Wenn Du mit der Zeit gehen und mehr als nur einfach nur zwei Tracks ineinander mixen möchtest, hast Du heute viele Möglichkeiten für kreatives DJing. Deine Live-Performances lassen sich mit aktueller Technologie ganz nach eigenen Ideen formen und verändern. So lassen sich mit einem DJ MIDI Controller, einem spezialisierten Effektgerät für DJs oder sogar Klangerzeuger Samples triggern, Beats selber machen, Effekte steuern und Melodien in allen erdenklichen Klängen spielen.

Kreatives DJing - Samples triggern

Nutze Pads mit Velocity für mehr Ausdruck

In diesem Artikel über kreatives DJing wirst Du erfahren, mit welchen DJ-Tools und sonstigen Werkzeugen dir das bei deinen Performances und Gigs gelingt – im Hinterkopf immer die Stimmung und die tanzende Menge. So geht es los mit dem Triggern von Samples während deines Live-Sets, das gefühlvolle Nutzen von Effekten für die Tanzfläche bis hin zum Einbauen echter Melodien und eigenen Arrangements bekannter Songs on-the-fly.

Samples triggern

Das Abfeuern von Samples stellt eine der einfachsten Möglichkeiten dar, die laufenden Tracks aufzupeppen. Schon vor vielen Jahren erschienen die ersten DJ-Mixer mit Knöpfen zum Abfeuern vorgefertigter Samples. Für kreatives DJing ist das freilich weniger interessant als die moderne Variante: Mit einem MIDI-fähigen Mixer oder Controller, der über Pads verfügt, spielst Du eigene Samples, die Du zuvor in jedem guten DJ-Programm auswählen kannst.

Bei vielen Geräten wird die Anschlaghärte (»Velocity«) registriert – je nachdem, wie hart Du ein Pad antippst, verändert sich die Lautstärke des getriggerten Samples. Das ist jedenfalls die klassische Zuweisung, doch darüber hinaus gibt es noch viel mehr – beispielsweise lässt sich erreichen, dass mit ein und demselben Pad bei unterschiedlichen Schlaghärten jeweils andere Samples getriggert werden.

Dadurch kannst Du etwa ein Schlagzeug simulieren, denn ein sacht angeschlagene Snare Drum klingt nicht nur leiser, sondern auch klangcharakterlich völlig anders als eine, die mit viel Schmackes getrommelt wurde. Hier verschwimmt als die Grenze zum Beats machen, was wieder ein Thema für sich wäre.

Mit einer Funktion namens »Roll« oder »Drum Roll« wird ein Sample übrigens so lange in einer Schleife wiederholt, bis Du das Pad loslässt. Die typischste Anwendung dafür ist wohl nach wie vor der Snare-Wirbel.

 

Effekte steuern

Mit einem fortgeschrittenen DJ-Mixer kannst Du heute auch Effekte wie Echos (»Delay«), Hall (»Reverb«) und mehr einsetzen, Erstere oft sogar im Takt mit dem Beat der aufgelegten Musik. Mit speziellen Effektgeräten für DJs sind in der Regel aber noch ausgefeiltere, dramaturgisch stärker differenzierte Effektarten möglich. Darüber hinaus lassen sie sich über größere Drehregler (»Potis«) und mehr Platz zwischen den Bedienelementen oft komfortabler steuern als die Alleskönner-Mixer.

Schließlich gibt es noch universell einsetzbare MIDI-Controller mit Drehreglern und anderen Werkzeugen, die sich zur Effektkontrolle eignen – manche bieten alles in einem, also neben den Drehreglern auch Pads (siehe oben), Fader (Schieberegler) und eine Klaviatur zum Spielen von Melodien und Akkorden (siehe unten).

Kreatives DJing - Effekte steuern

Dann gibt es noch Geräte mit Touchpads – berührungsempfindliche Kontrollfelder, wie Du sie von Laptops zur Steuerung des Mauszeigers kennst. Bei diesen lassen sich gleich zwei oder mehr Effekteinstellungen gleichzeitig über die Position und den Bewegungen deiner Fingerspitze(n) regeln. Das ist noch nicht alles: Mittlerweile gibt es sogar DJing-Controller, die über Lagesensoren und Geschwindigkeitsmessungen eine Bewegungssteuerung von Effekten ermöglichen.

Wenn Du ein DJ-Programm mit der Option zur VST-Einbindung nutzt, bist Du nicht auf die Effekte bestimmter Geräte bzw. die der DJ-Software beschränkt. Denn über Plugins kannst Du mit deinem Controller alle Arten von Audioeffekten in Software-Form nutzen und endgültig die volle Kontrolle über den Sound erlangen.

Melodien und Akkorde spielen

Mithilfe von Akkordfolgen und Melodien kannst Du nicht nur »würzende« Elemente (Samples) einstreuen oder auf dem vorhandenen Klangmaterial aufbauen (Effekte). Vielmehr bereichern eigens eingespielte Tonfolgen und Harmonien deine Performance im Idealfall um etwas ganz Neues. Dafür brauchst Du entweder einen Controller oder einen eigenständigen Klangerzeuger (Synthesizer, Keyboard, …) mit Tastatur. Auch Pads können zum Spielen von Noten dienen, aber das ist eher eine Notlösung.

