FAQ: Was ist ein Faltungshall?

11
SHARES
FAQ: Was ist ein Faltungshall?

FAQ: Was ist ein Faltungshall?

anzeige

Faltungshall – was ist das?

Mit einem Faltungshall (engl.: »convolution reverb«) bist Du in der Lage, besonders realistische Raumklangeffekte zu erzeugen – er basiert auf einer Aufnahme des Halls in einem echten Raum. Bei einem algorithmischen Halleffekt ist das anders, denn dieser versieht ein Signal aufgrund von mathematischen Strickmustern und quasi »aus dem Nichts« mit einem Raumklang.

Im Folgenden erfährst Du zunächst das Wichtigste über die sogenannte Impulsantwort als Grundlage für den Faltungshall. Weiterhin gibt es Hinweise zu den in vielen DAWs mitgelieferten Faltungshall-Plugins und Links zu kostenlosen Plugins dieser Art für PC & Mac. Anschließend findest Du Links zu kostenlosen Impulsantworten. Schließlich folgen ein paar Einblicke in die Möglichkeiten zur Gestaltung eines Faltungshalls, um ihn für deinen Mixdown nach Gusto zu formen.

 

Die Impulsantwort – Grundlage des Faltungshalls

Eine Impulsantwort (»impulse response«) ist quasi der akustische Fingerabdruck eines echten Raumes, aufgenommen mit einem gewöhnlichen Mikrofon bzw. deren zwei für Stereosound. Der komplette Klangcharakter an der/den jeweiligen Mikrofonposition/-en im Raum ist darin enthalten – mit den Echos (Erstreflexionen) und der anschließenden Hallfahne.

Alternativ können auch Impulsantworten von Hallgeräten erstellt werden. Gerade bei begehrten, hochwertigen Modellen von Lexicon, Bricasti, Eventide & Co. ist das sinnvoll, da somit viele Musiker günstig oder gar kostenlos in den Genuss von feinen synthetischen Hallwelten kommen.

Und schließlich besteht die Möglichkeit, den Sound einer Gitarrenbox in einer Impulsantwort einzufangen. Hier erfährst Du übrigens, wie das geht:

Cab-IR erstellen: Workshop »

Erzeugung einer Impulsantwort

Die herkömmliche Methode basiert auf dem sogenannten Dirac-Stoß. Es handelt sich um einen idealen Impuls: Dessen Dauer geht gegen Null, seine Intensität jedoch gegen unendlich.

FAQ: Was ist ein Faltungshall?

Annäherung an den Dirac-Stoß per Sample-Editor

Annäherungen an dieses Ideal sind sehr kurze, abrupte Geräusche wie ein Pistolenschuss, Händeklatschen oder ein platzender Luftballon. Alternativ kann in einem Audio-Editor eine extrem schlichte Audiodatei erstellt (siehe Bild rechts) und über einen Lautsprecher abgespielt werden.

Mittlerweile haben sich jedoch andere Verfahren etabliert, beispielsweise das Abspielen von weißem Rauschen oder einer in der Tonhöhe logarithmisch ansteigenden Sinuswelle von 20 – 20.000 Hz.

Ist die Aufnahme getätigt, geht es an den Prozess der Faltung mit spezieller Software (englisch: »convolver«), daher auch der Begriff Faltungshall.

Das soll an dieser Stelle genügen – der Prozess der Faltung und die Erstellung von Impulsantworten auf eigene Faust könnten nur in einem eigenständigen Artikel abgehandelt werden. Stattdessen findest Du weiter unten Ressourcen für Impulsantworten aller Couleur – größtenteils kostenlos, von wunderbaren akustischen Umgebungen wie Opernhäusern, Getreidesilos und mehr! … Zu den Impulsantworten »

 

Faltungshall-Plugins

Nun gelangen wir zur Entfaltung, sprich zur Nutzung von Impulsantworten in Faltungshall-Plugins. Viele DAWs liefern bereits ein solches mit, womöglich bist Du also schon gerüstet. Allerdings gilt das oft nur für die vollausgestatteten DAW-Editionen (»Pro«, »Professional«, »Platinum« etc.). Hier ist eine Liste mit einigen Vertretern:

  • Cubase – REVerence
  • Ableton Live – Convolution Reverb Pro (als Teil der Max for Live Essentials)
  • FL Studio – Fruity Convolver
  • Reason – RV7000
  • Studio One – Open AIR
  • Reaper – ReaVerb
  • Pro Tools – Space
  • Sonar – REmatrix Solo
  • Logic – Space Designer

Ein kostenloses und einfach zu bedienendes Plugin für Faltungshalleffekte ist das für Windos erhältliche SIR von Christian Knufinke. Ein Pendant für Windows UND Mac OS ist das HybridReverb 2.

FAQ: Was ist ein Faltungshall?

Das kostenlos für Windows erhältliche Plugin »SIR« von Christian Knufinke

 

Impulsantworten, kostenlos

Hier findest Du kostenlose Impulsantworten von echten Räumen, feinen Halleffektgeräten und Gitarrenboxen aller Art. Achte auf die Beschreibungstexte, denn teilweise darfst Du sie nicht in kommerziellen Produktionen verwenden!

Nach dem Laden der Impulsantwort im Plugin deiner Wahl (suche nach Knöpfen wie »Open« oder »Load«) kann es losgehen.

