Wo Musik im Gehirn ihre Spuren hinterlässt

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Musik und Gehirn

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Unterwegs im Belohnungszentrum

Hier geht es um die Resultate von Valorie Salimpoors Forschungen an der McGill University in Montreal. Beobachtet wurde die Gehirntätigkeit von Menschen, die neue Musik hörten. Dann wurden diese befragt, wie viel sie jeweils für die Musik bereit wären, zu zahlen. Die Musik, die bei den Probanden am besten ankam und für die sie am meisten Geld bezahlt hätten, war die, die auch den meisten Einfluss auf das Belohnungszentrum hatte. Dieses ist an der Entstehung von Erwartungen beteiligt, die zur Belohnung führen können. Wenn man im Nucleus accumbens Aktivität nachweisen kann, wurden Erwartungen erfüllt oder gar übertroffen.

Musik und GehirnDie Teilnehmer der Studie konnten frei wählen, ob sie den Song (sie hörten einen 30-sekündigen Clip eines ihnen völlig unbekannten Songs, jedoch in dem Genre, das sie bevorzugen) für 99 Cent, 1,29 oder 2,- Dollar kaufen oder nicht kaufen wollen. Der Clip, der den Studienteilnehmern 2 Dollar wert war, hatte auch den größten Wirkungsgrad im Gehirn.

Beim Gehirnbild fand man auch Folgendes heraus: Bei der Entscheidung half die obere Schläfenwindung (Gyrus temporalis superior) des Gehirns, die bei jedem Menschen einzigartig ist und wie ein Musikempfehlungssystem arbeitet. Dort nämlich haben sich die Schablonen aller Songs gespeichert, die wir jemals gehört haben.

Wer das jetzt unglaublich findet und über die Wirkung von Musik auf unser Gehirn staunt, den kann die Aussage der Neurowissenschaftlerin Sophie Scott an der University College London wieder auf den Boden der Tatsache holen. Diese meint, man sollte der Musik nicht mehr Bedeutung beimessen als anderen Künsten wie der Literatur oder der Bildenden Kunst, denn diese nehmen wir auf dieselbe Art und Weise auf und können sie auch auf verschiedene Arten genießen.

Was in unserem Körper passiert, wenn wir Musik hören oder ein Gedicht lesen, lässt sich beschreiben. Das einzigartige Gefühl jedoch, das man hat, hört man sein Lieblingsstück, ist unbeschreiblich.

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Lesermeinungen (6)

zu 'Wo Musik im Gehirn ihre Spuren hinterlässt'

  • Jürgen Bromant   22. Apr 2013   13:48 UhrAntworten

    Zu dem Thema kann ich die fabelhafte Dokumentation "Noten und Neuronen" empfehlen.
    Man kann sie bestimmt bei den gängigen Videoportalen bzw. Mediatheken im Netz finden. Lohnt sich auf jeden Fall.

  • Petra Schulze   23. Apr 2013   12:51 UhrAntworten

    Sehr geehrte Frau Greiner-Adam,

    da muss ich Ihnen vollkommen Recht geben, das Gefühl, wenn man bestimmte Musikstücke hört ist einzigartig, mit nichts anderem zu vergleichen.Es zaubert die verschiedensten Emotionen, Bilder, Glücksgefühle, aber auch, je nach Musikstück trauriges hervor.
    Der menschliche Organismus besteht überwiegend aus rhytmischen Strukturen und Mustern.So sicherlich auch das Gehirn mit seiner Speicherkapazität.
    Es war ja schon den "alten Kulturen" bekannt, wie heilend z. B. Trommeln (siehe Trommeltherapie)auf unseren Körper wirken. Irgendetwas geht da ja wohl in Resonanz mit unserem Körper, die Schwingungen oder was auch immer.
    Ich beziehe mich hier insbesondere auf das Trommeln, weil ich mal auf einem Stadtfest war, wo eine Gruppe auf der Bühne verschiedene Trommelstücke spielten. Soweit ich mich erinnern kann, waren es verschiedene Trommeln. Ich dachte, bloss schnell weg hier, weiter gehen,uninterressant aber : Fehlanzeige, ich stand wie gebannt vor dieser Gruppe, so eine faszinierende Wirkung von Trommeln hatte ich noch nie erlebt. Ich kann bis heute nicht sagen, was es war, dass ich wie festgetackert dort stehen blieb, weil ich ja schon öfter Trommeln, Klangschalen o. ä. wahrgenommen habe. Aber diese Trommelgruppe muss doch eine spezielle Rhytmik gehabt haben, das sie einem so "festhalten" konnte.

