Karriereguide für Musiker (Teil 1): Erfolg im Musikbusiness

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Der Karriereguide für Musiker ist eine Serie mit vier Folgen, die auf dem gleichnamigen Buch beruht.
Folge 1: Erfolg im Musikbusiness
Folge 2: Profil zeigen
Folge 3: Persönliche Standortanalyse
Folge 4: Visionäre Ziele erreichen
Der Guide resultiert aus den Workshops „Karrieresteuerung und Selbstmanagement für Musiker“, die Christina seit fünf Jahren anbietet, und aus Interviews mit Profimusikerinnen und -musikern, die ihre individuellen Erfahrungen im Musikgeschäft schildern.

Teil 1: Erfolg im Musikbusiness / Karriereguide für Musiker

Erfolg: jeder definiert ihn anders. Gut ist, wenn man ihn mal bewusst definiert. Nachhaltig ist er, wenn wir aus unserem persönlichen Potenzial schöpfen. Eine Erfolgsgarantie gibt es nicht. Viele Musiker bauen daher mehrere Einkommensquellen auf, um finanziell flexibler zu sein.

„Sei so, wie du bist, und alles wird dir zufallen.“
(Laotse)

Jeder will erfolgreich sein. Das bedeutet aber nicht, dass wir alle das Gleiche wollen. Der eine will Berühmtheit, Anerkennung und viele Fans, der andere will sich einfach nur voll und ganz seiner Musik widmen können. Dies sind nur zwei von unzähligen Möglichkeiten. Wir alle richten unser Handeln mehr oder weniger bewusst darauf aus, dass wir Erfolg damit haben. Deshalb ist es wichtig zu wissen und zu überprüfen, was Erfolg für uns persönlich eigentlich bedeutet.

Nehmen wir ein Bild: Angenommen, alle Maßnahmen, die wir ergreifen, um erfolgreich zu sein, sind der Versuch, eine Leiter (die Karriereleiter) hinaufzusteigen. Dann geht es bei der persönlichen Definition von Erfolg erstmal darum, die Leiter an die richtige Mauer zu stellen! Wie viele Menschen mühen sich jahrelang ab, um erfolgreich zu sein. Dafür gehen sie Kompromisse ein und vernachlässigen die Dinge, die ihnen eigentlich wichtig sind. In Ihrem Bestreben, so schnell wie möglich die Leiter hinaufzusteigen, strengen sie sich an, investieren, geben alles, fallen, versuchen es wieder, bringen Opfer und setzen sich gegen andere durch.

Und wenn sie es dann endlich geschafft haben, stellen sie fest, dass all das sie gar nicht glücklich macht. Sie erkennen, dass die Leiter an der falschen Mauer stand, und das es da oben nichts gibt, wofür sich all das Kämpfen und Opfern gelohnt hätte. Deshalb steht diese Frage am Beginn einer Karriere und wiederholt sich an Scheidewegen auf einem langen Berufsweg: „Wonach strebst du? Was bedeutet für dich Erfolg?

Übung: Meine persönliche Definition von Erfolg
Schreibe deine persönliche Definition von Erfolg nieder. Der Umfang deiner Erfolgsdefinition ist dir überlassen. Beginne mit Sätzen wie:

  • Erfolg bedeutet für mich …
  • Erfolgreich bin ich, wenn … geschieht.
  • Ich bin erfolgreich, wenn ich … kann.
  • Ich bin erfolgreich, wenn ich … bekomme.

Wie unterschiedlich unsere Definitionen von Erfolg sein können, verdeutlichen die Beispiele von Kaja und Ulf, die an meinem Workshop „Karieresteuerung und Selbstmanagement für Musiker“ teilgenommen haben [1]. Kaja, eine junge Pianistin und Sängerin drückte es so aus: „Erfolg bedeutet für mich, dass ich weiterhin meine Gedanken und Gefühle durch meine Musik ausdrücken kann. Ich bin erfolgreich, wenn ich von meiner Musik leben kann und dabei authentisch bleibe. Erfolgreich zu sein, bedeutet für mich, gehört und auch kritisiert zu werden. Ich möchte polarisieren.“

Für den Bassisten Ulf sieht Erfolg anders aus: „Erfolg bedeutet für mich, dass man meinen Namen in der Szene kennt, dass ich ständig angerufen und für geile Gigs gebucht werde und richtig Kohle damit verdiene. So viel, dass ich gut davon leben und in hochwertiges Equipment investieren kann.“

So unterschiedlich unser Verständnis von Erfolg auch ist, in einem Punkt sind sich in der Regel alle einig: Sie wollen authentisch bleiben. Und das ist eine wichtige Grundvoraussetzung für nachhaltigen Erfolg.

