Musik verwalten und sortieren mit iTunes

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Es spielt keine Rolle, ob Du schon lange hinter den Decks stehst oder erst kürzlich mit dem DJing begonnen haben solltest, im Zeitalter des digitalen Plattenkoffers hat sich vieles grundlegend verändert. Während die virtuelle Plattenkiste immer kompakter wird, wächst die ebenso virtuelle Plattensammlung exponentiell. Irgendwann gelangst Du an den Punkt, an welchem dich der Gedanke: »Sh&%, wie war noch gleich der Name von diesem Lied – das würde jetzt perfekt passen« ereilt.


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Mit der Einführung digitaler DJ-Software haben sich zwar die Kreativitätsmöglichkeiten für uns digitale Plattenaufleger deutlich gesteigert. Die gute alte Plattensammlung wurde allerdings auf eine Datenbank reduziert und wird nun auf einem Bildschirm in Tabellen abgebildet, die dir in vielen Fällen die Suche nach dem »richtigen« Song nicht zwingend vereinfachen. Bei MP3 & Co. fehlen daher oft die visuelle Verbindung zum Plattencover und der physikalische Platz, an dem sich die auserwählte Scheibe in der Plattentasche befindet. Kurzum: Ohne den richtigen Tag (sprich »Tägg«, englisch für Etikett) für die Suchfunktion geht heute nichts mehr.

Musik verwalten und sortieren mit iTunes

In diesem DJ Workshop stellen wir dir eine in der Praxis erprobte Methode vor, wie Du mit Hilfe von iTunes (sowie ein bis zwei anderen Tools) deine Sammlung auf der Festplatte dermaßen in Schuss hältst, dass Du den richtigen Song immer zur richtigen Zeit finden wirst.

 

Die Sache mit der Masse – Musik verwalten

Vor nicht allzu langer Zeit noch habe ich meine Plattentaschen mit maximal 100 Vinyls gefüllt und mich schwer bepackt auf den Weg zum Gig gemacht. Heute beschränkt sich meine Plattentasche auf ein 13″ großes MacBook, das bedeutend weniger wiegt als meine alte Plattenkiste. Doch damit war auch diese leider dahin: meine Sortierlogik, die sich wunderbar in das Regal eines schwedischen Möbelherstellers packen ließ.

Zwei einfache Regeln sorgen für Ordnung von Beginn an

Sowohl digitale Vinylsysteme als auch die seit einiger Zeit überaus erfolgreichen DJ-Controller bringen für viele eine echte Herausforderung mit sich: Die Festplatte wird ziemlich schnell im wahrsten Sinne des Wortes mit Musik zugemüllt, was das Auffinden des einen richtigen Tracks im Eifer des Gefechts maßgeblich erschwert.

Deswegen habe ich für meine Musiksammlung zwei einfache Regeln aufgestellt, die dir ebenfalls helfen werden:

1. Lieder werden nicht automatisch in die Musiksammlung aufgenommen.
Nimm dir genügend Zeit, jeden Song im Vorfeld gründlich anzuhören, um erst danach zu entscheiden, ob er überhaupt in dein Set passt. Nur weil gerade jeder DJ in deiner Stadt den Song XYZ in den Clubs rauf und runter spielt, heißt das noch lange nicht, dass dieser Track in deine Sammlung gehört. Grundsätzlich gilt nämlich:

2. Nur das, was dir zu 100% gefällt, wandert in deine Sammlung.
Das hat den Vorteil, dass Du am Ende nur die Songs, Remixe und Edits in deiner Datenbank haben wirst, die dir wirklich sehr gut gefallen und Du nie aus Verlegenheit einen zweitklassigen Track im Set spielen musst. Außerdem wird sich damit dein persönlicher, unverwechselbarer Stil ausprägen, da kein zweiter DJ auf dieser Welt genau denselben Geschmack hat. Und: Die Menge an Songs auf deiner Festplatte bleibt halbwegs überschaubar.

Musik sortieren mit iTunes gratis

Kostenlos & effizient: iTunes zum Musik sortieren

Um meine Musiksammlung in Schuss zu halten, nutze ich das Programm iTunes, das kostenlos beim Hersteller für Mac OS und Windows zum Download bereitsteht. Der Grund ist pragmatischer Natur: Nur um meine Musik anzuhören oder zu sortieren, möchte ich nicht auf eine spezielle DJ-Software zurückgreifen. Diese mag für das Auflegen selbst optimal sein, für eine Sortierung oder das einfache Anhören der eigenen Sammlung ist sie aber mitnichten so gut wie iTunes selbst – mal ganz zu schweigen von den intelligenten Playlisten (dazu später mehr).

