FAQ: Der Unterschied zwischen Gitarrenkabel und Boxenkabel erklärt

Häufig werden wir gefragt, was der Unterschied zwischen einem Gitarrenkabel und einem Boxenkabel sei. Immerhin sehen beide Kabeltypen gleich aus, doch es ist wichtig, die Kabel richtig einzusetzen.

Der Unterschied zwischen Gitarrenkabel und Boxenkabel erklärt

Auf den ersten Blick sehen beide Kabel gleich aus, doch bei genauerem Hinsehen verraten schon der vergrösserte Umfang der Boxenkabel und seine oftmals grössere Verwindungsteifigkeit, dass es hier wohl einen Unterschied geben muss.

 

FAQ Tonstudio Wissen Homerecording Musikproduktion1. Abschirmung

Gitarrenkabel benötigen eine Abschirmung, um Störfrequenzen im Funkbereich herauszufiltern, Boxenkabel brauchen das nicht.

Wenn Du ein Boxenkabel zum Anschliessen der Gitarre an einen Verstärker nutzt, wird es zu lautem Brummen und Rauschen kommen. Unter Umständen bekommst Du noch den ein oder anderen Radiosender rein. Aber auf jeden Fall ist die Klangqualität unbefriedigend.

2. Kabeladern

Sowohl Gitarrenkabel als auch Boxenkabel haben in der Regel zwei Kupferdraht-Adern. Beim Lautsprecherkabel haben diese Adern einen deutlich grösseren Durchmesser, da sie wesentlich mehr Spannung aushalten müssen bzw. mehr Strom durch sie fliesst. Gitarrenkabel hingegen müssen nur das niederfrequente Gitarrensignal übertragen.

Bei einem Boxenkabel haben beide Kupferdrahtadern denselben Durchmesser und sowohl positive als auch negative Ader verarbeiten die gleiche elektrische Spannung. Beim Gitarrenkabel hingegen sind beide Adern unterschiedlich gross. Die positive Ader wird von der negativen umschlossen, die als Abschirmung fungiert.

3. Äusserlichkeiten

Sowohl Gitarrenkabel als auch Boxenkabel sehen sich sehr ähnlich. Beide haben 6,3 mm Klinkenschlüsse, was die Unterscheidung von aussen nicht gerade einfach macht. Tendeziell sind Boxenkabel etwas verwindungssteifer und gröber als ein Gitarrenkabel.

Viele Hersteller schreiben inzwischen die Kabelbezeichnungen auf die Hülle, was die Identifikation vereinfacht. Wenn das nicht möglich ist, kannst Du (je nach Bauart des Kabels) die Kappen der Klinkenanschlüsse entfernen und auf die Abschirmung achten. Sind beide Adern abgeschirmt, handelt es sich um ein Lautsprecherkabel. Ist nur eine der Adern abgeschirmt, handelt es sich um ein Gitarrenkabel.

4. Probleme und Risiken

Wenn Du eine Gitarre mit einem Boxenkabel an den Verstärker anschliesst, so wirst Du Probleme mit der Klangqualität bekommen. Ein Risiko für Gitarre, Verstärker oder Kabel besteht aber nicht.

Anders beim Anschluss von Verstärker und Box mit einem Gitarrenkabel. Zum einen wirst Du nur leisere Pegel bekommen, zum anderen kann es zu einem Kurzschluss kommen, der Verstärker oder Box zerstören kann. Vielleicht noch schlimmer ist die Gefahr eines Brandes, da Gitarrenkabel nicht dick genug sind, um die hohe Spannung zu tragen.

 

Technische Faktoren zum Unterschied zwischen Gitarrenkabel und Boxenkabel

Fassen wir nochmals die tragenden Faktoren und den technischen Unterschied zwischen Gitarrenkabel und Boxenkabel zusammen:

Gitarrenkabel:

  • Geringer kapazitiver Widerstand, um zu verhindern, dass hohe Frequenzen verloren gehen.
  • Zwei Kupferdrahtadern, eine trägt das Audiosignal, die andere dient als Masse.
  • Gute Abschirmung, um störende Interferenzen zu vermeiden.
  • Robust gebaut mit Zugentlastung.

