FAQ: Akustische Rückkopplung – Wie kann ich Feedback vermeiden?

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Akustische Rückkopplung - Feedback vermeiden

Akustische Rückkopplung (Feedback) entsteht durch einen geschlossenen Kreislauf aus Mikrofonierung, Verstärkung und Wiedergabe über einen Lautpsrecher, dessen Schall dann wieder vom selben Mikrofon eingefangen wird - erfahre hier, wie Du sie wirksam vermeiden kannst

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Was ist akustische Rückkopplung und wie klingt sie?

Die akustische Rückkopplung (Feedback) führt zu einem Effekt, der sich in einem unangenehmen, eindringlichen Pfeifen äußert – siehe Klangbeispiel gleich hier unten. Sie entsteht, wenn das von einem Mikrofon aufgenommene Signal verstärkt und so wiedergegeben wird, dass dieser Schall erneut vom Mikro aufgenommen, dann erneut wiedergegeben wird und so weiter. In der Praxis geschieht das auf der Bühne meist im Zusammenspiel von …

  • Mikrofon – Schallwandlung in ein elektrisches Signal
  • Mischpult – Verstärkung des Signals
  • Monitorlautsprecher – Rückverwandlung des Signals in Schallwellen

So entsteht ein geschlossener Kreislauf, in dem sich das Signal durch die akustische Rückkopplung immer weiter »hochschaukelt«. Das Resultat ist ein intensives, gerade bei der Live-Beschallung sehr unangenehmes Pfeifen, das in unterschiedlichen Tonhöhen auftreten kann. Die beteiligte Audiotechnik wird quasi zu einem Oszillator. Hier ist ein Klangbeispiel (Quelle: club sound @ freesound.org [CC BY-NC 3.0]):

Feedback kann erwünscht oder unerwünscht sein. Wir konzentrieren uns auf Letzteres und damit die Möglichkeiten, akustische Rückkopplung zu verhindern.

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Akustische Rückkopplung vermeiden – Was tun?

Damit Feedback keine Chance mehr hat, kannst Du die folgenden Dinge beherzigen. Kombiniere mehrere Maßnahmen, um die akustische Rückkopplung zu verhindern. Unter dem Kasten mit den Stichpunkten findest Du ausführliche Erklärungen.

Feedback aka akustische Rückkopplung eliminieren

  • Abstand zwischen Schallquelle und Mic so gering wie möglich halten
  • Mikrofon mit Richtcharakteristik Niere bzw. Super-/Hyperniere nutzen
  • Ein anderes Mikrofon mit Richtwirkung verwenden
  • Bühnenmonitor passend zum Mikrofon ausrichten
  • Grafischen EQ zum Abschwächen von Feedback-Frequenzen nutzen
  • Feedback-Unterdrücker verwenden
  • Gitarre & Bass direkt einspeisen
  • In-Ear-Monitoring statt Bühnenlautsprecher nutzen
  • Abstand zwischen PA-Lautsprecher und Mikrofon vergrößern
  • Dicken Vorhang o.Ä. als Schalldämpfer an der Rückwand nutzen

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Details zu den Methoden gegen akustische Rückkopplung

Halte den Abstand zwischen Schallquelle und Mikrofon so gering wie möglich

Gerade wenn die Stimme nicht sehr kräftig ist: Sprich, sing oder spiel so nah wie möglich an der Mikrofonkapsel. Dann muss der FOH-Techniker das Signal am Mischpult nicht so kräftig vorverstärken, was die die Feedback-Wahrscheinlichkeit reduziert.

Nutze ein Mikrofon mit Nierencharakteristik

Die Empfindlichkeit von Mikrofonen mit einer Richtwirkung (kurz: Richtmikrofone) variiert je nach Winkel des auftreffenden Schalls. Das kannst Du dir im Zusammenspiel mit der Raumakustik und der Ausrichtung der Monitorboxen (siehe unten) zunutze machen. Verwendest Du hingegen ein Mikrofon mit Kugelcharakteristik, ist die Feedback-Gefahr am größten. Hier wird der Schall aus allen Richtungen um die Mikrofonkapsel herum gleichstark aufgenommen, es gibt also keinerlei Gestaltungsspielraum.

