verbessern.

Besonders bei Live-Aufnahmen in Clubs bzw. bei Konzerten ist das Overdubbing von Spuren nicht gerne gesehen. Hier macht so manche Band natürlich gerne Gebrauch davon, um etwaige Fehler ihrer Live-Performance zu kaschieren.

Fazit zum Oberdub

Unbekannten Quellen zufolge soll der erste Overdub sogar lange vor 1960 geschehen schein. So seien Aufnahmen des legendären Opernsängers Enrico Caruso zu einem späteren Zeitpunkt mit einem Orchester angereichert worden.

Wie dem auch sei, die Overdubbing-Technik ist nun schon seit vielen Jahrzehnten beliebt und aus den Studios dieser Welt nicht mehr wegzudenken. Man ist schließlich längst nicht mehr auf die beschränkte Spurenanzahl von Bandmaschinen angewiesen. Stattdessen sind DAWs an der Tagesordnung – mit Markierungen für Punch-In und Punch-Out kannst Du auch gezielt eine kleine Passage eingrenzen, in der der Overdub passieren soll.

Das Prinzip der Schichten ermöglicht die »portionierte« Arbeit und somit viel mehr Flexibilität. Das gilt nicht nur in der Tontechnik für Live-Musik oder Recording. So nutzt man im Grafikdesign mit Photoshop & Konsorten die »Layer«. Und in der Arbeit mit Adobe Premiere & Co. eine alternative Tonspur für einen Film. Eine Kulturtechnik, die sich geradezu aufdrängt.

Fazit: Es hat gewiss seinen Reiz, die Aufnahme beim Band Recording auch mal im One-Take-Verfahren zu absolvieren. Im Großen und Ganzen bedeutet ein Verzicht auf die Overdub-Technik aber eine starke künstlerische Limitierung und nicht zuletzt einen gewaltigen Mehraufwand bei der Arbeit.

Hat dir dieser Artikel rund um den Overdub bzw. das Overdubbing geholfen? Dann hilf Du auch uns und empfiehl uns deinen Freunden über Twitter, Facebook oder Google+. :) Und über einen Kommentar mit Anregungen, Ergänzungen, Korrekturvorschlägen, Lob oder fundierter Kritik freuen wir uns sowieso immer. Vielen Dank!

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Lesermeinungen (5)

zu 'Overdub / Overdubbing: Was ist es und wofür ist es gut?'

  • Günter   04. Sep 2011   11:17 UhrAntworten

    Vielen Dank für den Beitrag, den habe ich mit viel Interesse gelesen, weil ich noch nie mit Overdubbing gearbeitet habe. Ich muss zugeben: auch nach Lesen des Artikels verstehe ich den Sinn vom Overdubbing nicht so ganz.

    Warum kann ich nicht einfach den neuen Part auf eine weitere Spur parallel zur bereits vorliegenden Aufnahme einspielen?

    Lass ich die bisherige Aufnahme als Backing ablaufen, sollte das doch problemlos möglich sein. Gerade, wenn man nachträglich etwas verändert, bleibt doch der Klangcharakter des Originals nicht erhalten, weder mit Overdubbing noch mit einer zusätzlichen Spur.

    MAche ich eine Gedankenfehler? Habe ich etwas übersehen?
    Ich würde mich freuen, wenn mir jemand Klarheit in der Sache verschaffen könnte.

    • Carlos San Segundo (delamar)   04. Sep 2011   12:53 UhrAntworten

      Hallo Günter,
      vielen Dank für dein Feedback. Natürlich kannst Du deinen Part in eine neue Spur aufnehmen - auch das ist ein Overdubbing. Früher gab es eben andere Limitationen, wie die der Anzahl der Spuren (8-Spuren waren mal richtig viel). Heute kannst Du deine Technik einfach deinem Geschmack anpassen.
      Herzliche Grüße
      Carlos

  • novik   05. Sep 2011   09:29 UhrAntworten

    Kaum zu glauben, dass dieser Begriff noch nicht so geläufig erscheint. Wird es doch bei modernen Produktionen fast auschließlich eingesetzt. Welche Band spielt denn heute noch alles an einem Stück ein?

  • Captain   16. Mai 2015   18:53 UhrAntworten

    Für mich als Einzelkämpfer ist Ovebubing Essentiel. Ich kann unmöglich Keyboards,Gitarre,Bass-Gitarre,Percussion und Schlagzeug auf einmal Spielen. Da ich die Instrumente unterschiedlich gut behersche ist Overdubing auch hier für gelegentlich eine Option.

    • Wolfgang Meseberg   08. Jul 2016   14:51 UhrAntworten

      Hallo,
      Welche Geräte (Recorder) kannst Du da für ein Homerecording-Studio empfehlen?
      Vielen Dank für Rückmail - Gruß
      Wolfgang Meseberg

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