Durch die breite Verfügbarkeit von iPods & Co. ist iTunes der Quasi-Standard

Und auch ein weiterer Punkt spricht ganz klar für die Nutzung von iTunes: Der Zugriff auf die Datenbank dieses Programms ist durch die große Verbreitung von iPods & Co. inzwischen in praktisch jede gängige DJ-Software integriert. Sprich, alles was Du in iTunes an Playlisten und Sortierungen anlegst, kann ebenfalls aus der DJ-Software deiner Wahl abgerufen werden.

Sollte dir iTunes nicht zusagen, kannst Du natürlich auch jedes andere Musikprogramm nutzen. Dieser DJ Workshop beschreibt den Vorgang einer sinnvollen Musiksortierung an sich und kann sicherlich auch dann für dich nützlich sein, wenn Du eine alternative Lösung nutzt. An einigen Stellen greife ich in der Erklärung allerdings auf spezifische iTunes-Funktionen zurück. Diese musst Du dann sinngemäß auf die Funktionen der Software deiner Wahl übertragen.

Musik sortieren: Schritt für Schritt

1. Key analysieren

Bevor meine Lieder in die iTunes Datenbank importiert werden, analysiere ich den sogenannten Key eines jeden Songs, also seine Tonart. Spielt man Musikstücke gleicher oder verwandter Tonart gleichzeitig, so hört sich das sehr gut an (Stichwort: Harmonic Mixing). Es gibt in der westlichen Musik 24 Tonarten, die in zwölf Moll- sowie zwölf Dur-Tonarten unterteilt und für DJs auf Basis des so genannten Quintenzirkels von 1A bis 12A (Moll) und von 1B bis 12B bezeichnet werden.
Die Theorie dahinter nennt sich Harmonic Mixing und bietet genügend Stoff für ein ganzes Kapitel oder gar ein Buch, hier bleiben wir dabei, dass im ersten Schritt die Tonart bzw. der Key eines jeden Tracks herausgefunden werden soll, bevor wir diesen in iTunes importieren.

Ein Weg wäre, mit einem Instrument die Tonart herauszufinden, aber ich möchte nicht den halben Tag nur damit verbringen, den passenden Key zu finden. Glücklicherweise gibt es hier nützliche Tools wie das Programm KeyFinder, das kostenfrei für Windows und Mac OS X erhältlich ist (http://ibrahimshaath.co.uk/keyfinder/) und den Key direkt in meine ID3-Tags schreibt. Als kostenpflichtige Alternativen stehen noch Mixed in Key (www.mixedinkey.com) oder auch beaTunes (beatunes.com – nur OS X) zur Verfügung.

Tonart herausfinden - Musik verwalten & sortieren

Tonart herausfinden – Musik verwalten & sortieren

In den Einstellungen lege ich fest, dass mir das Programm die Keys in gewisse Parameter der ID3-Tags schreibt und zwar folgendermaßen: Ich nutze den die Tags »Grouping« und »Key«. Da iTunes letzteren nicht lesen kann, lasse ich den zweiten Tag zusätzlich damit ausfüllen. Auf diese Weise kann ich selbst in iTunes später die Tonart eines Musikstücks schnell bestimmen und in anderer Software lese ich einfach den Key-Tag aus.

Taggen - Musik verwalten sortieren

Taggen – Musik verwalten sortieren

Ist die Analyse der neuen Tracks durch das kleine Tool komplett durchgeführt, schreibt das Programm die Keys in die von mir benannten Tags – so einfach kann das Leben sein.

 

2. Hinzufügen zu iTunes

In der Standardeinstellung zieht iTunes ganz automatisch eine Kopie des Songs in den definierten Ordner »iTunes Media« und legt zusätzlich Verzeichnisse für Interpret und Album an. Da ich aber gerne selbst die Ordnerstruktur meiner Musiksammlung bestimmen möchte, deaktiviere ich die beiden Checkboxen. Wer möchte, lässt iTunes zusätzlich eine Kopie der der Files im Media-Ordner anlegen. Dies ist zum Beispiel dann sinnvoll, wenn deine Musikbibliothek auf einer externen Festplatte verwaltet werden soll.

Bevor die Songs in iTunes importiert werden, empfehle ich, nachstehende Voreinstellungen anzuwählen:

Einstellungen für den Import in iTunes

Einstellungen für den Import in iTunes

Jetzt ist es Zeit, deine neu gekauften Lieder, die bereits mit dem Key-Tag versehen sind, zu deiner iTunes-Bibliothek hinzuzufügen und anschließend ausführlich zu taggen (neudeutsch für etikettieren), so dass später jeder Song auffindbar bleibt. Ich habe mir zur Erinnerung einen Post-it an den Kühlschrank geklebt: Eine sauber getaggte Musiksammlung ist das A und O für jeden DJ – alles andere wäre wie ein Plattenkiste voller nicht beschrifteter White Labels (das waren Vinyl-Vorpressungen, die noch nicht in Serie gegangen waren).

