FAQ: Funkfrequenzen – Änderungen im UHF-Band durch LTE

64
SHARES
FAQ: Funkfrequenzen - Änderungen im UHF-Band durch LTE

FAQ: Funkfrequenzen - Änderungen im UHF-Band durch LTE

anzeige

Das UHF-Band im Wandel – FAQ Funkfrequenzen

Rückblick: Einige Frequenzbereiche im UHF-Band (790-814 MHz bzw. 838-862 MHz) wurden für Funkübertragungen im Live-Bereich genutzt, seien es Handsender, Gitarren-Funkstrecken oder In-Ear-Monitoring-Anwendungen. Für die Nutzung dieser Frequenzen war weder eine Anmeldung noch eine Urkunde nötig.

Seit Anfang 2016 sind diese Funkfrequenzen aber für LTE-Signale (drahtloses Internet) von Vodafone, Telekom und O₂ vorgesehen. So kann es zu Störungen der Signale von »alten« Drahtlos-Mikrofonen, In-Ear-Monitoring-Systemen etc. kommen. Außerdem überschneiden sich nun manche der für Funkstrecken genutzten Frequenbereiche mit denen von DVB-T (digitales Fernsehen), auch wenn der Ausbau für diese Sendeanlagen rückläufig ist.

Im Folgenden findest Du die zur Audioübertragung freigegebenen Frequenzbänder gemäß den Bestimmungen der Digitalen Dividende I und II sowie der VVnömL (Verwaltungsvorschriften für Frequenzzuteilungen im nichtöffentlichen mobilen Landfunk). Unterteilt in anmeldefreie und anmeldepflichtige Funkfrequenzen – alle Infos, zu welcher Kategorie Du zählst und welche Frequenzbänder warum zu empfehlen sind, findest Du jetzt …

 


Anmeldefreie Funkfrequenzen
» Private & semiprofessionelle Anwendung

Seit Anfang 2016 gelten die folgenden Frequenzbereiche für die private Anwendung und die semiprofessionelle Nutzung im kleineren Rahmen; wer alles in diese Kategorie fällt, siehst Du unten.

  • 174 – 230 MHz (neu zugeteiltes VHF-Band)
  • 823 – 832 MHz (LTE-Mittenlücke »ML 800«)
  • 863 – 865 MHz (ISM-Band, europaweit harmonisiert)
  • 1.785 – 1.805 MHz (LTE-Mittenlücke »ML 1G8«)
  • 2.400 – 2.483,5 MHz (»2G4-Bereich«)

Die anmeldefreien Funkfrequenzen – man spricht von »Allgemeinzuteilung« – gelten mindestens bis zum 31. Dezember 2023 (ISM), respetive 2024 (2G4) oder 2025 (ML 800 & ML 1G8). Verlängerungen sind wahrscheinlich.

Generell solltest Du beachten, dass im neu zugeteilten VHF-Band, in der LTE-Mittenlücke, im ISM-Band und im 2G4-Bereich die Störanfälligkeit durch Einstreuungen fremder Signale (im hochfrequenten Bereich z.B. WLAN) potentiell höher ist. Wie hoch sie tatsächlich ist, hängt allerdings auch stark vom Gerät ab. Im 2G4-Bereich ist die Übertragungsreichweite recht gering (typischerweise 30 m, maximal 60 m).

Praktisch störungsfrei unterwegs bist Du (derzeit) in der hohen Mittenlücke – langsam, aber sicher bieten mehr und mehr Hersteller entsprechende Funkstrecken an.

AKG WMS420 Instrumental Testbericht

Das AKG WMS420 Instrumental Set für Gitarren ist in der Variante für Band D fit für die Digitale Dividende II

Private und semiprofessionelle Anwender sind z.B. …

  • Semiprofessionelle Bands
  • Alleinunterhalter
  • Hobby-DJs
  • kleine Verleih-Setups
  • Privatveranstaltungen
  • Event-Gastronomie
  • Kirchengemeinden mit wenigen Drahtlosmikrofonen

 


Anmeldepflichtige Funkfrequenzen
» Professionelle Anwendung

Es folgen die drei zur Audioübertragung vorgesehenen, anmeldepflichtigen Frequenzbereiche. Natürlich können professionelle Anwender auch die anmeldefreien nutzen, doch durch deren kleinere Frequenzbereiche können damit keine großen Setups betrieben werden. Die Bundesnetzagentur gewährt stets eine komplette Bereichszuteilung, also eine Genehmigung für alle drei der im folgenden aufgelisteten Funkfrequenzen.

