FAQ: Gitarrenbox anschließen – Wieviel Ohm?

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FAQ: Gitarrenbox anschließen - Mit wieviel Ohm an welchen Amp?

FAQ: Gitarrenbox anschließen - Wieviel Ohm? | Bild: Jaakonam [bearbeitet, [CC BY-SA 3.0]

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Impedanz bei Amp & Box

Die Impedanz in Ohm (Ω) ist eine Maßeinheit für den Wechselstromwiderstand und damit das Verhältnis von Spannung und Stromstärke an einem elektronischen Bauteil bzw. einer Leitung.

An dieser Stelle wollen wir nicht weiter ins Detail gehen, sondern gleich in die Praxis einsteigen: Im Reich von Gitarre und Bass kennzeichnet die Impedanz, welcher Verstärker sich mit welcher Box garantiert kombinieren lässt – für optimalen Sound, volle Leistung und Betriebssicherheit.

Achtung! Die unsachgemäße Verkuppelung von Amp und Box(en) kann hingegen in Klang- und Lautstärkeänderungen resultieren, vor allem aber in einer verringerten Lebensdauer oder gar im Defekt bestimmter Verstärkerkomponenten.

Typische Belegungen von Anschlüssen am Topteil mit passenden Boxen:

1 x 4 Ω am Amp ↔ Box mit 4 Ω
1 x 8 Ω am Amp ↔ Box mit 8 Ω
2 x 4 Ω am Amp ↔ 2 Boxen mit je 8 Ω
2 x 8 Ω am Amp ↔ 2 Boxen mit je 16 Ω
1 x 16 Ω am Amp ↔ Box mit 16 Ω

Faustregeln für sicheren Betrieb & optimalen Sound

Wie wir gleich erläutern werden, gibt es je nach Verstärker(-typ) einen gewissen Spielraum beim Anschluss von Gitarrenboxen verschiedener Art. Es lässt sich nicht pauschal beantworten, ob Du ohne Weiteres 4-Ohm-Lautsprecher an »8-Ohm-Verstärker«, 8-Ohm-Lautsprecher an »4-Ohm-Verstärker«, 16-Ohm-Lautsprecher an »8-Ohm-Verstärker« etc. anschließen kannst.

Wenn Du aber folgende Regeln beachtest, bist Du schon mal auf der sicheren Seite:

  • Schließe deine Gitarrenbox(en) streng nach den Vorgaben deines Verstärkers an – das betrifft deren Anzahl sowie die Impedanz(en) und ggf. damit einhergehend die Belegung der korrekten Buchse(n) am Amp. Lies das Handbuch und frage im Zweifel beim Hersteller/Vertrieb nach!
  • Verzichte auf Boxen, bei denen Du die Impedanz nicht in Erfahrung bringen kannst!
  • Verwende ausschließlich Lautsprecherkabel! Diese können Instrumentenkabeln (Gitarre ↔ Amp) mit großen Klinkensteckern täuschend ähnlichsehen, doch es gibt einen großen Unterschied: Der Querschnitt der signalführenden Kupferleitung ist bei einem Boxenkabel dicker (ca. 1,5 bis 2,5 mm²), da es mehr Strom transportieren muss. Ein als Boxenkabel verwendetes Instrumentenkabel wird im Extremfall sehr heiß und schmort durch. Siehe auch → FAQ: Gitarrenkabel vs. Boxenkabel »
  • Schließe deine Gitarrenbox(en) an, BEVOR Du den Amp einschaltest!
  • Wechsle nie die Impedanz im laufenden Betrieb eines Amps mit angeschlossener Gitarrenbox! Ergo: Schließe keine zusätzliche Box an, entferne keine Box und lass gegebenenfalls die Finger vom Impedanz-Wahlschalter, solange der Verstärker eingeschaltet ist.

Fehlanpassung: Röhre vs. Transistor

Der im Folgenden verwendete Begriff »Fehlanpassung« kennzeichnet Abweichungen von der für den Boxeneingang empfohlenen Impedanz.

  • a) »Fehlanpassung nach unten« bzw. »Unteranpassung« respektive
  • b) »Fehlanpassung nach oben« bzw. »Überanpassung«

stehen für den Anschluss an Boxen, deren Impedanz a) niedrigerer oder b) höherer als der vorgesehene Wert ist.

Bringe zunächst in Erfahrung, welche Art von Verstärker Du an deine Gitarrenbox(en) anschließen willst – was Röhren nichts nichts ausmacht, führt bei Transistoren früher oder später zum Defekt und vice versa.