Kernsatz:
Nachhaltiger Erfolg erwächst aus der Entfaltung unseres persönlichen Potenzials. Unser Potenzial setzt sich aus drei Bestandteilen zusammen: Aus unseren individuellen Anlagen (Talente, Know-How, Interessen usw.), den förderlichen Rahmenbedingungen (Netzwerk, Gesundheit, Finanzen, usw.) sowie aus unserer Vision und der Fähigkeit, diese umzusetzen.

Hier geht es weiter mit dem ‚Karriereguide für Musiker‘


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Dieser Erfolg gestaltet sich vollkommen unterschiedlich, denn jeder von uns greift auf ein Potenzial zurück, das absolut einzigartig ist. Da kann jeder nur seinen ganz eigenen Weg finden, das illustrieren die Karrieren gestandener Musiker, die in den nächsten Folgen als Beispiel dienen werden.

Helge Zumdieck [2] zum Beispiel sieht man als Profi-Schlagzeuger an durchschnittlich 70 bis 100 Abenden im Jahr mit bekannten Künstlern auf der Bühne oder im Studio. Zugleich leitet er eine große Musikschule und Berufsfachschule für Musiker. Stephanie Hundertmark [3] hat sich ihren Kindheitstraum verwirklicht, Profisängerin zu werden. Gleichzeitig muss sie sich keine Sorgen um eventuelle schlechte Auftragslagen machen, denn sie bestreitet ihren Lebensunterhalt mit einem festen Teilzeitjob.

Marcus Deml [4] nimmt derzeit gar keine Engagements als Session- und Tourmusiker mehr an. Er fokussiert seine ganze Kraft auf eigene Musikprojekte, allen voran auf seine Band „Errorhead“. Roger Cicero [5] kann auf zwei besondere Erfolgsjahre zurückblicken. Nach vielen Jahren als freischaffender Musiker hat er mit dem neuen Konzept, „Bigband, Swing und deutsche Texte“, den Durchbruch in der breiten Öffentlichkeit geschafft. Mit Gold und Platin ausgezeichnet, kennt er das Gefühl, von Fernsehkameras und Journalisten über den roten Teppich begleitet zu werden.

Kolja Jebram [6] dagegen verdient sein Geld nicht als Musiker. Mit seiner Eventagentur bildet er die Schnittstelle zwischen Künstlern und Auftraggebern aus Wirtschaft und Gesellschaft. Aber er hat das, wovon so mancher erfolgreicher Profimusiker zwischen all den Jobs träumt: seine eigene Band, mit der er zum Spaß musiziert und nicht zum Geld verdienen.

So unterschiedlich diese Musiker auch aufgestellt sein mögen, jeder von ihnen ist auf seine Weise erfolgreich. Und diese Beispiele sind nur ein kleiner Einblick in den riesigen Musikmarkt.

Kernsatz:
Das Musikbusiness bietet unendlich viele Möglichkeiten, erfolgreich zu sein. Und es ist ein knallhartes und risikobehaftetes Geschäft. Wer hier auf Dauer bestehen will, muss Musiker aus voller Leidenschaft sein, für den keine Alternative denkbar ist.

So hört man es immer wieder. Helge Zumdieck berichtet von den Aufnahmegesprächen an seiner Schule, wo talentierte Musiker eine zweijährige Ausbildung zum Profi absolvieren können. Er fragt die Bewerber, ob sie sich auch einen anderen Beruf vorstellen könnten. Ist das der Fall, rät er ihnen von der Ausbildung zum Berufsmusiker ab. Um in diesem Business zu bestehen, brauche man einfach diesen Biss und diese Leidenschaft, so Helge.

Diese Leidenschaft ist es, die Nachteile des Profimusiker-Daseins aufwiegen kann. Ein Musiker arbeitet häufig, wenn alle anderen frei haben. Das machen nicht alle sozialen Kontakte auf Dauer mit. Bei jedem Gig vollprofessionell exzellente Leistung abzuliefern, ist Standard, denn man ist jederzeit durch einen anderen Profi ersetzbar. Das bedeutet Hochleistung auf Abruf, während einer Tour manchmal Abend für Abend mit wenigen freien Tagen dazwischen.

Ein freischaffender Musiker ist auch ein selbstständiger Unternehmer und den Risiken des freien Marktes ausgesetzt. Man weiß nie, wie viel Geld im nächsten Quartal in die Kasse fließen wird. Von der Musik leben zu können, ist bereits ein Erfolg, ganz klar. Für manchen reicht es, sich voll seiner Leidenschaft widmen zu können und damit zu überleben. Gerade mit zunehmender Reife, wachsenden Fixkosten, der Bindung an einen Partner oder an eine eigene Familie mit Kindern, wird es allerdings wichtig, zuverlässige Einnahmequellen zu haben.