In der Praxis hat sich bewahrheitet, dass mindestens die Felder Name, Artist und Genre ausgefüllt sein sollten, die Kommentare kannst Du später immer noch hinzufügen. Zum Thema Genre machst Du dir am besten eine Liste, wie Genres und Subgenres gehandhabt werden sollen. In meinem Beispiel seht ihr, dass alles was unter House läuft, auch damit beginnt und mit einem Subgenre endet.

Kategorie aussuchen - Musik verwalten mit iTunes

Kategorie aussuchen – Musik verwalten mit iTunes

Mein Song passt nicht nur in eine Kategorie, was soll ich tun?

Nicht gerade ungewöhnlich, denn oft lässt sich ein Song nicht nur in eine Kategorie einordnen. iTunes bietet dir die Möglichkeit, diese Information in zahlreichen weiteren Feldern (Tags) unterzubringen. Da wir zuvor den Tag Grouping bereits mit dem Key belegt haben, nutzen wir jetzt einfach das Feld Show unter dem Reiter Video, um diese Information zu hinterlegen.

Kategorisieren von Songs

Kategorisieren von Songs


3. Dateien umbenennen – Musik sortieren

Oft haben deine Tracks Dateinamen, die Du mit allem möglichen verbinden kannst, nur nicht mit dem eigentlichen Song. Um auch im Finder oder in seinem Äquivalent für Windows, dem Explorer, noch vollen Durchblick zu haben, gilt es, die Dateien ordentlich zu benennen. Der Bequemlichkeit halber nutze ich hierzu ein Tool, das mir aus den im vorherigen Schritt vergebenen ID3-Tags die Dateinamen automatisch zusammensetzt und die Tracks entsprechend umbenennt.

Auf dem Mac nutze ich hierfür das Programm TuneInstructor (www.tune-instructor.com). Für meine Musiksammlung habe ich die Dateinamen wie folgt auf Basis der ID3-Tags vergeben lassen:

Grouping _ Artist_-_Name-[Genre]

Damit kann ich bereits die wichtigsten Informationen aus dem Dateinamen ziehen. In der Praxis sieht das im Finder bzw. Explorer so aus:

Dateinamen im Finder

Dateinamen im Finder

4. Ordnerstruktur

Auch auf der Festplatte soll das Ganze noch schön ordentlich sein, falls mal die Datenbank versagen sollte. In einem solchen Fall haben wir damit immer noch eine gute Ordnung. So sieht das von mir festgelegte System aus:

~Music\\House - House\\1A\\1A _ a5_-_I Have A Dream (Original Mix)-[House - Deep].mp3

Der Teil ~Music zeigt hierbei auf das Verzeichnis Music in meinem Benutzerordner. Innerhalb dieses sortiere ich die gesamte Musik in unterschiedliche Hauptgenres. Gleich, ob ein Musikstück zum Genre Deep House, Tech House oder Tribal House gehört, alles wird in den Ordner House – House abgelegt. Entsprechend verfahre ich mit den anderen Genres.

Um innerhalb eines Ordners nicht irgendwann den Überblick zu verlieren, sortiere ich die Tracks entsprechend der Tonart in Unterordner. Viele DJs nutzen hier nicht den Key, sondern sortieren gerne nach der Geschwindigkeit in BPM.

Die Ablage in unterschiedliche Ordner hat den Vorteil, dass ich einen groben Überblick behalte, auch wenn meine Datenbankfunktion einmal versagen sollte oder ich meine Musiksammlung schnell zu Freunden mitnehme, wo mein Rechner gerade nicht griffbereit ist. Das Spielen eines sauberen Sets ist dann noch immer möglich.

5. Anlegen von Smart Playlists

Nachdem die ganze Fleißarbeit getan ist, geht es nun endlich ans Eingemachte. Wie bereite ich meine Playlists so auf, dass ich leicht und schnell alle meine gewünschten Songs finde? Hierzu nutzen wir die Funktion Smart Playlists in iTunes. Die Idee dahinter ist, dass ich nicht jeden neu gekauften Song manuell in meine Playlists verschieben möchte, sondern dies automatisiert geschehen soll. Playlisten nutze ich gerne der Übersichtlichkeit halber, denn bei vielen Subgenres und im Laufe der Zeit verliert man gerne mal den Faden.

