Praxisworkshop: Mischpult

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Übersicht

  1. Mischpulte in der Praxis
  2. Band Recording mit PreSonus StudioLive

In unserem Ratgeber Mischpult kaufen hast Du einen guten Überblick über die Funktionen einer passenden Konsole erhalten. In diesem Artikel soll es mehr um den praktischen Teil der Arbeit gehen. Dabei soll vermittelt werden, wie Du einen Recording-Signalfluss mit einem gegebenen Pult einrichten kannst und was es dabei zu beachten gibt.

Situation im Studio

Du willst das Schlagzeug aufnehmen. Vorhanden sind: ein handelsübliches Mischpult der Mittelklasse mit ausreichend Kanälen (bspw.: PreSonus StudioLive 24.4.2AI), externe Multieffektgeräte, ein externer Zuspieler (bspw. ein CD-Player) und zielstrebige Musiker.

Die Verbindung zum Computer wird über ein Audio Interface mit 16 Ein- und 16 Ausgängen realisiert. Das Setup ist fest konfiguriert bzw. verkabelt und Du kannst sofort mit der Aufnahme loslegen.

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Signalfluss für das Recording

Beim Mikrofonieren der Drums verwendest Du acht Mikrofone, deren Signale aufgezeichnet werden müssen. Ein weiteres Mikrofon dient dem Schlagzeuger als Talkback. Damit sind bereits neun Kanäle im Mischpult belegt. Von diesen werden allerdings nur acht an das Audio Interface über Tape-Send geschickt. Das Talkback ist lediglich zur Kommunikation mit den Technikern gedacht und wird natürlich nicht aufgenommen.

Band Recording - Mischpulte in der Praxis - PreSonus StudioLive 24.4.2AI

Das PreSonus StudioLive 24.4.2AI ist für die hier vorgestellte Technik voll geeignet

Zum Beschicken des Audio Interfaces verwendest Du am besten die Direct Outs. Da das Eingangssignal nicht abgehört wird, darfst Du es nicht auf die Summe bzw. deine Studiolautsprecher routen.

Band Recording - Mischpulte in der Praxis - PreSonus StudioLive 16.4.2AI Direct Outputs

Direct Out Anschlüsse am PreSonus StudioLive

Sind in der DAW alle Ein- und Ausgänge konfiguriert, werden die acht Signale über die Ausgänge zurück ins Mischpult geholt. Es handelt sich hier um das so genannte Tape-Return-Signal, das Du nun auf deine Abhöre schicken kannst. Hierbei werden die Line-Eingänge des Pults verwendet.

Route den Click-Track separat, um die Lautstärke zu steuern

Ein etwaiges Playback vom Rechner (bspw. der Guide-Track) wird ebenfalls über einen Stereo-Bus zurückgeholt. Für den Click-Track nutzt Du am besten einen separaten Kanal – nur so kann dieser innerhalb des Pults in der Lautstärke verändert werden.

Es ist natürlich möglich, alles Spuren des Playbacks einzeln in das Mischpult zurückzuholen. Dadurch werden allerdings viele Kanäle belegt. Bei der oben beschriebenen Version sind im Mixer insgesamt schon 20 Kanäle, im Interface 8 Ein- und 11 Ausgänge belegt.

 

Kopfhörermischung

Für das Monitoring der Musiker und Techniker wird in der Regel der Tape-Return abgehört, also die Signale, die vom Computer zurück ins Mischpult geschickt werden. Sie werden dann über einen Pre-Fader Aux-Weg an den Kopfhörerverstärker geschickt, über den der Musiker abhört.

Bei einem Band Recording musst Du mit allem rechnen, auch Extrawünsche der Musiker. Die beliebteste Situation: Der Musiker möchte Hall auf seinem Kopfhörer. Wer Effekte in das Mischpult eingebaut hat, mischt diese einfach dazu.

Band Recording - Mischpulte in der Praxis - PreSonus StudioLive 16.4.2AI FX

Die Effektsektion am PreSonus StudioLive

Externe Effektgeräte werden über einen Post-Fader Aux-Weg (Stereo) mit den zu verhallenden Signalen beschickt, deren Ausgänge wieder zurück ins Mischpult geholt. Um der Kopfhörermischung nun etwas Hall mitzugeben, werden die Kanäle zugemischt, auf denen nun ausschließlich Hall zu hören ist.

Wenn einer Musiker einen Player mitbringt, über den Referenzmaterial gehört werden soll, nutzen wir zwei weitere Kanäle im Mischpult. Das Signal des Playbacks kannst Du beispielsweise über denselben Aux-Weg an den Kopfhörer des Musikers schicken. Der Trick dabei: Wenn diese Kanäle nicht auf die Summe geschickt werden, musst Du dir seine Musik nicht anhören.

