FAQ Funkfrequenzen: Die Änderungen im UHF-Band

FAQ Funkfrequenzen: Das UHF-Band und die Funkfrequenzen

Von den Änderungen in den Funkfrequenzen bis 2016 haben die meisten ja schon einiges gehört. Hier mal ein paar genauere Details:

Die bisher frei verfügbaren Frequenzen im UHF-Band (790-814 MHz / 838-862 MHz) sowie das ISM Band (863-865 MHz) nutzen wir im Moment für Funkübertragungen im Live Bereich, seien es Handsender, Gitarren-Funkstrecken oder In-Ear-Monitoring-Anwendungen. Für die Nutzung dieser Frequenzen ist weder eine Anmeldung noch eine Urkunde nötig.

Diese noch frei verfügbaren Frequenzen werden aber ab 2016 nur noch für den den Duplex-Datenfunk (LTE-Technik) zur Verfügung stehen. Die Frequenzen wurden an die Betreiber „Vodafone“, „Telekom“ und „o2“ verkauft.

FAQ Tonstudio Wissen Homerecording MusikproduktionWer denkt, dass er ja noch bis 2016 seine Funkstrecken ungestört nutzen kann, der liegt leider falsch, denn die Telekommunikationsriesen dürfen ab SOFORT in den Testbetrieb mit LTE gehen.
Über diese LTE Technik soll eine schnelle Internetverbindung via Funk übertragen werden. Vor allem in ländlichen Regionen wird der Ausbau in 2011 weitestgehend flächendeckend stattfinden, da der Umbau nur eine minimale Umrüstung von UMTS-Standorten bedeutet.

Das bedeutet für uns Mikroport-Nutzer, dass wir schon dieses Jahr mit massiven Störungen unserer Funk-Anlagen in den oben erwähnten Funkfrequenzen zu rechnen haben, da ein Parallelbetrieb mit LTE nicht möglich ist.

 

Neue Funkfrequenzen

Die Bundesnetzagentur hat dafür folgende Frequenzbänder zur Verfügung gestellt:

  • Für professionelle, gewerbliche Veranstaltungstechnik, für professionelle Musikveranstaltungen, für Tourneen, für Industrieveranstaltungen: 710-790 MHz (Diese Frequenzen bedürfen aber einer Anmeldung und beim Betrieb muss eine Urkunde mitgeführt werden)
  • Für den semiprofessionellen / privaten Gebrauch: 863-865 MHz (nur 2MHz) (Für dieses Spektrum ist keine Urkunde und keine Anmeldung nötig, eignet sich aber nur für den Einsatz weniger Funkstrecken)

In diesem „neuen“ Frequenzband besteht nun aber das Problem (welches auch nicht umgangen werden kann), dass auf diesen Frequenzen auch DVB-T – Fernsehkanäle liegen und je nach Region auch in dieses Frequenzband Störungen einstreuen können. Auch wenn der Ausbau in Zukunft von DVB-T ja eher rückläufig ist, müssen wir mit Mikroport-Anlagen arbeiten, welche mit gut ausgestattetem Frequenzmanagement arbeitet. Leider sind diese meist sehr kostspielig.

Da man aber anderen den Stärker sendenden DVB-T-Frequenzen ausweichen muss, wird dies nötig werden. Diese DVB-T-Frequenzen sind regional verschieden.

Dein Fachhändler kann dich beraten, welche Geräte für deinen Einsatz nötig sind und ob man evtl. deine schon bestehenden Funk-Strecken in das neue Frequenzraster der Funkfrequnzen umbauen kann.

 

Informationen zur Urkunde für neue Funkfrequenzen

Da man im „neuen“ Frequenzband ja nun eine Urkunde benötigt hier noch ein paar Infos dazu:

  • Einmalige Gebühr 130 Euro
  • Jährlicher Beitrag pro Sender: 10 Euro
  • Gültigkeit in der Regel 10 Jahre
  • Öffentliche Einrichtungen (Schulen, usw.) können befreit werden
  • Die Anzahl der anzugebenden Sender auf einer Urkunde bezieht sich auf die Anzahl der Sender, die bei einer Produktion gleichzeitig in Betrieb genommen werden. (Bei mehreren „gleichzeitigen“ Produktionen werden entsprechend mehrere Urkunden benötigt.)
  • Auf der Produktion muss zum Nachweis mindestens eine Kopie der Zuteilungsurkunde für diese Funkstelle mitgeführt werden.
  • Desweiteren ist eine Kopie des Mietvertrages der zeitweiligen Überlassung mitzuführen. (Wenn man Funkmikrofone mietet/vermietet)
  • Eine Frequenzzuteilung ist nicht teilbar. Somit sind für mehrere gleichzeitige Produktionen an verschiedenen Standorten mehrere Zuteilungen notwendig.
  • Beim Betrieb ohne eine gültige Urkunde und der Feststellung durch den Messdienst der BnetzA wird in der Regel eine Rechnung über den Messeinsatz erstellt. Der Betrag beläuft sich üblicherweise auf ca. 1500 Euro.

Weitere Informationen gibt es unter:
www.bundesnetzagentur.de
www.sennheiser.de/digitale-dividende (Sehr zu empfehlen)

Lesermeinungen (3)

zu 'FAQ Funkfrequenzen: Die Änderungen im UHF-Band'

  • Jens
    10. Feb 2011 | 18:49 Uhr Antworten

    Interessanter Artikel! Aber was bedeutet das jetzt für mich als Gitarrist, der privat auf der Bühne seine Funkanlage betreiben möchte? Muss ich mein mehr oder weniger teures Funkequipment nun in die Tonne kloppen und mir spätestens für 2016 was Neues anschaffen? Und wer gibt mir dann die Garantie, dass das dafür dann teuer abgesparte Geld einige Zeit später nicht wieder für die Tonne ist, weil sich hier wieder etwas ändert? Also … neeee … dann doch wieder zum Kabel greifen!

    • Alexander Grüner
      11. Feb 2011 | 14:23 Uhr Antworten

      Hallo Jens,
      Du müsstest einfach mal schauen, wo deine jetzt bestehenden Geräte rumfunken, heißt, auf welchen Frequenzen. Wenn du genau da bist, wo das LTE greifen wird / greift dann gibt es nur drei chancen:
      1.) Tonne / Kabel
      2.) Versuchen umbauen zu lassen…
      3.) Neu…

      Und garantieren kann dir dann auch keiner, dass da keine Änderungen mehr statt finden…

      Leider kein schönes Thema, aber man muss dich damit beschäftigen, sonst hat man irgrendwann immense Störungen im Funkbetrieb…

      Kopf hoch!

      Grüße
      Alex

  • Sebastian
    04. Mai 2012 | 15:05 Uhr Antworten

    Hi, vielen Dank für den Artikel! ich habe eine Frage zu einem ähnlichen Thema. ich habe ein kleines Tonstudio, in dem ich gerne das neue angesprochene Internet über Funk einrichten lassen will.
    Ist dies möglich, ohne bei zB Vocalrecordings Interferenzen auf den Speakers, oder gar im recording zu haben? Ist eine solche Internetverbindung überhaupt ratsam in einem Studio, oder problemlos möglich? Vielen DANK !!!!!!

Sag uns deine Meinung!