FAQ: Was ist ein Kondensatormikrofon?

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FAQ: Was ist ein Kondensatormikrofon?

Mit einem Kondensatormikrofon wie dem Neumann U87 Ai sind detailreiche, bass- und höhensatte Aufnahmen möglich - gut für das Vocal Recording im Studio | Bild: Will Fisher [bearbeitet, CC BY-SA 2.0]

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Was ist ein Kondensatormikrofon?

Ein Kondensatormikrofon wandelt Schall in ein elektrisches Signal. Bei dieser Bauart ändert sich durch den auftreffenden Schall der Abstand von Membran zur Gegenelektrode und sorgt damit für eine Änderung der Kapazität des Kondensators. Das Kondensatormikrofon ist ein so genannter elektroakustischer Wandler.

Englische Fachbegriffe:

  • condenser microphone
  • capacitor microphone

Wie bei allen Mikros trifft der Schall hier zunächst auf eine Membran, die die Luftdruckschwankungen (den Schall im physikalischen Sinne) in mechanische Schwingungen umwandelt. Und gleich danach in elektrische Spannung, die nach demselben Muster fluktuiert und über die (XLR-)Buchse des Mikrofons ausgegeben wird.

Bei einem Kondensatormikrofon fungiert eine elektrisch leitende Folie als Membran. Sie ist oft mit Gold bedampft – das verstärkt die Leitfähigkeit – und mit einem winzigen Zwischenraum (etwa 5-50 Mikrometer) vor einer gelochten Metallplatte angebracht. Dieses Konstrukt aus zwei parallel zueinander stehenden, elektrisch voneinander isolierte Metallplatten bildet die Elektroden eines Plattenkondensators – voilà: ein Kondensatormikrofon. Das soll an dieser Stelle genügen.

Der andere Typ im Praxisportrait » Was ist ein dynamisches Mikrofon?

Großmembran vs. Kleinmembran

Zunächst muss eine wichtige Unterscheidung getroffen werden – zwischen Klein- und Großmembran-Kondensatormikrofonen. Erstere sind die kleinen »Stäbchen« (etwa zigarrengroß), die vor allem zur Instrumentenaufnahme verwendet werden. Großmembraner kommen hingegen vor allem für Sprachaufnahmen zum Einsatz.

FAQ: Was ist ein Kondensatormikrofon?

Das Kondensatormikrofon – links ein AKG C451 B (Kleinmembran), rechts ein AKG C414 XLS (Großmembran)

Wie die Namen schon verraten, besteht ein grundlegender Unterschied zwischen diesen beiden Unterarten in der Membrangröße. Hier sind zwei der wichtigsten Eigenschaften, die daraus folgen:

  • Kleinmembran: akkurates Impulsverhalten
  • Großmembran: geringes Grundrauschen

Das »Impulsverhalten« beschreibt, wie schnell die Membran auf die Luftdruckschwingungen durch eine Schwingung ihrerseits reagiert – konkret ist das Ein- und Ausschwingen, also die Trägheit der bestimmende Faktor, der letztendlich für einen mehr oder weniger detaillierten, transparenten, hochauflösenden Sound sorgt.

Das Rauschen von Kleinmembranern war vor allem im frühen zwanzigsten Jahrhundert ein Problem. Das hat sich mittlerweile gewaltig gebessert, doch ein kleiner Unterschied bleibt: ein extrem rauscharmer Großmembraner hat z.B. ein Eigenrauschen von etwa 7 dB(A). Ein in dieser Beziehung exzellentes Kleinmembranmikrofon rauscht hingegen um die 15 dB(A).

Wichtig: Die Technik ist mittlerweile so weit, dass ein gutes Großmembran-Kondensatormikrofon impulstreu genug für detailreiche Klänge ist. Ebenso rauscht ein guter Kleinmembraner heute so wenig, dass das erwünschte Signal in der Praxis fast immer das Rauschen übertüncht.