 

No Latency Monitoring

Bei der Signalverarbeitung in einem Audio Computer entsteht immer eine gewisse Latenz. Das äußert sich in einem Zeitversatz von der Performance zur Wiedergabe (Tape-Return-Signal). Um dem Schlagzeuger ein latenzfreies Monitoring zu ermöglichen, kannst Du die Schlagzeugsignale aus den Tape-Send-Kanälen des Mischpults an den Kopfhörer des Musikers schicken. Durch die analoge Signalführung wird die Latenz verhindert, so dass der Schlagzeuger nicht irritiert wird.

Mit der DAW stehen gewaltige Kapazitäten für Effekte zur Verfügung

Der Nachteil dieser Methode ist allerdings, dass jegliche Effekte, die in der DAW eingespeist werden, nicht für die Kopfhörermischung verwendet werden können. Zudem kann der Schlagzeuger etwaige Fehler nicht mehr mithören, sofern diese im Computer passieren.

Richtig unangenehm wird es allerdings erst dann, wenn der Drummer seine eigenen Takes nach der Aufnahme gegenhören möchte. Das geht nämlich nicht, da die Aux-Wege des Kopfhörers nicht im Abhörpfad abgreifen. Diese Methode ist eher als eine Notlösung zu sehen, falls die Leistungsreserven des verwendeten Computers nicht ausreichen sollten.

Nichtsdestotrotz: Das Geniale an der Tape-Return-Bearbeitung ist die Option, die DAW als Effektgerät zu nutzen. Die digitale Signalverarbeitung bietet praktisch unbegrenzt viele Effekte – abhängig von der Rechenleistung natürlich.

 

Effekte beim Band Recording

An dieser Stelle sollte der Signalfluss für das Band Recording abgeschlossen sein und die Aufnahme kann beginnen. Um die Studioarbeit angenehmer zu gestalten, kannst Du noch zahlreiche Effekte einbauen. Hierzu werden ausschließlich die Tape-Return-Kanäle genutzt, da die Effekte nur während der Aufnahme, aber nicht in den Takes zu hören sein sollen. Landeten die Effekte in der fertigen Aufnahme, könnten diese nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Stellt sich die Frage: Wieso überhaupt Effekte verwenden, wenn man sie später nicht hört? Die Lösung liegt in der Wirkung der Effekte beim Musiker während seines Spiels. Beim Recording kann die Performance des Musikers stark variieren – sowohl in der Dynamik, als auch in der Spielart. Mit einem Kompressor und etwas EQ lässt sich das etwas optimieren.

 

Band Recording - Mischpulte in der Praxis - PreSonus StudioLive 16.4.2AI Compressor

Der „Fat Channel“ am PreSonus StudioLive Mischpult

Playback komprimieren

Generell solltest Du das Playback für die Musiker so komprimieren, dass Pegelschwankungen auf dem Kopfhörer nicht zu hoch werden. Da der Pegel auf den Headphones beim Recording ohnehin meist sehr hoch ausfällt, könnten sehr dynamische Signale im schlimmsten Fall an die Schmerzgrenze herankommen.

Nutze den Kompressor behutsam gegen Schwankungen im Pegel

Die Kompression wird so eingesetzt, dass sie den Pegel ab dem eingestellten Grenzwert absenkt. Sie wirkt dann wie eine Schutzschaltung, wobei leise Signale trotzdem gut verständlich zum Musiker geschickt werden. Aus der Erfahrung heraus sind vor allem Vocals, Pianos oder Bass zu komprimieren, diese Spuren haben meist die höchsten Pegelschwankungen.

 

Equalizer in der Aufnahme

Der Equalizer wird eher zur Klanggestaltung eingesetzt, erweist sich aber auch beim Recording als nützlich. So kannst Du beispielsweise Frequenzen von anderen Spuren entfernen, die das Schlagzeug überlagern. Die verbesserte Kopfhörermischung des Drummers kommt der Performance zugute.

Band Recording - Mischpulte in der Praxis - PreSonus StudioLive 16.4.2AI

Frontansicht PreSonus StudioLive

Beispiele: Oft sind Gitarren in den hohen Mitten sehr prägnant, was dazu führen kann, dass der Schlagzeuger die Anschlaggeräusche von Kick und Snare nicht mehr richtig hört. Eine schmalbandige EQ-Kurve mit einer Absenkung von 3-4 dB reicht meist schon aus, um dieses Problem zu beseitigen. Ebenso verhält es sich mit dem Bass und der Kick-Drum. Dazu musst Du einfach nur tieffrequente Anteile des Basses absenken oder gar mit einem Filter abschneiden und der Drummer wird eine durchdringende Kick auf den Kopfhörern haben. Im Vordergrund steht, dass der Musiker jedes Signal deutlich hören kann.

 

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