Controller zum Beats machen

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Mit welchen Geräten lassen sich überhaupt Samples abspielen, welche Eingabemethoden gibt es und wie stellst Du die Verbindung mit deinem Computer her? In diesem Artikel findest Du eine Übersicht über MIDI-Controller – die Hardware, über die Du deinen Beat im gewünschten Rhythmus mit den Fingern einspielen kannst, ohne mit der Maus irgendwelche Balken auf dem Bildschirm zu bugsieren. Ein Controller ist die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine. So nutzt Du deine Hände ganz direkt, um Noten einzuspielen wie am Klavier oder Beats machen zu können. Controller erzeugen MIDI-Signale – stark vereinfacht gesagt beinhalten diese Steuerdaten den Rhythmus der von dir getrommelten Anschläge.

Controller zum Beats machen

 

Erst in einer separaten, klangerzeugenden Hard- oder Software werden die MIDI-Signale in Töne verwandelt. Mehr Infos über MIDI findest Du in einem gesonderten Artikel später in diesem Special.

Sustain und Aftertouch steigern die künstlerische Freiheit

Moderne Controller können die Härte jedes Anschlags (»Velocity«) registrieren und Klangerzeuger setzen diese Informationen ein, um Klänge leiser oder lauter abzuspielen. Außerdem registrieren viele Controller die Notenlänge, also die Zeit, wie lange Du eine Taste bzw. ein Pad oder sonstiges Bedienelement gedrückt hältst.

Schließlich gibt es noch die Geräte, die auch während des Gedrückthaltens erfassen, wie stark der ausgeübte Druck ist. Das nennt sich »Aftertouch«. Mit variierender Druckstärke kannst Du Parameterwerte von Klangerzeugern und Effekten (z.B. Filter) modulieren, während der Sound anhält.


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Welche Typen von Controllern gibt es?

In den folgenden Abschnitten lernst Du, welche Bedienelemente es gibt, um gepflegt Beats machen zu können. Dabei gibt es kompakte Puristen, die sich ganz auf eine Methode spezialisieren, und Multitalente, die mit allen möglichen Werkzeugen zur Eingabe von Beats aufwarten. Zunächst erfährst Du alles über die drei wichtigsten Werkzeuge (Pads, Trigger Pads und Tasten), um später eine Entscheidung für einen bestimmten Controller fällen zu können.

Selbstverständlich kannst Du deine Musik auch allein mit der Maus am Computerbildschirm konstruieren. Doch mit der Haptik eines Controllers fühlt sich die Beat-Produktion direkter an, ist weitaus spaßiger, virtuoser und meist viel schneller erledigt.

Tasten / Klavier

Die Tasten der meisten MIDI-Keyboards (heute immer öfter »Keyboard Controller« genannt) sind groß genug, um darauf entspannt zu trommeln. Ein Vorteil: In der Regel gibt es deutlich mehr Tasten auf einem Keyboard als Pads auf einem Pad-Controller. Die Menge an verschiedenen Sounds, die Du hier im Griff hast, ohne Sound-Bänke umschalten zu müssen, ist enorm.

iCON Logicon 8 Air

Viele Controller bieten mittlerweile gewichtete Tasten. Diese werden schwergängiger gemacht, um dem erwähnten Widerstand einer echten Pianoklaviatur nahezukommen.

Gewichtete Tasten für besseres Spielgefühl

Sehr oft findet sich inzwischen auch der nicht klar spezifizierte Begriff »halbgewichtet«. Diese Tastaturen stellen ein Mittelding zwischen der »Nichtgewichtung« (etwa bei Orgeln) und der Hammermechanik bei Klavieren dar, wobei das Spielgefühl von Hersteller zu Hersteller deutlich variieren kann.

Nicht zu vergessen: Heute gibt es mehr und mehr All-in-one-Controller, nicht selten mit der Komplettausstattung inklusive Tasten, Pads, Drehreglern und Fadern. Für moderne Produzenten im Heimstudio ist ein Gerät, das derart viele Eingabemethoden in so kompakter Form bietet, eine attraktive Option.

 

Pads

Für die Mehrzahl der Beat-Produzenten sind Pads wohl das wichtigste Werkzeug. Diese in der Regel rechteckigen oder quadratischen Schaltflächen haben meist eine Kantenlänge von 3 bis 5 Zentimetern und weisen eine gummierte oder ähnlich rutschfeste Oberfläche auf.

Pads sind die zentralen Bedienelemente von Geräteserien wie der Akai MPC und Native Instruments Maschine, um die wichtigsten zu nennen. Premiere feierten die Pads bereits 1988, als die Akai MPC 60 als eigenständiges, selbst klangerzeugendes Gerät auf den Markt kam. Seitdem leisten sie in zahlreichen Nachfolger- und Mitbewerbermodellen unschätzbare Dienste beim Beats selber machen.

Pads

Wie funktioniert das Ganze? Jedem Pad werden ein oder mehrere Klänge zugewiesen. Durch das Antippen der Pads werden diese Sounds abgespielt – dabei ist die angesteuerte Hard- oder Software meist so eingestellt, dass die Klänge je nach Anschlaghärte unterschiedlich laut abgespielt werden. So lässt sich die Dynamik eines Beats mit leisen und lauten Elementen abwechslungsreich und musikalisch spannend gestalten.

