Buchtipp: Der genetische Notenschlüssel

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Buchtipp: Der genetische Notenschlüssel

Buchtipp: Der genetische Notenschlüssel

Christian Lehmann – Der genetische Notenschlüssel

Lehmann interessiert, dass Musik schon seit jeher Kulturen geprägt hat. Schon Steinzeitmenschen haben Flöten geschnitzt, noch bevor sie Häuser bauten. Suchen wir den Ursprung der Musik, müssen wir doppelt so weit in die Stammesgeschichte des Menschen zurückgehen. Denn viele, viele Jahre bevor der Mensch sich Instrumente schnitzte, hat er bereits gesungen und mit dem Körper Musik gemacht (durch Klatschen oder Klopfen beispielsweise).

Musik hat eine starke Wirkung auf Körper und Geist (sofern man diese Zweiteilung überhaupt vollziehen mag). Ob man nun an Fußballfans denkt, die sich in lauten Chören zusammenschließen oder an Musiktherapie und die Wirkung von Mozart auf die Patienten auf der Intensivstation. Lehmann begegnet auf seiner Tour durch die Geschichte der menschlichen Evolution und Kultur der Wirkung von Musik, die unseren Körper und Geist beeinflusst.

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass wir heute leider Musik sehr passiv wahrnehmen. Deshalb fordert er einen bewussten Umgang mit dieser, wo er doch in seinem Buch gezeigt hat, welche Wichtigkeit Musik für den Menschen hat. Er zeigt, wie sehr unsere Emotionen an Musik und Klang gekoppelt sind.

Christian Lehmann ist ein hochgebildeter Zeitgenosse. Nachdem er Musikwissenschaft und Biologie studiert hatte, folgten Germanistik und Gesang. Danach forschte Lehmann auf dem Gebiet der Evolution von Musik. Neben seiner Lehrtätigkeit an der Universität in München arbeitet er als Solist und Stimmbildner.

Wenn dir dieses Buch Spaß gemacht hat und Du jetzt weiterlesen möchtest: Lehmann hat mit »Singstreit, Ständchen und Signale: Zur Biologie und Evolution musikalischen Verhaltens« noch ein weiteres Buch zum Thema veröffentlicht.

Der genetische Notenschlüssel – gebunden oder als Kindle-Ausgabe, 256 Seiten, am 16. September 2010 in zweiter Auflage im Herbig Verlag erschienen.

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Lesermeinungen (5)

zu 'Buchtipp: Der genetische Notenschlüssel'

  • von boddelswing   31. Aug 2012   10:56 UhrAntworten

    da is er wieder der momentane diskurs zwischen kultur und evolution. nun auch in der musik. letztes totschlagargument sind stehts die gene. haken wir also ein in den kanon des tollen erklärungsmodells: der mensch ist determiniert von seinen genen und kann nicht aus seiner haut.

    tssss...nein danke!

  • godeysen   06. Sep 2012   11:28 UhrAntworten

    @boddelswing:
    Was glauben Sie: Woher kommt die Musik? Warum ist der Mensch musikalisch? Gut, vielleicht nehmen Sie die Bibel sehr wörtlich... Wenn nicht, stimmen Sie doch wahrscheinlich zu, dass unsere menschlichen Gehirne und Körper über einen langen Evolutionsprozess zu dem geworden sind, wie sie jetzt sind - und was sie können. Auch Musik ist etwas, was unser Gehirn, unser Körper "kann" - und zwar überall auf der Welt und mehr oder weniger von Geburt an. Davon geht Christian Lehmann in seinem spannenden Buch aus, macht sich auf Spurensuche und zeigt sehr anschaulich, was Musik alles "von Natur aus" für unser Leben bedeutet - eben nicht nur iPod und DSDS. Das Wort "Gene" kommt übrigens fast nirgends in dem Buch vor. Das Wort "genetisch" gab es schon lange vor Watson und Crick...

  • von boddelswing   06. Sep 2012   13:13 UhrAntworten

    @godeysen,

    ich bin nicht religiös. ganz im gegenteil...
    auch stelle ich die evolution nicht in frage.
    spannend finde ich auch ihre dialektik zwischen religion oder naturwissenschaft. wo bleiben hier die geisteswissenschaften (philosophie und co.?)

    ich finde es bizarr den genetischen erklärungsversuch für alles, wirklich alles als 100%, einzig wahren oder "totalen" erklärungsversuch darzustellen. kommt dies nicht einer pseudoreligion durch dogmatische ansätzen gleich?
    interessanterweise taucht dieser erklärungsversuch erst seit ca. den letzten 20 jahren im wissenschaftlichen bzw. ja auch im medialen diskurs auf. mir ging bzw. geht es um dem implikationszusammenhang nicht die infragestellung darwins und co..

    die biologischen denkmuster finden sich selbst in unserer sprache - sie schrieben "von natur aus". die frage stellt sich dann doch in einer immer individualisierten welt, kann mensch(;-)) von der natur des menschen als einziges ausgehen?? spielen nicht vielmehr kulturelle und soziale ereignisse eine entscheidende rolle was "den" menschen ausmacht. enge ich meine eigenen handlungsmöglichkeiten/denkmuster als individuum nicht ein wenn ich dieses "von natur aus" in meinem sprachgebrauch nehme und letztlich auf mir gegenüberstehende personen anwende?
    ich will es ihnen nicht, unterstellen aber rassismus basiert auch auf den genetischen unterschieden zwischen menschen.