 

Klanggestaltung – Parameter des Faltungshalls

Die Parameter eines Faltungshalls funktionieren nicht anders als bei einem algorithmischen Hall. Die wichtigsten folgen nun kurz im Überblick:

Pre-Delay – Damit bestimmst Du die zeitliche Verzögerung zwischen dem »trockenen« Ursprungsklang und dem Hallanteil. Je höher der Wert, desto mehr entsteht der Eindruck eines großen Raumes. Denn dort benötigen die von der Klangquelle erzeugten Schallwellen länger, bis sie erstmals von den Wänden reflektiert werden.

So kannst Du das Pre-Delay berechnen »

Attack & Decay – Damit justierst Du die Lautstärkenhüllkurve und damit a) das »Anschwellen« des Halleffekts sowie b) die Länge der Hallfahne.

Dry/Wet – Mit diesem Parameter wird das Verhältnis zwischen Original- und Hallsignal reguliert. Manchmal findest Du diese Parameter zusammengefasst in einem einzigen Regler (für schnelles Ausbalancieren) und manchmal separat (für maximale Kontrolle über Mischverhältnis und Gesamtpegel).

Hoch-/Tiefpassfilter & EQ-Regler – Zur Formung des Timbres deines Halleffekts kommen integrierte Hoch- und/oder Tiefpassfilter sowie EQ-Regler (z.B. 3-bandig für Bässe, Mitten, Höhen) gelegen. In der Musikproduktion bietet es sich oft an, die Bassanteile des Halleffekts abzuschwächen.

Welches Faltungshall-Plugin verwendest Du? Wo und wie setzt Du den Faltungshall ein? Kennst Du feine, womöglich kostenlos herunterladbare Impulsantworten? Wir sind gespannt auf dein Feedback! :)

 

Mehr zum Thema:
                  


Lesermeinungen (6)

zu 'FAQ: Was ist ein Faltungshall?'

  • Donald   06. Okt 2015   09:05 UhrAntworten

    Hallo,
    kann ein normales Delay das Pre-Delay ersetzen ?
    Ich lasse immer das Pre-Delay in den Reverbs weg,
    weil schon ich viel mit Delays im Mix arbeite, um Tiefe zu erzeugen.
    Gruss,
    Donald

    • Felix Baarß (delamar)   06. Okt 2015   13:11 UhrAntworten

      Hallo Donald,

      vorausgesetzt, ich habe kein Brett vor'm Kopf und verstehe deine Frage richtig: Das Pre-Delay beim Faltungshall ist einfach nur die einstellbare Verzögerung zwischen dem Urpsrungssignal und dem aus der Impulsantwort zu generierenden Hall. Mit dem Delay im Sinne eines Echoeffekts hat das nichts zu tun.

      Gruß,
      Felix

  • Raphael   06. Okt 2015   10:46 UhrAntworten

    Das war mir gar nicht so klar, danke für diesen mal wieder brillianten Artikel!

    • Felix Baarß (delamar)   06. Okt 2015   13:03 UhrAntworten

      Freut mich, vielen Dank für's Lesen!

  • Donald   06. Okt 2015   15:08 UhrAntworten

    Hi Felix, Danke für die Antwort.
    Nach kurzer Recherche, fand ich gerade auch raus,
    dass Delay und Pre-Delay nicht dasselbe sind.
    Du hast das ja richtig erklärt und mit einem
    vorgeschalteten Delay erzeugt man eben kein Pre-Delay.

    Irgendwie finde ich das trockene Reverb dennoch sympatischer.
    Man muss weniger orten, weil es so weniger Verzögerungen im Sound gibt.
    Vielleicht angenehmer zu hören ?

    Werde der Thematik jetzt definitiv nachgehen.

  • P.Chris   07. Okt 2015   14:11 UhrAntworten

    Müsste es nicht eigentlich korrekterweise "Entfaltungshall" heißen ?
    Naja, es heißt ja auch nicht "Zitronenentfalter" !

    Zur weiteren Erläuterung von "Pre-Delay" und "Delay":
    Das Pre-Delay bezeichnet die (fachchinesisch) "Anfangszeitlücke" zwischen Direktsignal und Eingriff (durch z.B. Filterungen/Modulationen etc.) ins Direktsignal.
    Dabei hat ein "Pre-Delay" nicht zwangsweise (nur) etwas mit Hall oder Echo etc. zu tun. Das können diverse Pre-Delays wie auch z.B. in einem Kompressor, Limiter, De-Esser usw. sein.
    Das Delay (Verzögerung), das sich ebenfalls nicht nur auf Hall- und Echogeräte bezieht, ist allgemein gebräuchlich mit dem Begriff "Echo" verknüpft.

    In stark perkussiven, rhythmus-lastiger Musik (wie z.B. Popmusik), ist der Einsatz von Echos (Delays) oft die bessere Alternative- um Tiefe, Weite und Abstände zu simulieren, als der übermäßige Einsatz von alles zuklatschenden Hall.

    Ich selbst bin kein so großer Fan von Convolution Reverbs, die ja in diversen Sound Plug-In`s gleich mitgeliefert werden, weil ich sie doch zumeist sehr blechern unnatürlich finde.
    Für manche Instrumentengattungen machen sie sich gut, für andere wiederum sind sie einfach nicht das Gelbe vom Ei.
    Ich greife da lieber für Einzelspuren auf althergebrachte analoge Hardware zurück (Lexicon, Alesis,Zoom) oder auf Software wie den True Verb von Waves.
    Ich finde, das sich so sehr gezielter und kontrollierter in Hallfahnen eingreifen lässt und man mehr Transparenz und Direktheit erzeugt, als alles nur über eine einzige Convolution (mit zwar unterschiedlichen Parameter) laufen zu lassen.

Sag uns deine Meinung!

anzeige

EMPFEHLUNGEN