Richtcharakteristik Niere

Nierencharakteristik

So könnte man von einem Mikrofon mit der Richtcharakteristik »Niere« stark vereinfacht sagen, dass es »nur von vorne aufnimmt«. Klänge, die seitlich und vor allem von hinten auftreffen, sind deutlich leiser.

Mikrofone mit einer Super- oder Hypernierencharakteristik blenden Geräusche von den Seiten noch stärker aus – Feedback-Gefahr durch Klängen links und rechts vom Mikrofon werden vermindert. Allerdings weisen sie anders als normale Nieren hinten eine gewisse Empfindlichkeit auf (»rear lobe«), was Du bei der Konstellation mit dem Bühnenmonitor (siehe unten) berücksichtigen musst.

Warum ein anderes Mikrofon verwenden?

Zwei Mikrofone gleichen Typs – z.B. aus der Sparte Dynamisches Mikrofon mit Nierencharakteristik –, können unterschiedlich anfällig für Feedback sein. Im Schnitt sind höherwertige Mikrofone (ab ~100 Euro) besser gerüstet. Auch empfiehlt es sich, auf etablierte Marken wie Shure, AKG und beyerdynamic zu setzen.

Wie lässt sich der Bühnenmonitor in Relation zum Mikrofon ausrichten?

Richte den Bühnenmonitor genau so aus, dass er auf den umepfindlichsten Punkt in der Richtcharakteristik des Mikrofons im Stativ zielt. Oder besser: Winkle das Mikro entsprechend an – mit dem Gelenk der Klammer am Mikrofonstativ ist das einfach möglich.

Bei einem Mikrofon mit Nierencharakteristik muss der Handgriff exakt senkrecht zur Oberfläche des Bühnenmonitors positioniert werden. Bei einem Mikrofon mit Super- oder Hyperniere ist aber genau in diesem Winkel noch eine gewisse Empfindlichkeit vorhanden. Daher musst Du das Mikro mehr oder minder waagerecht zum Bühnenboden auszurichten, sofern der Bühnenmonitor den Sound im klassischen 45-Grad-Winkel zu dir hin abstrahlt.

Was tun gegen bestimmte Feedback-Frequenzen?

Generell steigt beim Aufdrehen eines Equalizers die Feedback-Wahrscheinlichkeit, da die Lautstärke in einem bestimmten Frequenzbereich erhöht wird. Werden Mikrofone und/oder Lautsprecher mit deutlich akzentuierten Frequenzbereichen genutzt (besonders in den oberen Mitten und Höhen), steigt die Gefahr für akustische Rückkopplung ebenfalls.

In diesem Fall könnte ein EQ wiederum hilfreich sein, schließlich dient er auch zum Abschwächen von überbetonten (Feedback-)Frequenzen. Allerdings ist dazu in aller Regel ein eigenständiger grafischer EQ nötig, da er die nötige Anzahl an justierbaren Frequenzbändern (typisch sind 31 Bänder) für gezielte Eingriffe bietet. Alternativ kannst Du …

Einen Feedback-Controller nutzen

Dieses Audiogerät soll akustische Rückkopplung automatisch verhindern. Es wird zwischen den Ausgang des Mischpults und die PA-Anlage geschaltet. Die Einrichtung erfolgt so: Beim Soundcheck wird die Mikrofonvorverstärkung voll aufgedreht, bis es zum Feedback kommt. In diesem Moment misst das Gerät die Feedback-Frequenz und erstellt einen entsprechenden Filter, um das Signal an genau dieser Frequenz abzuschwächen. Die Filter sind so schmalbandig, dass sie kaum einen Einfluss auf den Charakter der Musik haben.

Feedback aka akustische Rückkopplung vermeiden mit einem Feedback-Controller - dbx AFS2

Akustische Rückkopplung vermeiden – das geht automatisch mit einem Feedback-Controller wie dem dbx AFS2

Gerade im Amateursektor oder im semiprofessionellen Bereich werden Feedback-Controller gerne genutzt, um akustische Rückkopplung zu unterdrücken. Insbesondere bei wechselnden Vokalisten während einer Performance und/oder beim Bewegen des Mikrofons auf der Bühne können sie nützliche Dienste leisten. Sie werden auch »Feedback-Killer«, »Feedback-Eliminator« oder »Feedback-Destroyer« genannt.