Mit Pads kannst Du Drums virtuos einspielen

Meist werden über solche Pads auch die oben beschriebenen Parameter Sustain und Aftertouch registriert. Zu den Extras zählen Funktionen wie »Drum Roll«, wobei der angesteuerte Klang in einer Schleife (also im Loop bzw. neudeutsch »geloopt«) immer wieder von neuem abgespielt wird, bis Du das Pad loslässt. Das wird beispielsweise gerne bei Snares verwendet.

Eine wichtige Rolle spielt heutzutage auch die Beleuchtung der Pads; hier gibt es die Variante der Hintergrundbeleuchtung und jene, bei denen der Rand der Pads aufleuchtet. Oft kannst Du für die Beleuchtung eines beliebigen Pads eine bestimmte Farbe wählen, um dir bei der Performance eine Orientierung zu verschaffen, welche Art von Klang sich hinter einem bestimmten Pad verbirgt. Ein anderer Ansatz ist die wechselnde Farbe der Beleuchtung je nach Anschlaghärte, beispielsweise gelb bei sanftem Tippen bis hin zu blutrot bei extremem Druck.

 

Trigger Pads

In den 2000er-Jahren tauchten Controller auf, die ebenfalls mit einer Matrix aus Pads aufwarteten, doch waren diese viel kleiner als bei MPC & Konsorten. Den Anfang machte anno 2006 das monome, ein Jahr später kam das Yamaha Tenori-On auf den Markt, bis in letzter Zeit das Novation Launchpad, Controller von Livid Instruments und weitere Gadgets dieser Art lanciert wurden.

Diese kleinen Knöpfe kennen mehrere Zustände, in der einfachsten Variante »aktiviert« oder »deaktiviert«. Durch einen Knopfdruck kannst Du zwischen diesen Zuständen hin- und herwechseln. Im simpelsten Fall wird ein aktiver Zustand über die Hintergrundbeleuchtung des jeweiligen Knopfes angezeigt – beleuchtet oder nicht beleuchtet. Seit einiger Zeit gibt es jedoch auch Controller mit mehrfarbiger Hintergrundbeleuchtung, was die Kontrolle von mehr als zwei Zuständen pro Knopf und andere fortgeschrittene Bedienmethoden erst wirklich praktikabel macht.

Livid Instruments OhmRGB

Eine typische Anwendung wäre etwa die folgende: Eine Reihe aus acht oder 16 kleinen Buttons fungiert als Step-Sequenzer – für jeden möglichen Anschlag gibt es einen Knopf, wobei nur aktivierte (beleuchtete) Knöpfe ein Sample starten (»triggern«).

Beispiel 2: Mit den Knöpfen können vorab in der DAW-Software erstellte Audio- und MIDI-Clips gestartet und gestoppt werden, wobei sie mit der Taktung und der Geschwindigkeit des zugrundeliegenden Projekts synchronisiert werden. So kannst Du live mit Beats jonglieren, die aus vorgefertigten Patterns bestehen und immer wieder neu zusammengewürfelt werden.

Konfiguration & Mapping

Heute lassen dir fast alle Controller die Möglichkeit offen, die Verknüpfung der Bedienelemente mit bestimmten MIDI-Befehlen mehr oder minder frei zu bestimmen. Viele Hersteller bieten für ihre Controller sogenannte Mappings (engl. Substantivierung vom Verb »to map«, in diesem Kontext »zuweisen«). Das sind Voreinstellungen mit passenden Konfigurationen für bestimmte DAW- bzw. DJ-Software oder Klangerzeuger. Diese werden entweder in der entsprechenden Software geladen oder via USB bzw. 5-Pol-MIDI direkt an den Controller übertragen.

Mapping

Wenn für einen Controller Mappings zur Einbindung in populäre Software bereitstehen, kann das durchaus ein Kaufargument sein. Wer hat schon Lust, alles in mühsamer Kleinarbeit selbst einzurichten?

 

Haptik und Spielgefühl

Spielgefühl, Haptik, Verarbeitung und Präzision der Bedienelemente schwanken teils erheblich von Modell zu Modell. Es empfiehlt sich, einen Controller auf sein Bediengefühl hin zu testen, bevor eine Kaufentscheidung getroffen wird.

Spiele einen Controller Probe, bevor Du ihn kaufst

Bei den Pads probierst Du am besten, wie differenziert sie unterschiedlich harte Anschläge registrieren. Lass dir zuerst zeigen, ob und wie Du verschiedene Velocity-Kurven einstellen kannst – damit änderst Du die Empfindlichkeit der Pads. Mit allen verfügbaren Velocity-Kurven testest Du dann jeweils die folgenden Dinge: Wie stark musst Du draufhauen, damit ein Anschlag überhaupt erkannt wird? Werden ganz sachte Anschläge noch erkannt und vom angeschlossenen Klangerzeuger entsprechend leise abgespielt? Ist die Erkennung variierender Anschlaghärten konstant zuverlässig? Wenn Du all diese Dinge erforscht hast, bekommst Du bereits ein sehr gutes Bild von der Qualität der Pads.

Die eben genannten Prüfmethoden bieten sich auch für die Klaviatur eines MIDI-Keyboard-Aspiranten an. Weiterhin sollten die Tasten eines Keyboards nicht zu schwergängig sein, denn ein schnelles, müheloses Spiel ist auf Dauer wichtig für bequemes Arbeiten – vor allem, wenn Du neben Beats auch noch deine eigenen Akkorde und Melodien einspielen willst.


Von Felix Baarß