    Herzliche Grüsse von Petra Schulze

  • Georg   23. Apr 2013   13:03 UhrAntworten

    Ich kann manchmal auch ein besonders schönes Lied sogar mehrere Stunden hintereinander hören wie im Rausch. -Tolles Gefühl.

    Danke für den interessanten Beitrag

  • Matthias   23. Apr 2013   14:31 UhrAntworten

    Sehr toller Beitrag, sehe ich genau so.

  • Bernd Willimek   23. Jun 2013   12:03 UhrAntworten

    Musik und Emotionen
    Das größte Problem bei der Beantwortung der Frage, wie Musik Emotionen erzeugt, dürfte die Tatsache sein, dass sich Zuordnungen von musikalischen Elementen und Emotionen nie ganz eindeutig festlegen lassen. Die Lösung dieses Problems ist die Strebetendenz-Theorie. Sie sagt, dass Musik überhaupt keine Emotionen vermitteln kann, sondern nur Willensvorgänge, mit denen sich der Musikhörer identifiziert. Beim Vorgang der Identifikation werden die Willensvorgänge dann mit Emotionen gefärbt. Das gleiche passiert auch, wenn wir einen spannenden Film anschauen und uns mit den Willensvorgängen unserer Lieblingsfigur identifizieren. Auch hier erzeugt erst der Vorgang der Identifikation Emotionen.
    Weil dieser Umweg der Emotionen über Willensvorgänge nicht erkannt wurde, scheiterten auch alle musikpsychologischen und neurologischen Versuche, die Frage nach der Ursache der Emotionen in der Musik zu beantworten. Man könnte diese Versuche mit einem Menschen vergleichen, der einen Fernsehapparat aufschraubt und darin mit einer Lupe nach den Emotionen sucht, die er zuvor beim Ansehen eines Films empfunden hatte.
    Doch wie kann Musik Willensvorgänge vermitteln? Diese Willensvorgänge haben etwas mit dem zu tun, was alte Musiktheoretiker mit "Vorhalt", "Leitton" oder "Strebetendenz" bezeichnet haben. Wenn wir diese musikalischen Erscheinungen gedanklich in ihr Gegenteil umkehren (der Ton strebt nicht fort, sondern ich will, dass der Ton bleibt), dann haben wir im Prinzip den Willensinhalt gefunden, mit dem sich der Musikhörer identifiziert. In der Praxis wird dann alles noch etwas komplizierter, so dass sich auch differenziertere Willensvorgänge musikalisch darstellen lassen.
    Weitere Informationen erhalten Sie über den kostenlosen Download des fünfteiligen Artikels "Warum klingt Moll traurig? Die Strebetendenz-Theorie erklärt das Gefühl in der Musik" des Onlinemagazins "musik heute" unter dem Link:
    http://www.musik-heute.de/tags/strebetendenz-theorie/
    oder über den kostenlosen Download des E-Book der Universität München "Musik und Emotionen - Studien zur Strebetendenz-Theorie":
    http://ebooks.ub.uni-muenchen.de/26791/
    Bernd Willimek

  • Bernd Willimek   01. Jul 2013   16:47 UhrAntworten

    Da ich mehrfach gebeten wurde, das Prinzip der Strebetendenz-Theorie auf eine Weise darzustellen, so dass sie auch ein Laie mühelos nachvollziehen kann, füge ich dem obenstehenden Artikel eine solche Erklärung bei. Sie ist unter folgendem Link kostenlos abrufbar:
    www.willimekmusic.de/erklaerung-strebetendenz-theorie.pdf
    Bernd Willimek

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