Achtung! Es geht hierbei um die Endstufe deines Verstärkers (engl.: »power amp[-lifier]«). Wenn ein Amp lediglich in der Vorstufe Röhren hat, musst Du ihn in Fragen der Fehlanpassung als Transistorverstärker einstufen.

Einige der folgenden Angaben sind Richt- und Erfahrungswerte ohne Gewähr – es kann von Amp zu Amp Unterschiede in der Verträglichkeit einer Fehlanpassung geben, auch wenn sie zum selben Typ zählen. Abermals wollen wir dich dazu ermuntern, das Handbuch zu studieren und bei Fragen direkt den Hersteller oder Vertrieb zu kontaktieren.

FAQ: Gitarrenbox anschließen - Mit wieviel Ohm an welchen Amp?

Eine Transistor-Endstufe | Bild: Alex Brown [beschnitten, CC BY 2.0]

Transistor

Einer Transistorendstufe macht es in der Regel nichts aus, wenn keine Box angeschlossen ist. Elektrotechnisch betrachtet: wenn kein sogenannter Lastwiderstand (engl.: »load«) anliegt.

Allerdings drohen Beschädigungen, wenn die Summe der Impedanzen aller angeschlossenen Boxen niedriger ist als die Impedanz des Amps (z.B. 4-Ohm-Box an »8-Ohm-Verstärker«). Einige Modelle bieten eine Schutzschaltung, die in diesem Fall bei Gigs für peinliche Stille sorgt, aber die dauerhafte Überhitzung der Endstufentransistoren und somit den drohenden Defekt verhindert.

Und wie sieht es bei der Fehlanpassung nach oben aus? Bei der Verwendung einer Gitarrenbox mit doppelter Impedanz (z.B. 8-Ohm-Box an »4-Ohm-Verstärker«) sinkt die Maximalleistung des Verstärkers um etwa ein Drittel (dieser Wert schwankt von Amp zu Amp). Ein 300-Watt-Bolide mit einem für 4 Ohm konzipierten Ausgang gibt an einer 8-Ohm-Box also immerhin noch rund 200 Watt ab. Bis auf einen Rückgang der Lautstärke passiert nichts.

Achtung, die Abnahme der Maximalleistung führt nicht im selben Maße zu einer Verringerung der Lautstärke – der resultierende Sound ist ein wenig lauter, als man in Anbetracht der Watt-Verringerung vermuten könnte.

Außerdem können zwei Lautsprecher lauter als ein einziger sein, auch wenn beide Setups dieselbe Gesamtimpedanz aufweisen. Denn die Membranfläche und das Boxenvolumen sind bei zwei Lautsprechern größer.

FAQ: Gitarrenbox anschließen - Mit wieviel Ohm an welchen Amp?

Röhre

Röhrenendstufen können beschädigt werden, wenn im laufenden Betrieb keine Gitarrenbox als Lastwiderstand angeschlossen ist. Das gilt insbesondere für ältere Verstärker. Also noch einmal in aller Deutlichkeit: ERST die Box(en) anschließen, DANN den reinrassigen Röhrenamp einschalten.

Ebenso zu vermeiden ist ein Setup, bei dem die Impedanz der angeschlossenen Gitarrenbox höher ist als die Empfehlung am Amp-Ausgang (z.B. 8-Ohm-Box an »4-Ohm-Verstärker«). In beiden Fällen können der verbaute Ausgangsübertrager und/oder andere Bauteile in kürzester Zeit zerstört werden. Schutzschaltungen, die dies verhindern, werden nur bei sehr wenigen, relativ kostspieligen Amps verbaut.

Eine leichte Unteranpassung (z.B. 4-Ohm-Box an »8-Ohm-Verstärker«) ist in der Regel nicht so gravierend. Es gibt praktisch keine Auswirkung auf die Leistung (und damit die Lautstärke), allerdings ändert sich der Klangcharakter: Die Verzerrung (»soft clipping«) und Sättigung mit Obertönen treten schon bei niedrigerer Verstärkung ein, da die Endstufenröhren »härter arbeiten müssen«. Das lässt sich durchaus künstlerisch bewusst einsetzen, aber behalte immer im Hinterkopf, dass die Röhren dabei stärker erhitzt werden und schneller verschleißen.

Es gibt Verstärker, deren Endstufe eine Röhre in einer Transistorschaltung aufweist. Gerade hier solltest Du den Hersteller bzw. Vertrieb kontaktieren, um zu erfahren, wie sich das Gerät bei einer Unter- oder Überanpassung verhält.

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