Zum Anlegen einer Smart Playlist gehst Du über den Reiter Datei oder nimmst die passende Tastenkombination (OS X: ALT + CMD + N; Windows: SHIFT + PLUS klicken). Jetzt kannst Du der Playlist deine Kriterien zuordnen.

Ein einfaches Beispiel zu Beginn: Eine Playlist mit Liedern, die ausschließlich dem Genre House – Deep zugeordnet sind.

Smart Playlist in iTunes

Smart Playlist in iTunes

Der Haken bei Live updating bewirkt, dass neu hinzugefügte Songs aus diesem Genre automatisch der Liste angefügt werden. Wie wir uns erinnern, sind manche Songs erst im zweiten Genre als Deep House von mir gekennzeichnet worden und zwar im Feld Show.

Um auch diese Songs zu unserer automatischen Playlist hinzuzufügen, erweitern wir unsere Bedingung (das kleine Pluszeichen rechts) wie folgt:

Automatisch Musik verwalten in iTunes mit Smart Playlists

Automatisch Musik verwalten in iTunes mit Smart Playlists

Dieses Spiel können wir endlos spielen und unsere Playlists nach Belieben aufbauen lassen. Viele nutzen wahrscheinlich die Bewertung mit Sternen in iTunes, um Prioritäten zu vergeben.

Die besten Tracks werden beispielsweise mit 4-5 Sternen bewertet und sollen in eine eigene Playlist wandern? So geht das:

Intelligente Sortierung mit Bewertung

Intelligente Sortierung mit Bewertung

Diese Playlist liefert mir nur Tracks aus, die mit vier oder fünf Sternen bewertet wurden und zusätzlich im Bereich von 100 – 120 BPM liegen.

6. Die Verbindung zur DJ-Software

Als DJ Software nutze ich Traktor Studio. Richtig, das kann von Hause aus keine intelligenten Playlisten erstellen – aber dafür auf iTunes zugreifen und damit auf meine Smart Playlists. Ich kann mit einem Klick meine Playlists in Traktor importieren.

Smart Playlist in Traktor importieren

Smart Playlist in Traktor importieren

Das geht sehr einfach, aber einen kleinen Haken hat das Ganze dann doch noch. Nachdem Du iTunes mit neuen Songs gefüttert hast, musst Du die Playlist erneut importieren.

Du wirst dich vielleicht fragen, warum ich nicht einfach die gesamte Datenbank importiere? Ich trenne strikt zwischen der Clubmusik zum Auflegen und der loungigen Jazz-Nummer für den entspannten Abend mit einem Glas Wein, die nichts in Traktor zu suchen hat. Die Playlisten helfen mir nicht nur schnell auf die richtigen Genres und Titel zuzugreifen, sie helfen mir auch, dauerhaft Ordnung in der Datenbank zu halten.

7. Ein Wort zum Thema Backups

Nichts ist ärgerlicher als zwei Wochen lang die eigene Musiksammlung umsortiert zu haben und im Anschluss alles wegen eines Fehlers auf der Festplatte zu verlieren; ich habe das erlebt. Bitte mach deswegen immer regelmäßige Backups. Externe Datenspeicher sind nicht allzu teuer und sie können dir jede Menge Ärger ersparen – vor allem, wenn der Gig in einer Stunde losgehen soll.

Zum Abschluss noch einmal der Ablauf für das Musik verwalten für deine DJ Sets in der Übersicht:

  1. Neue Songs in separaten Ordner legen.
  2. Mit KeyFinder oder einem vergleichbaren Programm die Tonart analysieren und in die Meta-Tags eintragen.
  3. Import in iTunes und anschließende gründliche Vergabe von Tags.
  4. Umbenennung der Dateien mit einem entsprechenden Tool.
  5. Verschieben der Dateien in die richtigen Ordner auf der Festplatte.
  6. Update der Library und der Playlists in der DJ-Software deiner Wahl.
  7. Ein Backup machen. Jetzt.

Musik sortieren mit iTunes

Letzte Gedanken zum Musik sortieren

Mit dieser Methode hast Du eine exzellente Ausgangsbasis für die Sortierung deiner Tracks. Es ist die, die ich selbst verwende. Jeder kann nun für sich seinen eigenen besten Weg finden und alles bzw. nur Teile dieses Guides übernehmen oder gleich sein ganz eigenes System anwenden. Auf jeden Fall ist es ein guter Ansatzpunkt, der sich für mich in der Praxis bewährt hat.

Und jetzt geht es ab in die Booth…


Von Jurij Pfeiffer