  • 470 – 608 MHz
  • 614 – 703 MHz
  • 733 – 823 MHz

Achtung: Da die Funkfrequenzen oberhalb von 694 MHz zunehmend durch die LTE-Signale der Anbieter von mobilen Internetzugängen besetzt werden, solltest Du bei einer Neuanschaffung eher die Geräte vorziehen, die (auch) auf niedrigeren Frequenzen funken können.

Shure BLX24R/SM58

Die Funkstrecke Shure BLX24R/B58 gibt es auch in einer Version, die in einem der neuen anmeldepflichtigen Frequenzbereiche zuhause ist

Professionelle Anwender sind z.B. …

  • Professionelle Bands
  • Opern, Stadt- und Konzerthallen, Freilichtbühnen, Schauspielhäuser, Stadien etc.
  • Tourende Musicals oder Theatergruppen mit eigenem Equipment
  • Verleiher für Tour-, Medien und Eventtechnik
  • Ü-Wagen (privatwirtschaftlicher Betrieb)
  • Messen & Kongresszentren
  • Schulen und andere Bildungseinrichtungen
  • Kirchengemeinden

 


Wo und zu welchem Preis kann ich Funkfrequenzen anmelden?

Die Anmeldung erfolgt bei der Bundesnetzagentur. Besuche deren Website und suche nach den Kontaktdaten der Außenstelle für deine Region, um den richtigen Ansprechpartner zu finden.

  • Einmalige Gebühr: 130,- Euro
  • Für weitere Funksysteme im selben Jahr: einmalig 65,- Euro
  • Jährliche Gebühr pro Kanal: 10,- Euro
  • Öffentliche Einrichtungen (Schulen etc.) sind von den Gebühren befreit
  • Gültigkeit: 10 Jahre

» www.bundesnetzagentur.de

Die Anzahl der anzugebenden Sender auf einer Urkunde bezieht sich auf die Anzahl der Sender, die bei einer Produktion gleichzeitig in Betrieb genommen werden. Bei mehreren »gleichzeitigen« Produktionen werden entsprechend mehrere Urkunden benötigt. Auf der Produktion muss zum Nachweis mindestens eine Kopie der Zuteilungsurkunde für diese Funkstelle mitgeführt werden. Desweiteren ist eine Kopie des Mietvertrages der zeitweiligen Überlassung mitzuführen, wenn Du Funkmikrofone (ver-)mietest.

Eine Frequenzzuteilung ist nicht teilbar. Somit sind für mehrere gleichzeitige Produktionen an verschiedenen Standorten mehrere Zuteilungen notwendig. Beim Betrieb ohne eine gültige Urkunde und der Feststellung durch den Messdienst der Bundesnetzagentur wird in der Regel eine Rechnung über den Messeinsatz erstellt. Der Betrag beläuft sich üblicherweise auf ca. 1.500 Euro.

 


Neu kaufen oder auf neue Funkrequenzen umrüsten?

Oben findest Du alle wichtigen Anhaltspunkte, um bei einem Neukauf eines Funksystems die richtige Entscheidung zu treffen. Der Musikalienhändler deines Vertrauens oder die Hersteller von Funksystemen (Shure, beyerdynamic, Sennheiser, LD Systems etc.) beraten dich gerne noch weiter, ggf. auch über die Möglichkeit einer Umrüstung deiner Geräte (Anpassung von Sender/Empfänger auf die erforderlichen Frequenzen).

Sennheiser bietet beispielsweise an, Geräte »umfrequentieren«. Die aufgerufenen Preise lagen jeweils bei etwa 45% von dem, was beim Kauf des entsprechenden Systems mit aktuellen Frequenzen anfallen würde (UVP).

 


Kann ich für die Änderungen entschädigt werden?

