FAQ: Kopfhörer-Impedanz (Ohm)

4
SHARES
FAQ: Kopfhörer-Impedanz (Ohm)

FAQ: Kopfhörer-Impedanz (Ohm) | Bild: Jonathan Grado [CC BY-SA 2.0]

anzeige

Was ist Impedanz?

Die Impedanz (lateinisch »impedire« = hemmen, hindern) ist der elektrische Widerstand, der einem Wechselstrom entgegengesetzt wird. Es handelt es sich um das Verhältnis von der Spannung zur Stromstärke an einer Leitung/einem Bauteil. Das Bauteil ist in unserem Fall die Schwingspule des Kopfhörers. Die Impedanz wird in Ohm (Ω) gemessen.

Die Kopfhörer-Impedanz ist nicht konstant, sondern variiert je nach der Frequenz des zugeführten Audiosignals. Daher wird sie anhand eines konstanten, in der Tonhöhe gleichbleibenden Signals (in der Regel bei genau einem Kilohertz) gemessen.

Das Ergebnis dieser normierten Messung ist die sogenannte »Nennimpedanz« – beim Bau eines Kopfhörers wird gezielt daraufhin gearbeitet, eine bestimmte Nennimpedanz zu erreichen.

Schwingspulen bestimmen die Kopfhörer-Impedanz

Wie hoch die Impedanz eines Kopfhörers ist, hängt im Wesentlichen von den verbauten Schwingspulen ab. Sie bestehen aus einem ringförmig aufgewickelten Draht, der mit der Membran verbunden ist und diese zum Schwingen bringt. Je dünner der Draht, desto mehr Windungen (»Wickellagen«) besitzt die Spule. Das geht mit einer höheren Impedanz einher.

Sind Kopfhörer mit niedriger Impedanz lauter?

Nein, nicht zwangsläufig. Die Kopfhörer-Impedanz ist nur einer der Faktoren für die Lautstärke beim Vergleich mehrerer Modelle. Dennoch bekommst Du hier eine grobe Orientierungshilfe: Bei der Verwendung von batteriebetriebenen Abspielgeräten – Smartphone, Tablet, MP3-Player, Laptop etc. – ist ein Kopfhörer mit niedriger Impedanz (am besten unter 100 Ω) zu empfehlen. Denn nur dedizierte Kopfhörerverstärker, Monitor-Controller, fortgeschrittene Audio-Interfaces & Co. liefern genug Spannung, um alle anderen Modelle (speziell Boliden mit 600 Ω) laut genug erklingen zu lassen.

Wie laut ein Kopfhörer ist, hängt jedoch in höherem Maße von der sogenannten Empfindlichkeit (engl. »sensitivity« oder »efficiency«) ab. Sie gibt an, mit welcher Stromstärke bzw. mit welcher Spannung sich ein Kopfhörer begnügt, um ein bestimmtes Lautstärkeniveau zu erzielen.

Empfindlichkeit in …

  • dB SPL/mW – Lautstärke bei einer Stromstärke von einen Milliwatt
  • dB SPL/V – Lautstärke bei einer Spannung von einem Volt

Leider geben manche Hersteller die Empfindlichkeit nur anhand der Spannung, andere wiederum nur anhand der Stromstärke an. Nun, immerhin gibt es eine Formel zur Umrechnung:

FAQ: Kopfhörer-Impedanz (Ohm)

FAQ: Kopfhörer-Impedanz (Ohm)

Der Begriff »Lautstärke« ist oben der Verständlichkeit halber verwendet worden, korrekt wäre »Schalldruck« oder physikalisch akkurat »Abweichung vom Atmosphärendruck« gewesen. Mehr dazu und alles zum Dezibel liest Du in unserem großen FAQ-Artikel:

Alles zum Dezibel: FAQ: dB, dBFS, dB(A) & Co. »

… Oder Du begnügst dich damit, dass Menschen 10 dB mehr als eine Verdopplung der Lautstärke wahrnehmen. Ein Kopfhörer mit einer Empfindlichkeit von 100 dB ist also nur halb so laut wie einer mit 110 dB und gleicher Impedanz. Kehren wir zurück zur Frage in der Überschrift dieses Abschnitts, lässt sich Folgendes festhalten:

Bei Kopfhörern mit gleicher Empfindlichkeit ist das Modell mit geringerer Impedanz auch das lautere. Denn in diesem Fall gilt: Weniger Impedanz führt dazu, dass mit weniger Verstärkung die gleiche Lautstärke erzielt wird.

FAQ: Kopfhörer-Impedanz (Ohm)

Der beyerdynamic DT 880 Edition – erhältlich als Variante mit einer gigantischen Kopfhörer-Impedanz von 600 Ω

Klingen hochohmige Kopfhörer besser?