  • godeysen   06. Sep 2012   21:05 UhrAntworten

    @boddelswing:
    Ich nehme jetzt mal an, Sie verstehen unter dem "genetischen Erklärungsversuch" die Annahme, dass Eigenschaften auf einen biologischen Evolutionsprozess zurückzuführen sind. Ich nehme weiter an, dass Sie z.B. beim Ohr oder beim Gebiss keine Probleme damit haben. - Was intellektuelle Leistungen, kulturelle Phänomene und Sozialverhalten angeht, kenne ich keinen Evolutionsbiologen, der versucht mit der Genetik "alles, wirklich alles" in einem "totalen, einzig wahren" Modell zu erklären. Die Naturwissenschaft ist sich doch weitgehend einig, dass z.B. Begabungen sowohl angelegt sein als auch entwickelt und gefördert werden müssen. Einfaches Beispiel: Der Mensch kann auf zwei Beinen laufen, und er kann sprechen. Beides ist offensichtlich angelegt (und hat Sinn und Zweck), beides muss aber auch gelernt und geübt werden. Ähnlich ist es mit unserer Musikalität. In dem Buch "Der genetische Notenschlüssel" können Sie einiges darüber erfahren und vielleicht auch Ihre biowissenschaftlichen Kenntnisse auffrischen bzw. Vorurteile abbauen... Lesen hilft! ;-)
    Die Geisteswissenschaften beschränken sich oft darauf, ein Phänomen nur als spezielle historische oder kulturelle Erscheinung zu beschreiben. Das greift meist zu kurz, denn es gibt erstaunlich viele Universalien quer durch alle Kulturen. Was die Kultur "erfindet", ist oft eine spezielle Ausprägung eines Prinzips, das tiefer sitzt. Das wollen die Geisteswissenschaften jedoch leider oft nicht wahrhaben - trotz aller Offensichtlichkeit.
    Naja, und was die "Rassismus"-Keule angeht: Das Interessante am Menschen ist doch einerseits seine Verschiedenheit, andererseits seine globale Verwandtschaft. Schwarze können schneller laufen als Weiße, viele Asiaten vertragen keine Kuhmilch, und die meisten US-Nobelpreisträger sind jüdischer Herkunft. Anthropologisch sehr spannend. Der heutige unseriöse Gebrauch des Begriffs "Rassismus" verhindert es, sich darüber Gedanken zu machen.
    Aber darum geht es nicht im "genetischen Notenschlüssel"...

  • von boddelswing   07. Sep 2012   11:14 UhrAntworten

    @godeysen ,

    ich bin nicht gewillt weiter mit ihnen über dieses thema zu diskutieren, da sie zum einen eine andere sichtweise als die neo-evolutionistische nicht zu lassen, höchst fragliche äußerungen in bezug auf herkunft und hautfarbe eines menschen machen und daraus schlüsse über körpereigenschaften ableiten.
    ja es gibt (sogar) farbige präsidenten in der 1ten welt! warum boomt die michwirtschaft in china?? und wenn jüdische mitbürger nicht in europa durch unsere ahnen im ns-regimes getötet wären (die usa nahmen viele immigranten auf), wären einige nobelpreisträger aus unseren breitengraten jüdischer herkunft!
    fragen über fragen...auch antisemitismus, antiziganismus, sexismus und rassismus sind kulturell entstanden dafür gibt es kein gen!
    basale gesellschaftsrelevante themen, die das zusammenleben zwischen den menschen einer gesellschaft ermöglichen, wie das grundgesetz oder der begriff der menschenwürde, etc. sind kultur geprägt.
    mit "der natur des menschen" zu argumentieren finde ich sehr befremdlich, da gerade der mensch seit der industralisierung, dem fordismus und dem neoliberalismus von eben jener entfremdet hat.

    zum anderen steigen sie von ihren hohem ross runter und bezeichnen sie mich nicht als ungebildet zitat: "...vielleicht auch Ihre biowissenschaftlichen Kenntnisse auffrischen bzw. Vorurteile abbauen… Lesen hilft! ;-)..." sie kennen mich und nutzen die "deckung" des netzes so etwas zu behaupten. wenn mich das thema bzw. der geführte diskurs in den medien (hier kommt er ja nicht zustande) nicht interessieren würde, hätte ich nichts über dieses buch geschrieben. seit dem anfang wollte ich darauf hinweisen, dass in den medien mehr und mehr neo-evolutionistisch argumentiert wird. diese mode erst seit kurzen besteht und alles andere damit totdiskutiert wird.

    im übrigen will ich weder dem buch noch ihnen, mit ihren rassistischen äusserungen weiterhin meine aufmerksamkeit schenken.

    und zum abschluss etwas was nachdenklich machen muss:

    "Die Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung. Sie geht so sehr jeglicher anderen voran, dass ich weder glaube, sie begründen zu müssen noch zu sollen. Ich kann nicht verstehen, dass man mit ihr bis heute so wenig sich abgegeben hat. Sie zu begründen hätte etwas Ungeheuerliches angesichts des Ungeheuerlichen, das sich zutrug."
    -Theodor W. Adorno

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