Was kommt nach der Ausbildung?

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Du hast deine Ausbildung zum Audio Engineer, Tontechniker o.ä. erfolgreich abgeschlossen und suchst nun einen Arbeitgeber in der Musikbranche? Sollst Du nun Stellenanzeigen durchforsten und Bewerbungen schreiben? Und wenn ja – wo am besten nach den passenden Jobs suchen? Doch lieber etwas Eigenes hochziehen? Hier ist dein Wegweiser zum Traumjob, um die Musik zum Beruf machen!

Arbeitgeber in der Musikbranche: Was kommt nach der Ausbildung?

»Audioarbeit« an der Darmstädter Hochschule | Bild: h_da Fotos Britta Hüning

Eine Suche nach den Begriffen “Tontechnik/er” und “Audio/Sound Engineer” bei den beiden großen Stellenbörsen stepstone.de und monster.de (Stand: 17.09.2015) liest sich ernüchternd: Gesucht werden ein “Senior Audio Engineer” bei Red Bull sowie ein Praktikant im Bereich “Audio” beim Pay-TV-Sender SKY.

Bei der Jobbörse der Agentur für Arbeit findet sich schon etwas mehr. Allerdings suchen die entsprechenden Unternehmen größtenteils Mediengestalter für Bild & Ton und Fachkräfte für Veranstaltungstechnik. Ob man als Absolvent eines privaten Ausbilders Chancen hat, muss man von Fall zu Fall herausfinden.

Dass so wenige Stellen für Tontechniker angeboten werden, bedeutet nicht, dass es keine gibt! Vielmehr werden sie auf anderen Wegen vergeben. Auch aus diesem Grund hat beispielsweise das SAE Institute die SAE Alumni Association geschaffen – ein geschlossenes, weltweites Netzwerk mit angegliedertem Jobportal für SAE-Studenten und -Absolventen sowie Profis aus dem Medienbereich. Allein in Europa kommt das Netzwerk so auf über 10.000 Mitglieder.

Erschaffe dein eigenes Netzwerk

Grundsätzlich gilt: Baue dir dein eigenes Netzwerk auf! Halte Kontakt zu deinen Mitstudenten und Dozenten, verfolge die Musik in deiner Stadt und biete dich als Live- und/oder Studioengineer an, nutze Portale wie Bandcamp oder Soundcloud für die Distribution deiner eigenen Produktionen, besuche Messen wie die Musikmesse/Prolight+Sound und komme in Kontakt zu Herstellern und Dienstleistern aus der Branche – die Medienbranche ist erfreulicherweise überaus kommunikativ und kontaktfreudig.

Um Eigeninitiative und die Bereitschaft, dir Schritt für Schritt einen Namen zu machen und nach oben zu arbeiten – warum nicht über Praktika bereits während deiner Ausbildung? – kommst Du also kaum herum. Im Folgenden geben wir dir einen Überblick über potenzielle Arbeitgeber und Branchen.

Arbeitgeber In der Musikbranche arbeiten, aber wo?

Tonstudios

Natürlich: Der klassische Arbeitgeber in der Musikbranche ist das Tonstudio. Leider haben diese ihre ganz große Zeit hinter sich und bestehen heute oftmals nur als 1-2-Mann-Betriebe, die sich keine Festangestellten leisten können.

Trotzdem lohnt es sich, Kontakt zu den Studios in deiner Nähe aufzubauen. Irgendwann wird vielleicht mal eine Urlaubsvertretung für ein paar Recordings benötigt – und schon hast Du den Fuß in der Tür! Viele Tonstudios vermieten ihre Studiozeit: Hier kannst Du dich also fest etablieren und in deiner Studiozeit Musik für deine Kunden produzieren.

Produktionsfirmen

Produktionsfirmen müssen in ganz anderen Maßstäben denken, da sie zum Beispiel die komplette Produktion von Filmen, Werbespots, TV-Shows oder Live-Events übernehmen.

Neben Filmern, Mediengestaltern und Redakteuren werden hier natürlich auch Experten für Musik und Ton gesucht. Aufgrund der medialen Vielfalt halten Produktionsfirmen aktuell wohl die potenziell vielfältigsten Jobs für Tontechniker bereit.

Zwei der bekanntesten deutschen Unternehmen dieser Art sind die UFA und Brainpool. Letztere sorgte jahrelang für TV Total und produziert auch Serien wie Stromberg, während die UFA unter anderem Bauer sucht Frau und das Supertalent produziert. Beide Produktionsfirmen vergeben regelmäßig Praktika, warum also nicht schon während deiner Ausbildung reinschnuppern?