Wenn Du deine Funkanlage(n) zwischen 1. Januar 2012 (für gemeinnützige oder öffentlich-rechtlichen Anwender: 1. Januar 1997) und dem 31. März 2015 angeschafft hast, erhältst Du von der Bundesanstalt für Verwaltungsdienstleistungen eventuell eine Entschädigung.

Die Ausgleichszahlungen basieren auf den technischen Umrüstungskosten oder einem Restwertersatz. Dein Funksystem muss mindestens 410,- Euro (Netto) gekostet haben. Die Frequenzzuteilung muss dabei vor dem 31. Dezember 2015 erfolgt sein.

» www.bav.bund.de

 


Fazit & Ausblick zum Thema Funkfrequenzen

Zumindest für die nächsten knapp zehn Jahre hast Du Planungssicherheit: Im Vorjahr wurde beschlossen, dass in diesem Zeitraum keine weiteren Freqeuenzbereiche für LTE bereitgestellt werden. Ergo: Der Bereich von 470 – 694 MHz kann bis dahin definitiv für professionelle Funksysteme genutzt werden, wobei Störungen vergleichsweise unwahrscheinlich sind.

Ansonsten gilt, dass bei dem Trubel der vergangenen Jahre leider keine langfristigen Zusagen über die Beständigkeit der Frequenzlandschaft gemacht werden können. Wie der Kaiser sagt: Schaumermal.

Für mehr Sicherheit sind im Zweifel Systeme zu empfehlen, die eine hohe Schaltbandbreite aufweisen, also ein großes Spektrum möglicher Frequenzbereiche abdecken. Ferner sind digitale Funkstrecken attraktiv, da sie eine höhere Fehlertoleranz aufweisen und eine dichtere Staffelung von mehreren Kanälen im Frequenzraum bieten. Was den anmeldefreien Bereich anbelangt, tendiert unsere Empfehlung verstärkt zu Modellen für den 2,4-GHz-Bereich, da diese – Stand jetzt – wohl noch weitaus länger als zehn Jahre gängig sein werden.

Mehr zum Thema:
    


Lesermeinungen (3)

zu 'FAQ: Funkfrequenzen – Änderungen im UHF-Band durch LTE'

  • Jens   10. Feb 2011   18:49 UhrAntworten

    Interessanter Artikel! Aber was bedeutet das jetzt für mich als Gitarrist, der privat auf der Bühne seine Funkanlage betreiben möchte? Muss ich mein mehr oder weniger teures Funkequipment nun in die Tonne kloppen und mir spätestens für 2016 was Neues anschaffen? Und wer gibt mir dann die Garantie, dass das dafür dann teuer abgesparte Geld einige Zeit später nicht wieder für die Tonne ist, weil sich hier wieder etwas ändert? Also ... neeee ... dann doch wieder zum Kabel greifen!

    • Alexander Grüner   11. Feb 2011   14:23 UhrAntworten

      Hallo Jens,
      Du müsstest einfach mal schauen, wo deine jetzt bestehenden Geräte rumfunken, heißt, auf welchen Frequenzen. Wenn du genau da bist, wo das LTE greifen wird / greift dann gibt es nur drei chancen:
      1.) Tonne / Kabel
      2.) Versuchen umbauen zu lassen...
      3.) Neu...

      Und garantieren kann dir dann auch keiner, dass da keine Änderungen mehr statt finden...

      Leider kein schönes Thema, aber man muss dich damit beschäftigen, sonst hat man irgrendwann immense Störungen im Funkbetrieb...

      Kopf hoch!

      Grüße
      Alex

  • Sebastian   04. Mai 2012   15:05 UhrAntworten

    Hi, vielen Dank für den Artikel! ich habe eine Frage zu einem ähnlichen Thema. ich habe ein kleines Tonstudio, in dem ich gerne das neue angesprochene Internet über Funk einrichten lassen will.
    Ist dies möglich, ohne bei zB Vocalrecordings Interferenzen auf den Speakers, oder gar im recording zu haben? Ist eine solche Internetverbindung überhaupt ratsam in einem Studio, oder problemlos möglich? Vielen DANK !!!!!!

Sag uns deine Meinung!

anzeige

EMPFEHLUNGEN