Seit heute Nachmittag ist es offiziell: Die Musikmesse Popkomm 2009 wurde von den Veranstaltern abgesagt. In der offiziellen Pressemeldung wird auf die schwierige Branchenlage verwiesen, Dieter Gorny fasst es so zusammen: “Viele Unternehmen können es sich wegen des Diebstahls im Internet nicht mehr leisten, an der Popkomm teilzunehmen”.

Popkomm 2009 abgesagt: Internetpiraterie schuld!

Schnell hat Messemitbegründer Dieter Gorny also seinen präferierten Sündenbock auch hier einspannen können. Die offizielle Pressemitteilung lässt aber anderes vermuten: “Was sich bereits zum Jahresanfang auf der Midem in Cannes zeigte, deutet sich auch für die Popkomm in Berlin an. Trotz positi-ver Resonanz auf die neue Veranstaltungslocation und befriedigender Buchungen der Aussteller rechnen wir wegen der Wirtschaftslage mit einem erheblichen Rückgang der Fachbesucher. Aus Verantwortung gegenüber den Ausstellern haben wir uns daher entschlossen, die Popkomm für ein Jahr auszusetzen“.

Anscheinend haben befriedigende Buchungen eben nicht ausgereicht, um die diesjährige Popkomm 2009 durchzuziehen. Ein Rückgang der Besucher kann natürlich vielerlei Gründe haben, die unterschiedlichsten Kommentare auf Twitter lassen da ja einiges durchscheinen. Ein belustigender Tweet von mietgeist sei hier mal erwähnt: “Vielleicht wollte auch keiner zur Popkomm, weil sie sich alle im Jury-Casting für DSDS befinden”

Dieter Gorny jedenfalls versäumt keinen Anlass, seine Botschaft loszuwerden. So sei die digitale Krise auch bei der Musikwirtschaft durchschlagend und daher könnten die politisch Verantwortlichen die Absage als Aufforderung sehen, mehr gegen die Internetpiraterie zu tun.

Die kreativen Geister im Musikbusiness sehen die hahnebüchene Begründung für die Absage der Popkomm 2009 eher kritisch. So sagt zum Beispiel Tim Renner, Chef von Motor Entertainment, in einem Interview mit der “Welt Online”, dass man versäumt habe, sich zu wandeln. Die Begründung der Veranstalter zeige mal wieder, dass die Musikindustrie nicht lösungsorientiert denke, sondern seine Zeit damit vergeude, vermeintlich Schuldige zu finden.

Der erfolgreiche Konzertveranstalter Marek Lieberberg aus Frankfurt kommentierte gegenüber “Musikmarkt”, beim aktuellen Konzept der Popkomm wäre ein Aus für die Messe nur eine Frage der Zeit gewesen. Stattdessen sprach sich Lieberberg dafür aus, die Musikmesse Frankfurt in Zukunft auszubauen.

Die Popkomm galt bisher als einer der wichtigsten Treffs der Musikbranche und war vom 16. bis 18. September in Berlin geplant. Wir können gespannt sein, ob wir die Popkomm 2010 tatsächlich noch erleben werden.