Ausbildung in der Musikbranche

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Die Musikindustrie steckt mitten in einem umfassenden Umbruch. Den mit Abstand größten Anteil daran hat die Digitalisierung. Die digitale Umwälzung hat zu positiven sowie negativen Entwicklungen für die Musikindustrie geführt. Insbesondere Musik wird über digitale Kanäle wie Spotify, iTunes & Co heute völlig anders verbreitet und konsumiert als noch vor zehn Jahren. Die daraus resultierenden Folgen betreffen nicht zuletzt die Ton- und Produktionsstudios.

Ausbildung in der Musikbranche

In einem Tonstudio wie diesem könntest Du bald werkeln…aber es gibt noch viel mehr

Während diese Folgen beispielsweise in den USA nicht ganz so dramatisch erscheinen wie in Europa bzw. Deutschland, lässt sich doch feststellen: Die Zeit der großen Tonstudios mit mehreren Aufnahmesälen und überbordenden Outboard-Racks sind vorbei. Einige Studios setzen explizit auf High-end, die meisten kleineren Studios haben sich bewusst auf Teilbereiche des Produktionsprozesses (etwa Mixdown oder Sprachaufnahmen) oder eine bestimmte musikalische Gattung spezialisiert – wer überwiegend Hip-Hop produziert, braucht eben keinen großen Aufnahmesaal mit 4-5 Meter hohen Decken.

Neue Möglichkeiten in der Musikbranche

Die großen Studios verschwinden – und mit Ihnen auch die Möglichkeiten, vom Kaffeekocher zum festangestellten Mixdown-Engineer aufzusteigen. Doch durch die neuen Vertriebsmöglichkeiten und Produktionsprozesse hat sich die Branche nicht nur enorm gewandelt, sondern auch erweitert.

Damit einher geht die Tatsache, dass die klassischen Berufsbilder immer häufiger verschmelzen: Ein Komponist ist gleichzeitig auch Produzent, DAW-Operator, Recording- und Mixdown-Engineer in Einem. Und wer hat nicht schon seine eigenen Produktionen gemastert und sich gefragt, ob er seinen Schätzchen gerade wirklich etwas Gutes tut?

Dementsprechend haben sich die Anforderungen an erfolgreiche Tontechniker (sowohl im Studio- als auch im Live-Bereich) geändert. Hinzu kommt, dass Du dich als freischaffender bzw. selbstständiger Audio Engineer mit eigenem kleinen – oder auch großen – Studio auch mit wirtschaftlichen, rechtlichen, steuerlichen, organisatorischen sowie marketingtechnischen Fragen auskennen solltest.

Und je nachdem, wer zu deinen Kunden zählt, solltest Du am besten auch auf deren Anforderungen und Bedürfnisse gezielt eingehen können: Volksmusiker und Beatbastler, Metalcombo und Streichquartett, live eingespieltes Jazzalbum und Remote Recording über das Internet – die Liste ist endlos und macht die Produktion von Musik und Sprache gerade so spannend.

Von den Profis lernen

Um die bis hierhin umrissenen Anforderungsprofile möglichst kompakt und praxisnah zu vermitteln, gibt es mittlerweile zahlreiche private, aber auch staatliche bzw. staatlich geförderte Aus- und Weiterbildungsangebote für den Musik- und Audiotechnikbereich. Am bekanntesten dürfte hier mit Sicherheit das SAE Institute sein, das bereits 1976 in Australien gegründet wurde.

Doch auch die Deutsche POP, das erst kürzlich eröffnete Abbey Road Institute sowie viele andere, teils ganz bewusst spezialisierte, Institute bis hin zu Universitäten wollen dir einen fundierten Weg hin zum Audio Engineer oder anderen künstlerisch-technischen Medienberufen bieten.

Das Special ist dein Wegweiser zur richtigen Ausbildung

Je diversifizierter die Anforderungen und Möglichkeiten über die letzten 15-20 Jahre geworden sind, desto mehr Ausbildungsanbieter sind entstanden. Eine möglichst vielfältige Übersicht über die in Deutschland vorhandenen Aus- und Weiterbildungsangebote findest Du in diesem Special.

Mit den sich permanent weiterentwickelnden Möglichkeiten und Ressourcen des Internets haben sich einige Ausbildungsanbieter zudem auf den webbasierten, “virtuellen” Fern-Unterricht (Stichwort “Online Campus”) konzentriert.

Vorreiter dürfte hier das HOFA College sein, das bereits 2005 mit dieser Form des Unterrichts begann. Der große Vorteil des Online-Lernens liegt auf der Hand: nicht-standortgebunden kombinieren diese Online-Fernkurse die Multimedialität des Internets mit einer größtenteils freien Zeiteinteilung für die Kursteilnehmer. Ob diese Art des Studiums den eigenen Bedürfnissen und Ansprüchen entgegenkommt, muss jeder individuell entscheiden.

Permanent am Ball bleiben

Beachte jedoch: Es gibt keinen “typischen” Weg. Auch ein Kaltstart von 0 auf 100 ist die Ausnahme. Raus aus der Ausbildung und gleich die fetten Jobs für Major-Label-Produktionen, Kinofilme oder große Live-Produktionen – das soll schon vorgekommen sein, verlassen solltest Du dich darauf jedoch nicht.

Fast alle Ausbildungsanbieter, zum Beispiel die SAE oder das Abbey Road Institute, bieten dir zwar bereits während deines Studiums viele Möglichkeiten, Kontakte zu knüpfen und ein Netzwerk für deinen weiteren Berufsweg aufzubauen. Diese solltest Du jedoch eher als erstes Sprungbrett in die Branche begreifen, denn als Katapult.

Ausbildung in der Musikbranche

Die Ausbildung in der Musikbranche umfasst selbstverständlich auch die Mikrofonierung von verschiedensten Klängen

Vielmehr solltest Du bereit sein, dich permanent in viele einzelne – auch fachfremde – Themenbereiche einzuarbeiten, um auch nach der Ausbildung am Ball zu bleiben und dir durch zahlreiche kleine Erfolge allmählich einen Namen zu machen.

Den Durchblick haben

Ob Klassenraum oder Online-Kurs, ob Grundlagen- oder Spezialausbildung – es ist gar nicht so einfach, den Überblick zu behalten und genau einschätzen zu können, welcher Ausbildungsanbieter welche Inhalte und Abschlüsse bietet, welche Anforderungen Du erfüllen musst und welche Förderungen Du vom Staat beantragen kannst.

Was ist eigentlich ein SAE Diploma, ein Advanced Diploma vom Abbey Road Institute oder ein Bachelor an der Deutschen POP? Und wo liegt der Unterschied zwischen staatlichen und staatlich anerkannten Ausbildungen? Auf den folgenden Seiten erhältst Du die Antworten!


Alexander Cevolani Von