Buchtipp: Der Musikversteher

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Buchtipp für Musiker

Hartmut Fladt – Der Musikversteher

Musik spricht nicht etwa eine Sprache, die jeder versteht. Musik hat Tausende von Sprachen und dazu noch viel mehr Dialekte. Weil die Beatles versucht haben, einige dieser Dialekte durch ihre Musik zu verknüpfen, hatten sie weltweit einen so großen Erfolg, so Fladt. Wie Literatur und die bildende Kunst, entsteht Musik nicht im luftleeren Raum, sondern unter bestimmten sozialen, kulturellen und historischen Bedingungen. Wie man Musik empfindet, hängt zu großen Teilen von der individuellen Vorbildung und der gesellschaftlichen Gruppierung, der man angehört, ab.

Diese Gruppierungen können beispielsweise eine Ablehnung mancher Musik bedingen. Wer als 16-Jähriger Volksmusik hört, wird wohl bei den meisten seiner Altersgenossen nicht auf viel Verständnis stoßen. Bei vielen älteren Herrschaften ist Volksmusik jedoch sehr beliebt. Fladt erklärt, das liege an den vertrauten Klischees, die die Volksmusik benutzt. Musik benutzt unsere Affekte, um die erzielte Wirkung zu erzeugen. Volksmusik benutzt einfache Rhythmen, um uns zum Mitklatschen, -schunkeln und Glücklichsein zu zwingen.

Neben diesen harmlosen Begleiterscheinungen kann Musik aber auch wütend und traurig, gar Lust zum Marschieren machen oder anstacheln. Man denke an die Marseillaise. Fladt weiß, warum die halbe Welt bei »Candle In The Wind« heult und warum Nicoles harmloser Schlager »Ein bisschen Frieden« so viel Erfolg hatte. Von ihm erfährst Du auch, was Queen mit Bach zu tun hat und warum wir die Melodie von »Yesterday« wohl nie mehr aus dem Kopf bekommen werden.

Fladts Buch kann nicht nur helfen, unsere Wahrnehmung zu verstehen, sondern zeigt auch, was ein Song mitbringen muss, um ein Hit zu werden und warum es manchmal gar nicht die schlechteste Idee ist, ein bisschen abzukupfern.

Wer sich vorher mal anhören möchte, auf welche Weise der Professor für Musiktheorie einen Song auseinandernimmt: Beim Berliner Radioeins analysiert er aktuell erfolgreiche Songs. Und das auf eine sehr wenig verstaubte Weise. Der fast 70-Jährige benutzt in seiner Kolumne Wörter wie »geil« und ereifert sich über Gotye und Rufus Wainwright.

Wenn Du einmal weißt, was »Somebody That I Used To Know« mit »Morgen kommt der Weihnachtsmann« zu tun hat, willst Du mehr.

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