Gitarre & Bass direkt einspeisen (via DI-Box oder Hi-Z-Input)

Jedes zusätzliche Mikrofon im Rig ist ein potentieller Herd für Feedback, also warum nicht auf ein oder zwei Mikros verzichten? Zumindest beim E-Bass sollte das das geringste Problem darstellten – hier ist die DI-Abnahme des Signals eine musikalisch akzeptierte, etablierte Alternative zur Mikrofonierung einer Bassbox.

Du bräuchtest also ein Mischpult mit mindestens einem hochohmigen Eingang (meist mit »Hi-Z« oder »Ins« beschriftet bzw. als Modus auf einem Line-Eingang zuschaltbar). Oder eine DI-Box.

In-Ear-Monitoring statt Lautsprecher nutzen

In-Ear-Kopfhörer sind eine echte Alternative zu Monitorlautsprechern (»Wedges«) geworden. Sie eliminieren eine der Hauptquellen für akustische Rückkopplung auf der Bühne und im Proberaum.

Das setzt eine gewisse Aufgeschlossenheit voraus – der direkte, nahe Sound von Ohrhörern (in Verbindung mit einer gewissen Abschottung vom Raum) kann sehr gewöhnungsbedürftig sein. Trotzdem: Ausprobieren lohnt sich immer. Alles dazu findest Du hier:

Haben Lautsprecher auf der Bühne ausgedient? » In-Ear-Monitoring statt Wedges

Vergrößere den Abstand zwischen PA-Lautsprechern und Mikrofon

Die PA-Lautsprecher zur Beschallung des Publikums sollten so weit wie möglich vor dem Mikrofon stehen. Anders gesagt: So nah wie möglich am Publikum.

Außerdem sollten sie so gedreht werden, dass ein möglichster großer Teil des Abstrahlwinkels der Boxen genau auf die Zuhörer zielt. Das reduziert die Schallreflexionen von Wänden und Decke, die zum Mikrofon zurückgeworfen werden.

Nutze einen dicken Vorhang o.Ä. als provisorischen Schalldämpfer im Rücken

Eine mehr oder minder glatte, massive Wand gleich hinter der Band reflektiert den Schall besonders stark in den Raum zurück. Und damit auch in die Einsprechrichtung des Mikrofons. Etwas Abhilfe schafft ein möglichst großer, schwerer und dicker Vorhang.

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Lesermeinungen (2)

zu 'FAQ: Akustische Rückkopplung – Wie kann ich Feedback vermeiden?'

  • oboe   07. Feb 2017   10:24 UhrAntworten

    "Hypernieren haben eine stärkere Richtwirkung und sind daher unempfindlicher gegen Rückkopplungen" stimmt so leider nicht: diese haben einen so genannten "Rear-Lope", nehmen also von hinten auf. Während also eine Niere auf einem Stativ nach oben geneigt wunderbar vor einen Bodenmonitor gestellt werden kann (von hinten gibt es eine gute Dämpfung), sollte bei einer Hyperniere der Bodenmonitor seitlich platziert werden, sinnvoll z. B. bei Sängern mit 2 Monitoren.

    Ansonsten - wie immer - viele nützliche Tipps!

    Zur Diskussion: in kleinen Räumen: wie laut dürfen/müssen die Gitarrenamps? Zu laut zerstört es den Gesamtklang, zu leise ist am Mikro zu wenig Direktschall und ein Koppeln ist immer zum Greifen nah... wie händelt Ihr das? (Fragt man den Gitarristen, dann spielt er immer laut :-))

    • Felix Baarß (delamar)   07. Feb 2017   11:02 UhrAntworten

      Hallo oboe,

      korrekt, das hätte ich exakter formulieren müssen (wird gleich noch gemacht). Ich werde bei Gelegenheit auch eine Grafik anfertigen, die die empfehlenswerten Platzierungen von Mikro & Bodenmonitor jeweils für Niere vs. Hyperniere zeigen - mit eingezeichneten Richtcharakteristika, wo diese »Rear-Lope« (danke übrigens für den Begriff!) zu sehen sein wird.

      Danke und beste Grüße,
      Felix

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