Die erwähnten Einsatzszenarien beider Klassen – Großmembraner für Vocals, Kleinmembraner für Instrumente – haben sich einfach eingebürgert. Es ist auch eine Frage der Psychologie: Die meisten Vokalisten fühlen sich vor einem opulenten Großmembran-Kondensatormikrofon besser aufgehoben.

Warum ein Kondensatormikrofon nutzen?

1. Breiterer Übertragungsbereich

Anders als ein Mikro mit Tauchspule (dynamisches Mikrofon) hat ein Kondensatormikrofon einen breiteren Übertragungsbereich und einen neutraleren Frequenzgang. Das ist wichtig für einen vollen Sound mit präsenten tiefen und hohen Frequenzbereichen.

2. Besseres Impulsverhalten

Ein Kondensatormikrofon reagiert schneller auf den eintreffenden Schall als ein dynamisches Mic. Das macht sich insbesondere bei impulsiven, perkussiven Klängen bemerkbar – siehe oben im Kapitel »Großmembran vs. Kleinmembran«, doch hier sind die Unterschiede meist noch deutlicher spürbar.

3. Relativ wenig Vorverstärkung nötig

Für ein ausreichend lautes Signal musst Du am Mikrofonvorverstärker, Audio Interface oder Mischpult den Gain-Regler nicht so weit aufdrehen wie bei beim »dynamischen Duo« (Tauchspulen- oder Bändchenmikros). So können durchaus auch Geräte verwendet werden, die nur etwa +45 bis +50 dB Gain liefern.

FAQ: Was ist ein dynamisches Mikrofon?

Ein Mikro mit Tauchspule – hier das Shure SM58 – ist im Allgemeinen bühnentauglicher als ein Kondensatormikrofon. | Bild: kjeik [Ausschnitt, CC BY-NC-SA 2.0]

Warum KEIN Kondensatormikrofon nutzen?

1. Weniger robust als die Dynamiker

Ein Mic mit Tauchspule ist deutlich robuster als ein Kondensatormikrofon. Es ist unempfindlicher für extreme Temperaturen oder Luftfeuchtigkeit. So sind dynamische Mikros wesentlich besser für den Bühnen- und Außeneinsatz tauglich als ein Kondensatormikrofon.

2. Braucht Phantomspeisung

Die sogenannte Phantomspeisung sorgt dafür, dass der Kondensator aufgeladen wird. Erst dann ist es in der Lage, die durch die Schallwellen angeregten Membranschwingungen in elektrische Spannung zu wandeln. Bei manchen Aufnahmegeräten lässt sich aber keine Phantomspeisung anlegen – Punkt für die Dynamiker, denn die kommen ohne diese Spannung aus.

3. Maximaler Schalldruck nicht so (extrem) hoch

Wer insbesondere Kickdrums und Blasinstrumente aus nächster Nähe abnehmen will, wird mit einem Kondensatormikrofon meist an seine Grenzen stoßen und Übersteuerungen verursachen. Diese und ähnlich extrem laute Schallquellen erfordern Mikros mit sehr hohem Grenzschalldruck – die Spitzenwerte liefern die Dynamiker.

4. Mehr Raumanteil und Nebengeräusche

Mit einem guten Kondensatormikrofon werden eventuell zu viele Nebengeräusche und nicht zuletzt der Nachhall in einem akustisch nicht/kaum optimierten Aufnahmeraum eingefangen. »Trockene« Vocals und Instrumente sind damit weniger leicht machbar, was den Mix schwieriger macht, gerade Du wenn zusätzliche Reverb-Effekte nutzen willst.

5. Deutlichere Sibilanten

Der letzte Aspekt im Vergleich mit Tauchspulenmikros: Siblianten (Zischlaute in menschlicher Sprache und Gesang) treten bei einem Kondensatormikrofon deutlicher zutage. Durch den erweiterten Höhenbereich wird das womöglich noch verstärkt. Der Einsatz eines De-Essers ist hier schon öfter vonnöten.

Fazit zum Kondensatormikrofon

Ein gutes Kondensatormikrofon ist in den erwähnten Pluspunkten stärker und die angesprochenen Nachteile sind nicht so ausgeprägt. Vernünftige Exemplare müssen nicht zwingend teuer sein, aber dynamische Mikros von vergleichbarer Qualität (mit ihren typischen Schwächen und Stärken) sind allerdings günstiger zu haben.