Kreatives DJing - Melodien & Akkorde spielen

Im Falle eines Controllers brauchst Du noch Synthesizer Software bzw. ein virtuelles Instrument in Form eines Plugins, dessen Töne Du mit den Tasten spielst. Für diese klangerzeugenden Musikprogramme benötigst Du wiederum ein Programm, das als sogenannter »Host« dient – praktisch jede DAW-Software oder spezialisierte, für Live-Performances ausgelegte Programme bieten diese Möglichkeit.

Einen Controller kannst Du leichter in dein Setup integrieren, wenn Du zu einem sehr kompakten Gerät mit zwei Oktaven, also 25 Tasten greifst – der Markt liefert mittlerweile eine Fülle von geeigneten Klein-Controllern, die sich für kreatives DJing gut einen.

 

Clips triggern

Ableton Live hat es eingeführt, mittlerweile findest Du es auch in Sonar und FL Studio sowie in abgespeckter Form auch in einigen DJ-Programm – es geht um Clips. Der dahintersteckende Gedanke kommt der rein live-orientierten Arbeitsweise am DJ-Pult nahe. Es ist eine andere Philosophie, als Audio- oder MIDI-Spuren auf einer Zeitleiste linear abzuspulen zu lassen.

Nutze Clips, um Tracks ad hoc zu arrangieren

Clips sind vergleichsweise kurze Abschnitte, die zunächst wie gewöhnliche Spuren mit Klängen befüllt werden. Der Clou: Sie lassen jederzeit (de-)aktivieren, wobei sie synchron mit der Taktung und der Geschwindigkeit des Projekts gestartet oder gestoppt werden. So können viele kleine Clips als Bausteine dienen, um bei der Performance übereinandergeschichtet und neuzusammengestellt zu werden. Bei DJ-Software à la Traktor ist das hauptsächlich mit fertigen Loops sinnvoll und derzeit sind nur Audiodaten in Clips möglich, während Du in den oben genannten DAWs auch MIDI-Daten in Clips packen kannst.

Kreatives DJing - Clips triggern

Zum Triggern von Clips eignet sich am besten ein Controller mit 8×8 oder 16×16 kleinen Trigger Pads. Diese sehen zunächst ähnlich aus wie die oben erwähnten, normalen Pads, sind aber viel kleiner und weisen einen weichen Druckpunkt auf. Außerdem registrieren die kleinen Trigger Pads nur bei ganz wenigen Geräten unterschiedliche Anschlaghärten – sie sind eben vornehmlich zum Starten und Stoppen der Clips gedacht, die ihnen per MIDI zugewiesen wurden.

 

Integration in dein DJ-Setup

Effektgeräte müssen über die Audioausgänge von Soundkarte, Mixer oder DJ-Controller gespeist werden, damit sie ihren Dienst verrichten können. Meist läuft das über Klinkenkabel im 6,3-mm-Format, manchmal auch via Cinch-Kabel.

Wenn es jedoch darum geht, die Steuerfunktionen von (DJ-)Controllern oder MIDI-fähigen DJ-Mixern zu nutzen, brauchst Du entweder mindestens ein fünfpoliges MIDI-Kabel oder eine USB-Verbindung zu deinem DJ-Laptop. Praktisch alle Geräte, die MIDI über USB senden können, richten diese Funktion nach dem Anstecken an den Rechner automatisch ein, wodurch keine manuelle Treiberinstallation nötig ist.

Kreatives DJing - MIDI Templates

Zur Einrichtung von MIDI-Geräten im DJ-Programm deiner Wahl stehen meist sogenannte Templates zur Verfügung – das sind fertige Konfigurationen, in denen die Bedienelemente des Controllers bzw. Mixers bereits mit den dafür vorgesehenen Steuerungsmöglichkeiten in der Software verknüpft sind.

Suche zuerst auf der Webseite deines Controller/Mixer-Herstellers nach Templates für das gewünschte Programm, dann auf der Seite für Letzteres. Manchmal kannst Du Templates im Netz nur über eine Suchmaschine finden (z.B. per Suchbegriff »[produkt] midi template«), da sie sich in Foren oder auf privaten Webseiten zum Thema DJing verstecken.

 

Schlussgedanken über kreatives DJing

Bei all den attraktiven Möglichkeiten in puncto Effekteinsatz ist es im Allgemeinen ratsam, sich in einem Set auf wenige Effekte zu beschränken. Setze vor allem die stark klangverändernden Effekte behutsam ein, anstatt ständig an den Potis zu schrauben – durch ihre Seltenheit werden sie umso aufsehenerregender wirken.

Für einen Wiedererkennungswert auf dem Floor bietet es sich an, eigens erstellte Samples à la »DJ XYZ on the decks«, »You are listening to…« oder dergleichen einzustreuen. Natürlich gilt besonders für diese Jingles der Grundsatz der Mäßigung, sonst kommen sich die Partygäste noch wie im Radio vor.


Von Felix Baarß