Rundfunk

Der Rundfunk umfasst Radio- sowie TV-Sender. Besonders die öffentlich-rechtlichen Anstalten (WDR, SWR, BR, HR, ZDF usw.) stellen für viele einen Traumjob dar: gute Bezahlung (auch als freier Mitarbeiter), geregelte Arbeitszeiten, sicherer Arbeitsplatz. Dementsprechend schwierig ist es jedoch, einen dieser begehrten Jobs zu ergattern.

Doch gerade beim Radio und im Fernsehen wird Wert auf eine handfeste Ausbildung gelegt – hier kann dir dein Studium einen echten Vorteil verschaffen! Wie beinahe überall, gilt auch im Rundfunk: Ein Praktikum oder die sporadische, freiberufliche Tätigkeit kann bereits der zentrale erste Schritt sein.

TIPP: Viele Rundfunkanstalten vergeben Ausbildungsplätze zum Mediengestalter Bild und Ton. Wenn der Rundfunk also dein Traumjob ist, solltest Du eine Ausbildung beim gewünschten Arbeitgeber beginnen, da engagierte und motivierte Azubis danach in der Regel übernommen werden.

Theater

Theater, Festspielhäuser, Opernhäuser, Veranstaltungszentren – all diese Spielstätten arbeiten mit festangestellten Tontechnikern zusammen. Sie kümmern sich um die installierte Tontechnik und sorgen bei Proben und Aufführungen für den guten Ton. Wer jetzt an spießige, ältere Herrschaften denkt, sollte sein Bild korrigieren. Moderne Programme und Konzerte wechseln sich inzwischen mit Klassikern ab, so dass das Programm in Theater & Co. sehr abwechslungsreich und spannend ist.

Veranstaltungstechnik

Wie oben bereits beschrieben, müssen Live-Tontechniker andere Anforderungen erfüllen als ihre Kollegen im Studio. Eins vorweg: Die Arbeit rund um die Musik “on the road” ist hart und entbehrlich, für viele jedoch genau das, was sie suchen. Live-Tontechniker arbeiten überwiegend als Freie. Wer Glück hat, wird als Mitarbeiter bei den größeren Event-Dienstleistern und Production Companies festangestellt.

Im Gegensatz zu so manchem Arbeitgeber in der Musikbranche ist in der Veranstaltungstechnik eines sicher: Du bist ständig unterwegs und wenn andere ihr Wochenende genießen, stehst Du am Mischpult. Wenn dir das nichts ausmacht und Du vielleicht genau danach suchst, bist Du hier genau richtig. Denn hoher Einsatz und Nervenstärke werden entlohnt durch Abwechslung, neue Menschen und viele Reisen.

Gaming

Nicht erst seitdem die Spielebranche die Filmindustrie umsatztechnisch überholt hat, gelten Games als großes Betätigungsfeld für Tontechniker, Sounddesigner & Co – das reicht von der Aufnahme des Orchesterscores über das Sounddesign bis hin zur Lokalisation durch Synchronsprecher. Zudem boomt die Gamingbranche und bringt immer mehr kleine Studios empor, die über Crowdfunding neue Projekte realisieren können.

Aber auch eine Festanstellung ist denkbar. Gerade im Bereich der Online- und Browsergames ist der Bedarf an festen Teams inzwischen sehr groß geworden, die für eine stetige Weiterentwicklung der Spiele sorgen.

Automobilindustrie

Warum nicht direkt in die Wirtschaft und als Experte für den Audiobereich arbeiten, zum Beispiel in der Automobilindustrie? Gerade bei Autos spielt der Sound eine immense Rolle: vom Tuning der Motorengeräusche bei Elektroautos über das akustische Konzept des Innenraums bis zur Einbindung neuer Multimedia-Technologien. Wer in der Industrie arbeitet, ist oftmals ganz vorne mit dabei und hat Zugang zu State-of-the-Art-Equipment. Außerdem bist Du stets auf dem Laufenden und kennst die neuesten Verfahren und Technologien.

Außerdem winkt dir in der Automobilindustrie ein fester Arbeitsplatz im Unternehmen. Sicheres Gehalt, Aufstiegschancen und regelmäßige Fortbildungen im Kreis gleichgesinnter Kollegen.


Alexander Cevolani Von