Abseits der Lautstärkeunterschiede durch variierende Impedanzen finden sich auch klangliche Unterschiede, wenn »verschiedenohmige« Varianten eines bestimmten Modells miteinander verglichen werden.

Höhere Impedanzen führen zu einem minimal präziseren, feiner aufgelösten Klang, da die feineren Schwingspulendrähte eine geringere bewegliche Masse haben und weniger Platz für Luft zwischen den Windungen lassen.

Das solltest Du am besten selbst in Erfahrung bringen, denn die Unterschiede sind nur im direkten Vergleich zu hören. Am besten klappt das mit drei identischen Kopfhörerverstärkern bzw. einem mit drei Ausgängen (unterschiedlich verstärkt zur Kompensation des Impedanzeinflusses) – daran könnten dann etwa die 32-, 250- und 600-Ohm-Varianten des beyerdynamic DT 990 Pro angeschlossen werden.

Sofern Du keinen Studiokopfhörer suchst, der ausschließlich an kräftigen Audio-Interfaces, Kopfhörerverstärkern & Co. zum Einsatz kommen soll, kannst Du ohne Bedenken zu einem niederohmigen Modell greifen.

Fazit zur Kopfhörer-Impedanz

  • >100 Ω = eher für stationäre Geräte in Studio & Wohnzimmer
  • <100 Ω = eher für tragbare Geräte
  • Für Lautstärke ist hohe Empfindlichkeit wichtiger als niedrige Impedanz
  • Hochohmige Varianten desselben Modells klingen (subtil) feiner, …
  • … aber es gibt viele niederohmige Kopfhörer, die studiotauglich sind

Welche Beobachtungen zur Kopfhörer-Impedanz hast Du in der Praxis machen können? Gibt es etwas, was wir in unserem Portrait des Wechselstromwiderstands vergessen oder noch genauer darstellen sollten? Wir sind gespannt auf dein Feedback!

Mehr zum Thema:
    


Lesermeinungen (5)

zu 'FAQ: Kopfhörer-Impedanz (Ohm)'

  • PeterPesl   29. Dez 2015   08:00 UhrAntworten

    "Sofern Du keinen Studiokopfhörer suchst, der ausschließlich an kräftigen Audio-Interfaces, Kopfhörerverstärkern & Co. zum Einsatz kommen soll, kannst Du ohne Bedenken zu einem niederohmigen Modell greifen."

    doch besser hochohmig

    • Felix Baarß (delamar)   29. Dez 2015   16:30 UhrAntworten

      Hallo Peter,

      nein, die Aussage ist schon korrekt so - die entscheidenden Wörter sind "keinen" und "ausschließlich". Ich denke aber nochmal drüber nach, die Aussage deutlicher zu formulieren.

      Gruß, Felix

      • PeterPesl   30. Dez 2015   07:55 Uhr

        ups, das kommt davon, wenn man so früh aufsteht.

  • Rob   29. Dez 2015   10:28 UhrAntworten

    Hallo Leute, auch Ihr seid leider auf die falsche Annahme reingefallen, dass man beim Kopfhörer für höhere Impedanzen mehr Leistung braucht. Das ist falsch.

    Da wir in der Studio- und Audiotechnik immer mit Spannungsanpassung arbeiten, brauchen wir für höhere Impedanzen mehr SPANNUNG und nicht mehr LEISTUNG!

    Denn je Höher der Widerstand, umso geringer die Last. Es ist also so, dass - eben genau umgekehrt - ein Kopfhörer mit geringer Impedanz mehr Leistung vom Player fordert als ein Kopfhörer mit größerer Impedanz.

    Daher spielen MP3-Player auch oft immer so leise, da sie mit zB. max 5V (wie iPhones zum Beispiel) nie genügend Spannung aufbringen können, um einen hochohmigen Kopfhörer genügend laut zu machen. An nicht benötigter Leistung haben die Akkus dieser Geräte ja genügend, aber an benötigter Spannung fehlt es dann halt für hochohmige Kopfhörer.

    Ich wollte damit nur mal ein wenig aufklären.

    Einen lieben Gruß und einen guten Rutsch ins Jahre 2016!!! :)

    • Felix Baarß (delamar)   29. Dez 2015   16:39 UhrAntworten

      Hallo Rob,

      danke für den wichtigen Hinweis. Ich bin da nicht hereingefallen, sondern zu schusselig gewesen. Natürlich war oben mit dem ursprünglich verwendeten Begriff »leistungsstark« gemeint, dass ein Gerät eine vergleichsweise hohe Spannung liefern muss. »Leistung« taucht zwar in vielen Foren und halbgaren Artikeln im Netz durchaus als Synonym für die Spannung auf, doch hier darf das natürlich nicht passieren. Ich habe es berichtigt, besten Dank.

      Gruß,
      Felix

Sag uns deine Meinung!

anzeige

EMPFEHLUNGEN