Faustregeln:

  • Im Studio sollte ein gutes Kondensatormikrofon vorhanden sein, um Vocals und Instrumente bestmöglich abzunehmen.
  • Als Handmikro auf der Bühne ist ein Kondensatormikrofon ungeeignet, …
  • für Instrumente ist es dort aber sehr wohl eine Option.

Welches Modell verwendest Du im Studio und warum? Welche Erfahrungen hast Du mit Kondensatormikrofon auf der Bühne gemacht? Wie immer sind wir gespannt wie Flitzebogen auf das, was Du zum Thema beitragen kannst. Danke schon mal!

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Lesermeinungen (1)

zu 'FAQ: Was ist ein Kondensatormikrofon?'

  • sound & music   10. Aug 2016   11:07 UhrAntworten

    Im Studio entscheidet der Song und die Eigenschaften der Gesangsstimme, welcher Mikrofontyp zum Einsatz kommt, damit alles stimmig zusammenpasst.
    Nicht immer ist dabei der Kondensator die 1. Wahl und in Abhängigkeit der Stimmeigenschaften, ziehe ich ein Dynamiker dem Kondensator auch öfters vor.

    Mir persönlich wird viel zu ehrfürchtig und fälschlich idealisierend von den "neutralen Klangeigenschaften" eines Kondensators geredet.
    Bei Vocals ist es mir jedoch ein Anliegen, bestimmte Eigenschaften einer Stimme besonders hervorzuheben, zu unterstützen oder mit Hinblick auf den Song auch zu färben, bzw. durch färbende Klangeigenschaften eines Mikrofons, einer Stimme etwas hinzuzugeben, was nicht so ganz da ist.
    Wie zum Beispiel "Volumen" und der Stimme einen Sound und Charakter zu geben.
    Neutral klingende Mikrofone sind daher nicht immer die beste Wahl.

    Sicherlich kann man mit Hinblick auf Kondensatoren in der Nachbearbeitung am EQ noch sehr komfortabel vieles justieren, aber es ist doch ein eklatanter Unterschied, wenn ein Vocalistmöglichst gleich mit einem für ihn optimalen Sound arbeiten und den Gesang formen kann und daher einen Song auch anders einsingen wird.
    In einer Nachbearbeitung lässt sich schlussendlich schwerlich "technisch" herausarbeiten, was "künstlerisch" nicht schon da war.

    Genau so wie das beste Mikrofon aus einer schlechten Stimme keinen Sänger macht, kann das falsche Mikrofon aus einem sehr guten Sänger einen nur mittelmäßigen machen !
    Ich finde daher das um die idealisiert neutralen Klangeigenschaften von Mikrofonen, gerade bei Vocals, ein übermäßig falsches Bild gezeichnet wird.
    Eine E-Gitarre ohne entsprechende Combo kann ihre besonders tollen Eigenschaften schließlich auch nicht so recht zur Geltung bringen.

    Empfehlenswert ist im Studio daher möglichst über eine kleine Mikrofonflotte verschiedener Typen zu verfügen, um den Vocalisten nicht einfach nur einsingen zu lassen, sondern ihm auch "seinen" Sound zu geben.

    Für die Bühne gibt es mittlerweile natürlich sehr taugliche und "Kampf erprobte" Vocal-Kondensatoren, doch das Risiko eines Defekts durch äußerliche Einflüsse und Ausfalls bei einer etwas wilderen, bewegteren Performance liegt nach wie vor höher als bei den dafür klassischen Dynamikern und mir persönlich sind die dafür hohen Anschaffungskosten in Bezug auf Defekte und auch in Relation einer ohnehin selten überwältigenden Bühnen/Saal-Akustik dafür nicht wert.
    Auch hier nützt einem das beste Mik herzlich wenig, wenn die gesamte Kette der Beschallungsperipherie eher unterirdisch ist.

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