Daher sind die meisten Musiker mehrgleisig aufgestellt. Uwe Seemann gibt neben seinen Aktivitäten als Bassist, Gitarrist und Sänger auch Unterricht und Bandcoachings. Zusätzlich arbeitet er als Veranstaltungstechniker. Vor seiner Ausbildung hatte er beliebige Jobs, wie Flugzeugaußenreiniger oder LKW-Fahrer, angenommen, um Flauten im Musikgeschäft zu überbrücken. Wenn man jung ist, kann das sogar seinen Reiz haben, denn „man tut es ja für seine Kunst“. Langfristig aber ist es ein gutes Gefühl, mit anspruchsvolleren Tätigkeiten Geld zu verdienen.

Kernsatz:
Für einen freischaffenden Musiker gibt es keine Erfolgsgarantie. Um ihr Existenz zu sichern, erschließen sich viele Musiker mehrere Einnahmequellen. Neben dem musikalischen Können ist es daher wertvoll, auch andere Stärken und Interessen auszubauen und professionell einzusetzen.

Ein Patentrezept gibt es nicht, die Lebensentwürfe von Musikern sind so unterschiedlich und vielfältig, wie die Form ihrer Füße. Aber eines steht fest: wer genau weiß, was er kann, und er wirklich will, der hat es leichter, den Weg zu gehen, der ihm entspricht. Das ist Erfolg.

Christina Rakebrandt, Jahrgang 1974 arbeitet in Hamburg als Coach und Trainerin mit Menschen aus Kultur, Wirtschaft und dem Gesundheitsbereich. Ihr Kerngebiet ist die Entwicklung des persönlichen Potenzials: „Was kann ich? Was will ich? Wie setze ich das um?“ In dieser Arbeit verbindet sie Spürsinn und Kreativität mit psychologischem Fachwissen und soliden Managementtools.

[1] Namen geändert
[2] www.theschool.de
[3] www.stephaniehundertmark.com
[4] www.errorhead.com
[5] www.roger-cicero.de
[6] www.kundk-events.de

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Lesermeinungen (3)

zu 'Karriereguide für Musiker (Teil 1): Erfolg im Musikbusiness'

  • vanhold   02. Aug 2010   13:44 UhrAntworten

    Oh, jetzt gibt es auf delamar genau den gleichen Quark zu lesen, wie es sogenannte Personalcoaches vermitteln und was auch bei den "beliebten" Beschäftigungsgesellschaften, als ein gern esotherisch-angehauchtes Lebensplanungskonzept verkauft wird. Brauch ich nicht! Da lege ich mir gleich besser die Tarot-Karten. Unsinniges Blah-Blah von "wichtigen" Leuten. Die einzigen Konzepte für mein Leben haben Douglas Adams und mein Großvater schon vor längerer Zeit in Worte gefasst. Adams sagt mit "42" alles und mein Opa hat das einzig wahre Lebensmotto kurz beschrieben, in dem er sagte: "Kacke am Stock ist auch ne Blume!" Tschakka!

  • DJ CeeJay   03. Aug 2010   07:14 UhrAntworten

    @vanhold: Naja, so sinnlos er dir vielleicht vorkommen mag, ich finde den Artikel sehr interessant.

    Vielleicht solltest du dich mal für einige Meinungen und Ideen, Wegweisungen oder sonstige Tip´s von Dritten (ausser deinem Opa und Douglas Adams) öffnen.

    Ein Kajütenkoch sieht niemals so viel von der Welt wie ein Matrose :)

  • vanhold   03. Aug 2010   22:10 UhrAntworten

    @DJCeeJay

    Da hab ich schon meine Erfahrungen. Hab mir einige Informationen über solche "Lebenshilfen" eingeholt und einiges auch ausprobiert. Ich werf hier einfach mal etwas in den Raum: Hypnose, Yoga, Persönlichkeitstrainig, MLP und was es noch so alles gibt und gab. Ich bin ja schon ein halbes Jahrhundert alt und hab da vieles kommen und gehen sehen. Ich empfinde das mittlerweile alles als Humbug, denn wenn dein Umfeld nicht wirklich auf dich eingehen will, dann kannst du auch mit dem Hintern Fliegen fangen und es wird sich niemand dafür interessiern. Wie wirst Du erfolgreich: Sei besser als andere, sei schlechter als andere, sei schlau, stell dich doof, schwimm mit dem Strom, schwimm dagegen, hör nie auf andere, mach immer was andere von dir verlangen, sag ja, sag nein usw. Das alles hängt immer von den Umständen ab und wie ehrlich du zu dir selbst bist. Ich hätte in meinem Leben auch "erfolgreicher" sein können, nur dann wäre ich nicht ich, sonder hätte mich verbiegen lassen müssen. Leute die ein Patentrezept anbieten, haben meistens nur ihren eigenen Erfolg im Kopf. Also, alles 42 and be yourself! Nicht vergessen, auch der selige Professor Beuys hat ranziges Fett zur Kunst erklärt, als kann das mit der Blume ja so falsch nicht sein.

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