Boxenkabel/Lautsprecherkabel:

  • Geringer Widerstand, um Verluste beim Audiosignal zu vermeiden.
  • Zwei geschirmte Kupferdrahtadern mit grösserem Durchmesser. Beide tragen Spannung.
  • Robust gebaut.

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Lesermeinungen (4)

zu 'FAQ: Der Unterschied zwischen Gitarrenkabel und Boxenkabel erklärt'

  • Arne Schild
    29. Jun 2010 | 12:57 Uhr Antworten

    Hallo Carlos,

    in Abschnitt 2 schreibst du, dass die Lautsprecherkabel mehr Spannung vertragen müssen und deshalb einen größeren Querschnitt besitzen. Dies stimmt so nicht.
    Lautsprecherkabel haben einen größeren Querschnitt, da durch sie mehr Strom fließt. Die Spannung ist hier nicht das Kriterium.
    Insgesamt geht es darum den Spannungsabfall bei hohen Strömen zu minimieren. Dies wird durch einen kleineren Widerstand (wegen des Kabeldurchmessers) erreicht.

    Gut finde ich aber, dass der technische Dummi und da kenne ich einige, zukünftig hoffentlich bei der Verkabelung mal etwas nachdenkt.

    Grüße
    Arne

  • Carlos (delamar)
    29. Jun 2010 | 13:10 Uhr Antworten

    Danke für den Hinweis und die Richtigstellung!

  • Olaf
    30. Jun 2010 | 17:21 Uhr Antworten

    “Gitarrenkabel benötigen eine Abschirmung, um Störfrequenzen im Funkbereich herauszufiltern, Boxenkabel brauchen das nicht.“

    Das halte ich aber für ein Gerücht! Wieso sollten Boxenkabel keine Schirmung benötigen? Ok, man kann sich vielleicht die Aufnahme nicht mehr versauen, aber wenn es im Monitor rauscht und knistert und “funkt”, kann ich kaum beurteilen, ob die Störungen schon auf der Aufnahme sind oder nicht.

    Ich empfehle sogar dringend, für den Anschluss von Boxen nicht nur geschirmte, sondern symmetrische Kabel zu verwenden (“Stereoklinke”). Diese besitzen, wie Mikrofonkabel auch, 3 Adern. Dadurch ist es möglich, das eigentliche Audiosignal gewissermaßen “doppelt” durch die Leitung zu schicken: einmal “normal” und einmal in der Polarität umgekehrt (Phase = 180°). Trifft ein Störsignal die Leitung, wirkt sich diese Störung auf beide Teile des Signals gleichermaßen aus. Wird nun am Ende der Leitung (im Monitor) das am Anfang (am Audio-Interface oder Verstärker) umgekehrte Signal der einen Leitung wieder zurückgedreht und mit dem nicht gedrehten Signal überlagert, löschen sich die Störsignale gegenseitig aus.

  • Chris
    09. Nov 2011 | 13:11 Uhr Antworten

    @Olaf
    gute Idee aber nicht zu Ende gedacht.
    Es geht hier hauptsächlich um Kabel um den Verstärker mit der Gitarrenbox zu verbinden.
    Da das Ausgangssignal eines Gitarrenverstärkers einen riesigen Pegel hat, im Vergleich zum Ausgang einer Gitarre, ist es einfach egal ob es Einstreuungen von Außen gibt. Der Rauschpegel bleibt immer sehr klein.
    Somit braucht man keine Schirmung.

    Symmetrische Kabel werden auch nur bei kleinen Signalen, wie z.B. Mikrofonsignalen verwendet, damit dort die “kleinen” Signale nicht versaut werden. Auch als Verbindung zu aktiven Boxen lohnt es sich in geschirmte Kabel und/oder symmetrische Verbindungen zu invenstieren.

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